Mariazellerbahn-Unfall 2018

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  • Mariazellerbahn-Unfall 2018

    Zwei Waggons der Mariazellerbahn entgleist

    In Völlerndorf (Bezirk St. Pölten) sind Dienstagfrüh zwei Triebfahrwaggons der Mariazellerbahn entgleist. Laut ersten Meldungen gibt es einen Schwer- und mehreren Leichtverletzte. Die Strecke ist nun gesperrt.

    Laut Feuerwehr passierte der Unfall kurz vor der Pielachbrücke. Fest steht bisher, dass zwei Waggons entgleisten und nun auf der Seite liegen. Außerdem wurde die Oberleitung heruntergerissen und liegt quer über die Schienen. Feuerwehr und Rettung sind zwar bereits an Ort und Stelle, müssen aber warten, bis die NÖVOG den Strom abgeschaltet haben. Erst dann können sie sich den Waggons sicher nähern.


    Foto: Einsatzdoku/Steyrer
    In den Zügen sollen sich 60 bis 80 Personen befinden, darunter auch Schulkinder. Zur Sicherheit riet die Feuerwehr ihnen, auf bzw. in den Waggons sitzen zu bleiben, bis die Einsatzkräfte sicher zufahren können. Laut Feuerwehr gibt es bisher einen Schwerverletzten und einige Leichtverletzte.

    ORF NÖ

    PS.: Nachdem sich dort einige enge, mit max. 30 - 40 km/h zu befahrende Bögen befinden, stellt sich die Frage, ob der Zug mit der entsprechenden Geschwindigkeit unterwegs war.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Sowie es ausschaut, dürfte der führende Tw nach rechts gekippt sein und der zweite ist an ihm vorbeigefahren. Darauf lässt schließen, dass der zweite Tw rechts vorne beschädigt ist, obwohl er im Gleis steht. Die Beschädigung dürfte er sich beim Vorbeifahren am umgestürzten Tw eingefangen haben.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Die liegende Garnitur habe ich auch übersehen. Bei OSM (openrailwaymap) sind 35 km/h eingetragen, kommend von 60 km/h. Aber den Bogen müsste man doch fast "auf Sicht" bremsen können?
    Da die Gleise kaum Schaden genommen haben, kippen die Himmelstreppen wohl recht leicht aus dem Gleis (bei 760mm auch kein Wunder).

    Mal was Neues: "Triebfahrwaggons"

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  • Na, hoffentlich stirbt niemand von den Schwerverletzten, denn dann würde der Name "Himmelstreppe" eine ganz andere Bedeutung erlangen! :D Also der Laden gehört dicht gemacht, die sind unfähig dort! 60 bis 80 Meter Bremsweg (für die 2. Garnitur nach der Trennung). Damit so 'was zwischen 50 und 60 km/h. Gratulation!

    Wo ist denn da dieses supitolle elektronische Zugsicherungssystem, auf das man bei den Grinsefratzen gar so stolz ist?

    ...
    Das Unternehmen RDCS Informationstechnologie GmbH wurde mit der Planung, Lieferung, Installation und Inbetriebnahme beauftragt. "Die neue Software ist bereits seit April 2013 bei der Schneebergbahn im Einsatz und war dort eine wesentliche Voraussetzung für die Einführung des Halbstundentaktes", informiert NÖVOG Geschäftsführer Gerhard Stindl.
    ...
    Im Zug befindet sich ein Bordrechner mit digitalem Streckenatlas und auch die Geschwindigkeiten sind im Bordrechner hinterlegt. Bremswege werden von Gefahrenpunkt zu Gefahrenpunkt ständig überwacht. Die Ortung und Positionsbestimmung der Züge erfolgt über GPS und Wegmessung. Künftig werden auch Personal- und Fahrzeugdisposition sowie die Erstellung von Dienstplänen im RDCS-System durchgeführt", so Stindl.
    ...
    #KLICK#

    Eine Garnitur beim Ausbessern nach Kollisionsschaden in Laube in der Werkstatt. 2 Garnituren jetzt relativ lange außer Betrieb... Fährt die Mh6 wieder im Plan oder kommt gar ein 4090er zurück? :D Ist der nicht schon bei der Zillertalbahn als Wasserstoff-ICE im Einsatz? Ok, so schnell geht's dann auch wieder nicht! Na, da gurk' 'ma halt mim Ötschabär hin und her! Irgendwie werden's die NÖVOGerln schon schaffen. Aber wohl nur in Einfachtraktion bzw. unter Streichung der Wanderer-Pendelzüge auf der Bergstrecke. Von den 5090ern hat man sich ja klugerweise getrennt und der Einsatz von Schleuderwagen scheitert alleine schon am Bremssystem.


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  • dr. bahnsinn schrieb:

    Nachdem sich dort einige enge, mit max. 30 - 40 km/h zu befahrende Bögen befinden, stellt sich die Frage, ob der Zug mit der entsprechenden Geschwindigkeit unterwegs war.
    Hier ist die Antwort auf die oben gestellte Frage:

    Entgleister Zug war zu schnell unterwegs

    Wenige Stunden nach dem Unfall auf der Strecke der Mariazellerbahn hat der Bahnbetreiber eine Unfallursache bekannt gegeben. Laut NÖVOG handle es sich um überhöhte Geschwindigkeit.

    „Aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit ist die vordere Garnitur entgleist, die hintere Garnitur ist auf die vordere aufgefahren“, teilte die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) am frühen Nachmittag in einer Aussendung mit. Der Rettungseinsatz sei abgeschlossen. Die Rede war von 31 leicht verletzten und drei schwer verletzten Fahrzeuginsassen. Der Triebwagen war am Dienstagmorgen um etwa 7.15 Uhr in Völlerndorf (Bezirk St. Pölten) entgleist.

    Foto: ORF / Rohrhofer
    Eine Garnitur entgleiste, die zweite blieb aufrecht auf den Gleisen stehen
    Unklar sei nach wie vor, wie es zu der Geschwindigkeitsüberschreitung kam. Jetzt werde untersucht, ob es sich um technisches oder menschliches Versagen handle, hieß es seitens der NÖVOG. „Wir bedauern den Unfall zutiefst und entschuldigen uns aufrichtig bei allen Fahrgästen, den Verletzten und deren Angehörigen, Familien und Freunden.“
    Hotline für Betroffene eingerichtet
    Private Gegenstände der Fahrgäste werden nach und nach zur Polizeiinspektion Ober-Grafendorf transportiert und können dort ab Mittwoch abgeholt werden. In der Polizeistation wurde eine Notfallhotline eingerichtet, die unter der Nummer 059 133 3160 erreichbar ist.

    ORF NÖ

    Betroffen sind die Garnituren ET 5 (liegend) und ET 6 (stehend).

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Bleibt noch die Frage nach dem weiteren Betrieb mit 3 fehlenden Garnituren: Ein gut organisierter, immerwährender SEV, die NÖVOGerln kommen d'rauf, dass dies rationeller und günstiger als der Bahnbetrieb ist. Der Rest (Bergstrecke) als Wochenend-Touristenbahn nur in den schnee-, sturm- und hitzefreien Monaten und keinen geht die MZB ab. Das ist doch im Sinne der NÖVOG.

    Übrigens scheint die Gegend anziehend für rasende Lokführer zu sein, wie hier am 22.8.1992:



    BTW: Eine Anfrage an die Erfinder des "Zugsicherungssystems" RDCS, wozu man dieses System verwendet, wenn es bei diesem Unfall, aber auch bei jenem in Schlitters an der Zillertalbahn wertlos ist - wurde nicht beantwortet. Investiertes Geld also rein für den Rauchfang.

    Selbst der "Hias" war seinerzeit schon zu schnell unterwegs:



    Am 16.03.1958 entgleiste um 22.10 Uhr die Lokomotive 1099.12 des Zuges 4511 (Postzug St. Pölten - Laubenbachmühle) in Höhe des Einfahr-Vorsignals des Bahnhofes Loich aus unbekannter Ursache mit allen Achsen, stürzte vom ca. 3m hohen Damm und geriet in starke Schräglage. Die nachfolgenden zwei Wagen entgleisten ebenfalls, blieben aber im Gleis stehen. Der Triebfahrzeugführer Mathias („Hias") Nemetz blieb unverletzt. Während die Wagen schon am Folgetag eingegleist werden konnten, gestaltete sich die Bergung der Lokomotive schwierig, da damals noch kein Kran zum Heben von 49t Last verfügbar war. Das Triebfahrzeug wurde mit Winden über Schwellenstapel aufgegleist. Am 20. März konnte der durchgehende Verkehr wieder aufgenommen werden. Die Entgleisungsursache wurde nicht weiter untersucht, bahnintern war jedoch der „Hias" als „flotter" Fahrer bekannt.

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  • westbahn schrieb:

    Bleibt noch die Frage nach dem weiteren Betrieb mit 3 fehlenden Garnituren
    3 fehlenden?

    Die Citybahn in WY braucht man eh nicht, also stellt man sie im Sommer versuchsweise gleich ein (2x 5090), da kann man eine Garnitur generieren. Dann kann man mit 1099 und den Ötscher Bär - Wagen auch 2-3 Garnituren bilden. Je nach Verfügbarkeit der Ötscherbären E7 u. E10 und der E14. Die ein oder andere 2095 hat man ja auch noch.
    Da braucht es dann nur genug Personal mit entsprechender Schulung...
  • Waren beide Züge unabhängig voneinander, aber mit zu geringem Sicherheitsabstand unterwegs oder sind beide Züge aneinander gekuppelt im Verbund gefahren?
    Im ersten Fall wäre ein technisches Versagen wohl nahezu ausgeschlossen, denn dass bei beiden Zügen die Geschwindigkeitsüberwachung ausgesetzt hätte, wäre wohl kaum vorstellbar.
  • Waren beide Züge unabhängig voneinander, aber mit zu geringem Sicherheitsabstand unterwegs oder sind beide Züge aneinander gekuppelt im Verbund gefahren?
    Oh Gott! Hast du dir diesen Thread durchgelesen, bevor du in die Tasten gehauen hast? Welche Geschwindigkeitsüberwachung?

    Soweit ich mich erkundigen konnte, wäre es möglich, mit dem RDCS die Geschwindigkeitsbrüche mittels Bremskurve zu überwachen. Dies wurde aber seitens der NÖVOGerln nur bei den Fahrwegenden und bei Langsamfahrstellen gewünscht.

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  • rubberdog schrieb:

    Waren beide Züge unabhängig voneinander, aber mit zu geringem Sicherheitsabstand unterwegs oder sind beide Züge aneinander gekuppelt im Verbund gefahren?
    Wie es passiert ist, kann bereits in Antwort 5 nachgelesen werden. Selbstverständlich waren die beiden Tw als Doppelgarnitur unterwegs. Fahren auf Sicht gibt es nur bei der Straßenbahn und Fahren im Zeitabstand bei uns nirgendwo bzw. nur bei Bergbahnen.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Unfallstelle nach Zugsunfall geräumt

    Nach dem Zugsunfall in Völlerndorf (Bezirk St. Pölten) am Dienstag, ist die Unfallstelle in der Nacht geräumt worden, die Waggons wurden abtransportiert. Jetzt muss das Ausmaß der Schäden festgestellt werden.

    Nach dem Zugsunfall am Dienstag, bei dem 34 Personen verletzt wurden, drei davon schwer, gehen die Aufräumarbeiten weiter. In der Nacht auf Mittwoch wurden alle Waggons mit Spezialkränen angehoben und mit Tiefladern abtransportiert. Sie wurden weggebracht und werden nun von Sachverständigen geprüft, um den genauen Schaden an den Garnituren festzustellen. Soweit eine Reparatur noch möglich ist, sollen die Waggons dafür in die Schweiz gebracht werden.

    Foto: ORF/Gernot Rohrhofer

    Auch die Arbeiten an der Unfallstelle gehen am Mittwoch weiter. Das gesamte Ausmaß des Schadens wurde erst nach dem Abtransport der Waggons sichtbar. Bei dem Unfall wurde nicht nur die Gleisanlage schwer beschädigt, auch die Oberleitung wurde heruntergerissen. Am Mittwoch soll festgestellt werden, wie schwer die Anlage beschädigt wurde, damit so schnell wie möglich mit den Reparaturarbeiten begonnen werden kann, hieß es am Mittwoch beim Bahnbetreiber, der NÖVOG.
    Grund für zu hohe Geschwindigkeit wird untersucht
    Ob es zu der Überschreitung der in diesem Bereich zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 35 Stundenkilometern durch technisches oder menschliches Versagen gekommen ist, ist noch immer Gegenstand der Untersuchungen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der NÖVOG.
    Ab Mittwoch ist die Strecke zwischen St. Pölten-Hauptbahnhof und Ober-Grafendorf (Bezirk St. Pölten) gesperrt, die Sperre wurde somit verkürzt. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Wie lange diese Sperre dauern wird, kann derzeit nicht beurteilt werden. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa einer Woche aus.

    ORF NÖ
    dr. bahnsinn - der Forendoktor