Gedenk- und Bedenktage, Jubiläen etc.

  • 120 Jahre Luzern - Engelberg-Bahn

    Vor nunmehr 120 Jahren, am 5. Oktober 1898 wurde die damalige Stansstad-Engelberg-Bahn (StEB) zwischen den Bahnhöfen Stansstad-Schiffsstation (435 m Seehöhe) und Engelberg (999m) elektrisch mit 750 V 32 Hz Drehstrom in Betrieb genommen. Sie ist eine der ältesten elektrisch betriebenen Bahnlinien der Schweiz und war zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung mit rd. 22 km Streckenlänge die längste elektrische Bahnlinie der Schweiz. Anfang der 60er-Jahre des 20. Jh. konnte sie nach Ausräumen der Finanzierungsprobleme bis Hergiswil verlängert werden, wodurch der Anschluss an die Brünigbahn möglich wurde und die Züge bis Luzern durchgebunden werden konnten. Gleichzeitig erfolgte die Umstellung auf das SBB-Bahnstromsystem mit 15kV 16,7 Hz AC. Mit 16. 12. 1964 nahm die nunmehr Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE) heißende Bahn den durchgehenden Betrieb bis und ab Luzern auf. Ab 1964 wurden bis 1980 insgesamt acht Triebwagen BDeh 4/4 beschafft, von denen sechs noch vorhanden sind. Diese Triebwagen, die bis 2010 den Gesamtverkehr abwickelten, konnten auf dem 1.579 m langen 246 ‰-Zahnstangenabschnitt (System Riggenbach) zwischen den Stationen Obermatt und Engelberg mit 14,5 km/h befahren. Der 246 ‰-Zahnstangenabschnitt durch die Aaschlucht wurde zwischen 2001 und 2010 durch den Bau eines ca. 4 km langen Tunnels ersetzt, wodurch
    die Maximalsteigung auf 105 ‰ verringert und die Fahrzeit um 14 Minuten verkürzt konnten. Im Jahr 2004 wurde die LSE mit der Brünigbahn fusioniert und seit Anfang 2005 fährt das fusionierte Unternehmen unter dem Namen Zentralbahn (ZB).

    Am 22. 08. 2005 wurde die Trasse im unteren Teil der Aaschlucht durch ein Hochwasser vollständig zerstört und am oberen Ende der Schlucht
    stürzte der die Bahntrasse und die Kantonsstraße tragende Viadukt ein, wodurch Engelberg für mehrere Tage nur über den Luftweg erreichbar war.

    Der Wintersportort Engelberg ist den Schisprung-Fans unter den Usern als Austragungsort von Weltcup-Schisprung-Veranstaltungen ein Begriff.

    Quellen: Die Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 156ff. sowie
    Wikipedia
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  • Fortsetzung Nr. 491 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 130 Jahren:

    10. 10. 1888: [Mod Run, Bundesstaat Pennsylvania, USA] Mit insgesamt acht Sonderzügen sollen rd. 5.000 Mitglieder der amerikanischen Abstinenzler-Vereinigung von einer Veranstaltung in Hazleton nach Hause gebracht werden. Um den Abtransport rasch abwickeln zu können, werden die Sonderzüge im Abstand von 10 Minuten abgefertigt. Aus Sicherheitsgründen fährt auf den Lokomotiven zusätzlich zum Lokpersonal eigens ein Signalbeobachter mit. Als der fünfte Sonderzug nach dem Haltepunkt Mud Run bei einem Halt zeigenden Signal stehen bleiben muss, sichert die Zugmannschaft den Zug nach hinten vorschriftsmäßig mit einer roten Laterne ab und läuft dem Folgezug entgegen. Trotz dem dritten Mann am Führerstand übersieht die Lokmannschaft des sechsten Zuges das Halt zeigende Einfahrtssignal von Mud Run. Als sie die ihnen entgegenlaufende Zugmannschaft sowie die rote Laterne des fünften Zuges erblicken, leiten sie eine Notbremsung ein, die jedoch zu spät kommt. Beim Aufprall der Lok des sechsten Zuges auf den letztgereihten Waggon des fünften Zuges wird dieser zu zwei Drittel
    in den vorletzten Waggon geschoben und dieser in den drittletzten. Im letzten Waggon gibt es keine Überlebenden. Aus der Ortschaft Pleasant
    Valley sterben 37 Bewohner, darunter viele Jugendliche. Die schuldtragende Lokmannschaft, der Sicherheitsmann und ein Schaffner des
    fünften Zuges werden vor Gericht gestellt, in der Verhandlung am 16. 03. 1889 jedoch freigesprochen. Weitere Informationen zum Unfall von Mud Run auf Wikipedia.
    Opferbilanz: 66 Tote, 50 Verletzte.

    Vor 100 Jahren:

    09. 10. 1918: [Jünkerath, Deutschland] Bei Jünkerath stoßen ein Personenzug und ein Militär-Urlauberzug zusammen.
    Opferbilanz: 16 Tote, 28 Verletzte.

    Vor 75 Jahren:

    06. 10. 1943: [Chalon-sur-Saone, Frankreich] Ein nach Lyon fahrender Schnellzug fährt bei Chalon-sur-Saône auf einen entgleisten Güterzug auf.
    Opferbilanz: 21 Tote, ca. 90 Verletzte.

    Vor 50 Jahren:

    01. 10. 1968: [Korinth, Griechenland] Bei Korinth stoßen auf der Peloponnes-Meterspurstrecke zwei Reisezüge frontal zusammen.
    Opferbilanz: 34 Tote, 150 Verletzte.

    Vor 30 Jahren:

    09. 10. 1988: [Lapovo, ehemaliges Jugoslawien, heute Serbien] Während der Durchfahrt des Schnellzuges Skopje - Belgrad durch den bahnhof Lapovo entgleisen aus unbekannten Gründen die beiden die beiden letzten Wagen des Schnellzuges und werden gegen die Lok eines im Bahnhof stehenden Güterzuges geschleudert. Da der Schnellzug nachweislich nicht zu schnell unterwegs war, wird ein technisches Gebrechen als Unfallursache angenommen.
    Opferbilanz: Mindestens 33 Tote, 15 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
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  • Nachtrag zur Fortsetzung Nr. 491

    Vor 100 Jahren:

    09. 10. 1918: [Craiova, Rumänien] Auf Grund einer Unterspülung der Strecke nach einem Wolkenbruch entgleist ein Schnellzug.
    Opferbilanz: Rund 100 Tote.

    Vor 80 Jahren:

    09. 10. 1938: [Sant Vicenç de Calders, Katalonien] Im Spanischen Bürgerkrieg stehen die Region Katalonien und deren Hauptstadt Barcelona auf der Seite der Republikaner, weshalb es immer wieder zu Luftangriffen der Faschisten kommt. Am 9. Oktober 1938 wird ein von Tarragona nach Barcelona fahrender, aus Personenwagen mit Holzaufbauten bestehender Personenzug von einem auf den Balearen gestarteten Flugzeug mit Fliegerbomben angegriffen und beschossen. Dabei werden sechs Waggons zerstört.
    Opferbilanz: 83 Tote, über 200 Verletzte, zum Großteil Zivilisten. Viele Fahrgäste kommen in der nach dem Luftangriff ausbrechenden Panik ums Leben.

    Quellen: Wikipedia - Liste schwerer Unfälle und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.
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  • Fortsetzung Nr. 492 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 110 Jahren:

    14. 10. 1908: [Metz, Bundesstaat Michigan, USA] Schwere Waldbrände in den Bundesstaaten Michigan und Wisconsin veranlassen die Behörden, die Bewohner des Dorfes Metz mit Hilfe eines Hilfszuges zu evakuieren. Nach Aufnahme der Bewohner samt Hab und Gut versucht die Zugmannschaft den Flammen durch die Fahrt Richtung Norden zu entkommen, was jedoch angesichts des wütenden Feuers nicht gelingt und man die Flucht Richtung Süden versucht. Beim Versuch, eine vom Feuer bereits beschädigte Brücke über einen Abwasserkanal zu befahren, bricht diese zusammen und der Zug stürzt in den Kanal. Die meisten Todesopfer sind Frauen und Kinder.
    Opferbilanz: 35 Tote.

    Vor 100 Jahren:

    12. 10. 1918: [Selerra, Spanien] Auf Grund einer falsch gestellten Weiche stoßen bei Selerra zwei Personenzüge frontal zusammen.
    Opferbilanz: 67 Tote, 25 Schwerverletzte.

    Vor 75 Jahren:

    16. 10. 1943: [Coesfeld, Deutschland] Auf einer Ek der Bahnlinie Coesfeld - Borken rammt ein Reisezug bei dichtem Nebel einen Wehrmachts-Lkw.
    Opferbilanz: 21 Tote, 10 Verletzte.

    17. 10. 1943: [Schüpfheim, Kanton Luzern, Schweiz] Der Stationsvorstand des Bahnhofes Schüpfheim an der Bahnlinie Luzern - Bern stellt die Einfahrweiche unter dem vorletzten Wagen eines durchfahrenden Schnellzugs Luzern – Bern. Die beiden Wagen entgleisen und stoßen gegen die Lokomotive des Gegenzuges, der die Zugkreuzung abwartet. Die beiden Wagen werden schwer beschädigt.
    Opferbilanz: 6 Tote, ca. 50 Verletzte.

    Vor 50 Jahren:

    16. 10. 1968: [Hauptsuhl, Bundesland Rheinland-Pfalz, BRD]Auf der Bahnstrecke Mannheim–Saarbrücken werden Halte- und Sicherungsbolzen einer Eisenbahnweiche entfernt und diese auf Ablenkung gestellt. Lokomotive und 7 Wagen des D 216 entgleisen mit 120 km/h.
    Opferbilanz: 1 Toter, 14 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgaart 1996; Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1990; Wikipedia - Liste schwerer Eisenbahnunfälle in den USA und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.
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  • Fortsetzung Nr. 493 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 105 Jahren:

    22. 10. 1913: [Waldenburg heute Wałbrzych, Polen] Am Tag des Unfalls herrscht ein heftiger Sturm. Auf dem Waldenburger Güterbahnhof der Preußischen Staatsbahn wird rangiert. Dabei wird ein leerer Offener Güterwagen abgestellt, der weder durch eine Handbremse noch durch einen Hemmschuh vor dem Wegrollen gesichert wird.Der Güterwagen wird vom Sturm erfasst und auf die offene Strecke getrieben. Dort rollt er über einen Bahnübergang, der gerade von einem Zug der Waldenburger Straßenbahn gequert wird und rammt den Straßenbahnzug.
    Opferbilanz: 14 Tote.

    Vor 85 Jahren:

    24. 10. 1933: [St. Elier, Frankreich] Zwischen den Bahnhöfen St. Elier und Conches-en-Ouche entgleist mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h der Schnellzug Cherbourg - Paris knapp vor einer über den Fluss Iton führenden Brücke. Lok samt Tender, ein Bremswagen und vier Reisezugwagen stürzen in den Fluss. Dabei werden die ersten drei Reisezugwagen mit Holzaufbauten weitgehend zerstört.
    Opferbilanz: 36 Tote, 68 Verletzte.

    Vor 75 Jahren:

    23. 10. 1943: [Deutschland] Auf der Strecke München Hbf. - Ingolstadt rammt der P 210 auf einer Ek einen Autobus. Ursache: Offener Bahnschranken.
    Opferbilanz: 17 Tote, 25 Verletzte.

    Vor 15 Jahren:

    23. 10. 2003: [Zell am See, Salzburg] Zusammenstoß eines Regionalzuges mit einer Gleisbaumaschine bei der Einfahrt in den Bahnhof Zell am See. Es entsteht hoher Sachschaden in der Höhe von vier Millionen Euro.
    Opferbilanz: 16 Verletzte, darunter 3 Schwerverletzte.

    24. 10. 2003: [Zürich-Oerlikon, Schweiz] Beim Bahnhof Zürich Oerlikon stoßen zwei Schnellzüge in einer Flankenfahrt seitlich zusammen. Ein von Zürich nach Konstanz fahrender Regio-Express kann in Zürich Oerlikon nicht anhalten und prallt seitlich in einen aus Schaffhausen kommenden Schnellzug. Die Bremshähne zwischen dem ersten und zweiten Wagen sind fälschlicherweise geschlossen und damit ist der größte Teil des Zuges ungebremst.
    Opferbilanz: 1 Tote (tschechische Touristin), über 60 Verletzte.

    Vor 5 Jahren:

    21. 10. 2013: [Naseerabad District, Pakistan] Auf den Jaffar Express Quetta - Rawalpindi wird ein Bombenanschlag verübt.
    Opferbilanz: 7 Tote, 17 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress verlag, Stuttgart 1996; Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag Berlin 1991; Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
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  • Fortsetzung Nr. 494 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 155 Jahren:

    28. 10. 1863: [Frankenstein, Deutschland] Ein leerer Güterzug fährt in den Bahnhof Frankenstein an der pfälzischen Ludwigsbahn ein. An seinem Ende ist ein Packwagen angehängt, in dem 50 Arbeiter mitfahren. Ein in derselben Richtung verkehrender Personenzug fährt auf den Güterzug auf.
    Opferbilanz: 7 Tote.

    Vor 130 Jahren:

    29. 10.*) 1888: [Borki, Russland, heute Ukraine] Der von zwei Lokomotiven gezogene Hofzug des Zaren Alexander III. entgleist auf der Fahrt von der Krim nach St. Petersburg in der Nähe des Ortes Borki, heute Birky, südlich von Charkow/Charkiw. Die Zarenfamilie bleibt dabei unverletzt, obwohl der Speisewagen, in dem sie sich zum Unfallzeitpunkt aufhält, stark beschädigt wird. Die Unfallursache wird nie aufgeklärt, da die Bahngesellschaft und Staatsbeamte gegenseitig versuchen, jeweils dem anderen die Schuld zuzuweisen. Vermutlich war die Unfallursache eine Kombination aus einem zu schweren Zug, der zu schnell auf unzureichendem Oberbau fuhr. Allerdings hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass es sich um ein Attentat gehandelt habe. Dafür liegen allerdings keine Beweise vor. Die russische Monarchie stilisierte in ihrer Propaganda die „wundersame Rettung des Zaren und seiner Familie“ zu einem Gottesurteil über die Legitimation der Herrschaft des Zaren über Russland.
    Opferbilanz: 23 Tote, die Angaben zu den Verletzten schwanken zwischen 12 und 36 Personen.
    *) 17. 10. nach dem damals in Russland noch geltenden julianischen Kalender.

    Vor 90 Jahren:

    26. 10. 1928: [Resca, Rumänien] Ein Schnellzug nach Bukarest wird im Bahnhof resca irrtümlich auf jenes Gleis geleitet, auf der "Simplon-Orient-Express" die Kreuzung abwartet. Beim folgenden Zusammenstoß werden zwei Waggons des Simplon-Orient-Express weitgehend zerstört. Fast alle Todesopfer befinden sich in diesen Wagen. Der schuldtragende weichenwärter wird entlassen, der Bahnhofsvorsteher und der Lokführer des schnellzuges werden für zwei Monate vom Dienst suspendiert und der Lokführer erhält für ein Jahr keine Beförderung.
    Opferbilanz: 34 Tote.

    Vor 75 Jahren:

    29. 10. 1943: [Tsuchiura, Japan] Aufgrund eines Signalisierungsfehlers und des kriegsbedingt eingesetzten unerfahrenen Personals rammt im Bahnhof Tsuchiura auf der Jōban-Linie eine Gruppe von Güterwagen beim Rangieren einen anderen Güterzug, der auf dem Hauptgleis steht. Wagen dieses Zuges fallen auf das Gleis der Gegenrichtung. Sekunden später fährt dort ein Personenzug in die Trümmer. Ein Reisezugwagen stürzt dabei von einer Brücke in einen Fluss, was zu der hohen Zahl von Toten führt. Die Kessel aller drei beteiligten Lokomotiven explodieren.
    Opferbilanz: 57 Tote, 77 Verletzte.

    Vor 70 Jahren:

    28. 10. 1948: [Ankara, Türkei] Ein Sonderzug mit Angehörigen der Volkspartei, die an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Türkischen Republik teilnehmen wollen, entgleist kurz vor Ankara.
    Opferbilanz: 100 Tote, 150 Verletzte.

    Vor 65 Jahren:

    27. 10. 1953: [Orange, Kanton Bern, Schweiz] Bei der Chemins de fer du Jura (CJ) stoßen zwischen Tramelan zwischen Tavannes ein Personenzug mit einem Dienstzug zusammen, der Eisenbahnachsen transportiert. Die herumfliegenden Achsen des von der Ge 2/2 5 gezogenen Flachwagens verletzen zwei Bahnangestellte tödlich. Der Personenzug hat in Orange die Kreuzung nicht abgewartet. Der Ge 2/2 5 wird 1954 abgebrochen.
    Opferbilanz: 2 Tote.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
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  • Fortsetzung Nr. 495 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 100 Jahren:

    01. 11. 1918: [U-Bahn New york] Bei der Einfahrt in den heutigen U-Bahnhof Prospect Park der New Yorker U-Bahn in Flatbush, Brooklyn, durchfährt ein Zug der Brooklyn Rapid Transit Company (BRT) eine enge S-Kurve mit dem fünffachen der zulässigen Geschwindigkeit. Zwei Wagen werden aus der Kurve getragen und an der Wand des Tunnels zertrümmert. Allein aus dem dritten Wagen, von dem nicht mehr als Kleinholz überbleibt, werden 60 Tote geborgen. Hauptursache für den Unfall ist die mangelnde Qualifikation des wegen eines Streiks hilfsweise eingesetzten Fahrers. Fahrer, Schaffner und Streckenwärter werden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Aber auch mehrere höhere Beamte der Bahngesellschaft müssen vor Gericht. Schließlich werden alle Verfahren eingestellt und der letzte Angeklagte im April 1920 freigesprochen.
    Opferbilanz: 97 Tote, über 100 Verletzte.

    01. 11. 1918: [Briesen, Deutschland] Vor dem Einfahrsignal des Bahnhofes Briesen an der Strecke Frankfurt/Oder - Berlin fährt gegen 04:00 Uhr früh bei dichtem Nebel der mit Kriegsheimkehrern aus Russland besetzte Militärzug 4026 auf den liegengebliebenen, aus 41 Zweiachsern bestehenden hinteren Teil des insgesamt aus 54 Waggons bestehenden Nahgüterzuges 7708 auf. Unfallursache: Der Nahgüterzug soll im Bahnhof Briesen vom Militärzug überholt werden. Da im Bahnhof die Weichen von Weichenwärtern noch per Hand gestellt werden, der Nahgüterzug aber mit Vorsprung fährt und schneller ist als der Weichenwärter mit dem Umstellen der Weichen, muss der Zug vor dem Einfahrsignal warten. Beim Anfahren des Zuges reißt zwischen dem 13. und 14. Waggon die Kupplung, sodass der vordere Teil des Zuges in den Bahnhof einfährt, der hintere Teil jedoch auf der Strecke stehenbleibt. Da der Schlussbremser des Güterzuges auf seinem Sitz eingeschlafen ist, bekommt er davon nichts mit. Auch der Stellwerkswärter bekommt nicht mit, dass ein Teil des Nahverkehrszuges noch auf der Strecke steht, stellt das Einfahrsignal auf Halt und gibt die Strecke vom benachbarten Bahnhof Jakobsdorf bis zum ES von Briesen frei, worauf dem Militärzug in Jakobsdorf die Signale für die Durchfahrt freigestellt werden. Durch den dichten Nebel sieht der Lokführer den stehenden Zugteil des Nahgüterzuges viel zu spät und fährt mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit auf diesen auf. Trotz des augenscheinlichen Fehlverhaltens des Stellwerkswärters wird dieser vor Gericht freigesprochen.
    Opferbilanz: 25 Tote, darunter auch der schlafende Schlussbremser, 60 Verletzte.

    04. 11. 1918: [Völklingen, deutschland] Bei Völklingen brennt ein Personenwaggon aus.
    Opferbilanz: 18 Tote, 14 Verletzte.

    04. 11. 1918: [Rakos, Slowakei] An einem Wagen eines Militärzuges bricht beim Durchfahren des Bahnhofs Rakos in der heutigen Slowakei eine Achse. Der Wagen und zwei weitere stürzen um. Während der vordere Zugteil bremst, fährt der hintere auf den vorderen auf.
    Opferbilanz: 60 Tote, 180 Verletzte.

    06. 11. 1918: [Sternthal, Slowenien] Bei der Fahrt des aus 43 zweiachsigen Wagen bestehenden und mit Kriegsheimkehrern besetzten Militärzuges 259 tritt beim vierten Wagen des Zuges zwischen den Bahnhöfen Sternthal (heute: Kidričevo) und Pettau (heute: Ptuj) ein Heißläufer auf, in dessen Folge ein Radsatzlager bricht und der Wagen nach der Durchfahrt durch den Bahnhof Sternthal auf freier Strecke entgleist. Er wird noch 100 Meter mitgeschleift, bevor die Kupplung reißt. Daraufhin fährt der hintere Teil des Zuges auf den vorderen auf. Dabei werden der entgleiste Wagen sowie weitere 10 Wagen ineinander geschoben und zertrümmert. Der Heißläufer ist vermutlich durch schlechte Schmierung entstanden. Kriegsbedingt stehen nur minderwertige Schmiermittel zur Verfügung.
    Opferbilanz: 63 Tote, 121 Verletzte, 96 davon schwer.

    Vor 25 Jahren:

    02. 11. 1993: [Jakarta, Indonesien] In der Nähe von Jakarta stoßen zwei Reisezüge frontal zusammen.
    Opferbilanz: 35 Tote.

    Quellen: Peter Semmens, Katastrophen auf Schienen; Erich Preuß, Eisenbahnunfälle in Europa; Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Streckenjubiläum-Nachtrag: 150 Jahre Kronprinz Rudolf-Bahn

    Als ich im vergangenen Sommer das Verkehrsmuseum in St. Veit/Glan besuchte, gab es dort eine Sonderausstellung "150 Jahre Kronprinz Rudolf-Bahn", die vor 150 Jahren, am 15. August 1868 mit den Abschnitten St. Valentin - Steyr und Leoben - St. Michael - St. Veit - Villach eröffnet worden war. Ich habe mir damals vorgenommen, Mitte August auf das Jubiläum hinzuweisen, habe aber darauf vergessen.

    Kronprinz Rudolf-Bahn
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 135 Jahre Abruzzen-Linie Terni - Sulmona (- Isernia)

    Vor 135 Jahren, am 30. Oktober 1883 wurde der 79 km lange Abschnitt Rocca di Corno - Terni der insgesamt 293 km langen Abruzzen-Linie Terni - Sulmona - Isernia eröffnet. Von Sulmona bis L'Aquila (60 km) war die Strecke bereits ab 1875 befahrbar. L'Aqila mit ca. 68.000 EW ist die Hauptstadt der Region Abruzzen und wurde im Jahr 2009 durch ein Erdbeben schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die maximale Steigung beträgt 35 ‰, der kleinste Kurvenradius 250 m. Der Scheitelpunkt der Strecke liegt auf 989 m Seehöhe in der Nähe des Bahnhofes Sella di Corno und des 1335 m langen Scheiteltunnels Galleria di Corfinio.

    Die Strecke ist durchgehend eingleisig und nicht elektrifiziert. Es verkehren nur Regionalzüge und es gibt keine durchgehenden Züge, da der
    Verkehr in L'Aquila gebrochen wird. Zwischen Sulmona und L'Aquila sowie zwischen L'Aquila und Terni verkehren werktags ca. zehn Zugpaare. Zwischen Rieti (47.000 EW) und Terni (109.000 EW) verkehren zusätzlich noch drei bis vier Zugpaare. In Terni besteht Anschluss an die abschnittsweise zweigleisige und elektrifizierte Strecke (Rom -) Orte - Terni - Falconara (- Ancona) und in Sulmona (24.000 EW) besteht Anschluss an die eingleisige und elektrifizierte Strecke Rom - Avezzano - Sulmona - Pescara. Die südliche, 129 km lange Fortsetzung der Abruzzen-Linie von Sulmona über Castel di Sangro und Carpinone nach Isernia wurde Ende 2011 zwischen Sulmona und Carpinone leider eingestellt. Immerhin verkehren seit Jänner 2013 einmal im Monat wieder mit Triebwagenzügen der Reihe ALn 668 geführte Touristenzüge, die auf Grund des großen Andranges sogar in Dreifach-Traktion geführt werden müssen. Anscheinend müssen Bahnlinien in den abgeschiedenen Regionen immer erst eingestellt werden, damit sie dann von der Bevölkerung wahr- und angenommen werden.
    Quelle: Gebirgsbahnen Europas von ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 130f.

    Zur Orientierung: Ausschnitt aus der Eisenbahnkarte Italien

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 160 Jahre Alte Hauenstein-Linie

    Vor 160 Jahren, am 31. 10. 1858 wurde der 19 km lange Abschnitt Sissach - Läufelfingen - Olten mit dem 2.495 m langen Hauenstein-Scheiteltunnel der Magistrale Basel - Olten - Luzern eröffnet. Im Jahr 1916 wurde die Alte hauenstein-Linie durch den 8,1 km langen Hauenstein-Basistunnel ersetzt. Seither hat die Alte Hauenstein-Linie stark an Bedeutung verloren. Im November 2017 hat die lokale Bevölkerung in einer Abstimmung mit großer Mehrheit die Umstellung der Alten hauenstein-Linie auf Busbetrieb abgelehnt. Siehe hier.

    Wer mehr über diese wichtige schweizer Transversale wissen will, auf Wikipedia kann man es nachlesen.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 130 Jahre Bad Reichenhall - Berchtesgaden

    Vor 130 Jahren, am 25. Oktober 1888 wurde der 18,8 km lange Abschnitt Bad Reichenhall - Berchtesgaden der Berchtesgadener Bahn Freilassing - Bad Reichenhall - Berchtesgaden mit der Fahrt eines Sonderzuges feierlich eröffnet. 1914 wurde mit der Elektrifizierung der
    Strecke begonnen und im Jahr 1916 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen. Zwischen den Verkehrsstellen Bad Reichenhall-Kirchberg (km
    1,7) und Hallthurm (km 7,4) liegt eine Steilrampe mit bis zu 41 ‰ Steigung. Der Scheitelpunkt der Strecke befindet sich in Hallthurm mit 693 m Seehöhe. Der einzige, ca. 70 m lange Tristram-Tunnel musste 1934 abgetragen werden, weil sein Lichtraumprofil dem geplanten Einsatz
    vierachsiger Waggons im Weg stand.

    Aktuell wird der Verkehr auf der Berchtesgadener Bahn von der Berchtesgadener Land Bahn (BLB) abgwickelt.

    Quellen: Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 276f und
    Wikipedia
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  • 145 Jahre Schwarzwaldbahn Hausach - Villingen

    Vor 145 Jahren, am 01. 11. 1873 wurde durch Inbetriebnahme des 53 km langen Streckenabschnittes Hausach - Villingen der durchgehende Verkehr auf der Schwarzwaldbahn aufgenommen. Gebaut wurde sie 1863 - 1873 nach den Plänen des Pforzheimer Bauingenieurs Robert Gerwig (1820 - 1885), der u.a. auch für die Höllentalbahn und für die Nordrampe der Gotthardbahn zuständig war. Die Streckenlänge der durchwegs zweigleisigen Strecke beträgt zwischen Offenburg und Singen 149 km, bis Konstanz 179 km. Landschaftlich besonders schön und von der Streckenführung her sehr anspruchsvoll ist der 26 km lange Anstieg der Nordrampe von Hornberg (384 m Seehöhe) über die Kehrschleifen bei Triberg (686 m) bis zum Scheitelpunkt Sommerau bei St. Georgen auf 832 m Seehöhe.
    1955 fuhren die ersten Schienenbusse auf der Schwarzwaldbahn, 1956 gelangten die ersten V200-Dieselloks auf die Bergstrecke, die schließlich bis 1962 die Dampfloks auf der Schwarzwaldbahn ablösten. 1977 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen.
    Durch die Anlage der Kehrschleifen bei Triberg gelang es, die maximale Neigung auf 20 ‰ zu beschränken. Der kleinste Kurvenradius liegt bei 300 m. Es sind 39 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 10,6 km vorhanden, deren längster der Sommerau-Scheiteltunnel mit 1,7 km Länge ist.

    Quelle: Wikimedia

    Mehr Infos zur Schwarzwaldbahn auf Wikipedia

    Weitere Quelle: Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag Zürich 1982, S. 261ff.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 130 Jahre Ligne des Causses im französischen Zentralmassiv

    Heute vor 130 Jahren, am 10. November 1888 wurde das 57 km lange Teilstück Neussargues - Saint Chely der 325 km langen Ligne des Causses von Arvant (60 km südlich von Clermont Ferrand an der Ligne des Cévennes) durch das südwestliche Zentralmassiv nach Béziers am Mittelmeer an der Magistrale Nimes - Narbonne eröffnet.

    Mit "Causses" werden im Zentralmassiv kahle Hochebenen bezeichnet, was bedeutet, dass die Strecke überwiegend dünn besiedelte Gegenden durchquert. Seit 1931 ist die Strecke von Neussargues (km 50 ab Arvant) bis Béziers mit 1500 V DC elektrifiziert. In km 69 befindet sich das berühmteste Bauwerk der Strecke und eine der imposantesten Brücken der Welt, der knapp 565 m lange und 122 m hohe Garabit-Viadukt, errichtet von Gustave Eiffel.

    Das Verkehrsaufkommen war auf der Strecke auf Grund der dünnen Besiedlung des Zentralmassiv zu keiner Zeit bedeutend. Anfang der
    60er-Jahre verkehrten 1 - 2 Express-Zugpaare, 2 - 3 Regionalzugpaare und 6 - 7 Güterzugpaare. 2012 verkehrte laut Wikipedia nur mehr ein Personenzugpaar. Güterverkehr findet nur mehr zur Bedienung der an der Strecke ansässigen Betriebe statt. Auf Grund der geringen Inanspruchnahme der Bahn schwebt beständig das Einstellungsgespenst über ihr.

    Charakteristisch für die Ligne des Causses sind die Fahrleitungsmasten. Foto: Pierre Dablon

    Zur besseren Orientierung hier die Frankreichkarte von Boris Chomenco.

    Quellen: Die Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 56ff. und Wikipedia.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 496 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 185 Jahren:

    11. 11. 1833: [Hihgtstown, Bundesstaat New Jersey, USA] Aufgrund eines Heißläufers mit anschließendem Achsbruch entgleist zwischen Hightstown und Spotswood auf der Bahnstrecke South Amboy–Bordentown ein Zug der Camden and Amboy Railroad. Ein Wagen stürzt um, ein weiterer entgleist. Dabei werden zwei Fahrgäste getötet und darüber hinaus 21 der 24 darin Reisenden verletzt. Es ist der erste Eisenbahnunfall, bei dem Fahrgäste eines planmäßig verkehrenden Zuges ums Leben kommen.
    Der Unfall ereignet sich erst zwei Monate nachdem auf der Strecke Dampflokomotiven statt Pferden vor die Züge gespannt werden. Der Zug ist zunächst mit etwa 55 km/h unterwegs, dann mit etwa 35 km/h, nachdem die Achsen nachgeölt werden müssen.
    Bei dieser Geschwindigkeit kommt es gleichwohl zu einem Heißläufer an einem der Reisezugwagen, was wiederum zu einem Achsbruch führt, den Wagen umstürzen und einen weiteren entgleisen lässt. Der übrige Zug bleibt im Gleis und kann die Fahrt später fortsetzen.
    Ein Fahrgast ist sofort tot, ein weiterer stirbt später an den erlittenen Verletzungen. Unter den Überlebenden ist Cornelius Vanderbilt, der ein Bein sich bricht und einen Monat benötigt, um sich von den Verletzungen wieder zu erholen. Ihm gehört später die New York Central Railroad. Unverletzt, weil er in einem vorderen Wagen reist, bleibt der frühere US-Präsident John Quincy Adams, nun Kongressabgeordneter auf der Reise nach Washington, D.C. Er veranlasst, dass ad hoc eine offizielle Untersuchung vor Ort zur Beweissicherung durchgeführt wird. Ein weiterer Fahrgast im Zug war der belgische Gesandte in den USA.

    Vor 180 Jahren:

    08. 11. 1838: [Wakefield, Vereinigtes Königreich] Nach dem Einsturz einer Brücke der Manchester and Leeds Railway entgleist ein Zug und stürzt ab. Es ist der erste bekannte Eisenbahnunfall nach Einsturz einer Brücke.
    Opferbilanz: 1 Toter, 8 Verletzte.

    Vor 150 Jahren:

    10. 11. 1868: [Böhmische Westbahn Prag - Pilsen] Zu diesem Zeitpunkt wird noch nicht im Raum- sondern im Zeitabstand gefahren. Bei der Böhmischen Westbahn, auf deren Netz der Unfall passiert, beträgt der zulässige geringste zeitliche Abstand zwischen den Abfahrten zweier Züge fünf Minuten. Begründet wird dieser geringe zeitliche Abstand damit, dass die Strecke so dicht mit Wärtern besetzt sei, dass im Notfall ein Folgezug umgehend angehalten werden könne.
    Um 05:50 Uhr bleibt der von Zbirov nach Horovice an der Strecke Prag - Pilsen fahrende Personenzug im Schnee stecken. Auf Grund der herrschenden Witterung wartet der Fahrdienstleiter von Zbirov nicht nur fünf Minuten zu, sondern 15 Minuten, bevor er einen Güterzug dem Personenzug folgen lässt. Der Lokführer des Güterzuges befürchtet, angesichts der Schneemassen im Schnee stecken zu bleiben und fährt daher mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h. Den Wärter, der den liegengebliebenen Personenzug nach hinten absichert, sieht er erst auf einer Entfernung von ca. 200 m. Angesichts der Tatsache, dass der Zug nur handgebremst ist und die Strecke im Gefälle liegt, ist die Notbremsung weitgehend wirkungslos und der Zusammenstoß mit dem liegengebliebenen Personenzug unvermeidlich. Die Lok des Güterzuges wird schwer beschädigt und die letzten drei Wagen des Personenzuges werden zerstört.
    Der Lokführer des Güterzuges wird zu einem Jahr Gefängnis mit einem Fasttag vierteljährlich verurteilt. Der Lokführer des Personenzuges und der Bahnwärter fassen je sechs Monate mit einem Fasttag vierteljährlich aus. Dem Bahnwärter wird zum Vorwurf gemacht, die Strecke nicht aufmerksam genug beobachtet zu haben und außerdem sei er zu wenig weit vom Peronenzug entfernt aufgestellt gewesen. Der Unfall wird außerdem Anlass dafür, bei der Zugfolge endgültig vom Zeitabstand abzugehen.
    Opferbilanz: 29 Tote, davon sterben 7 im Spital (allesamt Soldaten), 59 Schwerverletzte.

    Vor 115 Jahren:

    14. 11. 1903: [Kentwood, Bundesstaat Lousiana, USA]t Bei Kentwood fährt ein Reisezug auf einen auf der Strecke haltenden Zug auf. Unfallursache: Bei der Illinois Central-Bahngesellschaft wird zu dieser zeit noch im Zeitabstand gefahren. Bei außertourlichen Halten auf der Strecke hat das Zugpersonal (Bremser, Schaffner) die Aufgabe, den Zug durch das Auslegen von Knallkapseln nach hinten abzusichern, um das Lokpersonal eines etwaigen Folgezuges zu warnen. Diese Aufgabe wird vom Zugpersonal jedoch unterlassen, weshalb es zum Auffahren des Folgezuges kommt.
    Opferbilanz: 32 Tote.

    Vor 105 Jahren:

    04. 11. 1913: [Melun, Frankreich] In Melun südlich von Paris stoßen um ca. 20:40 Uhr ein Richtung Süden fahrender Postzug und ein aus Marseille kommender Schnellzug bei einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h frontal zusammen. Dabei werden die ersten Waggons der beiden Züge schwer beschädigt und auf Grund des ausströmenden, für die Gasbeleuchtung benötigten Gases bricht Feuer aus. Die Unglücksstelle ist mit Briefen und Paketen übersät. Als Unfallursache wird das Übersehen eines Halt zeigenden Signals durch den Lokführer des Postzuges genannt. Der französische Bautenminister fordert als Konsequenz aus dem Unfall die Bahngesellschaft PLM auf, eine automatische Zugsicherung zu installieren und in den Waggons die elektrische Beleuchtung einzuführen.
    Opferbilanz: 39 Tote, darunter 15 Postbeamte aus dem Postzug.

    Vor 100 Jahren:

    05/06. 11. 1918: [Sternthal, Untersteiermark, heute Slowenien] Vermutlich aufgrund eines Achsbruches entgleist zwischen Sternthal/Kidričevo und Pettau/Ptuj ein überwiegend mit ungarischen Soldaten besetzter Heimkehrerzug.
    Opferbilanz: 63 Tote, 121 Verletzte.

    Vor 75 Jahren:

    14. 11. 1943: [Villupuram, Indien] In der Station Villupuram Junction entgleist der nach Madras fahrende "Indo-Ceylon Boat Mail-Express".
    Opferbilanz: 39 Tote, 88 Verletzte.

    Vor 60 Jahren:

    08. 11. 1958: [Buenos Aires, Argentinien] In der Abend-HVZ fährt in einem Außenbezirk von Buenos Aires ein nach Pergamino fahrender Regionalzug auf einen nach Tigre fahrenden elektrischen Vorortezug auf, der wegen einer Signalstörung angehalten hat.
    Opferbilanz: 22 Tote, 100 Verletzte.

    Vor 55 Jahren:

    09. 11. 1963: [Tsurumi, Japan] Zwischen den Bahnhöfen Tsurumi und Shinkoyasu in Yokohama entgleisen die Wagen 43 - 45 eines Güterzuges und geraten in das Lichtraumprofil des Nachbargleises. Ein Elektrotriebwagen, der in Richtung Tokio unterwegs ist, fährt nur
    Sekunden später in die entgleisten Güterwagen. Der Triebwagen entgleist ebenfalls und kippt in den vierten und fünften Wagen eines dritten, zwölf Wagen langen Zuges, der ebenfalls in Richtung Tokio unterwegs ist.
    Opferbilanz: 161 Tote, 119 Verletzte.

    Vor 45 Jahren:

    05. 11. 1973: [Guntershausen, BRD] Im Bahnhof Guntershausen fährt der DC 973 auf den Interzonenzug D 453 auf. Es herrscht Nieselregen. Der Interzonenzug D 453 von Mönchengladbach nach Leipzig Hauptbahnhof verlässt mit 7 Minuten Verspätung um 14:18 Uhr den Hauptbahnhof Kassel. Er besteht aus 11 Wagen, gezogen von der Diesellokomotive 216 023. Der DC 973 Ederland, gezogen von der Elektrolokomotive 110 243 folgt dem Interzonenzug in wenigen Minuten Abstand. Bis zum Bahnhof Guntershausen nutzen beide Züge dieselbe Bahnstrecke. Erst im Bahnhof zweigt die Bahnstrecke Bebra–Baunatal-Guntershausen von der Main-Weser-Bahn ab.
    Dem Lokomotivführer des voranfahrenden D 453 zeigt das Vorsignal zum Einfahrsignal des Bahnhofs Guntershausen „Langsamfahrt erwarten“. Dies bedeutet eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 40 km/h. Entsprechend versucht er, seinen Zug abzubremsen. Laub, Nässe und Schmutz haben aber einen Schmierfilm auf den Schienen gebildet. So gelingt es ihm nicht, den Zug ausreichend zu bremsen, und die automatische Zugsicherung INDUSI führt eine Zwangsbremsung durch, als der Zug am Einfahrsignal mit zu hoher Geschwindigkeit vorbeifährt. Der Zug kommt so im nördlichen Einfahrbereich des Bahnhofs Guntershausen zum Halten, wobei die letzten Wagen noch vor dem Einfahrsignal stehen. Der Lokomotivführer meldet die Störung dem Fahrdienstleiter. Das dahinterlegende Blocksignal Buchberg zeigt dementsprechend „Halt“ für nachfolgende Züge, da der Abschnitt ja noch nicht vollständig vom D 453 geräumt ist.
    Der DC 973 fährt mit zulässigen 120 km/h durch den Bahnhof Rengershausen. Nach dessen Ausfahrt zeigt das Vorsignal zum Block Buchberg „Halt erwarten“. Der Lokomotivführer bremst. Aber auch hier liegt nasses Laub im Nieselregen auf den Schienen, sodass es dem Lokomotivführer trotz eines 2200 Meter langen Bremsweges nicht gelingt, ausreichend zu bremsen. Als der Zug am „Halt“ zeigenden Blocksignal Buchberg vorbeifährt, wird auch hier eine Zwangsbremsung ausgelöst. Aber auch die wirkt wegen der Streckenverhältnisse nur unzureichend. Mit zunächst noch 90 km/h rutscht der Zug weiter talwärts und prallt mit noch ca. 40 km/h auf den Zugschluss des D 453. Der letzte Personenwagen, ein blauer 1.-Klasse-Wagen der Gattung Am202, wirde stark zusammengequetscht. Dabei kommt auch der Fahrplandezernent der damaligen Bundesbahndirektion Kassel ums Leben.
    In einem Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdiensten werden eingeklemmte Reisende befreit, Verletzte versorgt und die Toten geborgen. Die Strecke bleibt einen Tag lang vollständig gesperrt. Die Lokomotive 110 243 des DC 973 kann repariert werden.
    Seit dem Unfall besteht zwischen Rengershausen und Guntershausen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 km/h. Auch werden die Gleise hier bei entsprechendem Wetter regelmäßig mit hohem Druck freigespritzt.
    Opferbilanz: 14 Tote, 65 Verletzte.

    Vor 10 Jahren:

    05. 11. 2008: [Dillenburg, Bundesland Hessen, Deutschland] Im Bereich des Güterbahnhofs Dillenburg fährt ein Kesselwagen-Güterzug in einen anderen Güterzug, welcher fabrikneue Porsche-Sportwagen geladen hat. Der Lokführer des Kesselwagen-Zuges wird leicht verletzt, der Sachschaden beläuft sich auf ca. 5 Millionen Euro. Über 20 Sportwagen fallen von den Waggons, ein Austritt von Chemikalien aus den Kesselwagen findet nicht statt. Ursache des Unfalls ist, dass die diensthabende Weichenwärterin das betreffende Gleis fälschlicherweise als frei meldet, obwohl die hinteren Wagen des Autotransporter-Zuges das Gleis noch belegen.

    Vor 5 Jahren:

    11. 11. 2013: [Senftenberg, Bundesland Brandenburg, Deutschland] Ein unbeladener Ganzzug aus offenen Güterwagen der Klasse Eaos von DB Schenker Rail (heute DB Cargo), bespannt von der Elektrolokomotive 155 146 fährt im Bahnhof Hosena in der Stadt Senftenberg auf einen stehenden Güterzug des Eisenbahnverkehrsunternehmens Freightliner auf, der mit 3500 Tonnen Splitt beladen ist und vor einem Ausfahrsignal wartet. Beim Aufprall richten sich mehrere Wagen des auffahrenden Zuges auf, wobei die vordersten Wagen auf und neben der 155 146 zum Stehen kommen. Der Lokführer des auffahrenden Zuges wird leicht verletzt, der Kollege an der Zugspitze des stehenden Zuges dagegen nicht. Der Aufbau der 155 146 wird bei dem Unfall größtenteils zerstört, so dass sie nicht mehr repariert werden kann. Die Unfalllok wird am 18. Dezember 2013 vor Ort verschrottet. Infolge des Unfalls bleibt die Strecke bis zum 18. November gesperrt. In dieser Zeit erfolgt Schienenersatzverkehr zwischen Ruhland und Hoyerswerda.
    Über diesen Unfall wurde hier berichtet.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 497 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

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    Vor 100 Jahren:

    18. 11. 1918: [Hamont-Achel, Belgien] Während des Rückzugs des deutschen Heeres nach dem Waffenstillstand von Compiègne explodiert im belgisch-niederländischen Grenzbahnhof Hamont, der am Eisernen Rhein, der Bahnstrecke von Antwerpen nach Düsseldorf liegt, ein Munitionstransportzug. Ursache für die Explosion sollen von Kindern angezündete Feuerwerkskörper gewesen sein. Die Explosion löst eine weitere in einem zweiten Munitionstransportzug aus. Die Explosionen beschädigen auch drei Lazarettzüge, einer davon wird zerstört. Viele Opfer werden unter einstürzenden Häusern in der Umgebung des Bahnhofs begraben.
    Opferbilanz: Je nach Quelle 1.007 bzw. 1.750 Tote, die meisten davon deutsche Soldaten und ein großer Teil von Hamont wird zerstört. Der Unfall ist damit einer der weltweit bisher opferreichsten Eisenbahnunfälle.

    Vor 95 Jahren:

    15. 11. 1923: [Untertürkheim, Deutschland] Eine als Lokzug (Lz) verkehrende Lokomotive, wohl eine preußische T 16.1, befindet sich auf dem Weg nach Heilbronn und fährt dabei in den Bahnhof Untertürkheim ein. In der Gegenrichtung nähert sich der Lokalzug 1431, der nur die 4. Klasse führt und von Kornwestheim Personenbahnhof (ab: 17:15 Uhr) nach Untertürkheim (an: 17:39 Uhr) unterwegs ist. Da der Lz zur Weiterfahrt nach Heilbronn das Gleis der Gegenrichtung kreuzen muss, zeigt ihm das Ausfahrsignal „Halt“.
    Der Lokomotivführer des Lz missachtet das Ausfahrsignal und gerät so auf das Gleis der Gegenrichtung. Hier legt die Lokomotive zunächst mehr als einen Kilometer zurück, ohne dass ihrem Lokomotivführer etwas auffällt. Gleich darauf kommt es zum Frontalzusammenstoß.
    Der Lokomotivführer wird zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt. Das Gericht wertet es als erschwerend, dass er mehr als einen Kilometer auf dem Gleis der Gegenrichtung gefahren ist, ohne etwas zu merken. Die Eignung zum Fahrdienst wirde ihm aberkannt.
    Opferbilanz: 12 Tote, 15 Verletzte.

    Quelle:
    Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 105 Jahre Tarentaise-Bahnlinie (Saint Pierre d'Albigny -) Moûtiers - Bourg-Saint-Maurice

    Neu

    Das von der Isère durchflossene Tal in den französischen Alpen wird Tarentaise genannt und wird durch eine 80 km lange Bahnlinie, die in Saint Pierre d'Albigny von der Mont Cenis-Linie abzweigt, bahnmäßig erschlossen.
    Am 20. 11. 1913 wurde der letzte, 28 km lange Abschnitt Moûtiers - Bourg-Saint-Maurice eröffnet, während der 24 km lange Abschnitt Saint Pierre d'Albigny - Albertville schon 1879 und der 28 km lange Abschnitt Albertville - Moûtiers im Jahr 1893 eröffnet werden konnten. Eine im Jahr 1883 veröffentlichte Studie sah eine Fortsetzung der Bahnlinie von Bourg-Saint-Maurice mittels eines Tunnels unter dem Kleinen St. Bernhard-Paß ins Aostatal vor, die jedoch nie realisiert wurde.
    Die Inbetriebnahme des letzten Abschnittes von Moûtiers (480 m Seehöhe) nach Bourg-Saint-Maurice (812 m), der ausgesprochenen Gebirgscharakter aufweist, darunter auch ein Kehrtunnel, war die Voraussetzung für die Entwicklung des Winter-Tourismus in der Region, die heute mit den Wintersportorten Val-d’Isere, Tignes, Les Arcs, La Plagne sowie Trois Vallées (Méribel, Courchevel und Val Thorens/Les Menuires) die höchste Dichte an Wintersportorten weltweit aufweist.
    Die Bahnlinie ist durchgehend eingleisig und weist 14 Tunnel (darunter der 1,4 km lange Kehrtunnel de la Boucle) mit einer Gesamtlänge von 7,9 km auf. Die Strecke ist elektrifiziert (laut Boris Chomenko zwischen Saint Pierre d'Albigny und Albertville mit 1500 V DC und zwischen Albertville und Bourg-Saint-Maurice mit 25 kV 50 Hz AC. Während der Wintersaison verkehren auf der Tarentaise-Linie TGV-, Thalys- und Eurostar-Züge zwischen Bourg-Saint-Maurice einerseits und Paris,Brüssel und London andererseits.

    Quellen: Gebirgsbahnen Europas von Ascanio Schneider, Orell Füssli Verlag, Zürich 1982, S. 82 ff. und Wikipedia.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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