[IN] Irgendwann wollen wir nach Indien (Teil 8) - Dampf in den Nilgiri-Bergen!

  • [IN] Irgendwann wollen wir nach Indien (Teil 8) - Dampf in den Nilgiri-Bergen!

    Um drei Uhr in der Früh piepsen unsere Handys - aufstehen!

    Heute wollen wir kein Risiko eingehen und so früh am Bahnhof sein, dass uns keiner die begehrten Fahrkarten für die Nilgiri-Bahn wegkaufen kann...!

    In der Eingangshalle des Hotels brennt bereits Licht, ein anderer Gast, ein Engländer, fragt uns, ob wir auch zum Bahnhof wollen. Er bietet uns an, in dem von ihm bestellten Taxi mitfahren zu können. Erst wollen wir eigentlich ablehnen, es sind ja keine zehn Minuten zu Fuß, aber dann erzählt er von negativen Erfahrungen mit Straßenhunden, die es ihm ratsam erschienen ließen, nicht in aller Herrgottsfrüh allein durch finstere Straßen zu marschieren... Da wird uns doch etwas mulmig und wir warten vor dem Hotel gemeinsam... Aber das Taxi kommt nicht... Kommt nicht... Kommen tun aber nun wirklich ein paar abgemagerte Hunde, die eigentlich gar nicht so gefährlich dreinschauen, aber dann gesellen sich noch einige mehr dazu, und wir bestärken uns gegenseitig in der Meinung, lieber doch in der Eingangshalle zu warten...

    Ich sehe im Geiste schon wieder den Zug ohne uns davonfahren, da schwingt sich der Hotelportier auf sein Motorrad. Zuerst denke ich, wir sollen alle aufsitzen, aber er fährt schnell mal zum Bahnhof, und nach fünf Minuten kommt er zurück, eine Motor-Rikscha im Gefolge. Wir haben sogar zu dritt drin Platz!

    Am Bahnhof steht bereits eine kleine Schlange voller Leute. Ich zähle schnell mal durch, wir sind die Nummer 23 und 24, das wird sich ausgehen. Es ist jetzt knapp vor vier. Leute gehen durch und verkaufen Tee und was zu essen, das passt perfekt.



    Der Engländer erzählt, dass er mit seiner Frau und zwei Freunden da wäre, die würden aber noch schlafen, er wollte Karten für alle kaufen. Wir erzählen ihm von der Warnung des Museumswärters "one person - one ticket, two persons - two tickets...", er meint aber, das wäre sicher kein Problem...

    Nach einer Stunde öffnet der Station Master seine Tür und beginnt mit der Ausgabe der "Berechtigungsscheine". Nur mit so einem Schein kann man am Fahrkartenschalter, der sich in einem anderen Gebäude befindet, die Fahrkarten plus der obligatorischen Reservierung erwerben. Außer, die App der Indischen Bahn würde meinen Account akzeptieren, dann ginge das alles online und ohne Anstehen...

    Hinter uns steht nun schon eine beachtliche Schlange. Álle kommen da sicher nicht mit...
    Der Engländer kommt vor uns dran und will vier Tickets. Der Station Master schaut ihn an und gibt ihm nur einen Zettel für eine Person. Er will aber vier, und versucht dem Station Master vor allen Leuten einen Geldschein zuzustecken. Dieser nimmt ihn nicht an und meint, er soll halt die anderen schnell herholen... (Was angesichts der immer länger werdenden Schlange hinter uns natürlich auch keinen Sinn macht...). Nun versucht der Engländer, andere Fahrgäste zu überreden, ihm doch ihre Tickets zu verkaufen. Das klappt aber natürlich auch nicht, die Leute, die hier anstehen, sind ja auch alles Touristen, die mit dem Zug fahren wollen...

    Ziemlich wütend geht er dann davon...

    Dafür rücken wir auf Nummer 22 und 23 in der Reihe vor und bekommen das begehrte Dokument, die Berechtigung, Fahrkarten plus Reservierung für den Dampfzug erwerben zu dürfen.
    Kulturelles Interesse zahlt sich manchmal halt sogar aus, ein Danke an den Museumswärter für den guten Tip!



    Mit diesem wertvollen Stück Papier gehen wir zum Kassenschalter, der sich ein paar Meter vor dem Bahnhof befindet und bekommen dort problemlos die Fahrkarte.
    Da ist sie! 40 Cent, für 46 km Fahrt, großteils mit dem Dampfzug, für zwei Personen!



    Bis zur Abfahrt des Zuges ists jetzt noch eine gute Stunde und wir haben Zeit, darüber nachzudenken, wie leicht man das für die Erhaltung der Bahn benötigte Geld lukrieren könnte...

    Im Kassenraum hängt dieses Schild, ein andermal wäre das eine gute Option, da könnte man sich nach dem Fahrkartenkauf gleich nochmal hinlegen... Und 4,60 Euro für die Übernachtung wäre auch nicht teuer...





    Wir haben noch genug Zeit, um die Hinweisschilder genauer zu studieren. Das hier dürfte eine Liste möglicher Ermäßigungsansprüche sein, Punkt 15 macht betroffen...
    Und wenn man monatlich nicht mehr als 20 Euro verdienen würde, dann gäbe es auch eine Ermäßigung, das tut auch weh, wenn man das liest, es wird aber sicher Leute geben, die diese Ermäßigung bekommen...




    Etwa eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrt fährt der Dampfzug am Bahnsteig vor. Wir steigen ein, und ziemlich pünktlich um 7.10 Uhr fährt unser Zug dann ab.

    Ein paar hundert Meter nach dem Bahnhof überqueren wir einen Fluss, da wird grad Wäsche gewaschen.




    Noch geht es relativ flach durch Palmenwälder:




    Dieses Bild zeigt eine Streckenübersicht. Ooty ist der abgekürzte Name für Udagamandalam, die Engländer, die es als Ort der Sommerfrische etabliert hatten, konnten es aber nur schwer aussprechen ;)




    Erster Halt: Kallar. Ab hier gehts mit Zahnstange weiter.




    Im Hintergrund sieht man den beginnenden Zahnstangenabschnitt:






    Groß und klein fotografiert ...






    Die Strecke windet sich entlang des Berghangs, es gibt zahlreiche Brücken und auch Tunnels...:




    Die einheimischen Fahrgäste klatschen und johlen bei jeder Tunneldurchfahrt...




    Betriebshalt in Adderely. Wasserfassen ist angesagt...




    Das Panorama ist einfach toll...!





    Ich schau um die Ecke, und was sehe ich da...?


    [size=10px](Im Ernst: Das Foto habe ich auf der Webseite von All India Radio gefunden... Vor ein paar Jahren wurden aber echt ein paar Fahrgäste genau an diesem Halt von wilden Elefanten ziemlich erschreckt...)
    [size=13px]

    Die Lok bekommt Wasser...




    ... dann gehts weiter.




    Wir sitzen leider auf der falschen Waggonseite und sehen meistens nur den Berghang. Ein junges indisches Paar fragt uns, ob wir Platz tauschen wollen, damit wir die spektakuläre Aussicht ins Tal genießen können. Wir nehmen dankbar an. Falls sie das hier lesen: Thank you!

    Erneutes Wasserfassen an der Station Hill Grove. Großteils sind diese Stationen reine Betriebshalte.






    Akustische Signalanlage...:




    ... und wartungs-freundliche Verkabelung ...






    ... dann gehts weiter!




    An einer Stelle sieht man auf die Straße runter... Kein Wunder, dass wir die Strecke gestern nicht gesehen haben...




    nächster Tunnel, gleich wird wieder geklatscht...:




    Da wurden zu viele Nachrichten gleichzeitig drübergeschickt...




    Halt in der Station Runnymede...




    ... die Lok bekommt wieder Wasser...




    ... und dann steigen alle wieder ein ...




    Die Gegend hat nun einen ganz anderen Charakter, Teeplantagen säumen die Strecke ...




    Dieses Bild fand ich auf Wikipedia, das muss auch hier rein...:




    ... dann kommen wir auch schon nach Coonoor, wo wir gestern schon waren. Im Bild der beschrankte Bahnübergang kurz vor dem Bahnhof ...




    Moment, die waren gestern aber noch nicht da ...! Will haben!




    Wir haben 20 Minuten Verspätung...




    ... aber die sind jetzt wirklich egal ...

    Die Dampflok fährt weg und macht einer Diesellok Platz:




    Hier das komplette Panorama, da haben sich mein Kollege und sein Handy gespielt...:




    Auf dem letzten Stück nach Udagamandalam kommen wir mit einem jungen Inder ins Gespräch, der mit seinen Eltern ein paar Tage Ferien dort macht. Er ist sehr interessiert daran, woher wir kommen und was uns an Indien gefällt, und was uns nicht gefällt (der Dreck und der viele Verkehr...). Er ist sehr gut über Europa informiert, sowohl was die Geografie betrifft, aber auch in geschichtlicher Hinsicht, ich schäme mich, über Indien in echt so wenig zu wissen... Er fragt, ob man als Ausländer in Wien studieren könne. Das geht natürlich, aber wir raten ihm eher zu einem englischsprachigen Land. Wir würden es ihm gönnen, wenns klappt...

    In Udagamandalam angekommen, lassen wir uns Zeit beim Aussteigen und schauen uns am Bahnhof um.

    Das Schild warnt, von Fremden Essen anzunehmen...




    Das schaut irgendwie sehr offiziell aus...:




    Die Waage ist uuurschön, sie dürfte sogar noch in Gebrauch sein...




    Den Sprachkurs finde ich eine gute Idee, die man auch hierzulande aufgreifen könnte...




    Mein Kollege übt sich schon mal in seinem neuen Aufgabengebiet ...




    Die Bahnhofsbuchhandlung und der Florist haben heute auch offen!




    Vor dem Bahnhof ist ein kleiner Park, der Railway Garden:





    Er schaut ja recht schmuck aus, hat eisenbahnmäßig aber leider wenig zu bieten...


    Man könnte von hier auch Touren in die Berge machen, wo es in der Tat noch wildlebende Elefanten gibt. Da dafür unsere Zeit leider nicht reicht, wollen wir zu dem See, da solls sogar Bootsrundfahrten geben. Das Foto von der Webseite der Touristeninfo schaut auch ziemlich vielversprechend aus!




    Am Weg dorthin unterqueren wir die Bahnlinie, und weil der Zug eigentlich jeden Moment abfahren müsste, warten wir auf ihn.




    In der Bildmitte sieht man übrigens den Abfluss des Sees... (unsere Bade-Pläne vertagen wir lieber...)




    Wir folgen der Straße ein paar hundert Meter ...




    ... und erreichen das Seeufer...



    Es hat ungefähr so gerochen, wie es ausschaut...

    Das Zeugs dürfte zudem genetische Mutationen auslösen, die Ziegen im Park daneben schauen sehr seltsam aus...




    Wir beschließen, in dieser Brühe lieber keine Bootsfahrt machen zu wollen und winken eine Motor-Rikscha herbei, die uns zum Bahnhof zurückbringt.

    Dort versuchen wir, Fahrkarten für den bald abfahrenden Zug zu bekommen, scheitern aber kläglich, ohne Reservierung keine Fahrkarten, wir sollens beim Schaffner versuchen. Der hätte zwar noch Platz im Zug, lässt uns aber ohne Fahrkarte nicht einsteigen... Das ist uns jetzt aber egal, den ersten Teil der Strecke sind wir eh schon gefahren, und mit dem Dampfzug abwärts zu fahren ist jetzt auch nicht das große Erlebnis, da bleiben wir lieber noch ein bisschen hier und kaufen uns was zu essen.






    Die Stadt selber reizt uns dann aber weniger und wir gehen in Richtung Busbahnhof, um zu schauen, wann die nächsten Busse fahren. Da in Kürze einer abfährt, steigen wir ein und erwischen sogar einen Platz in der vordersten Reihe :)




    Vorn hängt ein Kalender, der alles wissenswerte für den heutigen Tag verzeichnet hat...




    Hier ein paar Eindrücke entlang der Straße...:












    Wir kommen am Bahnübergang beim Bahnhof in Coonoor vorbei. Der Schranken wird händisch betätigt.




    Vom Bus aus gesehen schaut die Straße gar nicht mal mehr so gefährlich aus... Achtet auf die Äffchen links im Bild!




    ... und auch da sitzt eines!!!










    ...und dann kommen wir beim Busbahnhof an. Es wollen relativ viele Leute aussteigen, es wollen aber auch relativ viele Leute einsteigen in den Bus. Glaubt jetzt nicht, dass zuerst ausgestiegen wurde, nein, erst als alle drinnen waren, konnten sich die Aussteigenden dann rausquetschen... Da ist von der Britischen Mentalität nicht viel hängengeblieben...




    Da wir nichts besseres vorhaben, und weil es der interessanteste Platz ist, gehen wir vor zum Bahnhof. Da wartet schon jemand auf uns...








    Wir besuchen nochmal die Denkmallok...




    In dem Moment fährt auch der Dampfzug ein:




    Den Führerstand muss ich Euch noch zeigen!






    In der Nacht träumen wir davon, Lokführer auf der Nilgiri Mountain Railway zu sein!



    Auf Youtube gibts übrigens ein tolles Video über die Nilgiri-Bahn Eisenbahnromantik, es ist genial, schaut Euch die auch an...!

    Im nächsten Teil fahren wir dann nach Kerala.
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