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dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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1

Montag, 20. März 2017, 23:45

[Der Standard] EU-Verkehrsausschuss-Vorsitzender wettert gegen Bahn-Großprojekte.....

......und will Kleinprojekte auf Schiene bringen.

Untenstehender Ungeboeck-Artikel in Schwurbelsprache lässt mich etwas ratlos zurück. Was will sie oder was will der Verkehrsausschuss-Vorsitzende uns vermitteln?

Politik will Lücken im Schienennetz aus Sowjetzeit schließen

20. März 2017, 18:02

EU-Parlamentarier mahnt zur Abkehr von Großprojekten

Wien – Obwohl Österreich die Bahn wie wild ausbaut: Drei Lückenschlüsse fehlen im Bahnsystem Österreichs zu den Nachbarländern Ungarn, Slowakei und Tschechien: Rechnitz–Szombathely, Wolfsthal–Bratislava–Petrzalka und Slavonice–Waldkirchen an der Thaya. "Die Mitgliedsstaaten bringen Geld für irrsinnige Großprojekte wie den Brennerbasistunnel auf", sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Europäischen Parlament (EUP), Michael Cramer. "Aber vergleichsweise kleine Lücken sind 27 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch immer nicht geschlossen." Dabei sei keine davon länger als zehn Kilometer.

Die Liste lässt sich beliebig verlängern: Zwischen Mõisaküla in Estland und dem lettischen Ipiki fehlen zehn Kilometer Bahngleise, sie wurden, wie jene der ehemaligen Pressburger Bahn östlich von Wolfsthal in Niederösterreich, für den Eisernen Vorhang demontiert – wie auch die Brücke über den Rhein von Vogelsheim in Frankfurt nach Breisach nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut wurde.

Um "das Zusammenwachsen Europas auf der Schiene" auf Schiene zu bringen, haben Regionen- und Verkehrsausschuss des EUP 15 Lückenprojekte zur Revitalisierung identifiziert und dafür bei der EU-Kommission 110 Millionen Euro angeleiert. Nun liegen 18 Projekte um rund 600 Millionen Euro vor, und die EU-Kommission wird auswählen, welche bedacht werden. "Wir müssen uns auf sinnvolle und leistbare Projekte konzentrieren", sagt Grünen-Mandatar Cramer, nicht auf Megaprojekte wie den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Lyon–Turin, die laut Bericht des französischen Rechnungshofs am Ende 26 Milliarden Euro kosten werde statt zwölf.

Sinnlos verschwendetes Steuergeld

"26 Milliarden für täglich fünf TGV-Schnellzüge statt drei, das ist sinnlos verschwendetes Steuergeld", wettert Cramer unter Verweis auf Milliardeninvestments in Semmering- und Koralmtunnel. "Operativ geht die Baltisch-Adriatische Bahnachse über Bratislava und Szombately längst an Österreich vorbei", warnt Cramer.

Um die Klimaziele von Paris einzuhalten, müsse vor allem beim Verkehr etwas geschehen. Denn seit 1990 seien die Emissionen gestiegen, während sie bei Haushalten und Industrie rückläufig waren. Es müsse um Elektrifizierung gehen. "Aber das einzig vollelektrische Fahrzeug, die Bahn, wird gegenüber dem Lkw auf der Straße benachteiligt", sagt Cramer. Sie muss für jeden Schienenkilometer hundert Prozent Schienenmaut zahlen, Lkws aber nur für ein Prozent des Straßennetzes, weil jedes Mitgliedsland frei entscheiden könne, wo Maut anfällt.

"Wenn das so weitergeht, hat die umweltfreundliche Eisenbahn keine Chance." Fluglinien hätten es noch besser, sie "bekommen jedes Jahr 30 Milliarden Euro an Kerosin- und Mehrwertsteuer geschenkt". Der Ausbau der Zuläufe zu großen Tunnels stocke, aber E-Autos würden gefördert. (ung, 21.3.2017)


Der Standard

Da hat die Ungeboeck offenbar in einen APA-Bericht mit internationalen Beispielen ihre eigenen Österreich-Befindlichkeiten einfließen lassen, allerdings nicht immer mit glücklicher Hand bzw. Feder. Zwischen Waidhofen/Thaya und Waldkirchen fährt man mittlerweile dank Pröll'schem Geldsegen und Wortbruch gegenüber den Tschechen mit dem Drahtesel, Wolfsthal - Engerau ist längst gegessen und Rechnitz - Szombathely wäre ein Kandidat für leere Züge.

KFNB X

Direktor

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2

Dienstag, 21. März 2017, 09:50

Wenn es wegen Koralm und SBT wieder Direktzüge (TGV) nach Frankreich gibt, würde ich das sehr begrüßen. :D

Ansonsten durchaus vernünftig, was da vom Ausschussvorsitzenden kommt. Bei den genannten drei wird es sich bei Waidhofen und Rechnitz wohl nicht um sinnvoll und leistbare handeln. Bei Wolfsthal sehe ich durchaus Bedarf endlich zumindest ein Projekt zu starten und die Räume freizuhalten. Wolfsthal, Hainburg, Bad Deutsch-Altenburg, etc. sind zu "Vorstädten" von Bratislava geworden, da besteht durchaus Bedarf (hier schiele ich nicht nur auf die Reaktivierung der Vollbahn sondern vielleicht einer LightRail oder ähnlichem).

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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3

Dienstag, 21. März 2017, 11:36

Zitat

Bei Wolfsthal sehe ich durchaus Bedarf endlich zumindest ein Projekt zu starten und die Räume freizuhalten. Wolfsthal, Hainburg, Bad Deutsch-Altenburg, etc. sind zu "Vorstädten" von Bratislava geworden,........

Okay, da müsste man aber bald damit anfangen. Im Betriebsgebiet knapp vor der Grenze hat man die Trasse bereits an die dort angesiedelten Betriebe verscherbelt. Wenn man nicht bald handelt, ist der Zug endgültig abgefahren.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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4

Dienstag, 21. März 2017, 13:23

Noch ein Schmankerl aus der Ungerboeck-Feder:

Zitat

....wie auch die Brücke über den Rhein von Vogelsheim in Frankfurt nach Breisach....

Volgelsheim liegt im Elsass. Es soll daher Frankreich heißen. Mit der Recherche scheint sie ein wenig auf Kriegsfuß zu stehen.

Übrigens, im Zuge meiner Recherchen über Volgelsheim bin ich auf diese Touristenbahn gestoßen.

grubenhunt

Inspektor

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5

Dienstag, 21. März 2017, 19:39

das mit den 5 statt 3 TGVs um 26Mrd trifft übrigens genau auf den Mont Cenis (Lyon-Turin) zu.

grubenhunt

Inspektor

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6

Dienstag, 21. März 2017, 19:42

Zwischen Mõisaküla in Estland und dem lettischen Ipiki fehlen zehn Kilometer Bahngleise, sie wurden, wie jene der ehemaligen Pressburger Bahn östlich von Wolfsthal in Niederösterreich, für den Eisernen Vorhang demontiert


Das ist auch eine spannende Geschichte. Ich wusste bis heute nicht, dass der eiserne Vorhang quer durch die Sowjetunion verlaufen ist.

Schienenradler

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7

Gestern, 08:04

Zitat

Bei den genannten drei wird es sich bei Waidhofen und Rechnitz wohl nicht um sinnvoll und leistbare handeln. Bei Wolfsthal sehe ich durchaus Bedarf endlich zumindest ein Projekt zu starten und die Räume freizuhalten. Wolfsthal, Hainburg, Bad Deutsch-Altenburg, etc. sind zu "Vorstädten" von Bratislava geworden, da besteht durchaus Bedarf (hier schiele ich nicht nur auf die Reaktivierung der Vollbahn sondern vielleicht einer LightRail oder ähnlichem).


Wenn man schon träumen darf, dann würde ich auch den Lückenschluss zwischen Laa/Thaya und Hevlin einbringen wollen. Die CD-Triebwagen könnten dann gleich bis Laa Stadt weiterfahren.

Wenig Aufwand wäre auch eine Verbindung der Bahn zwischen Angern und Zahorska Ves, wobei schon viel gewonnen wäre, wenn man sie auf slowakischer Seite bis zur Marchfähre verlängern würde, was problemlos möglich wäre, da liegen tlw. sogar noch Gleise und es ist Platz genug.

Aber vor allem würde man sich dann halt auch günstigere grenzüberschreitende Tarife wünschen, damit diese Strecken dann auch benutzt werden...!

KFNB X

Direktor

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8

Gestern, 18:59

Zwischen Mõisaküla in Estland und dem lettischen Ipiki fehlen zehn Kilometer Bahngleise, sie wurden, wie jene der ehemaligen Pressburger Bahn östlich von Wolfsthal in Niederösterreich, für den Eisernen Vorhang demontiert


Das ist auch eine spannende Geschichte. Ich wusste bis heute nicht, dass der eiserne Vorhang quer durch die Sowjetunion verlaufen ist.


Ursprünglich in 750mm gebaut, 1975 eingestellt und 1992 als Breitspur wiedereröffnet. Bereits 1996 wurde der Personenverkehr eingestellt, 2000 bzw. 2001 dann der Güterverkehr. Die Strecke vom Hafen Pärnu wurde angeblich 2008 abgebaut, zumindest auf den EKs sieht es so aus. Beim Rest ist es schwer am Luftbild zu erkennen, ob dies ein Gleise oder ein leicht ausgefahrener Feldweg sind. Auch in Lettland sieht es nicht besser aus. Keine Ahnung von welchen 10 km da der Verkehrsausschuss spricht.

Bilder aus der Schmalspurzeit: http://gallery.balticrailpics.net/thumbnails.php?album=36


15 Vorschläge von Michael Cramer: http://www.michael-cramer.eu/fileadmin/d…at_2015_www.pdf