Eisenbahn-Splitter aus Griechenland

  • Heute folgt der letzte Teil meiner Eisenbahnsplitter aus Griechenland und zwar die Fahrt von Korinth nach Athen, wo wir, obwohl hauptsächlich auf der Autobahn fahrend, ein paar Berührungspunkte mit der meter- und normalspurigen Eisenbahn hatten.
    Erster Berührungspunkt war beim Kanal von Korinth, wo wir von der Straßenbrücke aus einen Blick auf die stillgelegte Eisenbahnbrücke werfen konnten.
    1944 hatte die deutsche Wehrmacht alle damals bestehenden Brücken über den Kanal sowie Teile der Seitenwände des Kanals gesprengt, um den Schiffsverkehr zu unterbinden. Um die Instandsetzungsarbeiten zu erschweren, wurden von den deutschen Soldaten zahlreiche Lokomotiven und Waggons in den Kanal gestürzt. Aber schon 1948 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.
    Ich machte noch einen kurzen Abstecher zur Brücke, um sie von der Gleistrasse aus aufzunehmen. Das erste Foto zeigt die in einem Bogen auf die Brücke zuführende, aus Richtung Korinth kommende Bahntrasse:


    Die ca. 75 m lange Brücke über den Kanal. Der Abstand zwischen Gleistrasse und Wasserspiegel beträgt knapp 80 m. Auf Höhe des Wasserspiegels ist der Kanal 24, 6 m breit, am Grund beträgt die Breite rd. 21 m und die durchschnittliche Wassertiefe beträgt rd. 8 m. an den beiden Enden des Kanals am Korinthischen Golf im Westen und am Saronischen Golf im Osten befinden sich je eine Straßenbrücke, die bei der Durchfahrt eines Schiffes jedoch weder angehoben noch geöffnet, sondern auf den Grund des Kanals abgesenkt werden:


    Wir hatten das Glück, dass just zu dem Zeitpunkt, als wir dort waren, ein Frachtschiff im Schlepp eines kleinen Schleppbootes unter der Eisenbahnbrücke durchfährt. Durchschnittlich verkehren aktuell täglich bis zu 30 Schiffe durch den ca. 6,3 km langen Kanal. Laut unserer Reiseleiterin beträgt die Durchfahrtsgebühr je nach Größe zwischen rd. 100 € für ein Motorboot bis zu 5.000 € für einen Frachter:


    Nach dem Besuch des Kanals machten wir uns auf der Autobahn auf den Weg nach Athen. Die Meterspurstrecke verläuft fast durchwegs rechts der Autobahn in der Nähe der Küstenlinie des Saronischen Golfs und ist von der Autobahn nur an wenigen Stellen für wenige Augenblicke zu sehen. Die 2005 zwischen Athen und Korinth eröffnete zweigleisige und elektrifizierte Normalspurstrecke verläuft über weite Strecken parallel zur Autobahn und wechselt je nach Gelände laufend die Seiten. Zuerst müssen wir, kaum haben wir das Festland erreicht, an der Mautstelle von Agios Charalampos unseren Mautobulus abliefern. Es ist einfach unfassbar, welchen Flächenfrass solche Mautstellen verursachen, aber das scheint nicht wirklich wen zu stören:


    Gleich nach der Mautstelle rückt die nunmehr oberhalb der Autobahn verlaufende Bahntrasse wieder an die Autobahn heran. Züge auf der Strecke zu erhaschen ist mehr als ein Lotteriespiel. Es verkehren nur die S-Bahnzüge der Linie 2 vom Flughafen Athen nach Kiáto westlich von Korinth. Ein einziger fünteiliger Desiro kam mir vor die Linse, aber es ging so schnell, dass an ein Foto nicht zu denken war. Güterzüge gibt es (zumindest derzeit) nicht und es schaut auch nicht so aus, als würde es in Zukunft welche geben, denn weder die (private) Erdölraffinerie östlich von Agios Charalampos noch die großen, am Saronischen Golf gelegenen Tanklager bei Megara und Elefsina hat man bei Bau der Normalspurstrecke gleich gar nicht mit Anschlussbahnen belästigt. Aber auch die teilweise mitten durch die Anlagen der Erölraffinerie und durch das Tanklager bei Elefsina führende Meterspurstrecke verfügte laut Google Earth über keine Anschlussgleise. Auf Google Earth ist auch zu sehen, dass die Trasse der Meterspurstrecke samt Oberbau über weite Strecken noch vorhanden ist. Nur an Engstellen, wo der Platz für die Normalspurtrasse gebraucht wurde, ist der Meterspur-Oberbau entfernt worden. Hier die bergseitig gelegenene, über eine Hangbrücke führende Normalspurstrecke:


    Wenige Kilometer vor Megara wird der Platz ein wenig eng. Die Normalspustrecke verläuft nunmehr rechts unterhalb der Autobahn und die Meterspurstrecke noch einmal etwas tiefer, sodass sie nicht eingesehen werden kann. Die im Hintergrund zu sehende Meerenge zwischen Festland und der im Dunst liegenden Insel Salamis ist geschichtsträchiger Boden oder besser gesagt, geschichtsträchtiges Wasser. An dieser Stelle lockten im Jahr 480 v. Chr. die Griechen die Flotte des Perserkönigs Xerxes in eine Falle und fügten ihr eine vernichtende Niederlage zu. Allen, die in ihrer Schulzeit im Geschichteunterricht aufgepasst haben (ich gehe davon aus, dass das alle hier Mitlesenden getan haben :D ), ist sicherlich die für die Geschichteprüfung sehr hilfreiche Gedächtnisstütze noch immer ein Begriff: "Bei Salamis, bei Salamis, den Xerxes man ins Wasser schmiss":


    Am westlichen Stadtrand von Athen trennen sich die Wege von Autobahn und Normalspurstrecke. Stattdessen treffen wir auf die Gleise der 2004 anlässlich der olympischen Spiele eröffneten normalspurigen und insgesamt 27 km langen Straßenbahn, mit der aktuell drei Linien bedient werden.
    Die wichtigste (End-)Haltestelle für zwei Linien befindet sich am Rande der Altstadt am Syntagma-Platz (Platz der Verfassung) vor dem griechischen Parlamentsgebäude. Diesen Platz kennt man auch bei uns aus zweierlei Gründen, denn erstens finden hier aktuell die Demonstrationen (wegen Teuerung, Arbeitslosigkeit, Firmenschließungen, Massenentlassungen etc.) statt und zweitens gibt es hier vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten die lustig anzusehenden Wachablösen mit den drollig verkleideten Wachesoldaten, den sogenannten Evzonen, die ursprünglich die Leibgarde des ersten Griechenkönigs Otto waren. Für alle, die sich für diesen Job bewerben wollen, gelten folgende Aufnahmebedingungen: Männlich, trotz Minirockerl und weißer Strumpfhose :D , Mindestkörpergröße 180 cm und gerade Beine. Über den Sold ist leider nichts bekannt.
    Während um 17:00 Uhr gerade die Wachablöse stattfindet.....


    .....wartet einer der insgesamt 35 Sirio-Zweirichtungstriebwagen von AnsaldoBreda am Stumpfgleis der Haltestelle am Syntagma-Platz auf seine Abfahrt:


    Trotzdem die Straßenbahn in Griechenland wenig Tradition hat, scheint es unter den Autofahrern doch Straßenbahn-Fans zu geben :D :

    Fotos: dr. bahnsinn, aufgenommen am 08. 02. 2014

    Ich hoffe, dass meine Griechenland-Splitter Euer Interesse getroffen haben, auch wenn die Ausbeute an fahrenden Zügen angesichts des Zustandes der griechischen Eisenbahnen sehr gering war. Güterzüge habe ich während der ganzen Woche keine gesehen. Den einzigen Güterzug sah ich bezeichnenderweise während der Fahrt mit der S7 vom Flughafen in die Stadt in Form eines Neuwagen-Ganzzuges auf der Zvbhf.-Ostschleife in Kledering........
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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