Motorisierung von Lokomotiven

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  • Motorisierung von Lokomotiven

    Da ich dzt. nur an Modulen/Dioramen baue bzw. nur Analog-Fahrzeuge habe (und an diesen rumbastle), stelle ich mir aber in Hinblick auf eine künftige Modellbahnanlage folgende Fragen:

    1. Wie verhält sich ein Faulhaber bei Digitalbetrieb? Spielt er da seine Vorteile überhaupt noch aus? Kurzum, macht es Sinn, Fahrzeuge auf Faulhaber umzurüsten, wenn man vsl. irgendwann auf Digitalbetrieb umsteigen wird?

    2. Welches Motorisierungskonzept empfiehlt sich bei Schlepptenderloks in Hinblick auf Zugkraft und Laufeigenschaften? Nur Tenderantrieb, nur Lok angetrieben oder Tender und Lok angetrieben? Gibt es Erfahrungswerte, die einen objektiven Vergleich zwischen den verschiedenen Konzepten erlauben?

    Konkret überlege ich dies gerade für die 35er und 56er von KMB. Platz für einen Faulhaber plus Zusatzgewichte wär im Tender. Das würde sicher eine ausreichende Zugkraft ergeben. Auf den ersten Blick wäre ein Umbau ohne die abgehende Kardanwelle einfacher (zumindest wenn man einen 1331er einbauen will). Mir stellt sich die Frage, was der Zusatzantrieb über die Kardanwelle in der Lok? Verbesserte Laufeigenschaften?

    Weitere Frage: Welcher Faulhaber ist zu bevorzugen? Ich habe immer den 1331er im Fokus, aber oft wäre der 1717er vom Einbauraum her günstiger. Hätte das merkbare Auswirkungen auf die Zugkraft?

    Jürgen
  • Re: Motorisierung von Lokomotiven

    Ad 1) ob analog oder digital. Der Fauli spielt seien Meriten auf jeden Fall aus. Es ändert sich ja nur die Ansteuerung nicht aber die grundlegenden Eigenschaften.
    Richtig ist, dass man im Digi-betrieb manche Schwächen durch richtige Programmierung des Dekoders kaschieren kann. Es ist also dann Geschmacksache ob ich Geld in die Hand nehme und mir einen Fauli besorge und einbaue, oder ob mir die Fahreigenschaften mit "Normalmotor" reichen.

    Ad 2) Ich atme tief durch und rette mich in die Antwort: "Dies ist eine Gretchenfrage!"
    Im Grunde ist es ein Glaubenskrieg sonst nichts. Der einzige sachliche Nachteil eines "geschobenen Kesselwagens" ist eine eventuelle Neigung zum 'schief Laufen'. Bei einer langen "geführten Länge" ist davon nichts zu sehen. Hat also der Konstrukteur seine Hausaufgaben gemacht gibts keinen sachlichen Nachteil.
    Dazu gibt es maximal einen emotionellen Nachteil: Es ist komisch, wenn die ok zu schleudern beginnt und nur der Tender hüpft herum.
    Das ist meines Erachtens auch der Grund die Lok zusätzlich über Kardanwelle anzutreiben. Die zusätzliche Zugkraft fällt jedenfalls mangels Haftreifen nicht ins Gewicht.

    Was ich nicht tun würde, ist eine Lok die über Kardanwelle angetrieben wird, auf Tenderantrieb umzustellen (wiewohl ich weiß, dass das einige bei der Roco 310 ohne Komplikationen durchgeführt haben). Das Fahrwerk ist darauf ausgelegt und du beißt dich in den verlängerten Rücken, wenn die Treibräder dann nicht g'scheit mitdrehen. Auch der umgekehrte Weg ist nicht zu empfehlen: Ich habe ein Roco 657er Fahrwerk auf Antrieb umgestellt. Es läuft bis heute nicht rund.

    Ich habe meist den 1331 verwendet und nie Probleme dabei gehabt. Aber ich habe auch oft, des Platzes wegen viel kleinere Motoren verwendet. Die Motoren stecken Überlast durchaus problemlos weg. Wenn er es schafft die Antreibsräder locker zum Durchdrehen zu bringen hat er Kraft genug. Man wird das Ding ja nicht stundenlang quälen.

    Hier und auch anderswo wird immer wieder mit dem Terminus "Zugkraft" um sich geworfen.
    Wir definieren das mal:
    Die maximale Zugkraft ist die Kraft die von den Antriebsrädern maximal auf die Schienen übertragen werden kann. Wird diese Kraft überschritten schleudert die Lok. OK! Aber was hat das mit dem eingebauten Motor zu tun? Erzählt mir bitte nicht, dass sich da das gleichförmigere Drehmoment des Faulis positiv auswirkt. Das mag zwar theoretisch der Fall sein, ist aber praktisch lächerlich.

    Nochwas zur Zugkraft: Wenn man an eine H0 Lok das für die Vorbildlok im Verhältnis zur effektiven Steigung (Steigungs und Krümmungswiderstand zusammengenommen) richtige Gewicht anhängt kann man sie niemals überlasten. Eine 52er zieht, im Schrittempo, auf effektiv 28%o etwa 370 Tonnen. Ohne jede Reserve!! Ein paar tropfen Wasser und ein paar Blätter auf den Schienen und es ist aus! Mit den üblichen 15% Reserve wären das dann durchschnittlich 28 Achsen oder etwa 14 2-Achser. Ein durchaus überschaubarer Zug! Da aber eine Lok die beste Bruttotonnenkilometer-Leistung an der Reibungsgeschwindigkeit bringt, wird man sinnvollerweise nicht im Schritttempo fahren. An der Reibungsgeschwindigkeit (52er bei etwa 25-30 km/h) sinkt die Zuglast bei 15% Reserve aber schon auf etwa 280 Tonnen. Also etwa 24 Achsen wenn der Zug nur teilweise beladen ist (Durchschnittlich ca. 11t Achslast der Waggons) Der Zug wird noch überschaubarer. Bei gut ausgelasteten Waggons wären es dann nur mehr etwa 8 Wagen.
    Haltet euch das vor Augen, bevor ihr über eure Loks motzt. ;)