Gedenk- und Bedenktage, Jubiläen etc.

  • Fortsetzung Nr. 498 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 70 Jahren:

    23. 11. 1948: [Jullundur, Indien] Bei einem mit Flüchtlingen vollbesetzten Sonderzug entgleisen bei der Einfahrt in den Bahnhof von Jullundur Cantonment auf einer Weiche der 6. und 7. Waggon des Zuges und werden dabei beschädigt. Die Opferzahl ist deshalb so hoch, weil, wie in Indien üblich, sehr viele Reisende auf den Zugdächern sitzen, darunter auch viele Flüchtlinge samt Reisekoffern und Bettzeug.
    Opferbilanz: 21 Tote, 106 Verletzte.

    24. 11. 1948: [Sambhu, Indien] Ein Zug mit moslemischen Flüchtlingen aus Ambala Cantonment wird im Bahnhof von Sambhu auf ein Stumpfgleis geleitet, überfährt einen Prellbock und entgleist.
    Opferbilanz: 171 Tote, 300 Verletzte.

    Vor 20 Jahren:

    26. 11. 1998: [Khanna, Bundesstaat Punjab, Indien] Im Bahnhof Khanna entgleisen drei Waggons des "Frontier Golden Temple Mail", in die der entgegenkommende "Jammu Tawi-Sealdah-Express" hineinfährt.
    Opferbilanz: 209 Tote.

    Vor 5 Jahren:

    25. 11. 2013: [Mörel, Kanton Wallis, Schweiz] In Mörel kollidiert der Regionalzug 523 der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) von Göschenen nach Visp auf einem unbewachten Bahnübergang mit einem Lieferwagen. Der Lieferwagen wird von der Zugskomposition mitgerissen. Die drei Personenwagen und der am Zugschluss laufende Deh 4/4 52 werden aus den Schienen gehoben, der mittlere Wagen kippt auf die Seite.
    Opferbilanz: 9 Verletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfä.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 499 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 75 Jahren:

    02. 12. 1943: [Naumburg an der Saale, Deutschland] Nach Missachtung eines Halt zeigenden Signals bei abgeschalteter Indusi fährt der Fronturlauberzug SFR 33 auf den Fronturlauberzug SFR 360 auf.
    Opferbilanz: 35 Tote, 123 Verletzte.

    Vor 70 Jahren:

    05. 12. 1948: [Bissendorf, Bundesland Niedersachsen, BRD] Der Personenzug 1475 erhält in Bissendorf vom Fahrdienstleiter einen den Vorschriften entsprechenden Rangierauftrag, welcher aber vom Zugpersonal als Abfahrbefehl verstanden wird. Infolge dessen stößt Zug 1475 bei dichtem Nebel mit dem einfahrenden Personenzug 1476 zusammen.
    Opferbilanz: 6 Tote, 59 Verletzte.

    Vor 30 Jahren:

    03. 12. 1988: [Horka, Bezirk Dresden, DDR] Zwischen der Staatsgrenze zu Polen und dem Bahnhof Horka Gbf stoßen ein aus Polen kommender Güterzug und ein Dienstzug der Deutschen Reichsbahn frontal zusammen.
    Opferbilanz: 8 Tote (5 Deutsche, 3 Polen), 3 Verletzte.

    Vor 20 Jahren:

    03. 12. 1998: [St. Pölten, Österreich] Ein Güterzug rammt auf der Fahrt von Kledering nach Salzburg in den frühen Morgenstunden im Bahnhof St. Pölten einen zur Beladung abgestellten Postzug. Der Triebfahrzeugführer ist bei der Fahrt eingeschlafen und überfährt mehrere Halt zeigende Signale. Die Indusi-Einrichtung des Güterzuges ist vor der Abfahrt abgeschaltet und nicht wieder eingeschaltet worden, wodurch keine Zwangsbremsung ausgelöst wird.
    Opferbilanz: 8 Verletzte.

    Vor 15 Jahren:

    05. 12. 2003: [Jessentuki, Russland] Am Bahnhof von Jessentuki (Region Stawropol/Kaukasus) wird ein Selbstmordanschlag auf einen Eisenbahnzug verübt.
    Opferbilanz: 46 Tote, 170 Verletzte.

    Quellen: Eisenbahnunfälle in Europa von Erich Preuß, Transpress Verlag, Berlin 1991; Wikipedia - Liste von Unfällen im Schienenverkehr und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 500 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Vor 105 Jahren:

    06. 12. 1913: [Costești, Kreis Argeș, Rumänien] BeiCostești stoßen zwei Züge frontal zusammen.
    Opferbilanz: ca. 100 Tote.

    Vor 100 Jahren:

    07. 12. 1918: [Lothiers, Frankreich] Bei Lothiers stoßen ein Urlauberzug und ein Reisezug frontal zusammen.
    Opferbilanz: 68 Tote, 151 Verletzte.

    Vor 85 Jahren:

    09. 12. 1933: [Puçol, Provinz València, Spanien] Anarchisten haben im Zuge eines landesweiten Streiks die Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Barcelona – València über den Barranc del Puig zwischen den Bahnhöfen Puçol und El Puig, etwa 10 km nördlich von València, durch Bomben beschädigt. Als der Schnellzug von Barcelona nach Sevilla gegen 23:00 Uhr die beschädigte Brücke befährt, entgleist er, mehrere Wagen mit hölzernem Aufbau stürzen um und werden schwer beschädigt. Da die Unfallstelle abgelegen ist, dauert es vier Stunden, bis erste Hilfe zur Stelle ist. Der Hilfszug aus València, der zur Unfallstelle beordert wird, erreicht sie nur mit Verspätung, da die Gleise auch an anderer Stelle beschädigt sind.
    Opferbilanz: 13 Tote, 38 Verletzte.

    Vor 40 Jahren:

    08. 12. 1978: [Vaumarcus, Kanton Neuenburg, Schweiz] Bei Vaumarcus fährt ein Güterzug auf einen anderen, vor einem Halt zeigenden Signal stehen Güterzug auf. Dabei entsteht großer Sachschaden. Die Lok Re 4/4 II 11172 wird so schwer beschädigt, dass sie verschrottetwerden muss. Aus zwei Kesselwagen fließen ca. 100.000 l Flüssigbitumen aus und gelangen teilweise in den Neuenburger See.
    Opferbilanz: 1 Toter (der Tfzf. des auffahrenden Zuges).

    Vor 30 Jahren:

    12. 12. 1988: [Bahnhof Clapham Junction im Stadtteil Battersea, London] Im Vorfeld des Bahnhofs Clapham Junction verläuft die hier viergleisige Bahnstrecke in einem Geländeeinschnitt, der unmittelbar an den Gleisen durch Stützmauern abgefangen wird und oben durch einen Zaun gesichert wird.
    Dort sind einige Wochen vor dem Unfall Arbeiten an den Signalanlagen durchgeführt worden. Diese waren dringend erforderlich, weil die Anlagen völlig überaltert sind und es bis 1984 hier bereits drei Vorfälle gegeben hat, bei denen die Signalanlage versagte. Die entsprechenden Stellen der Bahn stehen unter erheblichem Druck, die Arbeiten an einer Reihe von Stellen im Netz schnell durchzuführen. Dabei werden im Bereich der späteren Unfallstelle neue Kabel verlegt, aber die alten Kabel werden aber versehentlich nicht entfernt. Die Funktionsprüfung erfolgt an einem Wochenende in freiwillig geleisteten Überstunden der Eisenbahner. Der Techniker, der den Fehler verursacht, ist seit dreizehn Wochen in einer Sieben-Tage-Woche im Einsatz. Eine Prüfung der Neuinstallation durch unabhängige Dritte findet nicht statt. Der Fehler wird bei der abschließenden Prüfung übersehen.
    Am 12. Dezember 1988 bewegen sich gegen 8:10 Uhr im morgendlichen Berufsverkehr mehrere stark besetzte Züge auf die spätere Unfallstelle zu:

    • Ein Zug von Basingstoke nach London Waterloo, ein stark besetzter Pendlerzug aus drei viergliedrigen Elektrotriebwagen der Baureihe 423.
    • Ihm folgt ein weiterer Zug, der aus einem Triebwagen der Baureihen 423 und zwei der Baureihe 438 gebildet ist.
    • Ein dritter Zug folgt im Blockabstand.
    • In der Gegenrichtung ist ein Leerreisezug unterwegs.
    Am Tag vor dem Unfall wird im Bereich der Signalanlage Ausrüstungsmaterial umgeräumt. Dabei werden die alten, nicht demontierten Kabel so verschoben, dass ein Kurzschluss entsteht, der verhinderte, dass das entscheidende Signal „Halt“ zeigt, wenn der vor ihm liegende Streckenabschnitt belegt ist.
    Dem Triebfahrzeugführer des Zuges von Basingstoke zeigt in der Anfahrt auf den Bahnhof Clapham Junction ein Signal „Fahrt frei“. Als er sich dem Signal nähert, springt es auf „Halt“ um. Der Bremsweg ist zu kurz, um noch vor dem Signal anzuhalten. Der Zug kommt so erst vor dem folgenden Signal zum Stehen. Von dort telefoniert er über den Streckenfernsprecher mit dem Stellwerk und erhält die Auskunft, dass keine Signalstörung vorliege. In diesem Moment fährt der folgende Zug auf den aus Basingstoke auf. Der noch telefonierende Triebfahrzeugführer informiert das Stellwerk quasi „live“ von dem Unfall. Der Mitarbeiter im Stellwerk stellt alle Signale, auf die er Zugriff hat, sofort auf „Halt“ und informiert die benachbarten Betriebsstellen. Allerdings kann er auf die automatische Signaltechnik keinen Zugriff nehmen. Dann ruft er den Bahnhofsvorstand an und bittet ihn, die Rettungsdienste zu alarmieren.
    Unmittelbar darauf passiert der Leerzug die Unfallstelle auf dem benachbarten Gleis, in das Trümmer des vorangegangenen Unfalls hineinragen, und kollidiert mit ihnen. Dem den beiden ersten Zügen folgenden weiteren Zug zeigt das Signal „Langsamfahrt erwarten“. Da die Stromschiene durch den Unfall beschädigt ist und keine Spannung mehr führt, rollt er nur noch mit verminderter Geschwindigkeit. Als der Triebfahrzeugführer die Unfallstelle sieht, kann er noch rechtzeitig bremsen, ohne in sie hineinzufahren.
    Schüler und Lehrer einer benachbarten Schule sind die ersten, die die Unfallstelle erreichen und Erste Hilfe leisteten. Sie werden dafür später von der Premierministerin, Margaret Thatcher ausgezeichnet. Die Rettungsarbeiten gestalten sich wegen Zaun und Stützmauern in dem Geländeeinschnitt schwierig. Es dauert bis gegen 16 Uhr, bevor der letzte Tote geborgen wird.
    Die amtliche Untersuchungskommission unter Vorsitz von Anthony Hidden, QC, vom Verkehrsministerium empfiehlt, sicherheitsrelevante Arbeiten an der Eisenbahninfrastruktur nur unter Aufsicht eines verantwortlichen Projektbeauftragten durchzuführen und durch unabhängige Dritte prüfen zu lassen. Sie stellt fest, dass das technische Personal unzureichend ausgebildet, ausgewählt, überwacht und geprüft wurde. Signalfehlfunktionen sollten künftig der Eisenbahnaufsichtsbehörde gemeldet werden. Die Einführung von Zugfunk und Lautsprechersystemen in den Zügen werden empfohlen.
    Die Tatsache, dass der Techniker, der den Fehler verursachte, seit dreizehn Wochen in einer Sieben-Tage-Woche im Einsatz war, wird im amtlichen Untersuchungsbericht als grober Mangel in der Arbeitssicherheit von British Rail kritisiert. British Rail wird dafür ein Bußgeld von £250,000 auferlegt.
    Der Eisenbahnunfall von Clapham Junction ist eine der Ursachen dafür, dass der Beirat für Gesetzgebung (Law Commission) für England und Wales 1996 empfiehlt, im Strafrecht den Tatbestand des Totschlags durch juristische Personen (Corporate Manslaughter and Corporate Homicide) einzuführen, was schließlich 2007 auch geschieht.
    Am oberen Rand des Geländeeinschnitts, in dem die Bahnstrecke verläuft, wurde an der Windmill Road im Spencer Park ein Gedenkstein an den Unfall errichtet.

    Gedenkstein
    Opferbilanz: 35 Tote, ca. 500 Verletzte, darunter 69 Schwerverletzte.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Transpress Verlag, Stuttgart 1996; Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Neu

    Servus.

    "Aller Anfang ist schwer", heißt es in Niederländisch. Wahrscheinlich gibt es auch eine deutschsprachige Version, die mir aber nicht bekannt ist.
    Was ich jedoch weiß, ist dass nicht der Anfang schwierig ist, sondern die Ausdauer. Wer kennt nicht die vielen Websites, die einst sehr optimistisch von jemandem begonnen haben, aber im Laufe der Jahre ein leises und ruhiges Ende gefunden haben?
    Nicht jedoch Dr.Bahnsinn. Gestartet am 14. September 2008 mit der Episode Nr. 1 und dann nur hartnäckig ausharren. Am 8. Dezember 2018 hat Episode 500 das Licht gesehen. Eine gute Jubiläumsnummer: Kann ich dem Autor an diesem Ort und in diesem Moment ein Kompliment machen?

    Dottore, vielen Dank für die Nachverfolgung und Veröffentlichungsarbeit! Ich hoffe, dass ich noch lange zu Ihren Anhängern gehören kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert G.
  • Neu

    robertgordon47 schrieb:

    Kann ich dem Autor an diesem Ort und in diesem Moment ein Kompliment machen?
    Natürlich! Und ich nehme das Kompliment gerne an, danke. Ich mache das gerne, weil es Spass macht, in der Geschichte der Bahnlinien auf allen Erdteilen, vornehmlich aber in Europa, zu schmökern und ihre Jubiläen in Erinnerung zu rufen. Aber es gehört auch dazu, von Unfällen, Attentaten und Kriegsereignissen sowie Streckenstilllegungen zu berichten, da auch die Schattenseiten des Bahnbetriebs nicht aus der Erinnerung verdrängt werden sollen.

    Dein Kompliment freut mich und es ist mir Ansporn, auch weiterhin Woche für Woche über Gedenk- und Bedenktage, Jubiläen etc. zu berichten.

    robertgordon47 schrieb:

    "Aller Anfang ist schwer", heißt es in Niederländisch
    Genau so heißt es auch auf Deutsch.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Fortsetzung Nr. 501 der Eisenbahn-Unfall-Gedenktage

    Neu

    Vor 105 Jahren:

    14. 12. 1913: [Braunsdorf, Königreich Sachsen] Am späten Abend des Tages fährt auf der Strecke Roßwein - Niederwiesa der von zwei Lokomotiven gezogene Personenzug Frankenberg (Sachsen) - Braunsdorf auf einen Felssturz auf, der das Tunnelportal des nahe des Bahnhofes Braunsdorf gelegenen, 86 m langen Harrastunnel verlegt hat. Während die beiden robusten Loks kaum beschädigt werden, wird der aus 15 Wagen mit Holzaufbauten bestehende Wagensatz ineinander geschoben. Zwölf Wagen werden dabei weitgehend zerstört, nur die letzten drei Wagen bleiben im Gleis stehen.
    Opferbilanz: 10 Tote, 4 davon sterben direkt beim Unfall, 6 wenig später im Karankenhaus, 53 Verletzte.

    Vor 75 Jahren:

    16. 12. 1943: [Rennert, Bundesstaat Noth Carolina, USA] Der Richtung Süden fahrende Taniami Champion auf der Fahrt von New York City nach Florida, besteht an diesem Tag aus einer dreiteiligen dieselelektrischen Lokomotive der Baureihe EMD E 6 und 18 Personenwagen. Bei Rennert entgleisen aufgrund eines Bruchs der Schienen gegen 0 Uhr 50 bei einer Geschwindigkeit von etwa 135 km/h die letzten drei Wagen, bleiben aber aufrecht stehen. Dies löst eine Zwangsbremsung für den Zug aus, als dadurch die Kupplung reißt und die Bremsschläuche durchtrennt werden. Der vordere Zugteil kommt nach etwa 800 Metern zum Stehen. Von den entgleisten Wagen ragen zwei in das Lichtraumprofil des Gleises der Gegenrichtung. Der hintere Zugteil wird vom Zugpersonal evakuiert, da die Fahrgästedurchwegs nur kleinere Verletzungen durch die Entgleisung davongetragen haben. Das Zugpersonal meldet auch nach vorne, was geschehen ist, sichert das Gleis hinter dem entgleisten Zugteil gegen Folgezüge mit einer Warnflagge und geht davon aus, dass das Personal des vorderen Zugteils das Gleiche für das Gleis der Gegenrichtung vornehmen würde. Der Lokomotivführer inspiziert seinen Zug und stellt fest, dass die Kupplung zwischen dem zweiten und dritten Wagen gerissen ist, hält das für den Grund der Zwangsbremsung und ist sich nicht bewusst, dass er drei Wagen verloren hat. Er versucht, die Kupplung zu reparieren und beauftragt den zweiten Lokomotivführer mit der Sicherung des Gleises der Gegenrichtung. Dieser geht in südliche Richtung, als er den nordwärts fahrenden Taniami Champion der Gegenrichtung auf sich zukommen sieht.
    Dieser besteht aus einer gleichen Lokomotivkomposition und 16 Personenwagen und ist mit 130 km/h unterwegs. Bei dem Versuch, das Warnsignal abzugeben, rutscht der zweite Lokomotivführer auf dem vereisten Schotter aus, stürzt und wird vom Lokpersonal des vorbeifahrenden Zuges nicht wahrgenommen. Erst als er an dem liegen gebliebenen Zug vorbei fährt, nimmt der Lokführer des nach Norden fahrenden Zuges Halte-Signale wahr, die ihm ein Reisender gibt und unmittelbar darauf sieht er die entgleisten Wagen vor sich liegen. Er leitet sofort eine Notbremsung ein, die zwar noch die Aufprallgeschwindigkeit mindert, nicht aber den Zusammenstoß mit den entgleisten Fahrzeugen des anderen Zuges verhindern kann. Beim Zusammenstoß mit den entgleisten Waggons wird beim auffahrenden Zug derdritte Waggon auf den zweiten geschoben und begräbt diesen unter sich. 71 der insgesamt 74 Toten befinden sich in diesen beiden Waggons . Sehr viele der Toten sind Soldaten auf Heimaturlaub aus dem Zweiten Weltkrieg. Unter den Verletzten befindet sich auch die Opernsängerin und Schauspielerin Grace Moore*).
    Die Untersuchung des Unfalls durch die Interstate Commerce Commission kommt zum Schluss, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre, hätten sich die Eisenbahner des südwärts fahrenden Zuges an die Sicherheitsregeln gehalten. Dazu hätte auch gehört, den gesamten Zug – auch auf Vollständigkeit – zu überprüfen. Weiter hätte das Gleis der Gegenrichtung ordnungsgemäß gesichert werden müssen, z.B. durch Knallkapseln.
    Opferbilanz: 74 Tote, 187 Verletzte.

    *) Das Eisenbahnunglück überlebt sie, nicht jedoch drei Jahre später im Jänner 1947 einen Flugzeugabsturz in Kopenhagen-Kastrup.

    Vor 40 Jahren:

    16. 12. 1978: [Bahnhof Yangzhuang in der Stadt Kaifeng, Provinz Henan, China] Der Schnellzug Nr. 87 ist in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1978 von Nanjing nach Xining unterwegs und sehr stark besetzt. Der Zug ist mit etwa 65 km/h unterwegs. Im Bahnhof Yangzhuang steht der Personenzug Nr. 368 von Xi’an nach Xuzhou. Die Lokomotivführer des Schnellzugs 87 sind übermüdet, unaufmerksam oder vielleicht sogar eingeschlafen. Jedenfalls nehmen sie das Einfahrsignal zu spät wahr und bremsen verspätet. Mit noch etwa 40 km/h überfahren sie das „Halt“ zeigende Signal.Sie bremsen stark und betätigen noch das Warnsignal, was aber nichts nützt und der Zug fährt auf den im Bahnhof stehenden Zug Nr. 368 auf. Der Unfall ereignet sich um 3.12 Uhr. Dabei werden mehrere Wagen zertrümmert und auch der Oberbau erheblich beschädigt.
    Opferbilanz: 106 Tote, 218 Verletzte, darunter 47 Schwerverletzte.

    Vor 20 Jahren:

    18. 12. 1998: [Klein Bünzow, Bundesland Mecklenburg-Vorpommern] Ein Erpresser manipuliert das Gleis der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn zwischen Anklam und Greifswald. Ein Güterzug entgleist. Es entsteht ein Sachschaden in Millionenhöhe. Der Erpresser und sein Komplize werden am 23. Dezember 1998 verhaftet.
    Derselbe Erpresser lockerte bereits am 8. Dezember bei Uchtspringe (Altmark) Schrauben und hob das Gleis ca. 3 cm an. Trotzdem entgleiste der mit 250 km/h darüber fahrende ICE nicht. Zudem lockerte am 16. Dezember an der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn bei Wilmersorf die Schrauben, dieses Mal ohne Folgen.

    Quellen: Katastrophen auf Schienen von Peter Semmens, Stuttgart 1996 und Wikipedia - Liste schwerer Unfälle im Schienenverkehr und Liste von Anschlägen im Schienenverkehr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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