Wien Penzing: Kollision zweier S45

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  • Da es Personenschaden gibt, wird vermutlich noch viel darüber diskutiert werden und deswegen habe ich es aus dem anderen Thread (im übrigen war es auch ich, der dort gepostet hat) herausgelöst um die Übersicht zu wahren.

    Laut einem derStandard-Poster soll es sich um keinen "wirklichen" Frontalen handeln (derstandard.at/plink/135830413…_pid=29820108#pid29820108), klingt nach Flankenfahrt ?(
  • Hier mein Erfahrungsbericht als Fahrgast auf der Reise heute Vormittag von Wien West nach Loosdorf über die betriebliche Situation zwischen Wien West und Hütteldorf. Geplant war meinerseits die Fahrt mit dem ICE 28 nach St. Pölten und dort Umsteigen in den R 7012:

    08:52: Zur geplanten Abfahrtszeit des ICE 28 eine Durchsage des Zugbegleiters: "Durch einen Unfall mit Personenschaden in Penzing wird sich unsere Abfahrt etwas verzögern. Ich werde Sie über die tatsächliche Abfahrtszeit am Laufenden halten."

    Ca. 08:55: Ansage des Zub: "Durch einen Unfall mit Personenschaden im Bahnhof Penzing wird sich unsere Abfahrtszeit um ca. 60 Minuten verzögern."

    Ca. 08:58: Ich begebe mich auf den Bahnsteig und höre den Rettungshubschrauber über den Bahnhof Richtung Westen fliegen. Zugleich die Ansage des Bahnsteiglautsprechers: Durch eine Betriebsstörung wird sich die Abfahrt des ICE 28 um ca. 30 bis 40 Minuten verzögern.

    Ca. 09:05: Der Zub des ICE geht durch den Zug und fragt die Fahrgäste nach ihrem Reiseziel. Den Deutschland-Reisenden rät er, im Zug zu bleiben und abzuwarten, den Reisenden mit Fahrtziel in Österreich rät er, mit der U-Bahn nach Hütteldorf zu fahren, um dort in einen der dort wendenden OIC oder RJ einzusteigen. Ich mache mich auf den Weg nach Hütteldorf.

    Ca. 09:30: Ankunft in Hütteldorf, wo dichtes Gedränge herrscht, zumal dort gerade mehrere Züge aus Richtung Westen angekommen sind, u. a. auch auf Bahnsteig 1 ein vollbesetzter WESTbahn-Zug. Angezeigt wird die Abfahrt eines WESTbahn-Zuges nach Salzburg um 10:21 und die des OIC 690 um 10:28. Ich versuche eine WESTbahn-Zugbegleitperson ausfindig zu machen, allein, es gelingt vorerst nicht, obwohl doch für jeden Waggon ein(e) Steward(ess) zuständig sein sollte. Schließlich taucht doch noch wer auf, dafür gleich im Doppelpack. Meine Frage, ob sie angesichts der Umstände auch mein ÖBB-Ticket akzeptieren würden, wird mit einem kategorischen "Nein!" abgeschmettert. Auch gut.

    Ca. 09:40: Via Lautsprecher wird kundgetan, dass der RJ 162 nach Zürich in Kürze von Bahnsteig 3 abfahren werde. Ich haste zum Bahnsteig 3 und entere den weitgehend leeren RJ 162.

    Ca. 09:50: Durchsage der Zugbegleiterin: "Werte Fahrgäste, Sie befinden sich im RJ 162 nach Zürich. Wir werden in Kürze abfahren."

    Ca. 10:00: Wieder eine Durchsage: "Der RJ 162 wird um 10:12 abfahren."

    10:14: Abfahrt des RJ 162 in Hütteldorf. Der Zug ist zwischenzeitlich ziemlich gut besetzt.

    10:35: Ankunft in St. Pölten, Abfahrt des RJ 162 um 10:37 (+36').

    10:40: Abfahrt des R 2062 nach Pöchlarn (+5').

    10:55: Ankunft in Loosdorf (+2').

    Fazit für mich: Statt der geplanten Ankunft in Loosdorf um 09:53 um 62 Minuten später. Die Reisenden (zumindest die in meinem Umfeld) nahmen es ziemlich gelassen. Ärgerlich hingegen die divergierenden Ansagen in Wien West. Während der Zub des ICE 28 gleich von einem Unfall mit Personenschaden und von größeren Verzögerungen sprach, schwafelte der Sprecher im Bahnsteiglautsprecher konsequent von einer Betriebsstörung und von Verzögerungen von 30 - 40 Minuten.

    Zu den Fotos oben: Danke an den User westbahn für das aktuelle Einstellen der Fotos. Er hat in der Eile vergessen, die Quelle anzugeben. Die Fotos stammen aus dem Bericht des ORF-Studios Wien.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Die Bilder machen mir irgendwie Angst, und wenn ich eine Lokführerin wäre, würde ich mich weigern in so eine Tupperwarebox auf Rädern einzusteigen.

    Ich nehm mal an, dass die Züge gebremst haben, weil einen entgegenkommenden Zug am selben Gleis sieht man dort ja schon recht früh (ist ja recht gerade dort...), somit wird die Geschwindigkeit nicht sehr hoch gewesen sein.

    Trotzdem sind die Talent-Führerstände so gut wie zerstört, wie man auf den Bildern sieht.

    Wenn die schon bei niedrigen Geschwindigkeiten so aussehen, wie ist das dann, wenn ein Talent mit 140 km/h verunfallt? :S ich möcht gar nicht dran denken.
  • Die zerstörte Front wir oft als Zeichen gedeutet, dass das Fahrzeug schlechte Crasheigenschaften hat; höre ich sehr häufig auch bei Autos.
    Dies ist aber ein Irrglaube, je mehr Material verformt wird, desto mehr Energie wird absorbiert und die Belastung auf den Fahrgast ist geringer.
    Es gibt grenzen bis zu welchen Geschwindigkeiten Fahrzeug die Kollision mit recht geringen Verformungen überstehen. Bei Zügen kenne ich sie nicht, bei Autos liegt sie max bei 70, also auf jeden Fall weit unter der Höchstgeschwindigkeit und bei Zügen wird es nicht anders sein. Dass dann der Lokführer als erster draufzahlt lässt sich leider nicht verhindern.

    Ich bin glücklich, dass es zwei Plastikbomber waren. Mit ein bisschen Pech wäre bei einem 4020 der Rahmen geknickt und Passagiere zerquetscht worden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von KFNB X ()

  • KFNB X schrieb:

    Die zerstörte Front wir oft als Zeichen gedeutet, dass das Fahrzeug schlechte Crasheigenschaften hat; höre ich sehr häufig auch bei Autos.
    Dies ist aber ein Irrglaube, je mehr Material verformt wird, desto mehr Energie wird absorbiert und die Belastung auf den Fahrgast ist geringer.
    Es gibt grenzen bis zu welchen Geschwindigkeiten Fahrzeug die Kollision mit recht geringen Verformungen überstehen. Bei Zügen kenne ich sie nicht, bei Autos liegt sie max bei 70, also auf jeden Fall weit unter der Höchstgeschwindigkeit und bei Zügen wird es nicht anders sein. Dass dann der Lokführer als erster draufzahlt lässt sich leider nicht verhindern.

    Ich bin glücklich, dass es zwei Plastikbomber waren. Mit ein bisschen Pech wäre bei einem 4020 der Rahmen geknickt und Passagiere zerquetscht worden.


    Was du vergisst: Bei keinem Auto dieser Welt gehört die Fahrgastzelle zu den Dingen, die verformt werden sollen, um Energie aufzunehmen. Im Gegenteil: Alles andere soll verformt und zerstört werden, nur die Fahrgastzelle soll heil bleiben. Wenn bei den Talent-Kraxn der Führerstand zu den "Absorptionselementen" gehört und der Tod des Lokführers quasi als Kollateralschaden in Kauf genommen wird, um die Fahrgäste zu schützen, dann ist das kriminell!

    (Quelle: ORF.at)

    Oder wie würdest du das interpretieren? Die Führerstandsrückwand ist praktisch nicht mehr vorhanden, die "Schnauze" des Gegenzugs ragt schon halb in den Führerstand. Dieser Plastikmist dürfte nie eine Zulassung bekommen! Ich kann der Sandra nur zustimmen: Nach solchen Bildern würde ich mich anscheißen, als Loki nochmal auf den Bock einer Ente zu steigen. Und als Fahrgast setze ich mich beim 4023 oder 4024 sicher nie wieder ins vorderste Modul!
  • Ihr dürft nicht vergessen, der Talent würde die aktuellen Crashnormen nicht mehr erfüllen, es gab den Bildern nach zu urteilen das klassische Problem: Zug 1 reitet auf Zug 2 auf und säbelt alles oberhalb des Rahmens ab.
    Ob da jetzt Plastik, GFK, Edelstahl oder Alu als optischer Sichtschutz über den Crashelementen ist, kann vernachlässigt werden.

    EDIT: Dank eines nicht überhörbaren Telefonat in der U-Bahn habe ich von einem angeblichen Fahrgast erfahren, dass sein Zug aus voller Fahrt noch gebremst haben soll und vor dem Knall fast gestanden ist.

    EDIT2: mich -> nicht

    1 Beitrag auf Wunsch des Users gelöscht. DV 301

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von KFNB X ()

  • Angesichts der Innenbilder sowie des einen seitlichen Bilds der APA im ORF wundert mich schon, wie da die Tfzf lebendig rausgekommen sind.

    Dank westbahn wissen wir ja die Nummern der beteiligten Züge. Ich verstehe nur nicht, wieso der SB 20592 überhaupt von Penzing Abfahrerlaubnis erhalten konnte, wenn der SB 20595 gerade erst aus Hütteldorf abgefahren ist?
    Zumal hier die Signalfreigabe von der richtigen Stellung der Weiche kurz nach der Haltestelle Penzing abhängig sein sollte. Und selbst, wenn der SB 20595 Verspätung gehabt haben sollte, ist der doch im eingleisigen Abschnitt, in den dann nicht mehr eine weitere Zugfahrt paßt.
  • Ich gehe davon aus, dass beide den Führerstand rechtzeitig verlassen hatten. (Nach dem Auslösen der Notbremse gibts bis auf Beten nichts mehr zu tun)

    Laut ÖBB sollen eine defekte Weiche sowie eine irrtümlich erteilte Fahrerlaubnis die möglichen Ursachen für den Zusammenstoß gewesen sein.
    Quelle: derstandard.at/1358304130919/S…stossen-Mehrere-Verletzte
    Aus dem kann man sich es eh schon fast zusammenreimen. Welche Möglichkeiten einer defekten "Weiche" gibt es? Bei welcher davon kann dann weiter gefahren werden
    und welche Auswirkungen hat das auf den Betrieb.
  • Demzufolge hat der Fahrdienstleiter in Penzing dem Zug Richtung Hütteldorf eine Fahrerlaubnis erteilt, weil er dafür das OK erhalten hatte.

    Schön, aber schon zur Zeit als ich noch in Penzing wohnte (also bis ca. vor 11 Jahren) und oft einen befreundeten Fdl des dortigen Bahnhofs besuchte, war die Vorortelinie automatisch gesteuert - der Fdl Penzing hatte mit der S45 gar nichts zu tun. Oder sollte das im Zuge der Einführung der Betriebsfernsteuerzentrale Wien aus Vereinfachungsgründen umgestellt worden sein?

    BTW - ein weiteres Zitat aus dem Standard-Artikelkann ich mir nicht völlig verkneifen:
    Chronologie
    In den vergangenen Jahren kam es in Wien mehrfach zu Kollisionen im Bahnverkehr:
    28.9.2012: Die Lokomotive und der erste Waggon eines Intercity nach Salzburg springen kurz nach der Abfahrt vom Westbahnhof aus den Schienen. Es wird niemand verletzt.
    20. 06.2011: Beim Westbahnhof kollidieren eine Verschublok und eine Lok mit einer Garnitur leerer Waggons. Zwei Verschubmitarbeiter werden verletzt.
    9.10.2009: Eine Schnellbahn stößt beim Matzleinsdorfer Platz mit einem Oberbauzug zusammen, beide sind auf dem gleichen Gleis unterwegs. Ein ÖBB-Mitarbeiter des Baufahrzeugs wird schwer, 13 Passagiere werden leicht bis mittelschwer verletzt.
    30.4.2007: Am Südbahnhof kommt es zur seitlichen Kollision zweier Verschubzüge. Ein ÖBB-Mitarbeiter wird schwer verletzt.
    28.9.2006: In der sogenannten Oswald-Schleife im Bereich Schöpfwerk-Tscherttegasse auf der Verbindungsstrecke zwischen West- und Ostbahn stößt ein Schnellzug aus Ungarn mit einer Draisine zusammen. Vier ÖBB-Arbeiter werden verletzt, drei von ihnen schwer.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Alois ()

  • Was du vergisst: Bei keinem Auto dieser Welt gehört die Fahrgastzelle zu
    den Dingen, die verformt werden sollen, um Energie aufzunehmen.
    Dazu gibt es 2 Probleme. Einerseits ist das Fahrzeug vor 2000 konstruiert worden (zum Vergleich ein Auto aus 1998: youtube.com/watch?v=J4PTjtzjm2o) und zum anderen sind da ganz andere Massenverhältnisse. Bei einem durchschnittlichen Auto ist ca. die Hälfte des Gewichts vor der Fahrgastzelle, bei diesem Zug werden es keine 10% sein. (Nicht zum Spaß findet man bei LKWs nur Tests von leeren Fahrzeugen, ansonsten siehts nämlich auch dort so aus: feuerwehrmagazin.de/magazin/wp…/09/VU-LKW-Garbsen_13.jpg)
  • Und selbst, wenn der SB 20595 Verspätung gehabt haben sollte, ist der doch im eingleisigen Abschnitt, in den dann nicht mehr eine weitere Zugfahrt paßt.


    SB 20593 (Hf - Hak, welcher übrigens über Strecke 101 fuhr, wie dies seit TIM übrigens sehr oft passiert), hatte 6 Minuten Verspätung. Hütteldorf, Penzing und Westbahnhof haben übrigens (noch) jeweils ihre eigenen Fahrdienstleitungen!