Kurier: ÖV-Fahrzeuge werden mit Gratiszeitungen zugemüllt

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  • Kurier: ÖV-Fahrzeuge werden mit Gratiszeitungen zugemüllt

    „Das ist ein klares parasitäres Verhalten“

    Letztes Update am 16.01.2013, 14:36

    Waggons, die mit Gratiszeitungen zugemüllt sind, ärgern die Passagiere.

    Seit 50 Jahren fahre ich mit den Öffis. Doch noch nie waren sie so dreckig wie jetzt“*), empört sich der Fahrgast der Wiener Linien. Der Hauptschuldige: die Gratiszeitungen. „Erst kürzlich habe ich nicht weniger als 23 Exemplare gezählt, die in einem U6-Waggon herumlagen.“

    „U-Bahn: gefährlich, überfüllt, zugemüllt?“, lautete am Montagabend das Thema beim KURIER-Stadtgespräch im Centimeter am Währinger Gürtel. Und es ist vor allem das Gratiszeitungsaltpapier in Waggons und Stationen, das die Passagiere aufregt. „Die U6 hat sich als neuer Hotspot herauskristallisiert“, räumt Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien, ein. Man überlege, dort den Reinigungsdienst zu intensivieren.

    Das Dilemma: Während heute seine Entnahmeboxen direkt in den Stationen aufstellen darf und im Gegenzug für den zusätzlichen Reinigungsaufwand zahlt, verteilt Österreich seine Exemplare vor den Eingängen und überweist folglich nichts für die Entsorgung der Zeitungen: Diese vermüllen aber genauso die Waggons.

    „Ein klares parasitäres Verhalten“, nennt das Hermann Knoflacher, Vorsitzender des Fahrgastbeirats. Er ortet eine gesetzliche Lücke, die geschlossen werden müsse. „Die Politik hätte die Verpflichtung dazu. Es wäre aber nicht allzu gesund für sie, etwas zu unternehmen“, spielt er auf die erwartbaren Negativschlagzeilen an.

    Sollte man aber nicht wenigstens Essen und Trinken in den Öffis verbieten? „Bei täglich 2,5 Millionen Fahrgästen ist das schwer zu exekutieren“, gibt Steinbauer zu bedenken. Deshalb setze man auf Bewusstseinsbildung.

    Sicherheit

    Apropos U6: Für Entsetzen sorgte zuletzt die Vergewaltigung einer 23-Jährigen, die am frühen Abend in einem leeren Waggon von Alt Erlaa in Richtung Floridsdorf unterwegs war. Für Steinbauer ein tragischer Einzelfall. „Wir hatten in den vergangenen 20 Jahren keinen solchen Vorfall.“

    Deshalb sei auch keine Info-Kampagne geplant, um Frauen vor derartigen Gefahren zu warnen. „Das würde nur Panik hervorrufen.“ Steinbauers Hoffnung: „Dank der vielen Kameras hat die Polizei den Täter rasch erwischt.“ Das sollte abschreckend auf weitere potenzielle Täter wirken.

    Einer eigenen U-Bahn-Polizei erteilt er eine Absage: „Die Polizei ist jetzt schon verpflichtet, in den Öffis für Sicherheit zu sorgen. Die Kooperation mit ihr funktioniert in der Praxis sehr gut. Es wäre nicht sinnvoll, hier einen zusätzlichen Wachkörper einzusetzen.“


    Quelle: Kurier

    *) Diese Beobachtung kann ich bestätigen. Derzeit ist es mit den in den Waggons zurückgelassenen Gratiszeitungen ganz arg. Das liegt vor allem daran, dass die Zeitung Österreich gerade wieder eine Verteil-Kampagne gestartet hat und in allen Stationen und Passagen den Leuten das Gratisblattl geradezu aufgedrängt wird. Jeder zweite U-Bahn- bzw. S-Bahn-Fahrgast hält eine oder sogar zwei dieser medialen Landplagen in der Hand. Wenn dann der/die Zeitungsleser/-in noch dazu auch ein Umweltferkel ist, bleibt die Zeitung eben im Zug.
    Ich habe heute auf meinem Weg ins Büro die Situation auf der Vorortelinie im 4024 136 bildlich festgehalten. Allein in meinem unmittelbaren Umfeld befanden sich sieben entsorgte Zeitungsexemplare (siehe Fotos unten), im Einstiegsbereich lagen weitere sieben Zeitungen. Hochgerechnet auf den Zug sind das allein im 4024 136 rd. 100 Zeitungen.





    Fotos von dr. bahnsinn vom 18. 01. 2013 um 08:57 Uhr.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Da man das Problem nicht in absehbarer Zeit verbieten kann, würde zumindest eine "Sammelbox für Zeitungen" in der U- und S-Bahn eine Entlastung bringen. Meiner Beobachtung nach sind nämlich die am Boden liegenden Zeitungen meist nicht am direkten Weg dort hingekommen. Entweder sie lag am Sitz und nach draufsetzen und wieder aufstehen lag sie unten, oder die ganz feinen Leute schubsen sie vom Sitz am Boden, denn auf sowas kann man sich ja nicht setzen. Und dann hätte ich sie fast noch vergessen: Zeitung zwischen Wand und Sitz einklemmen, nur blöd, dass sie dort nicht für ewig hält.
  • Auch sehr beliebt (meiner Beobachtung nach vor Allem bei älteren Damen): Jemanden, der auch am gleichen 4er-Sitz sitzt fragen "gehört das Ihnen", verneint dieser erstmal blöd schauen und dann ganz "unauffällig" die Zeitung hinunterwerfen, anstatt sie auf den (oftmals freien) Nachbarsitz zu legen oder gar in der Hand zu halten und beim Aussteigen in den Mistkübel zu werfen. Das wäre ja eine zu große Anstrengung.
    Epoche II, die Glanzzeit der Eisenbahn!
  • Auch wenn für mich die Zeitungsleichen ein tägliches Ärgernis bei meinen ÖV-Fahrten sind, so kann ich damit einigermaßen leben, wenn ich weiß, dass der Erstverursacher, sprich, der Erzeuger des jeweiligen Druckwerkes, für seine Entsorgung zumindest einen Unkostenbeitrag bezahlt, so wie es Heute angeblich praktiziert (siehe untenstehendes Kurier-Zitat). Aber den Leuten die Österreich-Halb- und Unwahrheiten durch lebende Zeitungsboxen regelrecht aufzudrängen und dann für die Entsorgung finanziell nichts beizutragen, das ist, wie es Knoflacher ganz richtig formuliert, parasitäres Verhalten. Für die in die Hunderttausenden € gehenden Inseraten-Honorare, die der Fellner von Faymann und Co. in den letzten Jahren in den Allerw.... geschoben bekommen hat, müsste ein kleiner Entsorgungsbeitrag für sein Gratisblattl schon drin sein....
    Das Dilemma: Während heute seine Entnahmeboxen direkt in den Stationen aufstellen darf und im Gegenzug für den zusätzlichen Reinigungsaufwand zahlt, verteilt Österreich seine Exemplare vor den Eingängen und überweist folglich nichts für die Entsorgung der Zeitungen: Diese vermüllen aber genauso die Waggons.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • KFNB X schrieb:

    oder die ganz feinen Leute schubsen sie vom Sitz am Boden, denn auf sowas kann man sich ja nicht setzen.


    Mach ich auch. Schon oft genug erlebt, dass die Zeitungen nämlich nicht ganz sauber sind, wenn sie schon länger auf dem Sitz liegen (sind ja ideal zum schnell-mal-abwischen, etc.) ..... und bevor ich mich da drauf setze, hau ichs lieber am Boden.
    MEINEN Müll, also den ich mach, räum ich sehr wohl weg. Aber den Müll anderer nicht. Bin ja nicht die Putzfrau die hinter Anderen hinterherputzt?

    @Diskussion über die Graitszeitungen: die sind natürlich am auffälligsten, aber es gibt noch genug anderes, was auf den Boden so herumliegt..... in Straßenbahnen, U-Bahnen und Autobussen etwa das VOR-Magazin; was im Grunde eh so gut wie keiner liest und wenns mal runterfällt auch dort liegen bleibt; die zahlreichen Essensüberbleibsel (angefangen vom Anker-Papierl bis zur wohlriechenden Dönerbox-Verpackung....) .........
  • Wenn du es auf den Boden haust, ........

    Die am Boden liegenden, total zerfledderten Zeitungen sind überhaupt die grauslichste Form der Zeitungs-Hinterlassung in den Zügen. Da ist es noch gescheiter (wenn man in dieser Beziehung überhaupt von "gescheit" reden kann), die Zeitung zwischen Wagenwand und Sitz einzuzwicken. Am Gescheitesten wäre es natürlich, würden die Zeitungsleser ihre Zeitung einfach nur mitnehmen. Erstens sind sie weder schwer noch sperrig und zweitens sind sie spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem sie die Zeitung ent- bzw. entgegengenommen haben, ihr Eigentum.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Umgekehrt funktioniert das mit den >Vingt Minutes< einer Gratiszeitung in Paris recht gut.

    Die werden in der Früh (in Ständern) ausgegeben, dadurch nimmt sie auch nur jemand, der sich dafür interessiert, kugeln den ganzen Tag AUF DEN SITZEN herum und jede/r der/die sie lesen will, nimmt sie, lässt sie dann aber für den/die Nächste/n liegen.

    Dass das funktioniert, dürfte aber
    (1) eine Frage der verteilten Menge sein
    (2) an der Qualität der Zeitung liegen, sie bietet halt für jeden etwas.
  • Wegen Papiermüll: Wiener Linien klagen Gratis-Zeitung
    WIEN. Der stadteigene U-Bahn-Betreiber fordert von der Mediengruppe "Österreich" insgesamt 241.697 Euro – für Reinigungskosten.
    Weil sich das Gratisblatt im Gegensatz zum Konkurrenten "Heute" nicht an den Reinigungskosten beteiligt, klagten die Wiener Linien diese vor dem Handelsgericht Wien ein. Laut Kurier fordern die U-Bahn-Betreiber die Reinigungskosten für drei Jahre samt Zinsen zurück. Diese hätten sich auf 241.697 Euro summiert.
    Einen ersten Verhandlungstag habe es bereits im September 2017 gegeben. Das Gericht vertagte den Zivilprozess, weil noch weitere Schriftsätze nötig waren.


    Die Mediengruppe Österreich soll im Gegenzug Schadenersatz-Ansprüche in Millionenhöhe gegen die Wiener Linien geltend machen, heißt es im Kurier-Bericht weiter. Das Fellner-Blatt wirft den Wiener Linien Marktmissbrauch vor, weil es in Wiener U-Bahn-Stationen – im Gegensatz zu "Heute" – keine Entnahmeboxen aufstellen darf. Zwischen Österreich und den Wiener Linien tobt bereits seit 2010 ein kartellgerichtlicher Streit.

    Quelle: nachrichten.at/nachrichten/chr…tis-Zeitung;art58,2753791
    Erst wenn das letzte Alteisen verschrottet, die letzte Nebenbahn abgerissen ist, werdet ihr sehen, dass nicht alles Gold ist, was neu ist...