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grubenhunt

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541

Samstag, 14. März 2015, 22:52

sowie zwischen Clermont Ferrand und Arvant (70 km) besteht Doppelspur



Auch zu erwähnen ist, dass sie die kilometermässig kürzeste Verbindung zwischen Paris und dem Mittelmeer ist. Was den traurigen Zustand anbelangt, habe ich ähnliches in Erinnerung, allerdings ist mir auch vage in Erinnerung, dass es soetwas wie einen Rahmenplan für die Sanierung (schon aus Sarkozy-Zeiten) gibt.

Diese vage erinnerung hat mir auch ein Wikipediaartikel bestätigt.

dr. bahnsinn

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542

Samstag, 14. März 2015, 23:53

Zitat

..... und Arvant

Danke für den Hinweis. Schon ausgebessert.

Übrigens, gerade im Internet gefunden. Eine Führerstandsmitfahrt an Bord der BB 67400 vor einem Cévenol auf der Cevennenbahn zwischen Langeac und Alès.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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543

Sonntag, 15. März 2015, 00:25

Hier noch eine interessante Führerstandsmitfahrt durch die Allier-Schlucht zwischen Langogne und Langeac.

dr. bahnsinn

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544

Samstag, 21. März 2015, 12:40

Fortsetzung Nr. 307 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 105 Jahren:

21. 03. 1910:
[Spring Creek Township, Bundesstaat Iowa] Ein Zug entgleist südwestlich des gleichnamigen Ortes in Tama County zwischen den Bahnhöfen von Green Mountain, und Gladbrook.

Ausgangslage:

Am frühen Morgen des Unfalltages hat es einen anderen Eisenbahnunfall in Shellsburg, Iowa, gegeben, der die Strecke der Chicago, Rock Island and Pacific Railroad blockiert und Umleitungen zwischen Cedar Rapids und Waterloo, Iowa, über eine Strecke der Chicago Great Western Railroad über Marshalltown erforderlich macht. Um Trassen zu sparen, werden für diese Umleitung die Züge Nr. 21 von St. Louis nach Twin Cities und Nr. 19 von Chicago nach Twin Cities zu einem einzigen Zug vereinigt. Dieser Zug besteht aus zehn Reisezugwagen, zwei älteren Holzwagen und moderneren Wagen in Stahlbauweise, unter anderem einem Pullmanwagen. Die beiden Lokomotiven befördern den Zug in Sandwichbespannung, Lok – Wagen – Lok, wobei beide Lokomotiven mit dem Schlepptender voraus fahren.

Unfallhergang:

Bei Spring Creek Township entgleist die führende Lokomotive und rammt sich dabei in eine Lehm-Böschung. Sie kommt dadurch sehr plötzlich zum Stillstand, wobei die hintere Lokomotive und die Stahl-Wagen die hölzernen Wagen zwischen sich und der vorderen Lokomotive zertrümmern. Die beiden hölzernen Wagen sind ein Raucherwagen und ein Frauen vorbehaltener Wagen, in dem auch viele Kinder mitreisen. Die Opfer sterben alle in diesen beiden Fahrzeugen, während es in den stählernen Wagen keine Toten gibt.

Folgen:

Ein Hilfszug trifft erst zwei Stunden nach dem Unfall ein. Die Ursache für das Entgleisen der führenden Lokomotive wird nie ermittelt, deshalb auch keine Anklage erhoben. Nicht einmal eine Fahrlässigkeit kann festgestellt werden.

Opferbilanz: 52, nach anderer Quelle 55 Tote.


Aufräumarbeiten nach dem Unfall. Unten ein zerstörter Waggon mit Holzkasten, darüber
ein Waggon mit Stahlkasten: Foto: Wikipedia/gemeinfrei

Vor 70 Jahren:

22. 03. 1945:
[Jungshahi, Indien] Ein Güterzug fährt auf einen stehenden, in der Relation Karatschi - Rohri verkehrenden Reisezug auf.
Opferbilanz: 24 Tote, 43 Verletzte.

Vor 20 Jahren:

20. 03. 1995:
[Tokio, Japan] Kein Unfall, sondern ein Säureanschlag: In der U-Bahn von Tokio kostet ein Anschlag mit dem hochgiftigen Nervengas Sarin zwölf Menschen das Leben und fordert etwa 1.000 Verletzte, 37 davon schwer (5.000 melden sich in Krankenhäusern). Verantwortlich für die Tat Ōmu Shinrikyō (dt. „Om-Lehre der Wahrheit“, bei uns als "Aum-Sekte" bekannt), deren Anführer Shōkō Asahara am 16. Mai 1995 festgenommen und im Jahre 2004 zum Tode verurteilt wird.
Opferbilanz: 12 Tote, ca 1.000 Verletzte.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

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545

Samstag, 21. März 2015, 17:46

Noch zwei Nachträge zur Fortsetzung 307 mit Österreich-Bezug

Vor 120 Jahren:

21. 03. 1895:
[Prinzersdorf an der Westbahn] Infolge Wassermangels explodiert während der Verschubarbeiten der Kessel der Lok 56.68. Die Lok fährt noch ca. 60 m und stürzt dann um:

Foto: Archiv Wegenstein. Aus: BiB Nr. 13 - Unfälle und Schadensfälle, Verlag Pospischil, Wien 1980.

Vor 80 Jahren:

25. 03. 1935:
[bei Weitersfeld, NÖ.] Zwischen Weitersfeld und Oberhöflein der Strecke Retz - Drosendorf entgleist in km 19.8 der VT 62.02 und gerät in eine brenzlige Lage. Unfallursache: extrem unruhige Gleislage, welche den relativ leichten Triebwagen dermaßen ins Schwingen versetzt, sodass er schließlich entgleist:

Foto: Archiv Spurkranz. Aus: BiB Nr. 13 - Unfälle und Schadensfälle, Verlag Pospischil, Wien 1980.

KFNB X

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546

Sonntag, 22. März 2015, 14:50

BBÖ Dieseltriebwagen sind nicht meine Stärke, aber einen VT69 würde ich nicht kennen. Sieht nach einem VT62 aus. (Tippfehler, oder liegt da BiB falsch?)

dr. bahnsinn

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547

Sonntag, 22. März 2015, 16:40

BBÖ Dieseltriebwagen sind nicht meine Stärke, aber einen VT69 würde ich nicht kennen. Sieht nach einem VT62 aus. (Tippfehler, oder liegt da BiB falsch?)

Ja, es ist ein Tippfehler. Danke für den Hinweis. Richtig ist daher VT 62.02.

dr. bahnsinn

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548

Freitag, 27. März 2015, 11:10

Fortsetzung Nr. 308 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 105 Jahren:

30. 03. 1910:
[Mühlheim an der Ruhr, Deutschland] Der Lokführer des Luxuszuges D 174 "Lloyd-Express" (Hamburg - Genua) mißachtet im Bereich des Bahnhofes Mühlheim an der Ruhr ein Halt zeigendes Zwischensignal und fährt auf den Militär-Urlaubersonderzug 40 (Düsseldorf - Metz) auf, der eben im Begriff ist, nach einem Signalhalt weiterzufahren. Sieben Waggons des Urlaubersonderzuges, der Soldaten in den Osterurlaub bringen sollte, entgleisen und werden schwer beschädigt bzw. zerstört, da die hölzernen Wagenkästen dem ungebremsten Aufprall des D 174 wenig Widerstand bieten.
Die Lloydzüge brachten damals betuchte Schiffspassagiere des Norddeutschen Lloyd von Hamburg bzw. Bremen nach Genua, um ihrer Klientel bei ihren Reisen in den Mittleren und Fernen Osten die zeitaufwendige Reise mit dem Schiff um die iberische Halbinsel zu ersparen. Die Züge bestanden ausschließlich aus bestem Wagenmaterial, hatten Vorrang gegenüber allen anderen Zügen und sollten außerplanmäßig nach Möglichkeit nicht angehalten werden. Einerseits wollte man mit dieser bevorzugten Behandlung die privilegierten Fahrgäste nicht vergrämen, andererseits durfte der Zug die Abfahrt der Lloyd-Schiffe in Genua auf Grund einer Verspätung nicht verpassen. Diese Umstande sind dennoch keine Erklärung dafür, warum der Lokführer und auch der Heizer des D 174 die Haltstellung eines Signals mißachten. Beide überleben den Unfall und behaupten übereinstimmend, sämtliche Signale hätten frei gezeigt, was aber auf Grund des vorhandenen Streckenblocks auf der Strecke Düsseldorf - Köln technisch unmöglich ist.
Übrigens ist dieses Unglück für den Zeitungsboulevard, den es damals offensichtlich auch schon gibt, ein gefundenes Fressen, um die Neidgenossenschaft bedienen zu können.
Opferbilanz: 20 Tote, 41 Schwerverletzte, darunter ein Reisender und ein Speisewagenkellner des Lloydzuges.

Vor 50 Jahren:

28.03. 1965:
[Commendador, Brasilien] Bei Commendador in der Nähe von Rio de Janeiro stößt ein Reisezug mit den entgleisten Waggons eines Güterzuges zusammen, worauf zwei Waggons des Reisezuges ebenfalls entgleisen.
Opferbilanz: 21 Tote, 40 verletzte.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996
Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1991.

dr. bahnsinn

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549

Freitag, 27. März 2015, 17:31

Noch ein Nachtrag zur Fortsetzung 308 mit Österreich-Bezug

Vor 100 Jahren:

29. 03. 1915:
[Frauenberg bei Admont] Aus nicht geklärten Umständen entgleist der Schnellzug Wien - Pontafel (heute Pontebba), wobei die Lok 429.909 (später 35.204, verschrottet 1962) die Bahnböschung hinunterstürzt:

Foto: Archiv Griebl. Aus: BiB Nr. 13 - Unfälle und Schadensfälle, Verlag Pospischil, Wien 1980.

PS.: Wie man am Foto erkennen kann, gab es auch vor 100 Jahren Ende März in den österreichischen Gebirgsregionen kaum noch Schnee. :D

dr. bahnsinn

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550

Montag, 6. April 2015, 12:59

Fortsetzung Nr. 309 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 85 Jahren:

07. 04. 1930:
[Oira, Insel Kyūshū, Japan] Ein Unfall der besonderen Art: Ein in einer Kohlenmine nicht explodierter Sprengsatz bleibt unentdeckt und gelangt so auf den Tender einer Lokomotive, wo der Blindgänger während der Fahrt in der Nähe von Oira explodiert. Dabei werden die Lok und mehrere Waggons völlig zerstört und ein an die Bahnstrecke angrenzendes Waldstück in Brand gesetzt.
Opferbilanz: 17 Tote, 2 Schwerverletzte.

Vor 65 Jahren:

06. 04. 1950:
[Tanguá, Brasilien] Der Zug der Eisenbahngesellschaft Estrada de Ferro Leopoldina ist von Rio de Janeiro nach Vitória unterwegs. Der Zug besteht aus einer Lokomotive und 22 Wagen. Er ist aufgrund der Osterferien stark besetzt. In Rio de Janeiro ist er nach Mitternacht abgefahren. Etwa 50 km östlich von Rio de Janeiro führt die Bahnstrecke östlich von Tanguá über den Rio Cãcetibu.
Anhaltende, heftige Regenfälle haben die Fundamente der Eisenbahnbrücke unterspült. Als die führende Lokomotive die Brücke gegen 1:30 Uhr etwa zur Hälfte überquert hat, stürze die Brücke ein. Die Lokomotive und fünf Wagen – zwei davon Gepäckwagen – stürzen in den Fluss, der eine heftige Strömung aufweist. Einen der Waggons reißt die Strömung in die Flußmitte, während die anderen vier in Ufernähe liegenbleiben. Die übrigen 17 Wagen kommen zum Stehen, bevor sie abstürzen können. In den abgestürzten Fahrzeugen befinden sich etwa 200 Menschen. Etwa 90 von ihnen können sich schwimmend retten.
Die Rettungsmaßnahmen werden durch wolkenbruchartigen Regen erschwert. Außerdem haben die Wassermassen auch eine Straßenbrücke zum Einsturz gebracht, weshalb es sehr lange dauert, bis Rettungsfahrzeuge zum Unfallort vordringen können.
Opferbilanz: 110 Tote, die meisten von ihnen durch Ertrinken, 40 Verletzte.

Vor 60 Jahren:

03. 04. 1955:
[Guadalajara, Mexiko] In der Nähe der Stadt Guadalajara entgleist ein Reisezug und stürzt in eine Schlucht.
Opferbilanz: Ca. 300 Tote.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

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551

Samstag, 11. April 2015, 12:24

Fortsetzung Nr. 310 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 365 Jahren:

April 1650:
[Whickham, County Durham, Vereinigtes Königreich] Ein junger Mann stirbt, nachdem er von Hunten einer Grubenbahn überfahren worden war, die auf hölzernen Schienen laufen. Es handelt sich um den ältesten bekannten Eisenbahnunfall mit tödlichem Ausgang.

Vor 90 Jahren:

09. 04. 1925:
[Las Planas, Spanien] Auf der elektrifizierten Vorortelinie von Barcelona nach Tarrasa stoßen nahe des Vorortes Las Planes zwei Vorortezüge am Ausgang eines Tunnels zusammen, wobei mehrere Waggons gegen die Tunnelwände prallen.
Opferbilanz: 25 Tote, 46 Schwerverletzte.

Vor 65 Jahren:

12. 04. 1950:
[Bitroi, Indien] Der "Kumaon-Express" entgleist kurz vor einer Brücke über den Fluss Tarara in der Nähe der Stadt Bitroi. Die Lok und der erste Waggon überqueren die Brücke noch unbeschadet, während die restlichen Waggons in den Fluß stürzen. Unfallursache: Sabotage.
Opferbilanz: 36 Tote, 101 Verletzte.

Vor 20 Jahren:

15. 04. 1990:
[Quweisna, Ägypten] Auf einer Ek stößt ein Schnellzug mit einem Autobus zusammen.
Opferbilanz: 42 Tote.

Quelle: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

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552

Samstag, 18. April 2015, 12:37

Fortsetzung Nr. 311 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 85 Jahren:

16. 04. 1930:
Kein Eisenbahn-Unfall im eigentlichen Sinn. In einem Waggon eines Reisezuges in Domodedowo bei Moskau war Spiritus veschüttet worden, der durch ein versehentlich zu Boden gefallenes Zündholz in Brand gesetzt wird, der sich explosionsartig auf den ganzen Waggon ausbreitet. Wie in den damaligen Zeiten üblich, darf in den Medien über das Unglück nicht berichtet werden. Erst Monate später dringen Meldungen darüber an die Öffentlichkeit.
Opferbilanz: 45 Tote, 23 Schwerverletzte.

Vor 75 Jahren:

19. 04. 1940:
Der rd. 20 Minuten verspätete "Lake Shore Limited-Express" entgleist in der Nähe von Little Falls (Bundesstaat New York, USA) in einem v/max. 70 km/h-Bogen auf Grund weit überhöhter Geschwindigkeit. Dabei werden die Lok und die ersten drei Waggons beim Aufprall auf ein Brückenwiderlager weitgehend zerstört. Der 73-jährige Lokführer wird getötet, der auf der Lok mitfahrende Bahn-Inspektor wird schwer verletzt, sodass er sich angeblich an nichts erinnern kann. Die Ursache, warum der Zug zu schnell war, kann daher nicht eruiert werden.
Opferbilanz: 30 Tote, 100 Verletzte.

Vor 25 Jahren:

16. 04. 1990:
[Patna, Indien] Bei Patna gerät ein Vorortezug in Brand.
Opferbilanz: Mindestens 70 Tote.

Quelle: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

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Samstag, 18. April 2015, 16:53

Vor 70 Jahren: Bombardierung des Bahnknotenpunktes Attnang-Puchheim

21. April ’45: "Oh, mein Gott, was für ein Wahnsinn"

ATTNANG-PUCHHEIM. Attnang-Puchheim gedenkt der Tragödie vor 70 Jahren, als mehr als 700 Menschen im Bombenhagel starben.


400 der 1000 Bombentrichter in Attnang-Puchheim entfallen alleine auf das Bahnhofsgelände. Bild: OÖN/Helmut Böhm

Es war ein föhniger, warmer Frühlingssamstag, als am 21. April 1945 um zehn Uhr ein dumpfes Brummen vom Himmel zu hören war. "Es müssen viele, sehr viele Flieger sein", erinnert sich Erich Pühringer aus Linz, der damals als Rekrut in St. Georgen im Attergau stationiert war. Die 9. und 15. US-Luftflotte begannen mit dem Bombardement des Eisenbahnknotenpunkts – dreieinhalb Stunden lang.

"Die Bomben gingen wie ein Schnürlregen nieder", erinnert sich Pühringer an seine Beobachtung. "Oh mein Gott, was für ein Wahnsinn!", sagte ein Kamerad neben ihm. "Beim Anblick des furchtbaren Geschehens zweifelte ich an einen Gott der Liebe und Güte."

Nicht nur der Bahnhof, die ganze Stadt lag in Schutt und Asche, mehr als 700 Menschen wurden getötet, wobei in dieser Bilanz die Zwangsarbeiter nicht enthalten sind. Von den Toten konnten nur 207 identifiziert werden.

In diesem Inferno passierten auch Heldentaten, wie sich der Attnang-Puchheimer Otto Winzing erinnert. Als die Flieger kamen, brachte der Lok-Führer Assmann einen langen Lazarettzug ohne Befehl aus dem Bahnhof und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Schwanenstadt. "Die verwundeten Insassen des Zuges bekamen außer ein paar Rumplern nicht viel von dieser Aktion mit", erzählt Winzig. "Sie wären jedoch sonst unzweifelhaft Opfer des schrecklichen Angriffes geworden."

Ein heroischer Arzt

An diesem Schreckenstag vollbrachte der Arzt Richard Plankensteiner eine besondere Leistung. Bereits während des Bombenangriffs war er mit seinem Kleinmotorrad unterwegs, um in den zerbombten Häusern die Verwundeten zu versorgen.

Eine Woche nach dem verheerenden Luftangriff fuhr der Rekrut Pühringer mit einem Güterzug durch den völlig verwüsteten Bahnhof Attnang-Puchheim. "Es war schrecklich anzuschauen, links und rechts war eine einzige Trümmerwüste", erinnert sich der Linzer. "Ich dachte damals, da hat niemand überlebt, überall lagen Teile von Loks und Waggons, geknickte Fahrleitungsmasten und aufgebogene Schienen, kein Haus im Bahnhof und Ort war noch ganz. Ein Bombentrichter neben dem anderen. Ein Bild des Grauens!"

Gedenkfeier

Sonderpostamt am Samstag, 9 bis 16 Uhr, Phönixsäle
Vernissage Ferdinand Reisinger, Samstag 18.30 Uhr, Rathaus
Gedenkfeier am Montag, 18.30 Uhr, Kapelle in der Kochstraße, anschließend Lesung von Helmut Böhm „Der Tag der Tränen“, Pfarrheim
Gedenkgottesdienst am Dienstag, 18 Uhr, Basilika
Power-Point-Präsentation von Helmut Böhm am Donnerstag, 19.30 Uhr, Phönixsaal


Quelle: OÖN

KFNB X

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554

Samstag, 18. April 2015, 20:31

Kaum zu glauben, dass vom Aufnahmsgebäude noch etwas stand. Eine Aufnahme aus der Luft: http://www.416th.com/missions/mission280.html

Die zerstörten Züge sollen zu einem Teil aus Lebensmittelrationen für die Bevölkerung (vom Roten Kreuz) gewesen sein:

Zitat

Sadly, the rice and sugar that was promised by Eigruber to the "starving population" was destroyed when several Red Cross trains on a siding at Attnang-Puchheim were bombed by the Allies, killing "all those pretty sunburnt young nurses," according to Vassiltchikov's book.

http://www.scrapbookpages.com/DachauScra…uthausen02.html

Nachtrag: Ein Luftbild (nach ersten Reperaturen?) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bi…otobox_1_636916

dr. bahnsinn

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Samstag, 25. April 2015, 11:59

Fortsetzung Nr. 312 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 95 Jahren:

24. 04. 1920: [Mewa Newada, Indien] Der "Allahabad-Delra-Dun-Express" fährt auf einen vor dem Einfahrsignal des Bahnhofes Mewa Newada wartenden Güterzug auf. In den Waggons des Expresszuges explodieren beim Aufprall mehrere Druckgasflaschen, sodass auch noch Feuer ausbricht.
Opferbilanz: 45 Tote, 55 Verletzte.

28. 04. 1920: [bei Moradabad, Bundesstaat Uttar Pradesh, Indien] Bei Moradabad an der Bahnstrecke Allahabad - Dehradun fährt ein überbesetzter Schnellzug der Oudh and Rohilkhand Railway auf einen Güterzug auf. Im Schnellzug reist auch eine hinduistische Hochzeitsgesellschaft mit mehreren hundert Teilnehmern.
Zur Unfallursache schweigen die Quellen. In Folge des Auffahrens entgleisen drei Drehgestellwagen des Schnellzuges, werden schwer beschädigt und geraten in Brand. Ein Teil der Fahrgäste in diesen Wagen kannt sich nicht mehr befreien und kommt in den Flammen um. Bei den Aufräumungsarbeiten wird unter den verbrannten Wagen ein Klumpen geschmolzenen Silbers geborgen, von dem nicht mehr feststellbar ist, ob es sich um von Opfern getragenen Schmuck oder mitgeführte Rupien handelt.
Opferbilanz: 150 Tote, 57 - 75 Verletzte.

Vor 10 Jahren:

25. 04. 2005:
[Amagasaki, Japan] Der Unfall ereignet sich wegen überhöhter Geschwindigkeit um 9:18 Uhr in Amagasaki, Hyōgo.

Ausgangslage: Auf der Fukuchiyama-Linie befindet sich zwischen dem Bahnhof Tsukaguchi und dem Bahnhof Amagasaki eine enge Kurve, in der eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 km/h besteht.
Ein mit rund 700 Fahrgästen besetzter Schnellzug der Eisenbahngesellschaft JR Nishi-Nihon (JR West) fährt hier auf den Bahnhof Amagasaki zu. Er hat am Bahnhof Itami den Haltepunkt überfahren, zurücksetzen müssen und dadurch eine Verspätung von 80 Sekunden eingefahren. Der 23-jährige Triebfahrzeugführer versucht nun – bei einem sehr knapp gestalteten Fahrplan –, die Verspätung durch höhere Geschwindigkeit wieder aufzuholen.
Hergang: Der Zug durchfährt die Kurve, wohl um die Verspätung aufzuholen, mit 116 km/h Geschwindigkeit, 46 km/h über der maximal erlaubten Geschwindigkeit. Das führt zunächst dazu, dass dessen Fahrzeuge nur noch mit den Rädern der linken Seite, der äußeren Seite der Kurve, die Schienen berühren. Der Triebfahrzeugführer führt noch eine Schnellbremsung durch, aber vergeblich. Der Zug entgleist. Die ersten beiden Wagen des Zuges stürzen ins Erdgeschoss eines angrenzenden Mehrfamilienwohnhauses.
Folgen: Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission für Luftfahrt- und Zugunglücke weist dem Lokomotivführer des Zuges die Hauptverantwortung zu, bemängelt aber auch zu knapp kalkulierte Fahrpläne und mangelhafte Fahrerausbildung. Die Kommission fordert die JR Nishi-Nihon auf, ihre Fahrerausbildung zu verbessern und beim Erstellen von Fahrplänen erhöhte Rücksicht auf die Sicherheit zu nehmen.
Im Juli 2009 klagt die Bezirksstaatsanwaltschaft Kōbe den Präsidenten von JR Nishi-Nihon, Masao Yamazaki, wegen fahrlässiger Tötung an. Yamazaki erklärt daraufhin seinen Rücktritt, bestreitet aber eine juristische Verantwortung. Der Prozess gegen Yamazaki beginnt im Dezember 2010. Im Januar 2012 wird er freigesprochen.

Opferbilanz: 107 Tote, darunter auch der Tfzf., 549 Verletzte. Im Mehrfamilienwohnhaus kommt niemand zu Schaden.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996.

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556

Freitag, 1. Mai 2015, 00:42

Auch wenn es kein Eisenbahnjubiläum ist, dises folgt erst in 3 Jahren:

Heute vor 150 Jahren, am 1. Mai 1865 hat Kaiser Franz Joseph die Ringstrasse offiziell eröffnet.

Die erste Pferde-Strassenbahn am Ring folgte dann 1868.

dr. bahnsinn

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557

Samstag, 2. Mai 2015, 12:45

Fortsetzung Nr. 313 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 100 Jahren:

01. 05. 1915:
[Montemorelos, Mexiko] Im Zuge der Mexikanischen Revolution verunglückt bei Montemorelos ein Transportzug für die Truppen des Revolutionsführers und Präsidenten Venustiano Carranza.
Opferbilanz: Ca. 300 Tote.

Vor 90 Jahren:

01. 05. 1925:
[Starogard Gdański, Polen] Der D 4 von Eydtkuhnen (russ. Tschernyschewskoje) nach Berlin Charlottenburg entgleist zwischen Swarożyn(Swaroschin) und Starogard Gdański (Preußisch Stargard) auf polnischem Hoheitsgebiet. Der Korridorzug D 4 verkehrt täglich zwischen der Exklave Ostpreußen und dem Hauptgebiet des Deutschen Reiches. Nach der Entgleisung stürzen die Lok und die ersten sechs Wagen eine 7,5 m hohe Böschung hinab. Die polnische Lokmannschaft kann vor dem Absturz rechtzeitig abspringen und läuft im Anschluss davon. Da das polnische Zugpersonal während der Durchfahrt durch den Korridor die Waggons den Vorschriften entsprechend abgeschlossen hat, dauert es über zwei Stunden, bis die Rettung der im Zug eigeschlossenen Personen anlaufen kann. Die meisten Todesopfer des Unglücks sind im 1.Kl.-Waggon, der gleich hinter der Lok gereiht ist, zu beklagen, da er von den dahinter gereihten Waggons beim Absturz total zerstört wird.

Nach dem Unfall bricht ein diplomatischer Konflikt zwischen Polen und Deutschland aus, da deutsche Eisenbahn-Ingenieure aus Danzig die polnischen Bahnbehörden beschuldigen, die Bahnanlagen vernachlässigt zu haben. Polen wirft seinerseits den Deutschen vor, einen Sabotageanschlag auf den Schnellzug verübt zu haben, um Polen dadurch in Mißkredit zu bringen und setzt eine Belohnung in Höhe von 50 000 Zloty für die Egreifung der Schuldigen aus. Schließlich wird die Angelegenheit an die Ständige Kommission, die die Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern zu behandeln hat, übergeben. Die Kommission trifft ein salomonisches Urteil: Der Streckenzustand war nicht unfallcausal und den Vorwurf Polens, Deutschland hätte einen Sabotageanschlag angeordnet, müsse Polen beweisen. Die Sache geht daher aus wie das Hornberger Schießen.
Opferbilanz: 26 Tote, 12 Schwerverletzte; nach anderer Quelle 29 Tote, 10 Schwer- und 23 Leichtverletzte.

Vor 75 Jahren:

05. 05. 1940: [zwischen Epineuil-le-Fleuriel und Vallon, Frankreich] Nach wolkenbruchartigen Niederschlägen stürzt eine Brücke über einen hochwasserführenden Fluß zwischen den Bahnhöfen Epineuil-le-Fleuriel und Vallon ein, als der Schnellzug Paris - Montlucon über sie hinwegfährt. Der Zug stürzt in die Fluten des Hochwassers.
Opferbilanz: 33 Tote, 46 Schwerverletzte.

Vor 25 Jahren:

03. 05. 1990:
[bei Oaxaca, Mexiko] Ein führerloser Zug entgleist.
Opferbilanz: 40 Tote.

Quelle: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

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558

Samstag, 9. Mai 2015, 12:57

Fortsetzung Nr. 314 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 110 Jahren:

11. 05. 1905:
[Harrisburg, Bundesstaat Pennsylvania, USA] Bei einem abruptem Bremsvorgang eines Güterzuges drücken die letzten Waggons des Zuges, die ungebremst mitlaufen, zwei vor ihnen gereihte Waggons auf das Gegengleis, auf dem gerade der "Cincinati-Express" vorbeifährt. Die hinteren Waggons des Expresszuges kollidiern mit den beiden Waggons. Dabei kommen weder Personal noch Fahrgäste zu Schaden, einer der beiden entgleisten Güterwagen hat jedoch 2,5 t Dynamit geladen, welche explodieren und zahlreiche Personen in den Tod reißen.
Opferbilanz: 23 Tote.

Vor 95 Jahren:

17. 05. 1920:
[Jakhwada, Indien] Im Bahnhof von Jakhwada stößt ein aus Bombay (heute Mumbai) kommender Personenzug mit einem im Bahnhof abgestellten Güterwaggon zusammen. Die Todesopfer dieses Unfalles befinden sich allesamt in 3. Klasse-Waggons.
Opferbilanz: 23 Tote, 27 Verletzte.

Vor 75 Jahren:

18. 05. 1940:
[Morgny, Frankreich] Zwei Reisezüge stoßen frontal zusammen.
Opferbilanz: 53 Tote, 128 Verletzte.

Vor 65 Jahren:

07. 05. 1950:
[Jasidih, Bundesstaat Bihar, Indien] Auf Grund eines Sabotageakts (Schiene entfernt) entgleist der "Punjab Mail" von Kalkutta nach Delhi kurz vor einer Brücke. Die Lok und die ersten drei Waggons stürzen eine Böschung hinunter. !5 Personen werden als Täter bzw. als Mittäter vor Gericht gestellt.
Opferbilanz: 92 Tote, 67 Schwerverletzte.

Vor 55 Jahren:

15. 05. 1960:
[Leipzig, ex-DDR, zwischen den Bahnhöfen Leipzig-Mockau und Leipzig Hauptbahnhof]
Ausgangslage: Züge, die von Leipzig Hauptbahnhof in Richtung Halle ausfahren, müssen zunächst das Befehlsstellwerk B 3 passieren, später das Wärterstellwerk W 7.

Gegen 20:20 Uhr ist der Zug Sg 5556 von Halle über Gleis 9 in Gleis 15 des Leipziger Hauptbahnhofs eingefahren. Gegen 20:20 erteilt das Stellwerk B 3 dem Stellwerk W 7 den Auftrag, die Fahrstraße für die Ausfahrt des P 466 aus Gleis 11 nach Halle einzustellen. Der P 466 ist mit der Elektrolokomotive E 44 053 bespannt. Gleichzeitig wird die Einfahrt des mit der E 17 123 bespannten E 237 von Halberstadt erwartet, der über Gleis 9 in Gleis 12 einfahren soll. Auf dem Fahrweg des E 237 liegt die Weiche 268, die dem P 466 Flankenschutz gewähren soll und zum Stellbereich des Stellwerks W 7 gehört.

Unfallhergang: Als die Mitarbeiter die Fahrstraße für den P 466 einstellen wollen, lässt sich die Weiche 268 zwar umstellen, aber das Überwachungsrelais zieht nicht an. Dies bedeutet, dass sich das zugehörige Signal nicht auf Fahrt stellen lässt. Deshalb suchen Mitarbeiter im Stellwerk B 3 nach einer alternativen Fahrstraße für den E 237, die die gestörte Weiche vermeidet. Die Mitarbeiter des Stellwerks W 7 beschließen, deshalb den P 466 mit einem schriftlichen Befehl am haltzeigenden Signal vorbeifahren zu lassen: Die Weiche 268 steht ja richtig, nur die Überwachung ist gestört. Was sie aber vergessen, ist, die im Fahrweg folgenden Weichen 262 und 263, die seit der Einfahrt des Sg 5556 unverändert liegen, für den P 466 umzustellen. Ohne exakte Fahrwegprüfung geben sie die Fahrwegsicherungsmeldung an den Fahrdienstleiter ab und dieser stimmt zu, den Zug mit schriftlichem Befehl weiterfahren zu lassen.

Der Fahrdienstleiter lässt den P 466 abfahren. Der Zug kommt am haltzeigenden Signal vor W 7 zum Stehen, das unter anderem die Weichen 262, 263 und 268 deckt. Ein Mitarbeiter des Stellwerks händigt dem Lokomotivführer vorschriftswidrig den schriftlichen Befehl für die Weiterfahrt aus: Der Befehl hätte zum einen vom Fahrdienstleiter des Stellwerks B 3 mit „gezeichnet“ unterschrieben werden müssen. Damit das nicht auffällt, stellen Mitarbeiter des Stellwerks den Befehl mit einer etwa eine Stunde zurückliegenden Uhrzeit aus. Außerdem geben sie dem Lokführer gleich beide Ausfertigungen des Befehls, auch diejenige, die der Zugführerin übergeben werden sollt, weil diese sich am Schluss des Zuges im Gepäckwagen aufhielt.

Der Lokomotivführer nimmt den Befehl wohl nur oberflächlich zur Kenntnis, jedenfalls fährt er los. Er fährt, ohne es zu bemerken, die Weiche 262 auf, gelangt über die weitere Weiche 263 auf das Gleis der Gegenrichtung. Der Lokführer bemerkt das entweder nicht oder er reagiert falsch, fährt weiter und beschleunigt zügig. Hier besteht die Fahrstraße unverändert seit der Einfahrt des Sg 5556, auf der sich der E 237 näherte.

Die Mitarbeiter des Stellwerks W 7 beobachten die Einfahrt des P 466 in das falsche Gleis und geraten in Panik. Statt das etwa 500 Meter weiter in Fahrtrichtung des Zuges gelegene Stellwerk B 10, das zwar an Fahrten von und nach Halle nicht beteiligt ist, jedoch unmittelbar neben diesen Streckengleisen steht, zu alarmieren, verständigen sie nur ihren Fahrdienstleiter auf dem Stellwerk B 3, der aber nichts machen kann, da er noch weiter vom ausfahrenden Zug entfernt ist als das Stellwerk W7.

In der Nähe des Einfahrvorsignals und der Berliner Brücke, auf Höhe der Leipziger Wollkämmerei stoßen die Züge im Bogen frontal zusammen. Mehrere Wagen beider Züge entgleisen.

Folgen:Um sich zu entlasten, versuchen die Mitarbeiter der Stellwerke, die auf der Durchschrift des Befehls und im Protokollbuch des Stellwerks B 3 angegebene, bewusst falsch eingetragene Uhrzeit der Realität anzupassen. Die Fälschung fiegt aber auf, weil das Original des Befehls aus dem völlig zertrümmerten Führerstand der Lokomotive geborgen werden kann.

Ministerpräsident Otto Grotewohl erteilt dem Minister für Verkehrswesen, Erwin Kramer, der sich noch in der Nacht an den Unfallort begeben hat, Sondervollmacht und betraute ihn mit der Leitung der Hilfsaktion für die Betroffenen und deren Angehörige.

Rechtliche Aufarbeitung:Der Unfall wird vor einer Leipziger Strafkammer verhandelt, der auch zwei Eisenbahner als Schöffen angehören. Das Gericht stuft das Verhalten der Stellwerksmitarbeiter als vorsätzliche Transportgefährdung ein. In der Konsequenz werden in einem Urteil am 16. Dezember 1960 langjährige Zuchthausstrafen verhängt. Dies sind für den Signalwärter 15 und den Weichenwärter vom Stellwerk W7 12 Jahre. Der Fahrdienstleiter erhält 10 Jahre und sein Helfer 8 Jahre. Beide sind Mitarbeiter im Stellwerk B 3. In der Berufung folgt das Oberste Gericht der DDR diesem Urteil nicht. Es erkannte auf Fahrlässigkeit durch nachlässige Dienstausübung. Entsprechend werden die Strafmaße erheblich herabgesetzt. Es werden auch keine Zuchthaus-, sondern nur noch Gefängnisstrafen ausgesprochen. Signal- und Weichenwärter erhalten je 5 Jahre Freiheitsstrafe, der Fahrdienstleiter 3 und sein Helfer 2 Jahre.

Opferbilanz: 54 Tote, darunter auch der Lokführer des P 466, 240 zum Teil erheblich Verletzte. Nach anderer Quelle 106 Schwerverletzte.

Vor 20 Jahren:

14. 05. 1995:
[bei Salem, Indien] Der Schnellzug von Madras nach Kanyakumari stößt bei Salem, Tamil Nadu, mit einem Güterzug zusammen.
Opferbilanz: 52 Tote.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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559

Samstag, 23. Mai 2015, 12:33

Fortsetzung Nr. 315 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 100 Jahren:

22. 05. 1915:
[Quintinshill, Schottland] Genau heute vor 100 Jahren geschieht in der Blockstelle Qintinshill an der Hauptstrecke von Carlile über Lockerbie nach Glasgow das bisher schwerste Zugunglück auf den Gleisen Großbritanniens. Das Unglück beginnt mit einer Kette von Unzulänglichkeiten und Versäumnissen und endet mit einer Katastrohe unvorstellbaren Ausmaßes mit 227 Toten und 246 Verletzten.
Der Reihe nach: Das Unheil beginnt damit, dass am Morgen des Unglückstages um etwa 06:00 Uhr sowohl der Schlafwagen-Express London - Edinburgh - Aberdeen als auch der Schlafwagen-Express London - Glasgow über 20 Minuten Verspätung haben. Daher wird der Lokalzug Carlile - Beattock, der in Carlile nach den beiden Expresszügen abfahren sollte, vor diesen beiden auf die Strecke geschickt, da die Blockstelle Quintinshill über Überholgleise für beide Richtungen verfügt. Der Lokalzug sollte in Quintinshill die Überholung durch die beiden Expresszüge abwarten. In Quintinshill sind aber schon beide Überholgleise durch Güterzüge belegt. In Richtung Süden steht ein Kohlewagen-Leerzug, in Richtung Norden steht ein Güterzug von Carlile nach Glasgow. Um die Überholung des Lokalzuges durch die beiden Expresszüge trotzdem abwickeln zu können, leitet der Stellwerkswärter den Lokalzug auf das Gegengleis, wobei die Lok direkt unter dem Stellwerk zu stehen kommt. Auch das hat seinen Grund und ist schließlich auch für das weitere Geschehen fatal. Es hat sich bei den Stellwerkswärtern von Quintinshill ohne Wissen der Vorgesetzten eingebürgert, dass die Dienstablöse nicht wie vorgeschrieben, um 06:00 Uhr, sondern im fliegenden Wechsel um 06:30 stattfindet, wenn der Lokalzug aus Carlile in Quintinshill eintrifft. Damit die Sache nicht auffliegt, schreibt der abzulösende Stellwerkswärter alle nach 06:00 Uhr stattfindenden Zugbewegungen nicht in das Zugmeldebuch, sondern auf einen Handzettel. Der Ablöser übernimmt diese Zettelnotizen und schreibt sie dann nachträglich ins Zugmeldebuch ein. Der neue Stellwerkswärter Tinsley begibt sich also mit dem Lokheizer Hutchinson auf das Stellwerk. Zu dieser Zeit ist es in Großbritannien Vorschrift, dass der Lokheizer in dem Fall, dass ein Zug in einer Verkehrsstelle auf einem der Durchfahrtsgleise abgestellt ist, sich am Stellwerk davon zu überzeugen hat, dass der Zug signalmäßig abgedeckt ist und die Signalstellhebel mit den entsprechenden Sperren versehen sind. Damit soll sichergestellt werden, dass die Signale für das belegte Durchfahrtsgleis nicht freigestellt werden können. Der abzulösende Stellwerkwärter Meakin hat es aber unglückseliger Weise unterlassen, die Sperren an den Stellhebeln anzubringen. Der Lokheizer bestätigt aber trotzdem im Zugmeldebuch, dass die Sicherungsmaßnahmen für seinen Zug ordnungsgemäß durchgeführt worden sind, ohne sich davon zu überzeugen, ob es überhaupt der Wahrheit entspricht.
Das Unglück nimmt seinen Lauf. Meakin, der abgelöste Stellwerkswärter liest die vom Ablöser Tinsley mitgebrachte Zeitung, Tinsley überträgt die Zugmeldungen vom Handzettel in das Zugmeldebuch und Hutchinson kehrt auf seine Lok zurück. Der Expresszug nach Aberdeen wird angemeldet, Tinsley stellt die Signale auf Fahrt und der Zug fährt durch die Verkehrsstelle.
Um 06:42 fragt der Fahrdienstleiter vom nördlich von Quintinshill gelegenen Bahnhof Kirkpatrick an, ob Quintinshill einen mit 500 Soldaten besetzten, nach Südengland fahrenden Truppenzug annehmen könne. Die Soldaten sollten dort eingeschifft werden, da sie für die Schlacht in den Dardanellen gebraucht werden. Obwohl die Lok des Lokalzuges direkt unter dem Stellwerk steht, hat der Stellwerkswärter den Zug total vergessen und nimmt den Zug an. Da die Sperren an den Signalstellhebeln nicht angebracht sind, lassen sich die Signale stellen und Tinsley stellt die Signale auf Fahrt. Gleichzeitig wird der Expresszug nach Glasgow gemeldet und Tinsley stellt auch für diesen Zug die Signale auf freie Fahrt. Die Fahrstraßenprüfung unterläßt Tinsley, statt dessen schreibt er weiter seine Zugmeldungen in das Zugmeldebuch und Meakin liest weiter in der Zeitung. Ein Blick aus dem Stellwerksfenster von einem der beiden hätte genügt, um die Katastrophe noch abwenden zu können.
Um ca. 06:50 Uhr nähert sich der aus zwei Lokomotiven und 15 alten zwei- und dreiachsigen Personenwagen mit Holzkasten und Gasbeleuchtung bestehende Truppenzug mit ca. 110 km/h der Blockstelle Quintinshill. Der auf seiner Lok sitzende Heizer des Lokalzuges, Hutchinson sieht plötzlich das Frei zeigende Einfahrsignal und den sich nähernden Zug. Er warnt seinen Lokführer, beide springen von der Lok und gehen hinter dem Kohlenleerzug in Deckung. Der Lokführer des Truppenzuges sieht den Lokalzug ebenfalls, aber auf Grund der Geschwindigkeit bleibt die Notbremsung praktisch ohne Wirkung. Beim Zusammenprall werden die 15 Wagen des Truppenzuges von ursprünglich 200 m auf etwa 60 m zusammengestaucht. Die Vorspannlokomotive stürzt dabei in das Gegengleis, ebenso der Tender der Lok des Lokalzuges. Die Waggons schieben sich ineinander und blockieren beide Streckengleise und rund um das Stellwerk häuft sich ein Trümmerberg.
Die beiden Stellwerkswärter sind durch das Geschehen dermaßen schockiert, dass sie handlungsunfähig sind. Daher unterlassen sie es auch, das für den Expresszug nach Glasgow freistehende Einfahrsignal auf Halt zu stellen. Stattdessen laufen das Personal des Kohlenleerzuges und der Schaffner des Lokalzuges dem Expresszug entgegen, doch es ist zu spät. Der Zug rast in den Trümmerhaufen, tötet zahlreiche Soldaten, die eben dabei sind, sich aus den Trümmern zu befreien und auch im Express kommen sieben Personen ums Leben. Durch ausstömendes Gas aus den Gasleuchten entzündet sich zu allem Überfluß auch noch der Trümmerhaufen und das Feuer greift auch auf den Kohlenleerzug über.
Damit nicht genug. Obwohl der Fahrdienstleiter der südlich von Quintinshill gelegenen Abzweigstelle Gretna Junction, der nach dem Verbleib des Truppenzuges gefragt und von Tinsley vom Unfall erfahren hatte, die Rettungskräfte alarmiert, wird auf die Alarmierung der Feuerwehr vergessen! Die Feuerwehr trifft daher auch erst um 10:00 Uhr, also mehr als drei Stunden nach dem Unglück an der Unfallstelle ein. Zu allem Überfluß herrscht in Quintinshill akuter Wassermangel und die Feuerwehr muss erst mühselig lange Schlauchleitungen legen. Das Feuer kann erst 24 Stunden nach dem Unglück endgültig gelöscht werden.

Im September 1915 stehen die beiden Stellwerkswärter Tinsley und Meakin sowie der Lokheizer Hutchinson vor Gericht. Tinsley wird zu drei Jahren, Meakin zu 18 Monaten Freiheitstrafe verurteilt. Über eine Verurteilung des Lokheizers ist nichts vermerkt. Die beiden Stellwerkswärter werden nach einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen und arbeiten anschließend am Bahnhof von Carlile als Lampenwärter.
Opferbilanz: 227 Tote, 246 Verletzte.

Auf Wikipedia gibt es eine grafische Darstellung des Unfallherganges.

Vor 95 Jahren:

20. 05. 1920:
[Neon Daroston, Spanien] Ein Personenzug und ein Güterzug stoßen frontal zusammen. Dabei werden die erstgereihten Zugteile beider Züge zerstört und die restlichen Wagen entgleisen.
Opferbilanz: 40 Tote.

Vor 85 Jahren: [Tschernaja, ehem. Sowjetunion] Ein Personenzug und ein Güterzug stoßen auf der Strecke zwischen Moskau und Kazan frontal zusammen.
Opferbilanz: 28 Tote, 29 Schwerverletzte.

Vor 40 Jahren:

22. 05. 1975:
[Sidi Yahya El Gharb, Marokko] Der Schnellzug von Tanger nach Casablanca entgleist.
Opferbilanz: Über 50 Tote, ca. 100 Verletzte.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia.

dr. bahnsinn

Verkehrsminister

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560

Samstag, 30. Mai 2015, 12:50

Fortsetzung Nr. 316 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage.

Vor 45 Jhren:

29. 05. 1970:
[Rosenheim, Deutschland] Der aus Kufstein kommende Dg 6884 mit der ÖBB-Zuglok 1020.17 fährt am Halt zeigenden ES des Bahnhofes Rosenheim vorbei und stößt mit dem in Richtung Salzburg ausfahrenden Dg 11927 zusammen. Die Folgen sind katastrophal, denn die an 11. bis 15. Stelle des Dg 11927 laufenden Waggons werden zerstört und die 1020.17 stürzt um. Die folgenden Waggons türmen sich auf und verkeilen sich ineinander. Ein mit Vinylchlorid beladener Kesselwaggon platzt und der Inhalt ergießt sich über die Gleise. Hochexplosive Gasschwaden des verdampfenden Vinylchlorid breiten sich aus und dringen in die Kellerräume des benachbarten Stellwerks, wo sie sich an einem Heizgerät explosionsartig entzünden und die Unfallstelle in ein Flammenmeer verwandeln, da eine Reihe weiterer Waggons explodiert. Die 1020.17 brennt komplett aus.
20 Feuerwehren kämpfen stundenlang mit den Flammen und es gelingt, einen mit Butan gefüllten Waggon etappenweise zu entladen, indem der Kessel zwecks Abkühlung ständig mit kaltem Wasser besprüht wird.
Der Stellwerkswärter wird schwer, der am Unfall Schuld tragende Tfzf. des Dg 6884 mittelschwer verletzt. Auf Grund der Zerstörungen an den Gleisanlagen und der Infrastruktur sowie auf Grund der erforderlichen Reparaturarbeiten ist der auch für den Korridorverkehr extrem wichtige Bahnknotenpunkt für mehrere Tage unpassierbar. Die Rosenheimer Schleife gab es damals noch nicht. Diese ging erst am 08. 02 1982 in Betrieb.

Vor 20 Jahren:

02. 06. 1995:
[bei Kalubathan, Indien] Ein Zug fährt auf einen anderen Zug auf.
Opferbilanz: 48 Tote.

Vor 5 Jahren:

28. 05. 2010
[bei Manikpara, Bundesstaat Westbengalen, Indien]
Ausgangslage: Im indischen Bundesstaat Westbengalen sind seit 1967 Untergrundgruppen der maoistischen Naxaliten aktiv. Zu deren Strategie gehören terroristische Anschläge auf die Infrastruktur, vornehmlich die Eisenbahninfrastruktur.
In der Nacht vom 27. Auf den 28. Mai entfernen sie ein etwa 50 cm langes Gleisstück aus der zweigleisigen Strecke. Sie verwechselen dabei angeblich die Gleise und geben nach dem Unfall – zu dem sie sich nach Zögern bekennen – an, dass das Anschlagsziel eigentlich der Güterzug gewesen sei.
Der „Jnaneswari Express“, ein Nachtschnellzug der höchsten Qualitätsklasse der Indischen Staatsbahn, ist hier gegen 1:30 Uhr bei Jhargram im Distrikt Pashchim Medinipur in Westbengalen unterwegs. Er besteht aus einer Lokomotive und 13 Personenwagen, davon zehn Schlafwagen.

Unfallhergang: Aufgrund der nächtlichen Dunkelheit kann der Lokomotivführer die beschädigte Stelle im Gleis nicht erkennen. Der Zug entgleist, als er sie befährt. Alle 13 Wagen des Zuges entgleisen, vier davon kippen in das Lichtraumprofil des Gleises der Gegenrichtung. Ein dort verkehrender Güterzug in der Gegenrichtung fährt in die entgleisten Waggons des Expresszuges.
Unmittelbar nach dem Unfall lief das Gerücht um, es habe sich um einen Bombenanschlag gehandelt, was aber im Nachhinein nicht bestätigt wurde.

Folgen:Die Rettungs- und Bergungsarbeiten erweisen sich als sehr schwierig, da die Unfallstelle sehr abgelegen ist. Die Ermittlungen zur Unfallursache werden dem Central Bureau of Investigation übertragen. Eine örtliche Gruppe, die den Naxaliten nahe steht, „People’s Committee Against Police Atrocities (PCPA)“, wird aufgrund von Flugblättern, die an der Unfallstelle von der Polizei gefunden werden, als für den Anschlag verantwortlich ermittelt.
Der nächtliche Eisenbahnverkehr wird in Gebieten, die durch die Naxaliten bedroht werden, eingestellt.

Opferbilanz: 148 Tote, über 200 Verletzte.

Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996.
Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1991 und Wikipedia - Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.