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5047.090

Oberlokführer

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1

Donnerstag, 9. März 2017, 08:32

19 Waggons aus dem Bhf. Vöslau entlaufen!

Nachdem hier noch nichts steht - die Südbahn war heute Morgen zwischen ca. 5 und 6:30 zwischen Bad Vöslau und Mödling komplett unterbrochen, danach wurde eingleisiger Betrieb zwischen Mödling und Guntramsdorf aufgenommen.
Während auf den Monitoren von einer technischen Störung die "Rede" war, wurde im Zug von einem "Unfall" als Ursache geredet. Offenbar aber hatten sich Güterwaggons (aus Bad Vöslau?) selbstständig auf den Weg Richtung Mödling gemacht.

Langsam normalisiert sich die Situation wieder, einige Züge sind komplett ausgefallen, andere bis 90min verspätet.
Gegen 7:15, stand etwa auf Höhe des Herold-Gebäudes bei Mödling eine 2016 - vermutlich mit den entlaufenen Waggons.

Hilfsheizer

Oberlokführer

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2

Donnerstag, 9. März 2017, 10:28

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt in Bad Vöslau Güterwagen gesehen habe.

5047.090

Oberlokführer

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3

Donnerstag, 9. März 2017, 10:55

100%ig sicher bin ich mir nicht, aber ich glaub, die standen dort schon seit Anfang der Woche.

Heute war aus diesem Grunde R7404 voll- bis überbesetzt, da ab Felixdorf zahlreiche Pendler den Umweg über Traiskirchen genommen hatten.
Und würde man morgens nicht den Umweg über Oberlaa und Meidling fahren, hätten diese Wien Hbf nur geringfügig später erreicht.

KFNB X

Direktor

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4

Donnerstag, 9. März 2017, 11:42

In den letzten Tagen sollen einige Wagen in Bad Vöslau gestanden sein, was das Entrollen noch fragwürdiger macht. Entweder man hat sie "angeschubst" a la Wien Hütteldorf oder jemand hat die Bremsen gezielt gelöst.

Ansonsten kann man es jetzt kaum noch bestreiten: Es häufen sich die Vorfälle.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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5

Donnerstag, 9. März 2017, 16:20

Zitat

Offenbar aber hatten sich Güterwaggons (aus Bad Vöslau?) selbstständig*) auf den Weg Richtung Mödling gemacht.

Das ist korrekt. Hier der entsprechende KURIER-Bericht:

19 Güterwaggons rollten als Geisterzug auf Südbahn

Bereits der dritte derartige Vorfall seit Oktober - Südbahn über eine Stunde gesperrt.

09.03.2017, 14:13, Dominik Schreiber und Gilbert Weisbier

Bereits zum dritten Mal innerhalb von nur viereinhalb Monaten fuhr ein Geisterzug auf österreichischen Schienen. Aus bisher ungeklärter Ursache löste sich am Donnerstag in der Früh um 5.15 Uhr ein Güterzug mit 19 Waggons am Bahnhof Bad Vöslau und rollte selbstständig über zehn Kilometer. Zwischen Guntramsdorf und Mödling kam er dann selbstständig zum Stehen. Verletzt wurde dieses Mal niemand.

Die Südbahn musste über eine Stunde gesperrt werden, mehrere Züge - darunter auch Railjets - hatten daraufhin Verspätungen bis zu zwei Stunden. Glücklicherweise traf keiner der Züge auf die rollenden Geisterwaggons, die laut Zeugen eine relativ hohe Geschwindigkeit erreichten.

Zwei ähnliche Vorfälle im Vorjahr

Die ÖBB untersuchen derzeit die Hintergründe zu dem Vorfall. Nachdem es im November erst acht Verletzte gegeben hatte, weil sich ein Geisterzug im Bahnhof Hütteldorf gelöst hatte, wurde eigentlich das ganze Personal im Umgang mit Bremsen und Hemmschuhen noch einmal extra geschult. Auf offener Strecke waren im November die herrenlosen Waggons gegen eine vermutlich stehende Schnellbahngarnitur gekracht.

Auch im Oktober gab es einen sehr ähnlichen Vorfall, der in Wieselburg mehrere zum Teil schwer Verletzte Zugpassagiere gefordert hat. In beiden Fällen sind die Untersuchungen nach der genauen Ursache noch nicht abgeschlossen.


*) Das glaube ich nicht. Nachdem sind schon seit Anfang der Woche (lt. 5047.090) dort gestanden sind, muss jemand nachgeholfen haben.

5047.090

Oberlokführer

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6

Freitag, 10. März 2017, 08:36

Nachdem sind schon seit Anfang der Woche (lt. 5047.090) dort gestanden sind, muss jemand nachgeholfen haben.

Ist, glaub ich, im heutigen Kurier so "bestätigt" worden - aber die schreiben dort auch nur vom Bahnforum ab und daher stehn teilweise auch Halbwahrheiten drin stehn.

Nur kommt mir die Zahl von 19 Waggons etwas hoch vor... Beim Vorbeifahren daran gestern früh nach der Streckensperre erschien mir das weit weniger und auch damals, als sie mir in Vöslau aufgefallen sind. Allerdings hab ich damals nicht genau drauf geachtet, sondern diese nur wahrgenommen, weil normalerweise in Vöslau keine Güterwaggons abgestellt sind.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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7

Freitag, 10. März 2017, 13:02

Zitat

weil normalerweise in Vöslau keine Güterwaggons abgestellt sind.

Es kann ja sein, dass es sich um einen, aus welchen Gründen auch immer, abgespannten Güterzug handelte. Dann sind auch in Bad Vöslau 19 abgestellte Waggons nichts Ungewöhnliches. Im heutigen Print-KURIER wird, (neben einem Foto vom Unfall in Wieselburg im vergangenen Oktober - sehr passend) unter Bezugnahme auf das Parallelforum darüber berichtet, dass nach sofortiger Alarmierung durch einen Bahnmitarbeiter eine Lok "den Waggons hinterherjagte",*) diese aber nicht einholen konnte.
Daraus lässt sich die Annahme ableiten, dass man dabei war, die Waggons abzuholen und deshalb vielleicht die Bremsklötze schon entfernt waren. Auch die Anwesenheit einer Lok lässt den Schluss zu.

Der User westbahn hat mir dankenswerterweise, Informationen über den Bhf. Vöslau, u. a. einen Gleisplan zukommen lassen, aus dem hervorgeht, dass die Nebengleise in Richtung Wien mit Schutzweichen und Prellböcken gegen das Entrollen gesichert sind (siehe unten). Es müsste sich schon um eine Riesenschlamperei handeln, wären die Waggons einfach ohne weiteres Zutun auf die freie Strecke gerollt.





*) Angesichts der Häufung solcher Ereignisse keimt in mir schön langsam der Verdacht, dass jemand den Film Unstoppable realiter auf österreichissch nachstellen möchte. :D

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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8

Freitag, 10. März 2017, 13:11

Zitat

Daraus lässt sich die Annahme ableiten, dass man dabei war, die Waggons abzuholen und deshalb vielleicht die Bremsklötze schon entfernt waren. Auch die Anwesenheit einer Lok lässt den Schluss zu.

Der User westbahn hat mir zu meiner obigen These folgende Antwort geschickt:

Zitat

Es war kein Verschub in Bad Vöslau, der Zug hätte nicht weiterfahren sollen und es war auch keine 2016 aus anderen Gründen dort. Die 2016 kam von Felixdorf nach. Bemerkt hat das Entrollen der Fahrdienstleiter in der BFZ an der Rotausleuchtung zur Unzeit. Da der 23236 gerade am Bahnsteig stand, konnte das Entrollen auch vom Triebfahrzeugführer dieses Zuges bestätigt werden.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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9

Freitag, 10. März 2017, 17:24

Seitens der ÖBB hat man auf den gestrigen Vorfall bereits reagiert:





Dank an westbahn für die Information.

5047.090

Oberlokführer

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10

Freitag, 10. März 2017, 18:50

Es war kein Verschub in Bad Vöslau, der Zug hätte nicht weiterfahren sollen und es war auch keine 2016 aus anderen Gründen dort. Die 2016 kam von Felixdorf nach.


Das erscheint durchaus plausibel, zumal in Vöslau ja kein Verschub per 2016 notwendig gewesen wäre. In Felixdorf jedoch sehr wohl, da die Anschlussbahn zur MABA via Aspangbahn ja nicht elektrifiziert ist.

Bzgl Schutzweiche: Hier muss es dann wohl um die Weiche 9 gehen. Dass die NICHT Richtung Prellbock gestellt ist, wäre ja auch leicht erklärbar, zumal um die Zeit ja recht viele Züge Richtung Wien fahren - so eben 23236, 2202 und 22242 - da aber durchaus auch der eine oder andre durch fährt, könnte Weiche 8 eventuell auch aufgeschnitten worden sein?
Aber dass das eben alles just um die Zeit passiert - einfach so?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »5047.090« (10. März 2017, 19:05)


dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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11

Samstag, 11. März 2017, 12:51

"Geisterzug": Die Polizei will nicht ermitteln*)

Gleich vier Bremsen lösten sich, Zug rollte fast 30 Minuten. ÖBB ziehen erste Konsequenzen.

11.03.2017, 06:00, Patrick Wammerl, Dominik Schreiber

Ein über 1000 Tonnen schwerer, voll beladener Güterzug rollt herrenlos fast eine halbe Stunde von Bad Vöslau bis nach Mödling – und legt die Südbahnstrecke zwei Stunden lang lahm. Hier verkehren internationale Züge wie Railjets, eine Schnellbahn war am Nebengleis unterwegs als der herrenlose Zug vorbeirollte. Die 19 Waggons waren mit gleich vier Handbremsen gesichert, die sich offenbar alle gelöst hatten. Natürlich ist ein Sabotageverdacht nicht von der Hand zu weisen und wurde zunächst auch von den ÖBB nicht ausgeschlossen.

Dennoch wird der brisante Vorfall bisher ausschließlich durch von den ÖBB bezahlte Mitarbeiter untersucht. Weder die erst am Nachmittag kontaktierte Polizei noch die Staatsanwaltschaft zeigen derzeit ein Interesse daran, die genaueren Hintergründe zu untersuchen: "Wir sind in Kenntnis darüber, was passiert ist. Aber derzeit gibt es noch keine konkreten Hinweise auf ein mögliches Fremdverschulden. Sobald es von Seiten der ÖBB einen anderen Verdacht gibt, wird es eine Anzeige geben", erklärt ein zuständiger Beamter.

"Keine konkrete Gemeingefährdung"

Damit die Staatsanwaltschaft von sich aus Ermittlungen starten kann, braucht es den Anfangsverdacht einer Straftat, erklärt der Sprecher der Staatanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl. Führerlos dahin rollende Eisenbahnwaggons erfüllen nicht von vorne herein den Tatbestand der "Gefährdung der körperlichen Sicherheit", sagt Habitzl: "Wenn der Vorfall rechtzeitig erkannt und Maßnahmen gesetzt wurden, damit niemand zu Schaden kommt, dann liegt keine konkrete Gefährdung vor. Sollte die Unfallkommission der ÖBB ein anderes Ergebnis zu Tage bringen, werde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Als erstes prüfte die interne ÖBB-Konzernsicherheit den Vorfall. So wurden auf eigene Faust Videos gesichtet – dabei soll aber nichts auffälliges entdeckt worden sein, erklärt Bahnsprecher Roman Hahslinger. Der Güterzug wurde in eine Halle geschleppt, anschließend wurde die Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums eingeschaltet. Doch: Deren Chef bezieht sein Gehalt von den ÖBB, genauso wie zwei seiner Mitarbeiter, die diese Fälle untersuchen. Bleibt die Frage offen, ob ein mögliches Verschulden der ÖBB hier überhaupt zu Tage treten würde.

Neos fordern Konsequenzen

"Das Wort Interessenskonflikt scheint man in Österreich nicht zu kennnen", kritisiert Neos-Abgeordneter Rainer Hable. Er hat die aufklärungswürdigen Zustände (sowohl bei Schienen- als auch bei Flugunfällen) bereits mehrfach angeprangert und dazu serienweise Anfragen ins Parlament gebracht. Doch Folgen hatte das bisher nicht, die Unfalluntersuchungen geschehen weiterhin so wie bisher, obwohl auch ÖVP und Grüne heftige Kritik daran üben.

Die ÖBB haben jedenfalls noch am Donnerstag die Order ausgegeben, dass künftig jeder stehende Zug mit Hemmschuhen (Keilen) gesichert werden muss. Einen Zusammenhang mit zwei ähnlichen Vorfällen in Wieselburg und Wien schließt man aus – bei diesen beiden Unfällen gab es zuvor Verschubarbeiten. Der aktuelle Zug stand hingegen vier Tage unberührt auf einem so genannten "Ladegleis", einer Art Parkplatz für Züge.

ÖBB: "Keine Erklärung"

Aufgefallen ist das "Entrollen" des Zuges – so der Fachausdruck – laut Hahslinger gleichzeitig in der Betriebsführung am Wiener Hauptbahnhof sowie einem S-Bahn-Fahrer, der am Gegengleis unterwegs war, und per Handy die Leitstelle informierte. Die ÖBB haben derzeit "keine Erklärung", wie es zu dem Vorfall gekommen ist. Um die Bremsen zu lösen sei jedenfalls "Fachwissen" notwendig, wird betont. Was Donnerstag in der Früh genau auf Gleis sieben des Bahnhof Bad Vöslau passiert ist, bleibt vorerst ein Rätsel.


*) Die Polizei ermittelt dann, wenn sie von der Staatsanwaltschaft dazu ermächtigt wird. Außerdem ist das Herumreiten auf der Tatsache, dass die Untersuchung durch die VERSA von einem karenzierten ÖBBler geleitet wird, etwas eigenartig. Die Optik ist sicher nicht die beste, aber die ÖBB haben ja selbst mit Sicherheit größtes Interesse daran, dass die Ursache für das Entrollen gefunden wird, um allfällige Maßnahmen (über die bereits gesetzten hinaus) treffen zu können, falls dies erforderlich ist.

KURIER

Übrigens, laut einer PM von westbahn wird das Hinterstellen von Wagengruppen oder Güterzügen in Bad Vöslau in Hinkunft nicht mehr möglich sein. Bad Vöslau ist unbesetzt (der Fdl befindet sich in der BFZ Wien) und in unbesetzten Bahnhöfen gibt es keine Hemmschuhe.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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12

Dienstag, 14. März 2017, 12:28

Der User westbahn hat mir in dieser Causa untenstehende PM zukommen lassen:

Zitat

Bad Vöslau, Bremssohlen, DB AG und unklare ÖBB-Anordnung

Eine recht interessante Betrachtung zum Thema Sichern von stillstehenden Fahrzeugen findet sich in den Erläuterungen zur Aktualisierung 8 der DB-Richtlinie 915.0101 – 915.0107 – demnach haben sich die Deutschen bezüglich der Sicherung mit Handbremsen bereits in der Vergangenheit eingehend beschäftigt und ihre Gedanken gemacht und neue Erkenntnisse in das Regelwerk einfließen lassen :

Richtlinie 915.0101-915.0107 "Bremsen im Betrieb bedienen und prüfen"/ VDV-Schrift 757 Teil B "Bremsen im Betrieb bedienen und prüfen – Bremsvorschrift"; Aktualisierung 8, gültig ab 11.12.2016

915.0107 Bremsbedienung - Abschnitt 8 Absatz 4 (Fahrzeuge/Züge/Zugteile gegen unbeabsichtigte Bewegung sichern)

Nach Beratung im Ausschuss für Eisenbahnbetrieb des VDV (AEB), fachlicher Beratung im Bremsausschuss und in enger Zusammenarbeit mit der DB Schenker Rail werden die Regeln modifiziert.

Hintergründe: Durch das Umrüsten der Bremsen und Beschaffung von Fahrzeugen mit Verbundstoff-Bremsklotzsohlen VBKS (K, L, LL), welche im niedrigen Geschwindigkeitsbereich (< 50 km/h und vor allem im Stillstand) geringere Reibwerte aufweisen, müssen neue Regelungen zum Sichern von Zügen und Zugteilen sowie von Fahrzeugen getroffen werden. In den aktuellen Regeln der VDV-Schrift 757 Teil B / Ril 91501 sind die geringeren Reibwerte der VBKS nicht berücksichtigt. Des Weiteren steigt der Fahrzeugbestand mit Fahrzeugen, die mit VBKS ausgerüstet werden, weiter an. Zurzeit sind es deutschlandweit bereits über 10.000 Fahrzeuge.

Übersicht der Reibwerte:
Bremsausrüstung Reibwert bei 50 km/h Reibwert im Stillstand
GG- Sohlen(Grauguss) 0,19 0,35
K-Sohlen 0,20 0,20
LL-Sohlen 0,19 0,20

Diese geänderten Voraussetzungen erfordern eine Anpassung der Regeln zum Sichern von Zügen und Fahrzeugen.

Handbremsen müssen zum Sichern eine erforderliche Festhaltekraft (FHK) von mindestens 16 kN "erzeugen". Die FHK ist abhängig von der Handbremsleistung und bei einem Handbremsgewicht ≥ 16 t /16 kN ausreichend groß, um ein Entlaufen zu verhindern. Fahrzeuge mit einem angeschriebenen Handbremsgewicht größer 16 t / 16 kN können immer zum Sichern verwendet bzw. angerechnet werden, außer die Fahrzeuge besitzen einen zweistufigen Lastwechsel (LW), der sich in der Stellung "leer" befindet.

Folgende Regeln werden neu in Kraft gesetzt:

1. Bei einem zweistufigen LW muss "beladen" eingestellt werden, so dass das angeschriebene Handbremsgewicht genutzt werden kann.
2. Wagen mit VBKS müssen mindestens ein Handbremsgewicht ≥ 16 t / 16 kN besitzen, um als Feststellbremse angerechnet werden zu dürfen.
3. Wagen mit Scheibenbremsen müssen mindestens ein Handbremsgewicht ≥ 16 t / 16 kN besitzen, um als Feststellbremse angerechnet werden zu dürfen.

Bei allen Fahrzeugen die 1. 2. oder 3. nicht erfüllen, dürfen die Feststellbremsen nur dann angerechnet werden, wenn für diese Fahrzeuge die doppelte Anzahl an Feststellbremsen angezogen wird.

Diese Regelungen sind nicht notwendig, wenn die Handbremse bei wirkender Druckluft (Vollbremsstellung bzw. HL-Druck 3,5 bar) angezogen wird. Denn das Anziehen von Feststellbremsen bei wirkender selbsttätiger Bremse (Vollbremsstellung) erhöht wesentlich die Anpresskraft der Bremssohlen/Bremsbeläge. Hier ist etwa von einer Verdopplung der Anpresskraft auszugehen.

Das Lösen der Feststellbremsen ohne Druckluftunterstützung, nachdem sie mit maximaler Anpresskraft (Luft + Handbremse) angezogen wurden, wird bei Neuzulassungen von Fahrzeugen geprüft. Somit ist nicht davon auszugehen, dass sich grundsätzlich Feststellbremsen bei dieser Art der Sicherung nicht mehr lösen lassen. Steht keine Druckluft zur Vorspannung des Bremsgestänges zur Verfügung, müssen zusätzliche Handbremsen betätigt werden, um in jedem Fall eine ausreichende Sicherheit zu gewährleisten.

Bei zweistufigen Lastwechseln, bei denen in der Stellung "leer" die Feststellbremse ohne Druckluft angezogen werden muss, ist die Kraft bei Feststellbremsen nicht mehr ausreichend, um den Zug gegen ein Entlaufen zu sichern. In der Stellung "leer" reicht die Hebelkraft nicht mehr aus, um ausreichend FHK an den Bremsklotz zu übertragen. Aus diesem Grund ist ohne wirkende selbsttätige Bremse der Lastwechsel in die Stellung "beladen" zu stellen. Ist ein Umstellen nicht möglich sind zusätzliche Feststellbremsen erforderlich. Die FHK kann vereinfacht über das Handbremsgewicht ermittelt werden.

Dabei gilt für VBKS: 1 t = 1 kN. Mit Einführung der Regelungen brauchen die Mitarbeiter im Eisenbahnbetrieb keine weiteren Berechnungen beim Sichern durchzuführen.

Feststellbremsen sind grundsätzlich so konstruiert, dass diese das Fahrzeug in jedem Ladungszustand bis zu einer Neigung von 40‰ ausreichend gegen Entlaufen sichern. Durch den Umbau auf VBKS und der damit zusammenhängenden Verringerung an Bremskraft im Stand kann es sein, dass die Feststellbremse eben nicht mehr genügend Kraft entwickelt, um in jedem Fall das Fahrzeug festzuhalten. Wenn dies der Fall ist, erhalten die Fahrzeuge ein zusätzliches Piktogramm.

In den nächsten Jahren wird es zum Thema "Sichern von Zügen und Fahrzeugen" weitere Anpassungen geben. Richtungsweisend hierfür sind ausstehende Entscheidungen des europäischen Verbandes UIC sowie nationaler Gremien. Diese Sachverhalte werden dann auch in die VDV-Schrift 757 Teil B / Ril. 91501 aufgenommen werden.


Nicht ganz schlüssig hingegen die ÖBB-Anordnung:
...
(4) In unbesetzten, nicht fernbedienten Betriebsstellen sowie in Bahnhöfen während der Dienstruhe muss auf Gleisen ohne Schutzweichen bzw. Sperrschuhe bei abgestellten Fahrzeugen (ausgenommen Lokomotiven, Triebwagen/ Triebzügen bzw. Wendezüge) jedenfalls an den äußersten Fahrzeugen nach außen mit sperrbaren Hemmschuhen gesichert werden.

(5) In fernbedienten und besetzten Betriebsstellen ist ggf. eine verpflichtende Verwendung des sperrbaren Hemmschuhs in der Bsb (z.B. Gefälle, Windanfälligkeit … ) geregelt. Diesfalls ist bei abgestellten Fahrzeugen (ausgenommen Tfz, Triebzüge bzw. Wendezüge) jedenfalls am äußersten Fahrzeug ein sperrbarer Hemmschuh in Richtung Gefälle zu verwenden (siehe jedoch (6)).


Die Anzahl der Sicherungsmittel in Richtung Gefälle und Steigung ist ja abhängig vom maßgeblichen Gefälle und der Länge einer Wagengruppe, dies war auch bisher schon so der Fall. Warum wird im Absatz (4) bezüglich sperrbarer Hemmschuhe in der Mehrzahl und im Absatz (5) in der Einzahl gesprochen?

Fall 1: Betriebsstelle unbesetzt – nicht fernbedient - keine Schutzweichen und Sperrschuhe
- Je ein sperrbarer Hemmschuh an den äußersten Fahrzeugen
- Die restliche erforderliche Sicherung durch einfache Hemmschuhe

Fall 2: Betriebsstelle besetzt – fernbedient – falls in BSB geregelt
- Ein sperrbarer Hemmschuh am äußersten Fahrzeug Richtung Gefälle
- Die restliche erforderliche Sicherung durch einfache Hemmschuhe

w2101s

Lehrling

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Beiträge: 1

13

Dienstag, 14. März 2017, 14:45

Seitens der ÖBB hat man auf den gestrigen Vorfall bereits reagiert:





Dank an westbahn für die Information.
Gruß an User westbahn: Ich glaube nicht, daß es zulässig ist, betriebsinterne Dienstaufträge zu veröffentlichen!! :!:[list][/list][list][/list] [list][/list][list][/list]

KFNB X

Direktor

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14

Mittwoch, 15. März 2017, 08:42

Zitat

Durch das Umrüsten der Bremsen und Beschaffung von Fahrzeugen mit Verbundstoff-Bremsklotzsohlen VBKS (K, L, LL), welche im niedrigen Geschwindigkeitsbereich (< 50 km/h und vor allem im Stillstand) geringere Reibwerte aufweisen, müssen neue Regelungen zum Sichern von Zügen und Zugteilen sowie von Fahrzeugen getroffen werden.

Wobei gerade bei neu gebauten Wagen mit angeschriebener Handbremskraft und K-Sohlen gigantische Werte herauskommen. Da wird meist das theoretisch mögliche angeschrieben (Eigengewicht * 0,3 * 9,81 = Handbremskraft), ob sie das tatsächlich bringen, bezweifle ich.

Wenn ich Zeit habe, schreibe ich vielleicht mehr zu den Kunststoff-Sohlen, es gibt noch andere Bereiche wo sie massive Probleme machen.

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15

Samstag, 18. März 2017, 17:26

Ursache des Vorfalles


KFNB X

Direktor

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16

Sonntag, 19. März 2017, 14:36

Welcher Teil der Handbremsen könnte bei einer minderen Stahlqualität nach Tagen ein Lösen verursachen? Oder war es an dem Tag besonders windig?

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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17

Sonntag, 19. März 2017, 16:57

Welcher Teil der Handbremsen könnte bei einer minderen Stahlqualität nach Tagen ein Lösen verursachen? Oder war es an dem Tag besonders windig?

Zitat aus dem Krone-Bericht:

Zitat

Wie "Krone"- Recherchen ergaben, hatten sich gleich alle vier Handbremsen des 19 Waggons umfassenden Zuges gelöst. Ursache: Schlechte Stahlqualität der in Tschechien gefertigten Bremsen!

Ich halte diese "Krone"-Recherche auch zumindest für fraglich und bestenfalls für eine Vermutung. Ohne ausführliche Materialtests lässt sich die Krone-Theorie nicht erhärten und ich glaube nicht, dass die Tests schon abgeschlossen sind.
Das bestätigt auch der ORF NÖ-Bericht:

Zitat

Worauf das Nachlassen der Bremswirkung zurückzuführen ist, sei allerdings noch nicht geklärt. Das endgültige Ergebnis der technischen Überprüfung stehe noch aus, so der ÖBB-Sprecher.