[ORF Tirol] In Bayern macht man gegen die BBT-Zulaufstrecken mobil

  • Die Studie im Auftrag des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur kommt zu dem Ergebnis, dass die aktuellen Ausbaupläne für die bayrischen Zulaufstrecken bei allen Szenarien ab 2030 nicht mehr ausreichen. Somit kann Bayern höchstens den Weg von Niederösterreich gehen, ansonsten werden sie nicht drum rum kommen.

    bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/…e-brenner-nordzulauf.html
  • Süddeutsche Zeitung:
    22. Februar 2019, 18:45 Uhr

    Brennerbasistunnel: Bahn erkundet Trassen im Inntal


    Die Deutsche Bahn hat mit weiteren Bodenerkundungen für eine mögliche neue Zulauftrasse Richtung Brennerbasistunnel begonnen. Nach ersten Bohrungen im südlichen Inntal im vergangenen Jahr soll nun der Untergrund rund um Rosenheim an 44 Stellen untersucht werden. "Wir erwarten uns vertiefte Kenntnisse über die Bodenbeschaffenheiten und damit wichtige Hinweise für die weiteren Planungsschritte", sagte DB-Projektleiter Christian Tradler am Freitag. Unter anderem gehe es um die Grundwasserverhältnisse und die jeweiligen geologischen Strukturen.

    Unter anderem soll ein zwölf Meter hoher Bohrturm in Kolbermoor eine Erkundung bis in 60 Meter Tiefe ermöglichen. Die Bohrtechnik vermeide Erschütterungen, heißt es von der Bahn. Die Stellen, an denen gebohrt wird, geben noch keinen Hinweis auf den Verlauf der künftigen Trasse. Auf welchem Weg die neuen Gleise rund um Rosenheim und weiter durchs Inntal Richtung Brenner führen sollen, versucht die Bahn in einem Planungsverfahren mit Bürgerbeteiligung festzulegen. Dieses Verfahren und auch das ganze Projekt stoßen jedoch auf heftige Kritik von betroffenen Kommunen und von mehr als einem Dutzend Bürgerinitiativen mit insgesamt mehr als 4000 Mitgliedern. Nach ihrer Ansicht wird die neue Strecke statt einer Entlastung des Inntals und der Brennerstrecke vom Lastwagenverkehr nur noch mehr Lärm und Verkehr bringen. Zudem sei der Neubau nicht nötig, weil die Kapazitäten der bestehenden beiden Gleise auch dann noch ausreichen würden, wenn der Brennerbasistunnel nach derzeitiger Planung im Jahr 2028 eröffnet wird. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hingegen hat Ende Januar Verkehrsprognosen bis 2050 vorgelegt, die einen neuen Brenner-Nordzulauf langfristig als notwendig erscheinen lassen.
  • Brenner-Nordzulauf: DB/ÖBB - Fehlerhafte und tendenziöse Inhalte in „kritischer Stellungnahme“
    13. März 2019
    Die Deutsche Bahn und die ÖBB-Infrastruktur AG haben die fachliche Prüfung der „kritischen Stellungnahme“ zum Brenner-Nordzulauf durch die Vieregg-Rössler GmbH abgeschlossen.
    Die Unterlage wurde im Auftrag einer Bürgerinitiative erstellt. Laut den beiden Staatsbahnen ist das Papier „nicht geeignet, einen konstruktiven Beitrag zum planungsbegleitenden Dialog und zur Lösung der Verkehrsproblematik auf der Brennerachse zu liefern“. Vieregg-Rössler hatte im vergangenen August eine Abhandlung zum Projekt Brenner-Nordzulauf verfasst. Darin beurteilte das aus einem promovierten Betriebswirt und einem Diplom-Psychologen bestehende Beratungsbüro unter anderem Verkehrsprognosen, alternative Streckenführungen und die Systematik von Nutzen-Kosten-Analysen. Die „kritische Stellungnahme“ hatte in Rosenheim für Aufsehen gesorgt. An „mehreren Punkten“ seien inhaltliche Schwächen und Widersprüche festgestellt worden, so Torsten Gruber, DB-Gesamtprojektleiter. Die Anmerkungen der DB und ÖBB sind im Bereich „Publikationen“ unter www.brennernordzulauf.eu/infomaterial.html abrufbar. (cm)

    www.eurailpress.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Ein ziemlich ernüchternder Artikel bezüglich der Fertigstellung der Zulaufstrecke in Bayern:

    Der Tunnel unter dem Brenner wird Tirols Transitproblem nicht lösen
    Steffen Arora3. Mai 2019, 09:00
    Die Bauarbeiten für den Brennerbasistunnel liegen im Zeitplan. Begleitende Maßnahmen hinken aber vor allem in Bayern hinterher
    Innsbruck – Halbzeit im großen schwarzen Loch unter dem Brennermassiv. Die größte Tunnelbaustelle Europas schreitet zügig voran, vermeldete die italienisch-österreichische Brennnerbasistunnel Gesellschaft (BBT SE) diese Woche. 44 Prozent oder 100 der, mit Zubringerstollen, insgesamt 230 Tunnelkilometer wurden bereits in den Berg getrieben. Im Jahr 2028 sollen die ersten Güter- und Personenzüge die mit 64 Kilometern längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt passieren können, so der Plan.
    Im vom Transit geplagten Tirol zeigt sich die stellvertretende Landeshauptfrau und Verkehrsreferentin Ingrid Felipe (Grüne) mit dem Baufortschritt zufrieden: "Das ist angesichts des enormen vergaberechtlichen Aufwandes bei den einzelnen Baulosen sehr erfreulich."
    Probleme bei Zulaufstrecken
    Weniger Freude bereite ihr hingegen die Situation auf den Zubringerstrecken nördlich und südlich des Brenners. Denn der rund zehn Milliarden Euro teure Brennerbasistunnel kann ohne entsprechende Kapazitäten auf diesen Zubringerachsen nicht die von den Projektbefürwortern erhoffte Transitverkehrsentlastung bringen.
    In Italien betrifft das die Strecke von Verona bis zum Tunneleingang in Franzensfeste. "Das Bewusstsein, dass etwas zu tun ist, ist da. Allein der Drive fehlt", attestiert Felipe den Kollegen im Süden. Zumindest habe sich der neue Landeshauptmann des Trentino, Lega-Nord-Mann Maurizio Fugatti, mittlerweile zum Projekt bekannt. Und auch Südtirols Landeschef Arno Kompatscher (SVP) versicherte im Vorjahr, dass die Bauarbeiten am Abschnitt zwischen Franzensfeste und Waidbruck rechtzeitig zur Eröffnung des Tunnels fertig werden.
    Bayern braucht noch 20 Jahre
    Im Norden, im bayrischen Unterinntal, ist man davon noch meilenweit entfernt. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn gegenüber dem STANDARD bestätigt, rechne man frühestens 2040, eher sogar 2050 mit einer Fertigstellung der neuen Zubringerstrecke. In Bayern formierte sich massiver Widerstand gegen die geplante zweigleisige Trasse. Daher versucht man nun, die Bevölkerung in die Planungen mit einzubeziehen. Mit dem Ergebnis, dass insgesamt 110 "Grob-Trassenverläufe" vorgeschlagen wurden. Davon habe man 37 näher geprüft, von denen wiederum ein Viertel in die engere Auswahl gekommen sind.
    Bis Juli 2019 will man diese Auswahl auf "eine Handvoll" reduzieren, die dann dem Raumordnungsverfahren unterzogen werden. Frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 werde sich daraus ein "favorisierter Grob-Trassenverlauf" ergeben. Dann wird die Deutsche Bahn den Ball zurück an die Politik spielen, die letztendlich über den Baustart entscheiden muss.
    Dass die nördliche Zulaufstrecke erst zwei Jahrzehnte nach dem Tunnel fertig wird, sei aber kein Problem, versichert man aufseiten der Deutschen Bahn: "Es wird keinen Engpass geben, weil wir die bestehende Strecke in den nächsten Jahrzehnten technisch dafür ertüchtigen werden, diese Aufgabe zu erfüllen."
    Begleitende Maßnahmen nötig
    Ob das Megaprojekt überhaupt zur erhofften Verkehrsentlastung führt, ist indes weiter umstritten. Denn solange der Gütertransport auf der Straße billiger als jener auf der Schiene ist, werden die Frächter nicht umdenken. Tirols Verkehrslandesrätin pocht daher darauf, dass "endlich Kostenwahrheit" entstehen müsse. Sie meint damit die aus ihrer Sicht zu günstigen Maut- und Spritpreise auf der Brennerroute. In dem Zusammenhang bedauert sie, dass die aktuelle Steuerreform der österreichischen Bundesregierung "nicht ökologisiert" wurde, was dieser Kostenwahrheit zuträglich gewesen wäre.
    In Deutschland müsse wiederum die Wirtschaft endlich mehr Druck auf Berlin machen, um verkehrspolitische Maßnahmen zur Verlagerung auf die Schiene zu forcieren. Konkret hofft Felipe dabei auf Konzerne im Großraum München, wie etwa Siemens.
    Insgesamt fühlen sich die Tiroler von den Regierungen in Wien, Berlin und Rom nicht immer ernst genommen. "Es wäre besser, für dieses Projekt von der regionalen statt nationalen Ebene aus direkt mit der EU zu kooperieren", ist Felipe überzeugt. Die Achse zwischen Bayern, Tirol, Südtirol und dem Trentino solle dafür gestärkt werden. Denn die drängende Transitproblematik auf der Brennerroute werde in den jeweiligen Hauptstädten nur bedingt als solche wahrgenommen. (Steffen Arora, 3.5.2019)

    Der Standard
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    ......ziemlich ernüchternder Artikel bezüglich der Fertigstellung der Zulaufstrecke in Bayern....
    Das sieht man in Bayern anscheinend ein wenig anders:

    Brenner-Nordzulauf: DB prüft Vorschläge zur möglichen Inntal-Trasse
    06. Mai 2019
    In der Diskussion um die künftige Brenner-Zulaufstrecke durch das bayerische Inntal will die DB am 01.07.2019 fünf Vorschläge für mögliche Trassenverläufe vorlegen.
    Man liege im Zeitplan, betonte Projektleiter Thorsten Gruber bei einer Informationsveranstaltung am 02.05.2019 in Rosenheim. Bis April seien 37 von rund 100 Trassenvorschlägen von Bürgern aus der Region geprüft worden, so Gruber. Davon hätten sich elf als fachlich geeignet herausgestellt und würden weiterverfolgt. Anklang fand der Vorschlag, möglichst alle Gleise zu überdachen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Zudem nähmen die Planer den Vorschlag auf, die Strecke zwischen Stephanskirchen und dem Samerberg zu untertunneln. (as)

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Unterinntal: Bahn-Planung vor Abschluss

    Nach Jahren stehen die Planungen für die Unterinntaltrasse zwischen Kundl und Schaftenau bei Langkampfen vor dem Abschluss. Verbesserungen und Wünsche der Bevölkerung seien eingeflossen, heißt es bei den ÖBB.

    Im Sommer sollen die Unterlagen für die Umwelt-Verträglichkeitsprüfung eingereicht werden. In den Gemeinden sieht man zum Teil noch Gesprächsbedarf. In Vomp laufen die Pläne für das Großprojekt Unterinntalbahn, die Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel, zusammen. Ganze 50 Ingenieurbüros haben in letzter Zeit an der Streckenführung zwischen Kundl und Schaftenau gearbeitet. Inzwischen haben die Pläne Form angenommen.

    Bei Angath kommt die Bahn unter die Erde. Foto: ÖBB/Gerhard Berger

    Groß dimensioniertes Projekt
    Die Dimension des Projekts ist eine für Tirol sehr große, sagt der ÖBB-Teamleiter Arnold Fink. Kritikpunkte und Verbesserungswünsche der Anrainergemeinden wurden nach zahlreichen Gesprächen in die Pläne eingearbeitet. Es gebe gewisse Sachen, wo man anpassen müsse, so Fink. Ein wesentliches Thema sei Angath, wo man mittlerweile durchgängig eine Tunnelanlage habe. Auch in Langkampfen habe man Verbesserungen durchgeführt. Dort sei es aber nicht möglich, einen Tunnel zu bauen. Man habe aber die ursprünglich auf der grünen Wiese geplante Strecke in eine Wanne gelegt, ein halbes Stockwerk runter. Nach wie vor sei sie aber offen, so Fink.

    Der Plan für den Bau bei Langkampfen sorgt für Widerstand. Grafik: ORF

    Unter anderem eine Frage der Kosten
    Dieser Plan entspricht nicht den Vorstellungen der Gemeinde Langkampfen, unterstreicht Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser, sowohl er als auch die Landwirte der betroffenen Flächen seien unzufrieden. Vor allem hinsichtlich der über ein Kilometer langen, offenen Trasse gebe es noch Gesprächsbedarf. Das sei eine Frage der Kosten, kontert Fink. Man habe verschiedene Kriterien zu betrachten, auf der einen Seite Umweltthemen, das technische Funktionieren der Anlage und die Kosten. Das Abwägen der drei Parameter führe zu solchen technischen Lösungen, erklärt Fink.
    Anfang nächster Woche wollen die ÖBB die Pläne noch einmal in den Gemeinden präsentieren, im Sommer sollen die Unterlagen bei der Behörde eingereicht werden. Baustart ist frühestens im Jahr 2024.

    ORF Tirol
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Brenner-Nordzulauf: Bestandsstrecke nicht Teil der Planungen
    Die Deutsche Bahn hat in Rosenheim fünf grobe Vorschläge für einen möglichen Verlauf der Neubaustrecke im bayerischen Inntal vorgestellt. Bundesverkehrsminister Scheuer geht davon aus, dass ein kompletter Neubau nötig ist.
    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat zusammen mit der Deutschen Bahn die fünf bevorzugten Grobtrassen für den Brenner-Nordzulauf vorgestellt. Die Bestandsstrecke werde nicht Teil der Planungen sein, das hat Scheuer bereits im Gespräch mit den zahlreichen Bürgerinitiativen, die sich mit dem Thema befassen, angekündigt. Die Kapazität der Strecke reiche nicht aus, sie sei nicht zukunftsorientiert.
    Das sehen die Bürgerinitiativen anders. Sie planen eine Petition an den Bundestag, die demnächst unterzeichnet werden kann. Die Enttäuschung bei den Bürgerinitiativen ist enorm, der Widerstand werde nicht weniger werden, ist zu hören. Aufatmen können dagegen die Bürger im Rosenheimer Süden. Hier wurde die Variante über die Panger Felder gestrichen.
    Hundert Demonstranten vor Ort
    Mit Trillerpfeifen und in roten Westen demonstrierten Bürgerinitiativen am Morgen in Rosenheim gegen den geplanten Neubau einer zweigleisigen Bahntrasse durch das Inntal. "Bestand modernisieren statt Heimat zerstören", war auf Transparenten zu lesen. Den Veranstaltern zufolge beteiligten sich rund 100 Menschen.
    Endgültige Entscheidung zum Bau noch nicht gefallen
    Der Ausbau auf deutscher Seite soll die Kapazitäten zum künftigen Brenner-Basistunnel erweitern, an dem in Österreich und Italien gebaut wird. Durch den Tunnel unter dem Alpenhauptkamm können voraussichtlich ab 2028 täglich bis zu 400 Züge rollen.
    Damit soll die Brennerroute vom weiter steigenden Lastwagenverkehr entlastet werden. Gegen den Bau einer neuen Bahntrasse für den Nordzulauf gibt es im bayerischen Inntal Widerstand. Die Bahn hat einen Auftrag zur Planung, die endgültige Entscheidung zum Bau ist noch nicht gefallen.

    www.br.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Brenner-Nordzulauf der BahnFünf mögliche Trassen - und viel Kritik
    Stand: 01.07.2019 20:45 Uhr
    Quelle: tagesschau.de/inland/scheuer-inntal-101.html
    (Video im Originalbeitrag!)



    Mehr Güter auf der Schiene, weniger Lastwagen auf der Brennerroute: Die Bahn will im Inntal eine neue Trasse bauen - und hat dafür fünf mögliche Strecken zur Auswahl gestellt. Die Anwohner protestieren.

    Die Deutsche Bahn hat Pläne für einen Neubau der Trasse im Inntal im Süden Bayerns vorgestellt. Die neue Strecke soll die Kapazitäten zum Brennerbasistunnel erweitern, der ab etwa 2028 mehr Güter auf die Schiene bringen und die Brennerroute vom Lastwagenverkehr entlasten soll.

    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte bei der Präsentation des geplanten Brenner-Nordzulaufs, es müsse den Anliegen in der Region Rechnung getragen werden. Es gehe aber auch darum, Güterverkehr auf die Schiene zu bringen und internationale Verpflichtungen zu erfüllen.

    Fünf Vorschläge legte die Bahn für den Trassenverlauf vor. Zwei verlaufen östlich von Rosenheim und knüpfen bei Niederaudorf an die bestehende Strecke im Inntal an. Sie unterscheiden sich im Süden Rosenheims durch die Tunnelanteile. Die Strecke mit den meisten Tunnelanteilen erhält von der Politik die meisten Sympathien.
    Die drei weiteren Varianten liegen westlich von Rosenheim und bieten laut Bahn mehrere Verknüpfungsmöglichkeiten mit der bisherigen Strecke.

    Bürgerinitiativen gegen neue Bahntrassen über die Alpen
    tagesthemen 22:30 Uhr, 01.07.2019, Jannick Pentz, BR

    Internationale VerpflichtungenDas Projekt ruft bei der Bevölkerung Kritik hervor. Scheuer bekam bei der Präsentation in Rosenheim den Ärger der Anwohner zu spüren. Die geplante viergleisige Strecke verschandele die Landschaft und verursache zusätzlichen Lärm, sagen Kritiker des Projekts.

    In 17 Bürgerinitiativen sind die Gegner der neuen Inntalbahn organisiert. Sie halten die bestehende zweigleisige Strecke für ausreichend und eine Neubaustrecke für überflüssig. Dem Verkehrsministerium verwerfen sie vor, mit geschönten Zahlen zu arbeiten.


    Die geplante Trasse durchs bayerische Inntal bei Rosenheim ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass die viergleisige Strecke die Landschaft verschandele und zusätzlichen Lärm verursache. Fünf Trassenführungen sind in der engeren Auswahl.

    Diskussion mit der Bevölkerung
    Die Bahn sieht keine Alternative zum Neubau der Trassen. Ein möglicher Ausbau der bestehenden Strecke sei geprüft worden. "Und die klare Antwort: Nein, das ist es nicht", sagte der Projektleiter der Bahn, Torsten Gruber.

    Nun will die Bahn ihre neuen Pläne für den sogenannten Brenner-Nordzulauf mit der Bevölkerung diskutieren. Vom 4. Juli bis 5. August werde es 16 Informationsausstellungen zu der geplanten Neubaustrecke vom Tiroler Inntal bis München geben, so die Bahnvertreter. Die Bevölkerung sei eingeladen.



    Der sogenannte Brenner-Nordzulauf ist Teil eines internationalen Verkehrsprojekts. Um den Güterverkehr durch die Alpen zu beschleunigen, ist südlich von Innsbruck bereits der Brennerbasistunnel in Bau.

    Für die Zufahrt aus Richtung Norden haben die Österreicher ihre Bahnstrecken zum Teil schon ausgebaut.

    Angesichts des steigenden Lkw-Verkehrs warten sie darauf, dass Deutschland mit den Planungen zwischen Rosenheim und Kufstein vorankommt.

    Konflikt zwischen Bayern und Tirol
    Die fünf möglichen Trassenführungen sollen nach Angaben der Bahn in den kommenden eineinhalb Jahren vertieft geplant werden. Mit der baulichen Umsetzung sei nach den Erfahrungen aus anderen Projekten frühestens in den 2030er-Jahren zu rechnen. Nach Schätzungen könnte die Neubaustrecke auf deutscher Seite frühestens 2038 fertig sein - also zehn Jahre nachdem der Brenner-Basistunnel fertig werden soll. Bis dahin müsste also die bestehende Strecke ausreichen.

    Ziel des von der Europäischen Union forcierten Ausbaus ist, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. Die derzeitige Verkehrssituation verschärft den Konflikt zwischen den Nachbarländern. So gibt es seit Kurzem einen offenen Streit zwischen Bayern und dem österreichischen Bundesland Tirol.

    Tirol geht unter Androhung von Strafen gegen Autofahrer aus Deutschland vor, die von den viel befahrenen Autobahnen auf die Landstraßen ausweichen. Darüber hinaus führte die Tiroler Landesregierung für Lkw auf den Brennerstrecken eine Blockabfertigung ein, die den Lastwagenfahrern Zeit kostet, die Strecke aber entlasten soll. "Die Belastungsgrenze für Mensch, Natur und Infrastruktur in unserem Land ist überschritten", sagte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter.
  • Alternativen zur Brennerautobahn:Die Schiene wurde zu lange ignoriert
    Stand: 25.07.2019 18:43 Uhr

    Für die Einschränkungen am Brenner ist Deutschland mitverantwortlich. Die Schiene als Alternative wurde lange vernachlässigt - aus Angst vor wütenden Bürgern.
    Ein Kommentar von Tobias Betz, ARD-Hauptstadtstudio
    Natürlich war das ein klarer Punktsieg für Österreich. Aber was gab es beim groß angekündigten Transitgipfel aus deutscher Sicht zu holen? Deutschland ist in einer ziemlich bescheidenen Verhandlungsposition. Blockabfertigungen für Lkw und Fahrverbote auf den Landstraßen in der Nähe der Brennerautobahn: Das sind notwendige Maßnahmen, die der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter aus dem Hut gezaubert hat. Der Verkehr wird immer mehr und belastet die Menschen, die in der Nähe der Autobahn wohnen: Lärm und Abgase - von Naturschäden ganz zu schweigen.
    Die deutsche Verkehrspolitik ist dafür mitverantwortlich, und Verkehrsminister Andreas Scheuer erntet jetzt das, was seine Vorgänger Jahrzehnte lang gesät haben. Der Brenner ist ein Nadelöhr und die Strecke dorthin beginnt eben schon Deutschland - in Bayern. Alternativen sind nicht wirklich attraktiv. Parmaschinken von Italien nach Deutschland, Schweinefleisch über die Alpen Richtung Süden - alles geht über den Brenner.
    Zu wenig passiert
    Beim Transitgipfel ist dieser Satz gefallen: Der Verkehr muss auf die Schiene. Schon mal gehört? Österreich und Italien wollen ab dem Jahr 2028 den Brennerbasistunnel in Betrieb nehmen. Da fährt alles auf der Schiene. Doch in Deutschland ist dafür wenig passiert, hier hinkt man 15 bis 20 Jahre hinterher. Dabei müssten ja eigentlich hier die dafür notwendigen Bahnstrecken schon beginnen. Es geht um die sogenannten Zulaufstrecken. Aber der Protest dort, wo die Schiene gebaut werden soll, ist stark. Offenbar zu stark für die Politik. Seit Jahren knickt sie davor ein. Die Schiene wird ignoriert.
    Jetzt will Scheuer das Problem mit einem Zehn-Punkte-Plan angehen. Doch Willenserklärungen, Aktionspläne, Vorhaben gibt es schon seit Jahrzehnten. Von Scheuer kann man nicht erwarten, dass er die Fehler seiner Vorgänger plötzlich korrigiert. Blockabfertigungen und Fahrverbote bleiben erst einmal. Aber man spricht wieder in diesem Nachbarschaftsstreit. Das zeigt, welchen Schaden das deutsch-österreichische Verhältnis in den vergangenen Wochen genommen hat. Ob das besser wird, liegt jetzt an Scheuer. Er muss den Verkehr auf die Schiene bringen - auch gegen den Willen vor Ort.

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Angath: Widerstand gegen ÖBB-Großprojekt
    ORF Tirol
    In Angath und Angerberg (Bezirk Kufstein) formiert sich Widerstand gegen das enorme Ausmaß der geplanten ÖBB-Großbaustelle. Der Bau der zwölf Kilometer langen Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel (BBT) würde grundsätzlich begrüßt, jedoch nicht in dieser Dimension, hieß es.

    Online seit 17.8.2019, 6.00 Uhr
    Im November 2018 hatten die Anrainer in Angath noch Grund zur Freude. Ursprünglich gab es nämlich Pläne für eine offene Bahntrasse mit einer Galerie. Im November des Vorjahres sprachen sich aber die ÖBB dafür aus, dass die Bahntrasse in Angath unterirdisch geführt wird – mehr dazu in Bahntrasse durch Angath wird unterirdisch.

    Bürgergruppe gegründet
    Nachdem in drei bis vier Jahren die Großbaustelle starten soll und auch das Ausmaß der Baustelle inklusive Logistikpark immer deutlicher wird, wächst bei den Bürgern der Gemeinde jetzt aber der Unmut über das Bauvorhaben. Die Angather fürchten, unter den Belastungen der Großbaustelle zu ersticken.
    Darum haben sie jetzt einen eigenen „ÖBB-Ausschuss“ gegründet. „Dass bei einer 1.000-Einwohner-Gemeinde die gesamte Baustelleneinheit auf uns ablastet ist einfach zu viel des Guten“, sagte Sandra Madreiter-Kreuzer, Mitglied des „ÖBB-Ausschusses“ Angath.

    Belastung im Vorfeld falsch eingeschätzt
    Grundsätzlich sei man in Angath für den Trassentunnel. Dieser soll schließlich auch Angath und weitere Gemeinden vom Verkehr entlasten. Allerdings hätte auch der Bürgermeister mit einer derartigen Belastung nicht gerechnet. „Das schlechte daran ist, dass diese Baustelleneinrichtungsfläche eine riesige Dimension hat. Dass es direkt neben dem Wohngebiet und einem Kindergarten ist, ist für uns natürlich ein großes Problem“, sagte Bürgermeister Josef Haaser.
    Er habe Verständnis für die besorgte Bevölkerung. Vor allem sei problematisch, dass sich die Einschränkungen wie beispielsweise durch Lärm und Sichtbehinderungen über mehrere Jahre hinziehen würden.

    Widerstand wächst auch in Angerberg
    In der Nachbargemeinde Angerberg befürchten die Einwohner auch massive Einschränkungen durch den Bau der BBT-Zulaufstrecke. Auf der Landesstraße nach Angerberg sollen am Tag nämlich 200 Lkw mit Aushubmaterial auf und ab fahren. Derzeit läuft in der Gemeinde eine Unterschriftenaktion gegen die Abholzung des Waldes im Schöfftal. Dort soll der Wald einer Baustellendeponie weichen.


    Edit: Bleibt zu hoffen, dass die hier genannte "Bürgergruppe" ähnlich kooperativ mit den ÖBB zusammenarbeitet, wie es die "Bürgerinitiative" in Köstendorf beim Projekt HL-Bahn Salzburg beabsichtigt. Siehe hier.
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