[ORF Kärnten] Zwist um künftige Trassenführung im Raum Klagenfurt und Wörthersee

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  • [ORF Kärnten] Zwist um künftige Trassenführung im Raum Klagenfurt und Wörthersee

    Streit um Koralmbahn spitzt sich zu

    Weder die Stadt Klagenfurt noch die Wörthersee-Gemeinden wollen akzeptieren, dass der Güterverkehr nach der Eröffnung der Baltisch-Adriatischen Achse weiter auf der bestehenden Trasse verläuft. Die ÖBB lehnen aber sowohl einen Tunnel durch Klagenfurt als auch eine eigene Gütertrasse ab.

    Der Bau des Koralmtunnels schreitet weiter voran, bis heute fehlt aber die Entscheidung, welchen Verlauf die Trasse im Großraum Klagenfurt nehmen wird. Dass die bestehende Strecke komplett untertunnelt wird, wie das der Klagenfurter Gemeinderat 2004 noch unter Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP) in einem Dringlichkeitsantrag gefordert hat, scheint heute höchst unrealistisch: Wegen des Grundwassersees unterhalb der Stadt und mehrerer neuer Bahnunterführungen.

    „Unfinanzierbar und technisch nicht machbar“

    Technisch kaum machbar und viel zu teuer sagen die ÖBB, die dieses Projekt schon vor vielen Jahren zu Grabe getragen haben. ÖBB-Sprecher Christoph Posch: „Wenn man eine Tunnelvariante andenken möchte in Klagenfurt – und ich betone noch einmal – die Tunnelvariante kommt für uns überhaupt nicht in Frage – dann müsste man den Tunnel unter die Unterführungen bauen, das heißt wir wären voll im Grundwasserspiegel drinnen und das wäre unfinanzierbar für den Steuerzahler und technisch nicht machbar.“

    ÖBB: Güterverkehr nimmt nicht signifikant zu

    Ebenfalls nicht erwärmen kann man sich bei der Bahn für die Variante, eine zweite Trasse allein für den Güterverkehr quer durch das Rosental zu bauen. Das wünschen sich Politik, Hotellerie und auch Bürgerinitiativen gegen den Bahnlärm. Zunehmen soll laut den ÖBB und dem Verkehrsministerium nämlich hauptsächlich der Personenverkehr, nicht die Gütertransporte, die vor allem nachts für Lärm am Wörthersee-Nordufer sorgen. Posch: „Es wird ein Verlagerungseffekt stattfinden – von der Strecke entlang des Neumarkter Sattels Richtung Koralmbahn. Die Hauptgüterverkehrsströme und Hauptpersonenverkehrsströme spielen sich zwischen Bruck an der Mur und Graz ab.“

    Bahnlärm für Gegner schon jetzt unzumutbar

    Solchen Prognosen schenken aber weder die Gemeinde-Politiker, noch die Hoteliers in den Wörtherseegemeinden Glauben. Der Bahnlärm sei schon jetzt eine zu große Belastung, so Silvia Häusl Benz, ÖVP-Bürgermeisterin von Pörtschach:*) „Wer kann uns das versprechen? Laut einer Studie können auf unserer Bahnstrecke noch viel mehr Züge fahren. Wer wird uns garantieren, dass das nicht passiert?“

    Mittelfristig brauche es besseren Lärmschutz und leiseres Zugmaterial, langfristig aber eine eigene Gütertrasse für die Entlastung des Wörthersee-Nordufers.

    „Lapidares Abtun“ der ÖBB nicht hinnehmbar

    Auch die Stadt Klagenfurt fordert von den ÖBB, alle Varianten zu prüfen. SPÖ-Stadtrat Jürgen Pfeiler: „Der sogenannte Sattnitzrücken wurde noch nie untersucht, ob hier grundsätzlich eine Möglichkeit besteht und mit welchen Kosten das verbunden ist. Das lapidare Abtun seitens der ÖBB kann hier nicht so einfach hingenommen werden.“ Lösungsansätze erhofft werden von der Wörtherseekonferenz, die noch im ersten Halbjahr 2017 stattfinden soll.

    Aussprache mit ÖBB-Verantwortlichen gefordert

    In einer schrifltichen Stellungnahme hieß es vom Klagenfurter Gemeinderat Jürgen Jandl (Neues Klagenfurt - Liste Jandl), die „Wohlfühlkoalition“ aus Rot, Grün und Schwarz „verschlafe“ wichtige Entscheidungen. Jandl fordert eine Aussprache mit den ÖBB-Verantwortlichen in Stadtsenat und Gemeinderat, „um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden“. „Eine weitere Belastung durch Personenzug- und Güterzugverkehrslärm ist nicht zu akzeptieren“, so Jandl.


    *) Als die Sommerfrischler noch mit der Bahn anreisten, brüstete man sich damit, Bahnanschluss zu haben........

    ORF Kärnten

    PS.: Ich halte das Klagenfurter Becken nur für einen Nebenschauplatz, was das künftige Verkehrsaufkommen nach Eröffnung des Koralmtunnels anbelangt. Knackpunkt wird das Murtal zwischen Bruck/Mur und Werndorf sein, da hier die Verkehrsströme aus Deutschland Richtung Slowenien und die Baltisch-Adriatische Achse gebündelt werden. Wenn der geplante zweigleisige Ausbau zwischen Werndorf und Marburg realisiert und die Gewichtsbeschränkung zwischen Spielfeld und Marburg beseitigt sein wird, wird es im Murtal eng werden, wenn hier keine kapazitätssteigerndern Maßnahmen gesetzt werden. Von diesbezüglichen Planungen ist weder etwas zu hören noch zu lesen. Es wäre etwas peinlich, müsste der Koralmtunnel wegen Kapazitätsengpässen im Murtal über den Neumarkter Sattel umfahren werden.....
  • derzeit wird der Wörthersee ja durchaus entlastet, indem der Güterverkehr von st. Veit über Feldkirchen nach Villach geleitet wird. Das kann man in Zukunft nur mehr mit den regionalen Güterzügen (Treibach, Brückl) machen.

    Die Rosentalvariante halte ich (wie schon mehrmals geschrieben) für gar nicht blöd. Strecke elektrifizieren, Spange in Rosenbach und die sache hat ein eck. Man kann halt der Steigung wegen nur in eine Richtung fahren, nachdem es aber nur um eine Entlastung der Wörtherseestrecke geht, halb so schlimm.

    Zum Murtal Bruck-Graz: das sehe ich nicht ganz so dramatisch. Der Verkehr von Deutschland nach Slowenien kann ja auch über den Tauern laufen, dort ist genug Platz. Es kann ja sogar Graz von Deutschland aus via Tauern - Koralmbahn bedient werden.
  • grubenhunt schrieb:

    Die Rosentalvariante halte ich (wie schon mehrmals geschrieben) für gar nicht blöd. Strecke elektrifizieren, Spange in Rosenbach und die sache hat ein eck. Man kann halt der Steigung wegen nur in eine Richtung fahren, nachdem es aber nur um eine Entlastung der Wörtherseestrecke geht, halb so schlimm.


    Diese Variante wurde schon wiederholt abgelehnt, weil die Infra an dem Stück Weizelsdorf-Rosenbach kein Interesse mehr hat. Außerdem regt sich Widerstand im Bereich Faak, wo jetzt schon auch zahlreiche Güterzüge unterwegs sind.
  • Ich meinte nur ergänzend. Die S-Bahn könnte nicht nur nach Rosenbach fahren, sondern die hätte schon konkret (zumindest) bis Feistritz fahren sollen (schon als sie nach Weizelsdorf eingeführt wurde).

    Hier finden sich aus dem Jahr 2010 sogar noch Berichte darüber:
    Insgesamt wird es bis Ende nächsten Jahres drei S-Bahn-Linien geben. Eine von St. Veit über Klagenfurt nach Rosenbach, eine von Bleiburg über Klagenfurt nach Feistritz im Rosental und eine von Spittal über Klagenfurt nach Friesach, die bereits im Dezember ihren Betrieb aufnehmen wird.

    ktnv1.orf.at/stories/471955

    Die S3 soll im Juni 2011 starten und wird von Feistritz im Rosental über Klagenfurt nach Kühnsdorf und Bleiburg führen. Sie wird in den Morgenstunden zwischen Feistritz und Klagenfurt sowie zwischen Kühnsdorf und Klagenfurt im Halbstunden-Takt fahren, ansonsten im Einstunden-Takt.

    ktnv1.orf.at/stories/486612
  • Land: Zentralraumtrasse rasch umsetzen

    Die Bahn-Hochleistungsstrecke im Kärntner Zentralraum war unter anderem am Dienstag Thema in der Regierungssitzung. Lärmschutzmaßnahmen und Planungsarbeiten für 200.000 Betroffene im Kärnten Zentralraum seien auf Schiene.

    Beim Bau des Koralmtunnels ist mittlerweile ein Ende abzusehen. Jetzt gelte es, den Kärntner Zentralraum zu rüsten und die Planungen für die Güterverkehrsstrecke der ÖBB endlich voranzutreiben, sagte ÖVP-Landesrat Martin Gruber. „Aufgrund der Wichtigkeit, eine Entlastung zustande zu kommen, wird es eine Planungsstudie auch zukünftig geben.“
    Eigene Gütertrasse am Wörthersee
    Laut Gruber gehe es vor allem um die W2-Wörthersee-Trasse, die in Abstimmung mit den zuständig Gemeinden und 52 Bürgerinitiativen zustande gekommen sei. Von der bestehenden Trasse solle vor allem der Güterverkehr auf eine Gütertrasse verlegt werden, um die dort wohnende Bevölkerung, aber auch die touristischen Betriebe und Urlauber zu entlasten.
    Am 19. Oktober findet in Pörtschach eine Lärmschutzkonferenz statt. Experten werden den aktuellen Stand der technischen Möglichkeiten präsentieren; auch alle Betroffenen eingeladen, kündigte Landesrat Ulrich Zafoschnig an. Mit Beginn 2020 sollen die Planungsarbeiten abgeschlossen sein, deren Ergebnisse im Rahmen einer weiteren Wörthersee-Konferenz mit den Betroffenen diskutiert werden sollen. Auch die Variante entlang der Sattnitz werde im Zuge der Studie geprüft, sagt Gruber.
    (......)

    ORF Kärnten
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Ich glaube, hier lässt man insbesondere eines außer Acht: Dass die Züge, insbesondere die personenbefördernden, die letzten Jahre um ein Vielfaches leiser wurden. Teilweise hat dies nun auch schon auf Güterzüge übergegriffen. Bis eine neue Trasse fertig wäre, wäre wohl auch dieses Problem weitgehend gelöst.
    Ganz abgesehen davon, dass insbesondere am WE auf der Strecke Klagenfurt-Villach relativ wenig verkehrt. Sicher, der eine oder andre Güterzug poltert in der Nacht durch. Dass dies aber mit der KAB anders wird, lässt sich derzeit aber nicht absehen. Und fragt sich weiterhin, ob man nicht doch die Strecke Klagenfurt-Rosenbach hierfür ertüchtigen hätte können. Verglichen mit dem Neubau einer Trasse und sämtlichen Unpässlichkeiten, die damit verbunden sind.
  • 5047.090 schrieb:

    Ich glaube, hier lässt man insbesondere eines außer Acht: Dass die Züge, insbesondere die personenbefördernden, die letzten Jahre um ein Vielfaches leiser wurden.
    Richtig. Ich merke das besonders in unserem Gasteiner Sommerquartier. Obwohl ich freie Sicht auf die Strecke habe und sich umgekehrt der Lärm ungehindert in Richtung unseres Quartiers ausbreiten kann, sind die RJ und die deutschen Wendezuggarnituren so leise, dass ich sie mehrfach, auf dem Balkon sitzend glatt überhört habe. Das hat nichts mit meiner (noch) nicht vorhandenen Schwerhörigkeit zu tun, sondern schlicht und einfach mit den Fortschritten bezüglich der Rad/Schiene-Lärmentwicklung.

    Aber in der Köpfen der Leute wird beim Thema "Eisenbahn in Wohngebieten" noch immer reflexartig der Ruf nach absoluter Abschirmung laut.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Manche Güterzüge können es wirklich, speziell die leeren E.... oder z.B. der Abraumzug vom SBT. Da reißt es selbst mich manchmal aus dem Schlaf.

    Lärmschutz am Wagen ist viel effizienter als kilometerlange Lärmschutzwände. Das beweist sich am besten z.B. bei gemischten Containerzügen, wenn man die alten Wagen mit Mittellangträger mit den neuen 80 ft Wagen mit eingehausten Drehgestellen und Verbundstoff-Bremssohlen vergleichen kann.
  • Neuerliche Diskussion über Güter-Bahntrasse

    Land und Stadt Klagenfurt wollen die Planungen für eine eigene Bahntrasse für den Güterverkehr zwischen Klagenfurt und Villach wieder aufnehmen. Die ÖBB winken ab, im Verkehrsministerium gibt man sich zurückhaltend.

    Erst am Dienstag beschloss die Landesregierung, dass die 2012 gestoppten Planungen für eine eigene Güterverkehrs-Bahntrasse zwischen Klagenfurt und Villach im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden sollen. Die SPÖ-ÖVP-Koalition ließ durchblicken, dass sie sich zusätzlich zur bestehenden Bahn am Wörthersee-Nordufer eine Tunnelkette für den Güterverkehr wünscht.
    Präferenzen für Variante nördlich des Wörthersees
    Sechs Jahre, nachdem die Planungen beendet worden sind, versucht die Landesregierung die Planung wieder zu starten. Personenzüge zwischen Klagenfurt und Villach sollen weiterhin auf der bestehenden Strecke bleiben, der Güterverkehr soll auf einer eigenen Trasse rollen. Landesrat Martin Gruber (ÖVP) ließ am Dienstag klare Präferenzen für die Variante W2 - also eine Tunnelkette nördlich des Wörthersees und nördlich der bestehenden Bahn - durch klingen. „Im Rahmen der Planungsstudie wird - vor allem auf Intervention der Stadt Klagenfurt - die Sattnitz-Variante mit überprüft. Vordringlich legen wir aber Wert auf die Trasse W2, weil die auch abgestimmt ist.“
    Alle Parteien, Sozialpartner, betroffenen Bürgermeister und zahlreiche Bürgerinitiativen hätten sich einst für die W2-Trasse ausgesprochen, erinnerte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).
    Klagenfurt: Güterverkehr vor der Stadt trennen
    Klagenfurt sprach sich bereits mehrfach für eine Umfahrung der Landeshauptstadt im Süden über den Sattnitzrücken aus. Die Klagenfurter Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) sagte am Donnerstag, sie könne sich eine Trasse nördlich des Wörthersees vorstellen. „Was ich mir nicht vorstellen kann ist, dass die Trennung von Personen- und Güterverkehr erst nach Klagenfurt, auf Höhe von Freyenthurn, stattfinden wird, weil es einfach unzumutbar ist, dass der gesamte Personen- und Güterverkehr durch die Stadt rollt.“
    Als bevorzugte Lösung nannte Mathiaschitz eine Prüfung der Sattnitz-Trasse. „Das ist auch mit dem Land akkordiert, das schon vor der Stadt Klagenfurt geprüft wird, ob eine Trennung von Personen- und Güterverkehr möglich ist.“
    ÖBB: Derzeitige Kapazitäten reichen aus
    ÖBB-Sprecher Christoph Posch bremste hingegen. Die derzeitigen Kapazitäten würden ausreichen, eine eigene Güterstrecke zwischen Klagenfurt und Villach sei nicht notwendig, sagte Posch. Das werde sich auch nach der Fertigstellung der Koralmbahn nicht ändern. „Eine neue Planung bedarf natürlich eines neuen Auftrags. Den haben wir im Moment noch nicht erhalten.“
    Zur von Klagenfurt gewünschten Umfahrung sagte Posch, die Durchfahrt durch Klagenfurt auf der Bestandsstrecke sei gemeinsam mit der Bevölkerung „als idealste Lösung“ ermittelt worden. Grundsätzlich entstehe entlang der gesamten Koralmbahn und im Zentralraum eine sogenannte „Flüsterstrecke“, auf der lärmarme Waggons rollen werden, sagte Posch.
    Verkehrsministerium will Forderungen prüfen
    Die offizielle Stellungnahme aus dem Verkehrsministerium fiel zurückhaltend aus. Es hieß bei allen Überlegungen sei auch die Frage der Kapazitäten zu berücksichtigen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne über die Wiederaufnahme der Planungen noch keine Zu- oder Absage getroffen werden. Das Ministerium werde die Forderung des Landes prüfen und zum gegebenen Zeitpunkt die Landesregierung über das Ergebnis informieren.

    ORF Kärnten
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Klagenfurt sprach sich bereits mehrfach für eine Umfahrung der Landeshauptstadt im Süden über den Sattnitzrücken aus.
    Wie will man da um die Stadt herum kommen?

    Beide Varianten scheinen mir ziemlich unrealistisch. Nördlich der bestehenden Strecke würde man Klagenfurt "auslassen" können, aber eine zusätzliche Strecke, noch dazu untertunnelt unmittelbar daneben? Andererdseits: Dem kahlsten Landesfürst aller Zeiten hat man ja auch seine GZU gegönnt.
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