Breitspurbahn soll von Peking nach Parndorf führen

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  • Gähn, kann man nicht 'mal die Beatmungsmaschine von dieser Breitspur-Sinnlosigkeit abstellen? Kostet Unsummen und bringt keinem wirklich 'was, außer vielleicht den (örtlichen )Baulöwen.
    + Bahnfahrer, KFNB X, Werner, 2020.01, 5047.090, EN 466 Wiener Walzer, Klosterwappen, Erwin Tisch
    - grubenhunt, J-C, Draisinenfan, 5047erFan
  • Bürgermeister mobilisieren gegen Bahn-Terminal bei Parndorf
    Bürgermeister aus zwei Bundesländern sprechen sich klar gegen geplantes Bahn-Terminal auf der Parndorfer Platte aus

    Während im Südburgenland die Bahngleise zwischen Bad Tatzmannsdorf und Oberschützen zurückgebaut werden
    , plagen die nordburgenländischen Bürgermeister und den Ortschef von Bruck/Leitha, Gerhard Weil (SPÖ), ganz andere Sorgen.
    Die Region Parndorfer Platte soll wieder als erster Kandidat für das Güterterminal an der Endstation der geplanten Verlängerung der Breitspurbahn in Richtung Wien im Gespräch sein.
    Verhandlungen in China, Protest im Osten Österreichs
    Der Zeitpunkt der Pressekonferenz am Freitag wurde nicht zufällig gewählt, derzeit findet der zweite Gipfel zur „neuen Seidenstraße“ in Peking statt, an der auch Bundeskanzler Sebastian Kurz mit einer Wirtschaftsdelegation teilnimmt. Die Verlängerung der Breitspurbahn ist ein Teil des chinesischen Großprojekts.
    Außerdem soll Anfang Mai im Infrastrukturministerium von Norbert Hofer (FPÖ) die Arbeit für das Konzept „Strategische Planung Verkehr“ beginnen.
    Brennpunkt Verkehr
    Dass sich die Region in der Nähe von Wien und Flughafen mit den Autobahnen A4 und A6 für ein derartiges Verkehrsgroßprojekt eignet, liegt auf der Hand. „Das Burgenland gehört zu den Regionen, die für einen möglichen Standort infrage kommen“, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums und verweist darauf, dass Parndorf aus dem Rennen ist: „Wenn eine Gemeinde nicht will und nein sagt, geht das Projekt nicht durch – Stichwort Flächenwidmung.“
    Das sehen die Bürgermeister Gerhard Weil (Bruck, SPÖ), Elisabeth Böhm (Neusiedl am See, SPÖ), Gerhard Dreiszker (Bruckneudorf, SPÖ), Karl Lentsch (Neudorf, SPÖ), Wolfgang Kovacs (Parndorf, LIPA) und der niederösterreichische Landtagsabgeordnete Rainer Windholz (SPÖ) anders.
    Bei einer der jüngsten Präsentationen des Projekts soll die Region rund um Parndorf wieder als aussichtsreichster Standort für das Güterterminal genannt worden sein. „Wenn dieser Bahnhof kommt, ist es vorbei. Dann ersticken wir im Verkehr“, sagt Dreiszker.
    Die Ortschefs befürchten eine Verschlechterung der Lebensqualität, massiv steigendes Verkehrsaufkommen und eine Zerstörung der intakten Natur in der an den Nationalpark Neusiedler See angrenzenden Region mit vielen Natura2000-Gebieten.
    Eines der Indizien für die Planung des Terminals in der Region ist für die Kommunalpolitiker der dreispurige Ausbau der A4, quasi als Vorleistung für den zunehmenden Lkw-Verkehr. Denn obwohl das Terminal als Knotenpunkt und Verbindungsglied zwischen Breitspur- und herkömmlicher Eisenbahn gedacht sei, werde nicht jeder Container von Zug zu Zug verladen. Deshalb gehen die Projektgegner im Fall der Umsetzung von zusätzlichen 650 Lkw täglich aus.
    Mittlerweile werden in einzelnen Gemeinden Unterschriften gesammelt und Bürgerinitiativen gegründet, um bei UVP-Verfahren Parteienstellung zu erlangen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen zu können.
    Der Sprecher des Infrastrukturministeriums beruhigt jedenfalls: „Wir prüfen bis Ende des Jahres alle Möglichkeiten, dann legen wir sie auf den Tisch und reden darüber. Parndorf ist aus dem Rennen, alles andere wird geprüft.“
    Hintergrund
    Die neue Seidenstraße - Verkehrswege in Planung:
    Das chinesische Großprojekt hat das Ziel, Europa und Asien wirtschaftlich enger zu verbinden – hauptsächlich über schnelleren Warenverkehr. Schiffe brauchen von Asien nach Europa derzeit 30 bis 40 Tage, die Bahn 14 bis 16 Tage. Das Volumen wächst: 2014 fuhren 300 Züge, 2030 sollen es bereits 10.000 sein.


    (kurier.at, kaz) | Stand: 26.04.2019, 18:04



    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Solidarität: Grüne Unterstützung gegen die Breitspurbahn

    Nachdem sich die Bürgermeister aus dem nördlichen Burgenland und aus Bruck zusammengetan haben, um geschlossen gegen etwaige Pläne für einen Breitspurbahn-Terminal in der Region aufzutreten, gibt es nun die erste Solidaritätskundgebung zu deren Allianz.


    Von Susanne Müller. Erstellt am 02. Mai 2019 (18:57) Niederösterreichs Grüne-Landessprecherin Helga Krismer, die das Thema Breitspurbahn ebenfalls schon mehrfach thematisiert hat, stellt sich auf die Seite der Projektgegner in der Region. „Es ist gut, dass sich unter BürgerInnen und PolitikerInnen im Bezirk Neusiedl Widerstand formiert. Außer Dreck hat die Region nichts davon und für die Ostregion ist es der Dolchstoß. Eine breite Allianz für unseren Lebensraum – da bin ich gerne dabei!“, betont Krismer. Sie sieht durch einen derartigen Güterterminal die Gefahr massiven Lkw-Verkehrs im Bezirk und in der ganzen Ostregion.
    In Zeiten der Klimakatastrophe sei Verkehr grundsätzlich zu vermeiden. Derartige Pläne seien somit ein Widersprich zum Klima- und Energieprogramm des Landes NÖ. Die Ostregion sei außerdem ohnehin schon an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen. Und Krismer spart auch nicht mit Kritik an den Regierungsparteien in dem Zusammenhang: „Dieses russische Bahnprojekt hat die FPÖ eingebrockt mit ihrer Parteipartnerschaft und die ÖVP lässt es zu. Über die Leute drüberfahren, ist keine Klimastrategie!“

    NÖN
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • J-C schrieb:

    Könnte Arbeitsplätze schaffen. Und vielleicht auch etwas mehr Besiedlung ins Marchfeld bringen. Wenn ich sehe, wie wenig in der Gegend los ist...
    Eh. Da ist echt nichts los. Zum Schifahren zu flach, zum Langlaufen zuwenig Schnee. Als Baugrund wertlos, da die komplette Infrastruktur fehlt.
    Maximal grad noch brauchbar als Acker...
    Muss man echt zubauen.

    P.S. - gelesen vor zwei Wochen:


    Die Welt verbraucht 2018/19 mehr Weizen und Mais als sie erntet

    Aber egal, das Getreide liefern dann eh die Chinesen...

    :(
  • Laut dem untenstehenden Standard-Artikel soll Ex-Kanzler Kern als RZD-Aufsichtsrat das Breitspurbahn-Projekt vorantreiben:

    Kern soll für Russland Breitspurbahn nach Österreich forcieren

    André Ballin aus Moskau, 1. Mai 2019, 16:05

    Der Ex-Kanzler gilt als heißer Anwärter auf einen Posten, der die Kontakte zu Moskau intensivieren würde

    Die russische Staatsbahn RZD steuert auf Veränderungen zu: Laut mehreren dem Unternehmen nahestehenden Personen wird auf der Jahreshauptversammlung der ehemalige Vizepremier Arkadi Dworkowitsch, ein Vertrauter von Regierungschef Dmitri Medwedew, seinen Posten verlieren. Als Kandidat für die Nachfolge wird der frühere Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) genannt. Offiziell will die RZD die Kandidatur nicht kommentieren. Kern selbst sagt zum STANDARD, er wolle sich zu dem Thema nicht äußern. "Ich bitte um Verständnis."

    Die Version ist allerdings durchaus plausibel: Dworkowitsch ist durch den Korruptionsskandal um das ihm nahestehende Unternehmer-Brüderpaar Magomedow 2018 unter Druck geraten. Kurz danach wurde er bei der Regierungsumbildung nicht mehr berücksichtigt und büßte dementsprechend auch den Posten als Aufsichtsratschef bei der Bahn ein. Die anschließende Ernennung zum Leiter des Innovationsfonds Skolkowo und zum Präsidenten des Weltschachverbands (Fide) dienten der finanziellen und politischen Absicherung Dworkowitschs, doch sein Verbleib im Aufsichtsrat der RZD galt schon damals als zeitlich begrenzt. Die Tätigkeit des zwölfköpfigen Aufsichtsratsgremiums wird mit umgerechnet 700.000 Euro abgegolten.

    Kein Zufall

    Nun soll augenscheinlich die Ablösung ohne weiteren Imageverlust für den 47-Jährigen vollzogen werden. Der Name Kern fällt im Zusammenhang mit der RZD auch nicht ganz zufällig. Die RZD hat bereits in der Vergangenheit mehrfach hochrangige internationale Politiker und Geschäftsleute in das Gremium berufen. So wurde der langjährige Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, nach seinem Ausscheiden aus der DB Mitglied im Aufsichtsrat der RZD.

    Kern war von 2010 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der ÖBB. In dieser Position hat er sich für das von Russland initiierte Projekt einer Breitspurbahn nach Wien ausgesprochen. Das milliardenschwere Projekt werde Österreich 3.000 Arbeitsplätze und durch den Aufbau eines Logistik-Hubs jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag in der Wertschöpfungskette bringen, begründete Kern sein Engagement.

    Umstrittener Russlandbesuch

    Auch als Kanzler zeigte er sich moskaufreundlich: Für Irritationen sorgte sein Auftritt 2017 als Ehrengast beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Dort beklagte er öffentlich die westlichen Sanktionen, deretwegen Österreich jährlich 0,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts einbüße. Bei dem Besuch versuchte er zudem das zuvor auf Eis gelegte Projekt der Breitspurbahn nach Wien wiederzubeleben. In der Zeit wurden neue Machbarkeitsstudien durchgeführt, die die Effizienz des Projekts beweisen sollten.

    Für die RZD ist der Bau weiterhin aktuell. "Das Projekt einer Breitspurbahn erlaubt es, Barrieren zu überwinden, die derzeit die Entwicklung der Eisenbahnen behindern", sagte RZD-Chef Oleg Belosjorow noch bei einem Treffen mit ÖBB-Chef Andreas Matthä im März. Kern könnte mit seinen guten Verbindungen in Politik und Wirtschaft dabei helfen, das Projekt zu forcieren.

    Neben der RZD nutzen auch andere russische Staatsunternehmen gern die Hilfe hochrangiger Lobbyisten aus Europa. So setzt Gazprom seit Jahren auf die Hilfe von Deutschlands Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der Vermarktung der Pipeline Nord Stream. Seit 2017 ist er zudem bei Rosneft aktiv. Als Berater bei Nord Stream 2 wurde zudem Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) angeheuert. Dessen Parteikollege Wolfgang Schüssel, Kanzler von 2000 bis 2007, sitzt seit 2018 beim privaten russischen Mobilfunkanbieter MTS im Aufsichtsrat und soll im Juni eine ähnliche Position beim Ölkonzern Lukoil bekommen. (André Ballin aus Moskau, 1.5.2019)

    Der Standard
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • J-C schrieb:

    Könnte Arbeitsplätze schaffen. Und vielleicht auch etwas mehr Besiedlung ins Marchfeld bringen. Wenn ich sehe, wie wenig in der Gegend los ist...
    Als jemand der durchaus Ausschau nach einem Grundstück hält, kann ich dir sagen, da ist verdammt viel los.

    Die Region Gänserndorf-Marchegg-Groß Enzersdorf soll bis 2050 um 30 % wachsen und liegt damit nur knapp hinter der österreichischen Nr.1 Schwechat mit 34%.
  • Wien möchte Ziel für Pekings "eiserne Kamelkarawanen" werden
    Johnny Erling aus Peking, 5. Mai 2019, 18:06
    Um der neuen Seidenstraße näher zu kommen, tritt die Wiener Wirtschaftskammer in Peking den internationalen Chamber 6-Vertretungen als Siebte im Bunde bei
    Der Volksmund nennt sie "eiserne Kamelkarawanen". Er meint damit die 1000 Meter langen Frachtzüge mit angehängten 44 Container-Wagons. Zu Hunderten verkehren sie allwöchentlich zwischen China und Europa und sind zum Symbol für Pekings Belt and Road (BRI) genannten Neuen Seidenstraßen geworden. Das extrem schnell expandierende Güterbahnnetz nach Europa startete auf dazu modifizierten Strecken 2011 mit 17 Probefahrten. Bis Ende März 2019, so sagt stolz in Peking BRI-Direktor Xiao Weiming, seien 14.691 mal Containerzüge aus China über den euroasiatischen Landweg nach Europa hin und her gerollt. 6.383 Fahrten waren es allein im vergangenes Jahr.
    62 chinesische Städte sind heute über drei Landbrücken, wo ihre Containerfracht von Chinas Normalspur auf Russlands Breitspur umgeladen wird, mit 51 europäischen Städten in 15 Ländern verbunden. Noch ist das einzigartige Bahnprojekt hoch subventioniert, bei dem anfangs die Züge voll nach Europa fuhren, aber nur halb beladen zurückkehrten.
    Porsche fährt Bahn
    Aber er beginnt sich zu rechnen. Neben Maschinen, Kleidung, Nahrungsmitteln und Weine bis zu Holz transportieren die Container europäische Fahrzeuge nach China. Jüngster Kunde ist etwa Porsche. Seit April lässt das Unternehmen zweimal in der Woche seine Sportwagen verladen. Bis zu 88 Fahrzeuge passen auf einen Zug. In 18 Tagen – drei Wochen schneller als per Seefracht – erreichen sie das 11.000 Kilometer entfernte Chongqing in Südwestchina, meldete Xinhua. Die Container-Auslastung erreichte erstmals 88 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres, sagte Xiao. "2018 stieg der so transportierte Warenwert zwischen Europa und China auf 33 Milliarden US-Dollar, 106 Prozent mehr als im Vorjahr."


    Auch Österreich möchte vom boomenden "Güterumschlag auf den Korridoren der neuen Seidenstraßen" künftig profitieren, sagt Alexander Biach, Vize-Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Wien (WKO). Das sei einer der Gründe, warum die WKO am Rande des chinesischen Seidenstraßen-Gipfel und des Regierungsbesuchs von Kanzler Sebastian Kurz mit in die Hauptstadt kam. Sie trat dort vergangenen Freitag der Vereinigung der Wirtschaftskammern von sechs Weltstädten bei (den sogenannten Chamber 6), die alle an Chinas neuer Initiative teilhaben wollen. Wien empfand seine Aufnahme in den sich jährlich treffenden, illustren Klub der Hauptstadtkammern als Auszeichnung. Chamber 6 gehörten bislang Paris, London, Peking, Berlin, Moskau und Sao Paulo an.
    "Im Hintertreffen"
    Bei der Anbindung an das gigantische Infrastrukturprojekt der Seidenstraßen sei Wien aber im Hintertreffen, "sitzen wir noch immer auf der Zuschauertribüne," beklagt Biach. Als Grund nennt er die fehlende Gleisverbindung zur transsibirischen Eisenbahn, die nach Moskau und Kiew führt. Sie endet .in Kosice im Osten der Slowakei. 400 Kilometer Breitspurbahn fehlten, um sie bis nach Österreichs Hauptstadt zu bringen. Ohne diesen Anschluss sei Wiens Funktion als "Drehkreuz" für drei europäische Korridoren in Zukunft ebenso gefährdet, wie seine neue "Verteilerfunktion für den Zentral- und Osteuropäischen Raum seit dem Fall des Eisernen Vorhangs."
    Nicht nur die hohen Kosten für den Bahnbau, die auf zwischen 6,5 bis neun Milliarden Euro geschätzt werden und komplexe Genehmigungsverfahren rufen Gegner auf den Plan. Mit dem benötigten riesigen Umladebahnhof zur Umspurung auf das europäische Schienennetz und Verladeplätzen zum LKW-Weitertransport stößt das Großprojekt bei Anwohnern potenzieller Standorte auf starke Ablehnung. So auch in Österreich, wo Parndorf im Burgenland, wie berichtet, bereits abgewunken hat.
    Im Kammer-Klub
    Die WKO stützt sich dagegen auf Umfrageergebnisse, wonach 74 Prozent der Wiener für eine Verlängerung der Breitspurbahn seien und sich davon positive Impulse für Wachstum und Arbeitsmarkt versprechen.
    Nach dem Beitritt der Kammer zu den Chamber 6 sagte Biach dem STANDARD, er habe der internationalen Vereinigung angeboten, Wien als nächsten Standort für ihr Treffen im April 2020. Auf der Agenda steht der Erfahrungsaustausch über den Ausbau des Kongresswesen in den Metropolen und über die urbane Digitalisierung beim Bau der "smart city". Neuer Punkt ist wie die Hauptstadtkammern ihre Zusammenarbeit mit Chinas neuen Seidenstraßen intensivieren können. "Alle wollen an das Konzept der Seidenstraßen andocken." (Johnny Erling, 6.5.2019)

    Der Standard
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 01.06.2019
    Bezirk Bruck/Leitha: Proteste gegen Breitspurbahn weiten sich aus
    Bürger in der Region fürchten, dass ihr Bezirk bei zahlreichen Großprojekten unter die Räder kommt.

    Der Widerstand gegen die Idee einer Breitspur-Bahnstrecke samt Güterterminal im Osten von Wien wächst im gesamten Bezirk Bruck/Leitha.
    Bürgerinitiativen, die bereits gegen den Bau der dritten Piste des Flughafens Wien-Schwechat kämpfen, bringen sich nun auch bei diesem Projekt in Stellung. Wie berichtet, gibt es Pläne, über die „neue chinesische Seidenstraße“ Waren per Bahn in den Westen zu liefern.
    „Wir leiden schon genug unter diversen Belastungen“, sagt Monika Pober, Obfrau der „Bürgerinitiative Lebenswertes Enzersdorf/Fischa“. Mit „diversen Belastungen“ meint Pober Großprojekte, die in den vergangenen Jahren für heftige Proteste gesorgt hatten. Etwa die Deponie „Kalter Berg“ aber auch die geplante Bahn-Hochleistungsstrecke zwischen Bruck und dem Flughafen.
    Zuletzt hätten Messungen der TU München aufgrund des Flugverkehrs eine massive Belastung der Region mit Ultrafeinstaub ergeben, heißt es beim „Verein zur Erhaltung und Verbesserung des Gallbrunner und Stixneusiedler Lebensraumes“ (VEG). Nun besteht die Sorge, dass das Güterterminal zusätzlichen Verkehr in die Region bringt. Fakt ist, dass laut Verkehrsclub Österreich auf der A4 bei Mannswörth 2018 im Schnitt mehr als 100.000 Pkw und Lkw pro Tag unterwegs waren. Die Zahl habe im Vorjahr um rund eine Million zugenommen.
    „Der Trick ist, dass jedes Projekt für sich beantragt und geplant, und die Bevölkerung nicht eingebunden wird“, sagt VEG-Obmann Karl Havlicek. Die Initiativen würden nun Unterschriften sammeln. Sie fordern mehr Infos.
    Auch die Gemeinden werden aktiv. Trautmannsdorf etwa, schließt sich dem Protest von Bruck/Leitha an. Dort werden Unterschriften gesammelt, um als neue Bürgerinitiativen bei einem UVP-Verfahren Parteienstellung zu erlangen. „Irgendwann reicht es mit Belastungen“, meint ÖVP-Ortschef Heinz-Christian Berthold. „Da wird unsere Gegend komplett von Großprojekten zerpflückt .“
    Keine konkreten Pläne
    Bei den ÖBB betont man, dass es derzeit keine konkrete Planung zu Streckenverlauf oder Güterterminals gebe. Derzeit laufe die Strategische Prüfung Verkehr (SP-V) des Bundes. Dabei werde erhoben, welche Auswirkungen das Projekt auf Verkehr, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft habe. Die Prüfung werde etwa ein Jahr dauern.
    „Wir beobachten kritisch“, heißt es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). Die Region dürfe nicht überfordert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt für das Land: Die Planungen dürften nicht beim etwaigen Breitspur-Terminal aufhören – auch Straßen- und Schienenanbindungen und was diese noch an Verkehr vertragen, müssten mitgedacht werden.

    KURIER

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Diskussion um Breitspurbahn

    Im Bezirk Neusiedl am See will eine Bürgerinitiative Auskunft über die Pläne für eine Breitspurbahn bekommen. Es geht um die Bahn, die von China über Russland an das europäische Schienennetz angeschlossen werden soll.

    Für die betreffende Breitspurbahn soll die Strecke vom slowakischen Kosice bis in den Großraum Wien verlängert und ein riesiger Güterterminal errichtet werden. Die Gegner der Trasse durch den Bezirk Neusiedl am See stellen einen Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz. Adressaten sind das Verkehrsministerium und die und ÖBB Infrastruktur AG.
    Bürger fordern konkrete Informationen
    Man wolle endlich konkrete Informationen über eine geplante Breitspurbahn inklusive Güterterminals und deren Standorte. Die Bürgermeister würden sich hingehalten fühlen, es gebe keine konkreten Aussagen zu den Trassenvarianten und Terminals, so die Gegner einer Verlängerung der Breitspurbahn.
    Sie wollen die Genehmigung der Trasse sowie die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht abwarten, bis eine Verhinderung des Projekts zu spät sei. SPÖ- und Grün-Abgeordnete hätten seit dem Vorjahr vom Nationalrat und vom Bundesrat bisher nur leere Worthülsen bekommen, so die Kritik.

    Bürgerinitiative gegen die Breitspurbahn. Foto: ORF

    Parlamentarische Bürgerinitiative werde eingereicht
    Als nächste Schritte wolle man mit Hilfe bereits gesammelter Unterschriften eine parlamentarische Bürgerinitiative einreichen. Der laut ihren Angaben überparteilichen Bürgerinitiative haben sich Ortschefs und Kommunalpolitiker von SPÖ, Grünen und verschiedener Bürgerlisten im Bezirk Neusiedl am See angeschlossen. Mittlerweile gebe es auch bereits Unterstützer im Bezirk Bruck an der Leitha.
    Das Verkehrsministerium wies die Kritik deutlich zurück. Aufgrund des Vorschlags der ÖBB habe das Ministerium eine Verkehrs- und eine Umweltprüfung eingeleitet. Ergebnisse gebe es im Herbst, dann könne die Bevölkerung Stellung nehmen. Erst nach Abschluss der Prüfungen werde es konkrete Trassenpläne geben.

    ORF Burgenland
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 20.06.2019
    Anti-Breitspur-Allianz wird breiter, aber FPÖ will jetzt Volksbefragung
    Rohrau erste ÖVP-Gemeinde bei Bürgerinitiativ, Trautmannsdorf könnte folgen. FPÖ Bruckneudorf will Bürger entscheiden lassen.*)

    Rücken- und Gegenwind wechselten sich für die Bürgerinitiative gegen die Breitspurbahn innerhalb nur weniger Tage ab. Zunächst wurde der Beitritt der niederösterreichischen Gemeinde Rohrau mit Bürgermeister Herbert Speckl vermeldet und freudig begrüßt. Handelt es sich doch dabei um die erste ÖVP-Gemeinde, die sich offen gegen das – angeblich – in der Region geplante Terminal-Projekt im Rahmen der Verlängerung der sogenannten „neuen chinesischen Seidenstraße“ ausspricht.
    Gegner rechnen mit Mehrbelastung von 650 Lkw täglich
    Bislang hatten sich nur von SPÖ oder Bürgerlisten regierte Kommunen zu einer Unterstützung der Bürgerinitiative entschieden. Die Gegner gehen im Fall einer Umsetzung von zusätzlichen 650 Lkw täglich aus – und das in einer ohnehin schon stark durch Verkehr, Lärm und Feinstaub belasteten und stark wachsenden Region.
    „Positive Signale“
    In die immer breiter werdende Phalanx gegen das Großprojekt könnte sich demnächst ein weiterer „schwarzer“ Bürgermeister einreihen. Denn laut Bürgerinitiative gibt es vom Trautmannsdorfer Ortschef Heinz-Christian Berthold „positive Signale in Richtung unserer Plattform“, sagt SPÖ-Landtagsabgeordenter Kilian Brandstätter und hofft darauf, dass weitere Gemeinden aus der Region dem Beispiel folgen werden.
    Widerstand gegen die Vorgehensweise der Bürgerinitiative kommt hingegen von der FPÖ Bruckneudorf. Die hatte sich nämlich in der jüngsten Gemeinderatssitzung gegen die von der SPÖ eingebrachte Resolution gegen die Breitspurbahn ausgesprochen und will lieber das Volk befragen.

    FPÖ will Volk fragen
    „Die FPÖ spricht sich dezidiert für eine verbindliche Volksbefragung im Bezirk in dieser überregionalen Causa aus“, sagt Gemeinderat und Ortsparteiobmann Mario Jaksch, der „nicht einfach nur dagegen sein will, ohne Alternativen anzubieten“. Denn seiner Meinung nach wäre es besser, Verhandlungstüren offen zu halten, weil „laut ÖBB die Breitspurbahn ohnehin bis zur österreichischen Staatsgrenze verlängert wird“. Und damit komme eben auch der Verkehr, dessen müsse man sich bewusst sein und deshalb fragen, ob „wir im Burgenland eine reine Transitstrecke haben oder im Sinn von Arbeitsplätzen und Steueraufkommen zu den Profiteuren dieses Projekts gehören wollen“. Außerdem sei das Projekt von mehreren ehemaligen SPÖ-Infrastrukturministern mitgetragen worden.
    Absolut gegen diesen Vorstoß der FPÖ Bruckneudorf positioniert sich wiederum Burgenlands SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Dax: „Wir stehen auf Seite der parteiübergreifenden Bürgerinitiative. Mit uns wird es das geplante Breitspurbahnterminal nicht geben.“ Dax vermutet sogar, dass „die FPÖ den Weg für die Breitspurbahn still und heimlich ebnen will“.

    KURIER
    *) Deren Ausgang ist genauso gewiss, wie etwas bei der Frage, ob der Urlaub verkürzt werden soll. :D


    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • 18.07.2019
    Informationen aus der Slowakei: Kommt Breitspur bei Kittsee?
    Bürgerinitiative hat Ausbaupläne für slowakische Bahnhöfe und fühlt sich nach einer Anfragebeantwortung hingehalten.

    Seit die Pläne für ein Breitspurbahn-Terminal als Verlängerung der neuen chinesischen Seidenstraße publik wurden, herrscht Aufregung in der Region Parndorf. Die überparteiliche Bürgerinitiative (BI) gegen das Projekt hat eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an das Verkehrsministerium (BMVIT) und die ÖBB gestellt – und fühlt sich durch die Antworten hingehalten: „Offensichtlich ist es nicht in deren Interesse, dass wir uns anhand konkreter Informationen auf das vorbereiten können, was kommen soll.“
    Trasse bei Kittsee?
    Darin wird auf die laufende Strategische Prüfung-Verkehr (SP-V) verwiesen, Ergebnisse sind frühestens im Herbst zu erwarten.
    Laut Recherchen der BI in der Slowakei soll es Pläne geben, mehrere Bahnhöfe zu Ausweichbahnhöfen umzubauen. Demzufolge soll die Trasse der Breispurbahn vorbei an Petržalka und dann im Süden von Kittsee nach Österreich weiter in Richtung Edelstal führen.*)
    Laut der BI soll es sich um ein „ganzheitliches“ Projekt handeln. Das heißt, wenn der Osten von Wien mit der Breitspurbahn nicht erreicht werden kann, könnte das ganze Projekt kippen. „Eine Variante mit einem Terminal bei Bratislava gibt es nicht“, behauptet die Bürgerinitiative, die weiter Unterschriften sammelt. 740 davon gibt es aus Bruck an der Leitha, in weiteren Gemeinden der Region wie Bruckneudorf, Rohrau oder Trautmannsdorf wird eifrig gesammelt.
    Land steht hinter der BI
    Unterstützung für die BI und gegen die Breitspurbahn kommt von Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ), die am Rande einer Pressekonferenz im Naturparkbüro Illmitz einmal mehr die Ablehnung gegen das Projekt bekräftigte.
    Im Ministerium verweist man auf die schon erwähnte SP-V und die für die zweite Jahreshälfte 2019 geplante Beteiligung der Öffentlichkeit. Ende Juni hatte Verkehrsminister Andreas Reichhardt in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von SPÖ-Nationalrat Erwin Preiner bereits festgestellt, dass „es derzeit noch keine Rechtsgrundlage für die Entwicklung konkreter Umsetzungsprojekte gibt“. Zu lesen ist aber auch, dass „der Bedarf für eine leistungsfähige Verknüpfung zwischen europäischen Eisenbahnkorridoren und dem Breitspurbahnnetz gegeben ist. Dafür bietet sich der Raum Wien an“. Weiters schätzt Reichhardt in der Beantwortung, dass durch das Projekt rund 3.500 Arbeitsplätze entstehen und eine jährliche Wertschöpfung von 450 Millionen Euro generiert werden könnte.

    KURIER
    *) Reine Kaffeesud-Leserei.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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