Gedenk- und Bedenktage, Jubiläen etc.

  • 110 Jahre Weissenstein-Linie Solothurn - Moutier/Münster

    Vor 110 Jahren, am 1. August 1908 wurde die 22 km lange Weissenstein-Linie zwischen Solothurn und Moutier/Münster eröffnet. Wichtigstes Bauwerk ist der 3.700 m lange Weissenstein-Tunnel. Ihre Elektrifizierung erfolgte im Jahr 1932. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde immer wieder ihre Einstellung diskutiert, die Diskussion wurde aber im Jahr 2017 mit dem Beschluss des Verkehrsministeriums beendet, den Weissenstein-Tunnel ab 2020 zu sanieren, um so den Betrieb für weitere 25 Jahre sicherzustellen.

    Weitere Informationen gibt es auf Wikipedia und in diesem Schienenweg-Thread.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 482 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 115 Jahren:

    07. 08. 1903: [Durand, Bundesstaat Michigan, USA] Der Benjamin-Wallace-Zirkus ist mit zwei Sonderzügen unterwegs, als beim ersten Zug ein Bremsproblem auftritt. Während der Zug vor dem Einfahrsignal des Bahnhofes Durand auf die Einfahrt in den Verschiebebahnhof von Durand wartet, fährt der zweite Zug infolge der Unaufmerksamkeit des Lokführers auf den stehenden Zug auf.
    Opferbilanz: 22 Tote.

    Vor 100 Jahren:

    03. 08. 1918: [Auschwitz, heute Oświęcim, Polen] Ein gemischter Zug entgleist während einer Schnellbremsung auf der Weichselbrücke. Der stark verspätete Güterzug 76, auf der Bahnstrecke Wien–Krakau unterwegs, hält vor dem „Halt“ zeigenden Einfahrsignal des Bahnhofs Auschwitz auf der Weichselbrücke.Dem Güterzug folgt im Fahrplanabstand der pünktlich verkehrende gemischte Zug Nr. 62. In diesem Zug laufen nach der Lokomotive 13 Dienst- und Personenwagen, die mit einer Druckluftbremse ausgerüstet sind. Anschließend folgen 46 Güterwagen, die mit der Hand zu bedienende Spindelbremsen haben.
    Durch den Fehler eines Blockwärters erhält Zug 62 Einfahrt in den durch den Zug 76 noch belegten Streckenabschnitt. Der Güterzug 76 fährt gerade an, als der Lokomotivführer des Zuges Nr. 62 ihn vor sich bemerkt. Er löst sofort eine Schnellbremsung aus, die aber nur bei den 13 ersten, mit Druckluftbremse ausgestatteten Wagen wirkt. Die folgenden 46 Wagen aber rollen weiter und üben einen solchen Druck auf den gebremsten Zugteil aus, dass 7 der gebremsten Wagen entgleisen und 5 in die Weichsel stürzen.
    Opferbilanz: Mindestens 8, nach anderen Angaben 20 Tote, 30 Verletzte.

    Vor 65 Jahren:

    06. 08. 1953: [Böheimkirchen, NÖ] Die 12.004 wird im Bahnhof Böheimkirchen mit ihrem Zug in voller Fahrt irrtümlich auf ein Nebengleis geleitet, wobei die Lok umstürzt.

    Foto: Zell, Archiv Griebl. Aus BiB 13 - Unfäll und Schadensfälle, Verlag Pospischil, Wien 1980, S. 17.

    Vor 55 Jahren:

    04. 08. 1963: [Montevideo, Uruguay Zirka elf Kilometer außerhalb von Montevideo entgleist ein Reisezug bei einem Tempo von rd. 65 km/h, wobei zwei Waggons zerstört werden. Als Unglücksursache wird Sabotage vermutet.
    Opferbilanz: Zirka 40 Tote.

    Vor 30 Jahren:

    06. 08. 1988: [Bologoie, ehem. Sowjetunion] In der Nähe von Bologoie entgleist der"Aurora-Express" (Leningrad - Moskau) bei einer Geschwindigkeit von 140 km/h, obwohl im betreffenden Streckenabschnitt eine LA von max. 60 km/h gilt. Dabei geraten die Waggons des Zuges in Brand, die mit Hilfe eines Löschzuges gelöscht werden müssen, da die Unglücksstelle von der Straße aus nicht erreichbar ist. Die LA war am Vortag auf Grund schadhafter Schienen verfügt worden, der Lokführer war über die LA allerdings nicht informiert worden.
    Opferbilanz: 28 Tote, über 180 Verletzte.

    Vor 25 Jahren:

    04. 08. 1993: [Mairwa, Indien] In Mairwa entgleist ein Reisezug.
    Opferbilanz: 22 Tote.

    Vor 15 Jahren:

    07. 08. 2003 [Gsteigwiler, Kanton Bern, CH] Zwei Personenzüge der Berner-Oberland-Bahn (BOB) stoßen zwischen Wilderswil und Zweilütschinen zusammen. Der Triebfahrzeugführer des nach Interlaken fahrenden Zuges übersieht beim Übergang vom Doppelspur- auf den Einspurabschnitt das Halt zeigende Signal. Als der Triebfahrzeugführer dies bemerkt, hält er den Zug sofort an. Inzwischen fährt jedoch der von Wilderswil kommende Gegenzug in den Einspurabschnitt ein. Die Strecke ist noch nicht mit einer Zugsicherung ausgerüstet, der Einbau der Zugsicherung ZSI-127 ist jedoch zum Zeitpunkt des Unfalls bereits im Gang.
    Opferbilanz: 1 Toter, 63 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 483 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 115 Jahren:

    10. 08. 1903: [Paris] Panik nach Brand eines Métrozuges: Man versucht, einen brennenden Métrozug auf der Métrolinie 2 durch die Tunnelstrecke abzuziehen. Dies misslingt und die Evakuierung eines folgenden Zuges, der im Bahnhof Couronnes aufgehalten wird, klappt nicht richtig, weil viele der verärgerten Fahrgäste sich weigern, auszusteigen. Als dann der Brand des vorderen Zuges die Stromleitung beschädigt, die auch die Beleuchtung des Bahnhofs Couronnes versorgt und zugleich dichter Rauch von dem brennenden Zug aus dem Tunnel quillt, bricht Panik aus.
    Opferbilanz: 84 Tote.

    Vor 45 Jahren:

    13. 08. 1973: [Erdbach, Bundesland Hessen, BRD] Durch den Eingriff Betriebsfremder im Bahnhof Mademühlen der Westerwaldquerbahn werden 16 Güterwagen von einem Zug abgekuppelt und beginnen im Gefälle bergabwärts zu rollen. Nach 15 km und Querung von 20 Bahnübergängen treffen sie auf den Prellbock des Bahnhofs Erdbach, der in einer Spitzkehre liegt, überfahren ihn und schlagen 50 Meter weiter in ein Wohnhaus ein.
    Opferbilanz: 1 Tote (Bewohnerin des zerstörten Wohnhauses).

    Quelle: Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Am 4. Juli habe ich anlässlich des 50-jährigen Bestandsjubiläums der Somosierra-Linie in Antwort 901 Folgendes geschrieben:

    dr. bahnsinn schrieb:

    Im Jahr 2006 wurde der letzte hochwertige Zug auf dieser Strecke, der Hotelzug Madrid - Paris auf die Strecke über Vallodolid verlegt. Im Februar 2010 ist ein TALGO-Zug bei Bahabón de Esgueva wegen eines im Gleis liegenden Felsbrockens entgleist, worauf der Personenverkehr eingestellt wurde. Im Jahr 2011 ist schließlich ein Teil des Somosierra-Scheiteltunnels eingestürzt und damit scheint das Schicksal besiegelt zu sein, auch wenn es immer wieder Diskussionen über eine Wiederaufnahme des Verkehrs gibt.
    Jetzt scheint man nicht nur der Strecke, sondern auch den Diskussionen über die Wiederinbetriebnahme endgültig das Lebenslicht ausgeblasen zu haben. Am 13. Juni 2018 wurde das Südportal des 3.895 m langen Somosierra-Scheiteltunnels zugemauert.
    Ein unrühmliches Ende für die Direktverbindung Madrid - Burgos nach vierzig Jahren Bau- und nur 42 Jahren Betriebszeit.
    Quelle: TR EU-Heft Nr. 272, S. 57.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 484 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 150 Jahren:

    20. 08. 1868: [Llanddulas, Wales] An diesem Tag ist der „Irish Mail“ der London and North Western Railway (LNWR), ein Schnellzug, vom Londoner Bahnhof Euston nach Holyhead unterwegs. Der Zug besteht aus der Lokomotive, einem Wagen für den Zugführer, zwei Bahnpostwagen, Gepäckwagen, vier Reisezugwagen und einem weiteren Wagen für einen Zugbegleiter am Zugschluss. Der Zug ist um 7 Uhr 30 in London abgefahren und um 11:30 in Chester angekommen. Hier werden weitere vier Reisezugwagen vor die aus London gekommenen Reisezugwagen in den Zug eingestellt. Der Zug befährt nun die North Wales Coast Line. Um 12 Uhr 39 durchfährt der Zug den Bahnhof Abergele mit etwa 65 km/h. Die Türen der Reisezugwagen sind – wie damals üblich – aus Sicherheitsgründen von außen verschlossen.
    In Llanddulas soll er einen Güterzug überholen, der aber mit 43 Güterwagen zu lang ist, um ihn insgesamt in eines der beiden dort gelegenen Überholungsgleise zu stellen, weil dort auch Güterwagen zum Beladen mit Material aus einem benachbarten Steinbruch abgestellt sind. Der Güterzug muss deswegen geteilt werden. Bei dem erforderlichen Rangiermanöver werden sechs Güter- und ein Bremswagen vorübergehend auf dem Durchfahrtsgleis abgestellt, das ein Gefälle von 1 % in Richtung Abergele aufweist. Die abgestellten Wagen werden lediglich von der Bremse des Bremswagens gehalten, die Bremsen der einzelnen Wagen sind nicht aktiviert. Dessen beide Bremser sind abgestiegen, um bei dem Rangiermanöver zu helfen. Die abgestellte Wagengruppe ist durch das Einfahrtsignal des Bahnhofs gedeckt, d.h. der folgende „Irish Mail“ würde vor der Bahnhofseinfahrt auf ein „Halt“ zeigendes Signal treffen.
    Bei einem weiteren Rangiermanöver trifft eine Wagengruppe mit zu hoher Geschwindigkeit auf die auf dem Durchfahrtsgleis abgestellte Wagengruppe, deren Bremse löst sich und die Wagengruppe rollt 2,8 km im Gefälle auf den herannahenden Schnellzug zu. Bedingt durch die Lage der Strecke in zwei gegenläufigen Kurven und Einschnitten sieht der Lokführer des „Irish Mail“ die Wagen erst auf sich zukommen, als sie nur noch 200 m entfernt sind. Lokführer und Heizer lösen eine Notbremsung aus, der Lokomotivführer kann rechtzeitig abspringen und kommt mit Verletzungen davon, der Heizer verbleibt auf der Maschine.
    Der Zug stößt mit einer Geschwindigkeit von 45–50 km/h mit den entlaufenen Güterwagen zusammen, die mit etwa 20–25 km/h unterwegs sind. Lokomotive, Schlepptender und der Wagen des Zugführers entgleisen. Dies ist noch keine Katastrophe. Allerdings haben zwei der entlaufenen Güterwagen 50 Holzfässer mit insgesamt 8 Kubikmetern Paraffinöl geladen, von denen einige durch den Aufprall zerstört werden. Das Paraffinöl hat einen Entzündungspunkt von 58 °C. Es ergießt sich auf die Lok und die ersten vier Reisezugwagen des Schnellzugs und entzündet sich dabei. Die Lok und der Schlepptender und alle Wagen bis einschließlich dem führenden Bahnpostwagen stehen explosionsartig in Sekundenschnelle in Brand. Da die Türen der Reisezugwagen verschlossen sind, haben die
    Reisenden keine Chance, zu entkommen.
    Rettung ist hier nicht mehr möglich, alle Reisenden in den ersten vier Wagen kommen ums Leben, ebenso wie der Zugbegleiter im ersten Wagen und der Heizer. Die folgenden Personenwagen können abgekuppelt und in Sicherheit gebracht werden, bevor die Flammen auf sie übergreifen können und bleiben unbeschädigt. Hier gibt es nicht einmal Schwerverletzte.
    Diese Reisenden können ihre Fahrt gegen 18 Uhr fortsetzen. Der Unfall ist der bis zu diesem Zeitpunkt schwerste in Großbritannien und der erste größer Unfall weltweit, der durch Gefahrgut ausgelöst wurde.
    Opferbilanz: 33 Tote.

    Vor 115 Jahren:

    17. 08. 1903: [Rothenkirchen, Sachsen] Beim Eisenbahnunfall von Rothenkirchen auf der Schmalspurbahn Wilkau–Haßlau–Carlsfeld entgleist die Lokomotive und zwölf Personenwagen des Abendzuges von Rothenkirchen nach Wilkau aufgrund überhöhter Geschwindigkeit.
    Opferbilanz: 3 Tote, 30 Verletzte.

    Vor 100 Jahren:

    16. 08. 1918: [Dümpelfeld, Deutschland] Am Vortag ist auf dem zweigleisigen Abschnitt Remagen - Dümpelfeld der Ahrtalbahn ein Militärurlauberzug liegengeblieben. Deshalb muss am Unfalltag zwischen Hoenningen und Dümpelfeld der Betrieb auf nur einem Gleis abgewickelt werden. Dabei unterläuft dem Fahrdienstleiter in Dümpelfeld ein schwerwiegender Fehler. Obwohl er einen aus Remagen kommenden Personenzug angenommen hat, lässt er einen vom Truppenübungsplatz Elsenborg kommenden Rekrutentransportzug in Richtung Hoenningen durchfahren. In einem unübersichtlichen Gleisbogen knapp vor Hoenningen stoßen die beiden Züge zusammen, wobei die Loks und insgesamt acht Waggons zerstört werden. Außerdem bricht Feuer aus, wodurch die im Rekrutentransportzug mitgeführte Munition (Handgranaten und Garanatwerfer-Munition) expodiert.
    Opferbilanz: 31 Tote, 73 Verletzte.

    Vor 85 Jahren:

    20. 08. 1933: [Jiangxi, China] Ein Zug, der eine Ausbildungsdivision der chinesischen Armee befördert, stürzt aus unbekannter Ursache zwischen Nanchang und Lushan in einen Fluss.

    Opferbilanz: Ca. 200 Tote.

    Vor 80 Jahren:

    21. 08. 1938: [Vadamura, Indien] Bei Vadamura entgleist ein mit moslemischen Pilgern und einer großen Hochzeitsgesellschaft besetzter Reisezug auf Grund einer durch Hochwasser beschädigten Brücke. Die Lok, der Postwaggon und der erste Reisezugwagen versinken dabei im Schlamm. Obwohl der Schaden an der Brücke schon zwei Stunden vor dem Unfall entstanden ist, unterlassen es die Bewohner eines in der Nähe befindlichen Dorfes, auf den Schaden an der Brücke aufmerksam zu machen.
    Opferbilanz: 33 Tote, 93 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996; Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1991; Wikipedia - Liste schwerer Fälle im Schienenverkehr
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 485 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 160 Jahren:

    23. 08. 1858: [Round Oak, UK] Weil der Bremser den im Bahnhof Round Oak haltenden Zug nicht durch Feststellen der Bremse sichert und zugleich eine Kupplung bricht, rollt ein Zugteil ein Gefälle hinab und kollidiert mit dem nachfolgenden Zug. Dies ist der folgenreichste Eisenbahnunfall in Großbritannien bis zu diesem Zeitpunkt. Der genaue Unfallhergang kann auf Wikipedia nachgelesen werden.
    Opferbilanz: 14 Tote, über 50 Tote.

    Vor 30 Jahren:

    24. 08. 1988: [Liestal, Kanton Basel-Landschaft, Schweiz] Frontalkollision zweier Züge der Waldenburgerbahn (WB) in Liestal. Zwei Züge stoßen unterhalb der Haltestelle Altmark auf offener Strecke zusammen.
    Opferbilanz: 2 Tote, 14 Verletzte.

    Quelle: Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Nachtrag zur Fortsetzung Nr. 485 mit Österreichbezug

    Vor 30 Jahren:

    29. 08. 1988: [Wolfurt, Vorarlberg] In Wolfurt stoßen der Expresszug "Pfänder" und ein Eilzug frontal zusammen. Unfallursache: Missachtung eines Halt zeigenden Signals durch den Tfzf. des Eilzuges.
    Opferbilanz: 5 Tote, 45 Verletzte, darunter zahlreiche Schwerverletzte.

    Quelle: Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr und ORF Vorarlberg mit Fotos und Video.



    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 486 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 105 Jahren:

    02. 09. 1913: [Wallingford, Bundesstaat Connecticut, USA] Weil ein nach New York fahrender Nahverkehrszug in Wallingford fahrplanmäßig hält, muss der im Blockabstand folgende "Bar-Harbor-Express", der wegen des starken Rückreiseverkehrs nach New York in zwei Teilen unterwegs ist, bei den jeweiligen Halt zeigenden Blocksignalen anhalten. Der Bremser des zweiten Teiles steigt ab und sichert auf Grund des herrschenden dichten Nebels vorschriftsmäßig den Zug nach hinten. Als der Zug wieder anfährt, vergißt die Zugmannschaft auf den Bremser und fährt los, hält aber wieder an, als man sein Fehlen bemerkt. Während der Bremser zum haltenden Zug läuft, hört er, wie sich von hinten ein Zug nähert. Es ist der "White-Mountain-Express", dessen Lokführer, wie sich bei der Untersuchung der Unfallsursache herausstellt, völlig übermüdet ist, weil er in der Zeit vor dem Unfall wegen des herrschenden Lokführermangels durchgehend 159 Stunden Dienst mit nur 9 Stunden Pause verrichtet hat. Der Bremser läuft dem Zug entgegen, um den Lokführer zu warnen, dieser ignoriert aber sowohl die Anhalteversuche des Bremsers als auch das Halt zeigende Blocksignal. Der Zug fährt mit unverminderter Geschwindigkeit auf den Vorzug auf, wobei die Lok die beiden hinteren Pullman-Wagen zur Gänze und den drittletzten Wagen bis zur Hälfte zerstört.
    Opferbilanz: 26 Tote.

    Vor 95 Jahren:

    01. 09. 1923: [Japan] Im konkreten Fall handelt sich um kein singuläres Ereignis, sondern um insgesamt 12 Unfälle (je 6 Personen- und Güterzüge), die sich als Folge des verheerenden Erdbebens, das die japanische Hauptinsel Honshu erschüttert, ereignen. Tausende Menschen verlieren ihr Leben, darunter auch 73 Eisenbahner. In den von den Erdbeben betroffenen Zügen sind 130 Tote (129 Personen in den Personenzügen, 1 Person in einem der Güterzüge) und 91 Verletzte zu beklagen.

    Vor 75 Jahren:

    30. 08. 1943: [Wayland, Bundesstaat New York, USA] Kurz vor der Kreuzung mit dem "Lackawanna Limited" im Bahnhof Wayland erhält der Lokführer des auf die Kreuzung wartenden Güterzuges vom Dispatcher die Anweisung, bis zur Einfahrweiche vorzuziehen. Der Lokführer missdeutet jedoch die Anweisung und fährt mit dem Güterzug auf die freie Strecke. Der Lokführer des Expresszuges kann zwar vom Dispatcher noch gewarnt werden und den Zug von knapp 130 km/h auf ca. 80 km/h abremsen, bevor die beiden Züge frontal zusammenstoßen. Die beiden Loks und sechs Reisezugwagen werden dabei schwer beschädigt.
    Opferbilanz: 27 Tote, 114 Verletzte.

    Quelle: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Vor 110 Jahren: Eröffnung des Teilstückes Larissa - Theben (Thíva) der Magistrale Thessaloniki - Athen - Piräus

    Vor 110 Jahren, am 6. September 1908 wurde das Teilstück Larissa - Theben der wichtigsten Bahniline Griechenlands von Thessaloniki nach Athen und weiter zum Hafen Piräus, eröffnet, wodurch der durchgängige Verkehr zwischen Thessaloniki und Athen hergestellt werden konnte. Dieser Abschnitt weist zwei Abschnitte auf, die trotz ihrer geringen Höhe durchaus Gebirgscharakter haben und einige spektakuläre Kunstbauten aufweisen.
    Von Norden her ist die Strecke bis Domokós (233 km südlich von Thessaloniki und 61 km südlich von Larissa) bereits fertig zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Zwischen Domokós und Lianokládi befindet sich der erste Gebirgsabschnitt mit dem Scheitelpunkt in 583 m Seehöhe, der derzeit zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert wird. Wenn alles gut geht, ist mit einer Inbetriebnahme noch gegen Ende des Jahres zu rechnen. Zwischen Lianokládi und Tithorea befindet sich der zweite, sehr spekatakuläre Gebirgsabschnitt über den Bralos-Pass (409 m Seehöhe) mit dem 2,1 km langen Bralos-Scheiteltunnel und der 341 m langen Papadia-Brücke. Seit der Eröffnung der Neubaustrecke Lianokládi - Tithorea mit dem 9 km langen Kallidromo-Tunnel im Frühjahr des heurigen Jahres ist dieser Abschnitt leider Geschichte. Der Kallidromo-Tunnel ist der längste Bahntunnel am Balkan. Bis zu dessen Eröffnung war der Bralos-Tunnel der längste Bahntunnel Griechenlands. Weitere Informationen zu dieser Strecke gibt es hier.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 487 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 135 Jahren:

    02. 09. 1883: [Steglitz, Mark Brandenburg, heute Stadtteil von Berlin] Der 2. September 1883 ist ein Sonntag und am Abend wollen Hunderte Berliner, die einen Tagesausflug in die damals noch vor den Toren Alt-Berlins gelegene Landgemeinde Steglitz unternommen haben, mit dem Zug nach Berlin zurückfahren.
    Wegen der Verspätung des Personenzugs entscheidet der Fahrdienstleiter, zunächst einen Eilzug durchfahren zu lassen, erst anschließend den Reisendenübergang freizugeben und vorher den Personenzug so zum Halten zu bringen, dass die Reisenden durch die östlichste Sperre vor dessen Lokomotive, nach Durchfahrt des Eilzugs, auf den Bahnsteig hätten gelangen können. Eine Ansage zu diesem Betriebsablauf findet auf dem Bahnsteig nicht statt.Noch bevor der Eilzug den Bahnhof durchfährt, fährt auf Gleis 1 der Personenzug ein und hält. Reisende befürchten nun, den Zug zu verpassen, da der Reisendenübergang – für sie nicht nachvollziehbar – nochnicht geöffnet ist. Einige Reisende überklettern daraufhin den Sperrzaun, weitere folgen, schieben die Eisenbahner zur Seite und öffnen die Absperrung unautorisiert. Die Menge, in der Sorge ihren Zug zu verpassen, drängt über das nach Magdeburg führende Gleis 2, um überwiegend den Personenzug schon an der bahnsteigfreien Seite zu „stürmen“. Ein Eisenbahner versucht noch, den Eilzug mit einer Handlampe zum Stehen zu bringen, was aber nicht gelingt. Er kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und fährt in die Menschenmenge. Die Personen, die sich im Gleisbett befinden, haben durch das Gedränge keine Chance, auszuweichen.
    Opferbilanz: 39 Tote, darunter 5 Kinder, 8 Schwerverletzte und zahlreiche Leichtverletzte.

    Vor 100 Jahren:

    11. 09. 1918: [Schneidemühl, Preußen, heute Polen] In der Nähe von Schneidemühl, heute Piła, stoßen ein mit Kindern besetzter Sonderzug und ein Güterzug zusammen.
    Opferbilanz: 35 Tote (2 Eisenbahner, 33 Kinder), 17 Verletzte.

    Vor 95 Jahren:

    06. 09. 1923: [Seelze-Lohnde, Provinz Hannover, Preußen] Nach dem Fehler eines Blockwärters fährt der D 10 von Berlin nach Köln bei Seelze-Lohnde auf den haltenden D 138 von Leipzig nach Amsterdam auf.
    Opferbilanz: 18 Tote, 19 Verletzte.

    08. 09. 1923: [Omsk, Sowjetunion, heute Russland] Bei Omsk in Sibirien entgleist ein Schnellzug.
    Opferbilanz: 82 Tote, 150 Verletzte.

    Vor 90 Jahren:

    10. 09. 1928: [Saitz, heute Zaječí, ehemalige Tschechoslowakei] Bei Saitz in der Nähe von Lundenburg, heute Břeclav, fährt der "Paris-Bukarest-Express" auf einen Güterzug auf.
    Opferbilanz: 21 Tote, 29 Verletzte.

    Vor 80 Jahren:

    08. 09. 1938: [Songjiang, Republik China] Japanische Flugzeuge greifen im Japanisch-Chinesischen Krieg die Bahnanlagen von Songjian an und werfen darauf Fliegerbomben ab. Dies geschieht, ohne dass es zuvor einen Fliegeralarm gab. Fünf Wagen des Zuges, drei Personenwagen der 3. Klasse und zwei Wagen 2. Klasse, werden durch die Bomben aus den Gleisen geschleudert und zerstört. Die Bahnanlagen werden ebenfalls schwer beschädigt, unter anderem wird ein Wasserturm und eine Fußgängerbrücke zerstört.
    Opferbilanz: Mindestens 300 Tote, ca. 400 Verletzte.

    Vor 75 Jahren:

    06. 09. 1943: [North Philadelphia, Bundesstaat Pennsylvania, USA] Bei der Durchfahrt des "Congressional Limited" im Bahnhof North Philadelphia fährt der Zug leicht vor Plan und der Aufsichtsbeamte beobachtet nichts Außergewöhnliches. Arbeiter eines Bahnbetriebswerks, an dem der Zug kurz darauf vorbei fährt, bemerken Flammen, die offensichtlich auf Grund eines Heißläufers aus einem Achslager schlagen. Sie telefonieren zur nächsten Blockstelle, Frankford Junction. Es ist aber um wenige Sekunden zu spät. Bevor der Mitarbeiter dort etwas unternehmen kann, fährt der Zug schon mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h an seinem Stellwerk vorbei. Es ist 18 Uhr 06. Unmittelbar folgend gibt das glühende Achslager im vorderen Drehgestell des siebten Wagens nach, die Achse springt heraus, zerbricht und verkeilt sich unter dem Drehgestell. Der Wagen katapultiert sich dadurch in die Höhe und schlägt gegen eine Signalbrücke, die den Wagen in Höhe der Fenster der Länge nach aufschlitzt. Der achte Wagen biegt sich U-förmig um die Signalbrücke.
    Alle 79 Toten sind Reisende in diesen beiden Wagen. Die nächsten sechs Wagen entgleisen und kommen schwer beschädigt und verstreut auf dem Gleisfeld zu liegen. Die letzten beiden Wagen bleiben unbeschädigt, ebenso die ersten sechs.
    Opferbilanz: 79 Tote, 117 Verletzte.

    Vor 70 Jahren:

    03. 09. 1948: [Lilong, Provinz Guangdong, China] Bei Lilong entgleist ein Zug, der von Hankow nach Kanton unterwegs ist. Ursache soll eine Manipulation am Oberbau gewesen sein
    Opferbilanz: Mindestens 25 Tote, 98 Verletzte.

    XX. 09. 1948: [Pengdu, China] Kommunistische Guerillas haben auf einer Bahnstrecke ca. 140 km nordwestlich von Nanking eine Landmine gelegt. Unter einem Zug, der nach Pukow unterwegs ist, explodiert sie. Die Lokomotive und der folgende Wagen werden vollständig zerstört.
    Opferbilanz: Mindestens 100 Tote.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Vor 60 Jahren: Fertigstellung der Sierra de la Culebra-Linie

    Vor 60 Jahren, am 8. September 1958, wurde 45 Jahre nach Baubeginn im Jahr 1913 mit der Eröffnung des letzten Abschnitts Ourense - Santiago de Compostela der durchgehende Verkehr auf der Sierra de la Culebra-Linie Zamora - La Puebla de Sanabria - Ourense - Santiago de Compostela aufgenommen.

    Der Bau der Strecke ging sehr schleppend voran und wurde aus wirtschaftlichen Gründen zwischenzeitlich immer wieder eingestellt. dazu kamen infrastrukturelle Mängel wie Wassermangel, fehlende Rohstoffe und nicht vorhandene Straßen, die die Arbeiten erschwerten. 30 Jahre nach Baubeginn, konnte vor ziemlich genau 65 Jahren, am 24. September 1953 der erste Abschnitt zwischen Zamora un La Puebla de Sanabria eröffnet werden, Im Juli 1957 folgte der Abschnitt La Puebla de Sanabria - Ourense und schließlich am 8. September 1958 der Abschnitt Ourense - Santiago de Compostela.
    Mittlerweile ist der ursprüngliche Streckenverlauf dieses Streckenabschnitts aber auch schon wieder Geschichte, da er durch eine breitspurige Hochgeschwindigkeitstrecke "LAV Corredor Gallicia" zwischen Ourense und Santiago de Compostela ersetzt wurde. Siehe Kartenausschnitt unten.
    Die Strecke erlangte durch den Unfall von Santiago de Compostela vor fünf Jahren, am 24. Juli 2013, mit 79 Toten traurige Berühmtheit.

    Der Abschnitt Zamora - Ourense wird derzeit zur Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut. Die ursprüngliche Strecke hielt bis zur Eröffnung der Strecke Beograd - Bar mit 182 Tunnel den Tunnel-Weltrekord.

    Quelle: Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 32ff.

    Zur Orientierung: Eisenbahnkarte Iberische Halbinsel von Boris Chomenko


    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 155 Jahre Bahnstrecke Córdoba - Málaga

    Vor 155 Jahren, am 16. September 1863, wurde die Bahnlinie zwischen Córdoba und Málaga in Andalusien eröffnet. Baubeginn war knapp zweieinhalb Jahre vorher, am 1. April 1861. Seit Eröffnung der 155 km langen AVE-Strecke zwischen den beiden Städten hat die breitspurige, elektrifizierte Bestandstrecke nur für den regional- und den Güterverkehr Bedeutung.

    Die Strecke ist vor allem durch ihren 19 km langen Abschnitt durch die Schlucht "El Chorro" zwischen den Bahnhöfen Gobantes und Álora bekannt. In diesem Abschnitt befindet sich der Großteil der insgesamt 16 Tunnel der Strecke. Durch die Schlucht führt einer der gefährlichsten Wanderwege der Welt, der Caminito del Rey (Königspfad), der auch von Mountainbikern befahren wird.

    Bekannt ist auch jene Stelle, wo die Strecke aus einem Tunnel kommend über eine Brücke führt und links davon der Königspfad zu sehen ist (siehe Foto unten). Hier wurden Schlüsselszenen des bekannten Kriegsfilms "Colonel von Ryans Express" mit Frank Sinatra gedreht:

    Foto aus: Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 25.

    Zur Orientierung:


    Ausschnitt aus der Eisenbahnkarte Iberische Halbinsel v. B. Chomenko

    Wer sich den Nervenkitzel einer Wanderung am Caminito del Rey nicht entgehen lassen will:
    Hier bitte!
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 488 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 105 Jahren:

    Mitte September 1913: [Villeneuve-Loubet, Südfrankreich] Bei Villeneuve-Loubet entgleist ein dreiteiliger elektrischer Triebwagen auf einem Viadukt, wobei das führende Fahrzeug 12 m in eine Schlucht fiel. Als Unfallursache wird die "fehlerhafte Arbeitsweise der Magnetbremse auf Grund eines Sturmes" angegeben.
    Opferbilanz: 20 Tote, 40 Verletzte.

    Vor 100 Jahren:

    13. 09. 1918: [Weesp, Niederlande] Bei Weesp entgleist ein aus 11 Reisezugwagen bestehender Schnellzug auf dem zur Brücke über den Merwede-Kanal fahrenden Bahndamm, nachdem der durch tagelangen Regen aufgeweichte Damm abgerutscht war. Die Waggons mit hölzernen Wagenaufbauten stürzen den Bahndamm hinunter und werden schwer beschädigt, ebenso die Lokomotive, die zwar nicht den Damm hinunterstürzt, dafür aber gegen die Stahlträger der Brücke stösst. Es erweist sich als Glücksfall, dass sich ein Arzt unter den Fahrgästen befindet und eine Infanterieeinheit gerade in der Nähe eine Übung abhält. Gemeinsam mit dem Arzt leisten die Soldaten erste Hilfe und organisieren die Rettungsarbeiten. Auf dem Kanal verkehrende Schiffe wurden angehalten, um die Verletzten in die Spitäler zu transportieren. Die Bahngesellschaft wird dazu verurteilt, an die Fahrgäste eine
    Entschädigung in der Höhe von 1,4 Millionen Gulden zu zahlen.
    Opferbilanz: 41 Tote, 42 Schwerverletzte.

    Vor 75 Jahren:

    19. 09. 1943: [Białystok, Polen] Nach einem Anschlag auf den Schnellzug mit Wehrmachtsteil DmW 31 entgleist der Zug.
    Opferbilanz: 23 Tote, 33 Verletzte.

    Vor 70 Jahren:

    14. 09. 1948: [Taejon, Südkorea] 24 km nördlich von Taejon fährt ein Reiszug auf einen anderen Zug auf. Die meisten Todesopfer sind US-Soldaten.
    Opferbilanz: 40 Tote, knapp 60 Verletzte.

    Vor 60 Jahren:

    14. 9. 1958: [Königswinter, BRG] Auf der im Jahr 1953 elektrifizierten Drachenfelsbahn, einer Zahnradbahn zwischen Königswinter am Rhein und der Burgruine Drachenfels werden in den Sommermonaten bei Einschubzügen auch noch Dampflokomotiven eingesetzt. Am 14. September 1958 kommt es dabei zu einem schweren Unfall: Der Zug der letzten Talfahrt an diesem Tag fährt um 18:45 Uhr ab. Etwa 160 Fahrgäste befinden sich im Zug, obwohl nur 135 zugelassen sind. Der Zug besteht aus der – wie immer talwärts laufenden – Dampflok 3" und drei Wagen (No. 2, 3, & 4), die nur über große Mittelpuffer aufgrund der Schwerkraft untereinander und mit der Lok verbunden und nicht gekuppelt
    sind. Wegen einer Nachlässigkeit der Bedienungsmannschaft ist der Kesseldruck von 13 auf 6 Bar abgesunken. Infolge des geringen Kesseldrucks kann auch die Riggenbach-Gegendruckbremse nur eine dem Kesseldruck entsprechende verminderte Bremsleistung erzeugen. Dadurch wird der Zug trotz Einstellung der vollen Bremsleistung sofort nach der Abfahrt spürbar zu schnell. Das Lokpersonal zieht daraufhin die Handbremse an. Die Wirkung der Handbremse setzt dann gleichzeitig mit der vollen Wirkung der selbstverstärkten Riggenbach-Bremse ein, wodurch auf die beiden Zahnräder schlagartig eine Bremskraft von 27 t wirkt. Zulässig sind höchstens 18 t Bremskraft. Die beiden Zahnräder werden
    dadurch aus der Zahnstange gedrückt, schleifen auf dem Holm der Leiterzahnstangen und können so die Bremskraft nicht mehr übertragen. Die Lok erreicht eine (vom Gutachter später geschätzte)
    Endgeschwindigkeit von 40–50 km/h statt der sonst zulässigen 10 km/h. Sie entgleist in einer leichten Kurve mitsamt dem ersten Wagen und kippt um. Der erste Wagen wird vollständig zerstört. Der zweite Wagen wird vom Schaffner mit der Handbremse verlangsamt, fährt aber immer noch mit erheblicher Wucht in die Trümmer des ersten Wagens. Lediglich im dritten Wagen gelingt es dem dortigen Schaffner, ausreichend zu bremsen. Der Lokführer springt ab und überlebt, der Heizer kommt ums Leben. Aufgrund des Unfalls wird der öffentliche Dampfbetrieb auf der Drachenfelsbahn eingestellt. Außerdem wird der Unfall als Vorwand zur Stilllegung der St. Andreasberger Kleinbahn im Harz genommen, obwohl dort nie ein Unfall stattgefunden hat.
    Opferbilanz: 18 Tote, 112 Verletzte.

    15. 9. 1958: [Newark Bay, Bundesstaat New Jersey, USA] Drei Waggons und die beiden Lokomotiven eines aus zwei Diesellokomotiven und fünf Waggons bestehenden Personenzuges stürzen in die Newark Bay, nachdem der Zug trotz Halt zeigender Signale auf Grund der offenen Hubbrücke durch die
    aktivierte Gleissperre zum Entgleisen gebracht wird. Zwei Waggons versinken sofort in den Fluten, der dritte bei Einsetzen der Flut. Die Passagiere aus dem dritten Wagen können sich retten, die Fahrgäste des zweiten Waggons werden fast ausnahmslos getötet. Der erste Waggon ist zum Glück leer. Lokführer, Beimann, Zugführer und Bremser kommen ebenfalls ums Leben, sodass der Grund, warum die Lokmannschaft das Haltesignal ignorierte, nie geklärt werden kann.
    Opferbilanz: 48 Tote.

    Vor 25 Jahren:

    13. 09. 1993: [Mosambik] Im Norden des Landes entgleist ein Zug.
    Opferbilanz: 77 Tote.

    Quellen: Peter Semmens, Katastrophen auf Schienen, Transpress Verlag, Stuttgart 1996; Erich Preuß, Eisenbahnunfälle in Europa, Transpress Verlagsgesellschaft, Berlin 1991; Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 489 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Neu

    Vor 110 Jahren:

    25. 09. 1908: [Young's Point, Bundesstaat Montana, USA] Zwei Reisezüge stoßen bei Young's Point auf offener Strecke zusammen, weil die Lokmannschaft eines der beiden Züge den Kreuzungsaufenthalt mit dem Gegenzug nicht abwartet, sondern weiterfährt.
    Opferbilanz: 23 Tote.

    26. 09. 1908: [Berlin] Im Bereich eines Gleisdreieckes der Berliner Hochbahn fährt ein von der Station Leipziger Platz kommender und Richtung Warschauer Brücke fahrender Zug einem von der Station Bülowstraße kommenden und ebenfalls Richtung Warschauer Brücke fahrenden Zug in die Flanke, worauf der führende Triebwagen des von der Bülowstraße kommenden Zuges aus den Schienen gehoben wird und vom Viadukt in die Tiefe fällt. Unfallursache: Übersehen des Halt zeigenden Signals durch den Fahrer des aus Richtung Bülowstraße kommenden Zuges.
    Opferbilanz: 21 Tote, über 20 Verletzte.

    Vor 100 Jahren:

    19. 09. 1918: [Tonnerre, Frankreich] Zusammenstoß zweier Züge im Pacy-Tunnel bei Tonnerre (Magistrale Paris - Lyon).
    Opferbilanz: ca. 30 Tote, ca. 100 Verletzte.

    22. 09. 1918 [Dresden-Neustadt, Sachsen] Gegen 21:28 Uhr bleibt der P 1513 wegen eines Lokschadens vor dem Einfahrsignal des Bahnhofs Dresden-Neustadt liegen. Aufgrund des Streckenblocks zeigt das Signal mit der Bezeichnung „Posten 30“, das die Einfahrt in den von dem Personenzug belegten Blockabschnitt sichert, „Halt“ für den folgenden Zug. Der D 196 muss nun vor diesem „Halt“ zeigenden Signal warten.Der Lokomotivführer des D 13 deutet aufgrund einer Farbenblindheit, die nicht bekannt war und sich erst bei den nachfolgenden Ermittlungen herausstellt, das in Pieschen „Halt“ zeigende Signal unzutreffend und glaubt, es zeige „Fahrt frei“: Er verwechselt rotes und grünes Licht und fährt so in den von dem D 196 belegten Streckenabschnitt ein. Vor dem Vorsignal des Postens 30, das den folgenden Blockabschnitt sichert und „Halt erwarten“ zeigt, bremst er, leitet aber erst 40 m vor dem Aufprall auf den D 196 eine Schnellbremsung ein. Der Aufprall auf den stehenden D 196 ist damit aber nicht mehr zu verhindern.
    Die Lokomotive des D 13 wird durch den Aufprall nur leicht beschädigt, der D 196 dabei aber um 10 m nach vorne geschoben. Dessen letzte zwei Wagen verkeilen sich ineinander und werden zusammen mit den beiden vorauslaufenden Wagen größtenteils zertrümmert. Diese Wagen geraten zudem in Brand.In dem anschließenden Strafverfahren wird der Lokomotivführer aufgrund seiner Farbenblindheit wegen des Überfahrens des „Halt“ zeigenden Signals nicht zur Rechenschaft gezogen. Da er jedoch das Schlusssignal des D 196 hätte erkennen müssen – ein Schlusssignal ist immer rot, hier scheidet also eine Verwechslung mit einem grünen Licht aus –, er aber trotzdem zu spät bremste, wird er wegen fahrlässiger Transportgefährdung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Heizer der Lokomotive erhält die gleiche Strafe.
    Opferbilanz: 18 Tote, 118 Verletzte.

    Vor 80 Jahren:

    25. 9. 1938: [Martorell, Spanien] Zusammenstoß zweier vollbesetzter Personenzüge in Martorell, 24 km westlich von Barcelona. Die Unfallursache ist bis heute nicht geklärt, wobei sowohl eine Signalstörung als auch menschliches Versagen durch einen Fahrdienstleiter in Frage kommen.
    Opferbilanz: 68 Tote, ca. 300 Verletzte.

    Vor 25 Jahren:

    21. 09. 1993: [Chhabra, Indien] Der Personenzug von Kota nach Bina stößt bei Chhabra in Rajasthan mit einem Güterzug zusammen.
    Opferbilanz: 71 Tote.

    22. 09. 1993: [Nobile, Bundesstaat Alabama, USA] Der Eisenbahnunfall am Big Bayou Canot bei Mobile ist der schwerste Eisenbahnunfall in der Geschichte der US-amerikanischen Personenverkehrsgesellschaft Amtrak.
    Der Sunset Limited Express verlässt mit etwa 200 Reisenden den Bahnhof von New Orleans wegen einer Reparatur mit über 30-minütiger Verspätung. Der Zug besteht aus drei Diesellokomotiven, einem Gepäck- und sieben Personenwagen. Der Zug muss auf seinem Weg die Bayou Canot-Brücke befahren, die den gleichnamigen Arm des Mobile Rivers quert.
    Ein sechsteiliger Schiffs-Schubverband, die Mauvilla, ist mit Kohle und Roheisen beladen auf dem Mobile River unterwegs. In der Nacht des Unfalls herrscht dichter Nebel über dem Fluss und die Sichtweite beträgt nur etwa 15 Meter. Das Schiff besitzt ein Radargerät, hat aber weder Kompass noch Karten an Bord. Gleichwohl überlässt der Kapitän das Steuer einem wenig erfahrenen, radarunkundigen Schiffsführer.
    Die 80 Jahre alte Bayou Canot-Brücke wurde ursprünglich als Drehbrücke errichtet. Sie besteht aus drei Abschnitten: Der südliche Abschnitt ist eine 55 m lange Fachwerkbrücke auf Betonpfeilern. Der mittlere Teil besteht aus Stahlträgern. Er war ursprünglich auf einem zentralen Stahl-Betonpfeiler drehbar montiert und 46 m lang. Der nördliche Abschnitt besteht aus einer 64 m langen Holzbohlenbrücke. Zwar wird die Brücke nicht mehr als Drehbrücke genutzt. Jedoch wurde versäumt, ihren beweglichen Teil so zu fixieren, dass er nicht mehr bewegt werden kann. Andererseits ist ein durchgehendes Gleis über die Brücke.
    Der Schiffsführer verfährt sich: Er biegt irrtümlich nach links auf den Big Bayou Canot ab, einen für den Schiffsverkehr gesperrten Seitenarm des Flusses. Er hält ihn für eine Linksbiegung des Flusses, die jedoch einige Kilometer weiter nördlich liegt. Aufgrund seiner geringen Erfahrung deutet dieser die vor ihm auftauchende, unbeleuchtete Bayou Canot-Brücke als weiteren Schubverband und versucht daran festzumachen. Da sich der Schiffsführer in der Geschwindigkeit verschätzt, rammt er die Brücke leicht mit der Spitze des Schubverbandes. In dem Glauben, am Ufer aufgelaufen zu sein, stoppt er sein Schiff.
    Tatsächlich hat er aber den drehbaren Teil der Brücke etwas verschoben und auch die zum Teil stark korrodierten Verbindungen zwischen Stahlträgern und Betonpfeilern gelockert. Der mittlere Teil der Brücke verschiebt sich so um etwa 97 cm. Das verbiegt das auf der Brücke liegende, durchgehende Gleis, lässt es jedoch nicht brechen.
    Der Sunset Limited überquert in diesem Moment ungefähr zwei Minuten vor der Brücke das letzte davor liegende Signal, das „Fahrt frei“ zeigt, ebenso wie zuvor schon das Vorsignal. Dieses sichert auch den Abschnitt, in dem die Brücke liegt. Ein vorhandener Sensor wird nicht aktiv, da er nur auf Schienenbrüche anspricht. In diesem Fall hätte er das Signal auf „Halt“ gestellt. Die Verschiebung des Gleises reicht aber aus, den Zug bei der gefahrenen Geschwindigkeit entgleisen zu lassen: Der Zug befährt die Brücke um kurz vor 3:00 Uhr mit rund 115 km/h. Dabei entgleisen die drei Lokomotiven, der nachfolgende Gepäckwagen, ein Schlafwagen sowie zwei weitere Personenwagen. Bei ihrem Sturz in den sumpfigen Fluss reißen sie den mittleren Teil der Brücke mit sich. Die letzten Personenwagen bleiben auf dem verbliebenen Rest der Brücke stehen. Der auslaufende Dieselkraftstoff der Lokomotiven gerät in Brand und breitet sich auf dem Wasser aus.
    Opferbilanz: 47 Tote, darunter 5 Eisenbahner, 103 zum Teil Schwerverletzte. Der Schiffsbesatzung gelingt es, 17 Personen aus dem Fluss zu retten.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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