Istanbul: S-Bahn-Tunnel unter dem Bosporus wird offiziell eröffnet

  • Istanbul: S-Bahn-Tunnel unter dem Bosporus wird offiziell eröffnet

    Bosporus-Tunnel: Nächster Halt: Asien

    Von Hasnain Kazim, Istanbul

    Ein Traum der Türken wird wahr: Ab Dienstag verbindet eine S-Bahn die europäische Seite von Istanbul mit der asiatischen - tief unter dem Bosporus. Das Projekt soll den Verkehr der Metropole entlasten und die neue Macht der Türkei symbolisieren.

    Es soll ein Tag werden, wie Recep Tayyip Erdogan ihn liebt: Ein Großprojekt ist ihm gelungen, eines, das weltweit Beachtung findet. Am Dienstag, dem 90. Tag der Republik, am türkischen Nationalfeiertag also, wird der Bahntunnel, der den Bosporus unterirdisch quert und damit den asiatischen mit dem europäischen Teil Istanbuls verbindet, offiziell eröffnet. Es ist eines dieser Bauvorhaben, die neben allem Nutzen für die Bevölkerung auch den Zweck haben, der Welt zu zeigen: Seht her, wir sind wieder wer!

    Tatsächlich ist es ein beeindruckendes Projekt in einer Millionenmetropole mit großen Verkehrsproblemen: Ein knapp 1,4 Kilometer langer Tunnel in bis zu 62 Metern Tiefe verbindet die Kontinente, so tief wie kein anderer Bahntunnel in der Welt. Gebaut wurde er von einem japanisch-türkischen Konsortium. Wenn die komplette Linie fertiggestellt ist, soll sie die beiden Flughäfen der Stadt miteinander verbinden. Bis zu 1,5 Millionen Menschen sollen auf der 76 Kilometer langen Strecke mit insgesamt 36 Stationen täglich fahren, etwa ein Fünftel des heutigen Verkehrsaufkommens der Stadt. So schnell wie nie zuvor kommt man dann über den Bosporus. Auch andere Züge sollen den Tunnel nutzen können.

    Damit soll die S-Bahn bei der Verbindung zwischen den asiatischen und europäischen Teilen Istanbuls das wichtigste Bindeglied werden. Bislang nutzen die Menschen vor allem Autos und Busse sowie die Bosporusfähren. Das moderne U- und S-Bahn-System von Istanbul ist noch relativ neu, es wurde erst 1989 in Betrieb genommen.

    Chronisch verstopfte Straßen

    Die Bevölkerung von Istanbul ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten um ein Vielfaches gewachsen. Lebten in der Metropole Mitte der fünfziger Jahre gerade mal eine Million Menschen, sind es heute schätzungsweise 15 Millionen - Tendenz stark steigend. Der wirtschaftliche Boom der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen ein Auto besitzen in einer Metropole, die für so viele Autos nicht ausgelegt ist. Vor allem die Engpässe bei der Überquerung des Bosporus sorgen für chronisch verstopfte Straßen.

    Deshalb soll eine dritte Brücke her, die den Bosporus überquert. Der Bau hat bereits begonnen, ganz im Norden, nahe dem Schwarzen Meer. Ein weiterer unterirdischer Tunnel für Autos soll in zwei Jahren eröffnet werden. All das soll die Verkehrslage entspannen, hofft man. Die Vorhaben gehören zu einer Reihe weiterer Großprojekte, die Erdogan plant, ein dritter Flughafen für Istanbul zum Beispiel, der der größte der Welt werden soll, oder ein neuer Kanal zwischen Schwarzem Meer und Marmara-Meer, um den Bosporus zu entlasten.

    Anhänger Erdogans feiern ihn für seine großen Pläne und seine zupackende Art. Aber nahezu sämtliche Projekte sind umstritten, weil sie tiefe Eingriffe in die Natur sind und zu sozialen Umwälzungen führen. So sind die Grundstückspreise nahe der dritten Brücke durch Spekulationen um ein Vielfaches gestiegen, und auch dort, wo vielleicht der Kanal entstehen soll, treiben Spekulanten die Preise in die Höhe.

    "Neue Seidenstraße des 21. Jahrhunderts"

    Einen Bahntunnel unter dem Bosporus schlug bereits 1861 Sultan Abdülmecid I. vor. Sultan Abdülhamid II. gab 1891 Studien bei Briten, Franzosen und Amerikanern in Auftrag. Aber erst mehr als hundert Jahre später, in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, wurden konkrete Machbarkeitsstudien gemacht und der Bau politisch beschlossen. 2004 unterzeichnete die Regierung die Verträge, darunter mit der japanischen Taisei Corporation. Im Gegenzug finanzierte Japan einen Teil des etwa vier Milliarden Euro teuren, Marmaray genannten Projekts. Ein Jahr später legte Erdogan persönlich den Grundstein.

    Ursprünglich sollte der Tunnel 2009 fertiggestellt sein, aber die Bauarbeiter stießen bei den Bohrungen auf Tausende von archäologischen Objekten. Um diese Gegenstände zu retten, wurde die Eröffnung zunächst auf 2011, dann auf 2013 verschoben. Archäologen und Historiker bezeichnen die Funde als äußerst wertvoll und als Beleg dafür, dass in Istanbul schon vor knapp 10.000 Jahren Menschen lebten, dass der Ort also deutlich älter ist als bislang angenommen.

    Die türkischen Zeitungen feiern jetzt die Fertigstellung. Endlich gebe es eine "Non-Stop-Bahnverbindung von China bis zu den westeuropäischen Märkten", jubelt die Zeitung "Hürriyet". Andere schreiben von der Türkei als "wichtigstem Bindeglied zwischen West und Ost" und von einer "neuen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts". Stolz merkt man an, dass politische Prominenz aus aller Welt bei der Eröffnung dabei sein wird, darunter der japanische Premier.

    Dass der Tunnel in einem von Erdbeben bedrohten Gebiet liegt, wie Kritiker bemängeln, sieht die Regierung nicht als Problem. Man habe das Risiko ausreichend berücksichtigt, sagte Verkehrsminister Binali Yildirim. Der Tunnel sei so konstruiert, dass er einem Beben der Stärke neun standhalten könnte. "Er ist der sicherste Platz in ganz Istanbul."


    Quelle: Spiegel online
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Pannen im neuen Bosporus-Bahntunnel

    Stromausfall, Türstörung, verpasster Bahnhof: Pannen haben den Start der neuen Bahnstrecke zwischen Europa und Asien quer durch den Bosporus in Istanbul überschattet. Die S-Bahnen der Marmaray-Verbindung seien heute wegen eines Stromausfalls vorübergehend stehen geblieben, berichtete die Zeitung „Hürriyet Daily News“ (Onlineausgabe). Passagiere hätten zur nächsten Station gehen müssen.

    Kurz darauf habe es ein Problem mit den Zugstüren gegeben, was ebenfalls zu einem vorübergehenden Stopp geführt habe. In einem weiteren Fall habe ein Zug den letzten Bahnhof in Europa verpasst und sei ohne anzuhalten nach Asien weitergefahren.

    Der Marmaray-Verbindung war gestern anlässlich des 90. Jahrestags der Republikgründung feierlich eröffnet worden. Der Tunnel ist 13,6 Kilometer lang. 1,4 Kilometer davon verlaufen in einer Tiefe von 56 Metern quer durch den Bosporus, der Europa und Asien teilt. Der Tunnel ist nach Angaben der Konstrukteure auch bei schweren Erdbeben noch sicher, woran unabhängige Experten vor der Eröffnung allerdings Zweifel äußerten. Istanbul ist stark erdbebengefährdet.


    Quelle: ORF
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Neu

    Istanbul/Türkei: Marmaray-Korridor vollständig in Betrieb genommen


    14. März 2019
    In Istanbul wurde am 12.03.2019 der 76,6 km lange Marmaray-Schienenkorridor Gebze–Halkalı vollständig dem Betrieb übergeben.
    Die von der türkischen Staatsbahn TCDD betriebene Strecke beinhaltet den 13,6 km langen und schon 2013 eröffneten Marmaray-Tunnel, der die asiatischen und europäischen Seiten der Stadt unter dem Bosporus verbindet. Der Korridor umfasst 43 Bahnhöfe, viele bieten Umsteigemöglichkeiten zu Tram- und Metrolinien. Die Vororte werden mit E32000-Triebzügen von Hyundai Rotem verbunden. Vom asiatischen Festland kommende Hochgeschwindigkeitszüge nutzen nicht mehr Pendik als Endstation, sondern fahren bis Halkalı durch. Dazu dient ein drittes Gleis für den HGV- und Güterverkehr. Die Signal- und Zugleit- sowie Kommunikations- und SCADA-Systeme hat Siemens im Rahmen eines Joint Ventures installiert. „Diese Strecke, die die verkehrsreichste und am stärksten frequentierte Strecke Istanbuls ist, wird 75.000 Fahrgäste pro Stunde und 1,7 Mio. Fahrgäste pro Tag befördern", kündigte der türkische Staatspräsident Erdoğan an. (wkz/as)

    www.eurailpress.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Benutzer online 1

    1 Besucher