Mariazellerbahn-Unfall 2018

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  • Mariazellerbahn: Prozess nach Zugsunfall vertagt

    Der Prozess nach dem Zugsunglück der Mariazellerbahn in Völlerndorf (Bezirk St. Pölten) ist am Mittwoch auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Nun soll ein weiteres Gutachten eingeholt werden, das klärt, ob der Lokführer ohnmächtig war.

    Der angeklagte Lokführer gab am Mittwoch im Prozess an, sich nicht mehr an den Zugunfall auf der Mariazellerbahn im Juni des Vorjahres erinnern zu können. „Auf einmal war ich weg. Als ich wieder langsam zu mir gekommen bin, war es schon zu spät. Da ist der Zug schon auf der Seite gelegen“, sagte der 26-Jährige vor Gericht. Was dazwischen passiert war, könne er nicht mehr sagen.
    Laut dem Untersuchungsbericht soll der Lokführer deutlich zu schnell in eine Kurve eingefahren sein, daraufhin war eine Garnitur entgleist, die hinteren Wagen fuhren auf die vordere Garnitur auf. Vier Passagiere wurden schwer, 28 leicht verletzt. Der Schaden lag im zweistelligen Millionenbereich.

    Der Lokführer musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten. Foto: ORF/Gernot Rohrhofer

    Am Mittwoch gab der Lokführer vor Gericht an, dass er nach dem Unfall versucht hatte aufzustehen, weil er sich schwach fühlte: „Ich habe Kräfte gesammelt, damit ich überhaupt einmal aufkomme.“ Dann habe er die Fahrdienstleitung angerufen. Für die von ihm geschilderte Bewusstseinstrübung hatte der 26-Jährige keine Erklärung. „Das habe ich bis jetzt nicht herausgefunden, ich habe schon unzählige Untersuchungen gemacht. Es war einfach aus.“
    Erkrankungen und Kreislaufkollaps ausgeschlossen
    Er habe in diesen Tagen weder Medikamente zu sich genommen, noch vor der Fahrt Alkohol getrunken. Er hatte keine Probleme mit dem Kreislauf oder mit dem Blutdruck, sagte der Angeklagte. Ein neurologisch-psychiatrischer Sachverständiger schloss Erkrankungen und einen Kreislaufkollaps mit Gedächtnisverlust aus. Ein Zeuge sagte im Prozess: „Kurz vor der Kurve habe ich mir gedacht: Bist du fertig, der legt sich heute ziemlich in die Kurve.“
    Lokführer reagierte innerhalb von 0,62 Sekunden
    Richter Andreas Beneder hielt fest, dass der Angeklagte trotz angegebener Bewusstseinstrübung 0,62 Sekunden nach dem Signal durch das Horn reagiert habe, also „prompt“. „Keine Ahnung, wie das geht“, meinte der 26-Jährige dazu. Der Richter wollte wissen, wie es dem Angeklagten heute gehe. „Mich macht das schon fertig“, sagte der Beschuldigte. Er mache sich Gedanken, „warum das genau mir passieren muss“. Als Triebwagenführer zu arbeiten, „das war schon immer mein Traum“. Auf die Frage, wie er sich die Zukunft vorstelle, meinte der 26-Jährige: „Keine Ahnung.“
    Am Mittwochnachmittag wurde entschieden, dass der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt wird. Laut dem Richter soll nun noch ein internistisches Gutachten eingeholt werden. Ein Sachverständiger soll dabei abklären, ob der Triebwagenführer vor dem Unfall eine Synkope, also eine rasch einsetzende Ohnmacht, erlitten haben kann.

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  • Verunglückte Himmelstreppe fährt bald wieder

    Eine der beiden Garnituren der Mariazellerbahn, die bei dem Zugsunglück im Juni vergangenen Jahres schwer beschädigt wurden, soll ab Anfang Juli wieder fahren. Die umfassenden Reparaturarbeiten seine abgeschlossen, heißt es.

    „Die Garnitur wird in drei Teilen mittels Lkw angeliefert und am St. Pöltner Alpenbahnhof zusammengesetzt. Bereits Anfang Juli wird die Himmelstreppe ihren Dienst in Laubenbachmühle wieder antreten“, teilte Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) am Samstag in einer Aussendung mit. Der Schweizer Hersteller Stadler habe die umfassenden Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen. Die Reparaturarbeiten am zweiten Fahrzeug werden voraussichtlich bis zum Frühjahr 2020 andauern.
    Waldviertel- und Citybahn auf Mariazeller-Strecke
    Wer in den vergangenen Monaten auf der Strecke der Mariazellerbahn unterwegs war, war zum Teil nicht mit der Mariazellerbahn selbst, sondern mit Garnituren der Waldviertelbahn oder der Citybahn Waidhofen unterwegs. Nach dem Zugsunglück vergangenen Juni wurden von den beiden Bahnen Garnituren als Unterstützung zur Verfügung gestellt.
    Die mit etwa 80 Passagieren besetzte „Himmelstreppe“ war am 26. Juni 2018 bei Völlerndorf in der Gemeinde Gerersdorf (Bezirk St. Pölten) laut Gutachten zu schnell in eine Kurve gefahren. Der Zug entgleiste, die hintere Garnitur prallte gegen die vordere. Drei Fahrgäste wurden schwer, 31 leicht verletzt. Der Unfall verursachte Schäden im zweistelligen Millionenbereich.
    Der Triebwagenführer musste sich vor Gericht verantworten. Ihm werden grob fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Gemeingefährdung vorgeworfen. Der Prozess wurde im März auf unbestimmte Zeit vertagt.

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  • Erste Himmelstreppe zurück auf Schiene

    Ein Jahr nach dem Zugsunglück auf der Mariazellerbahn ist eine der beiden beschädigten Garnituren fertig repariert. Ihre drei Einzelteile wurden am Donnerstag in St. Pölten zusammengefügt und auf Schiene gesetzt.

    Online seit heute, 18.46 Uhr
    Als die Techniker und Handwerker in den frühen Morgenstunden am Alpenbahnhof eintreffen, stehen die drei Zugteile schon nebeneinander aufgereiht bereit. Noch sind sie auf den drei Lkw aufgeladen, noch steht die Sonne tief und die goldenen Himmelstreppenwagen werfen weite Schatten. In den kommenden Stunden werden die drei Teile abgeladen, auf Schiene gesetzt und zusammengebaut.
    „Ein spannendes Ereignis, da werden immerhin einige Tonnen bewegt“, sagt Philipp Hammerl, der als Projektleiter die Reparatur seit fast einem Jahr betreut. Die beiden Endwagen wiegen 28 Tonnen, der Mittelwagen 23,5 Tonnen. In den kommenden zwei Wochen folgen Probefahrten, Anfang Juli wird die Himmelstreppe auf der Mariazellerbahn wieder in Betrieb genommen – „pünktlich zu Ferienbeginn“, sagt NÖVOG-Geschäftsführerin Barbara Komarek.
    ORF/Miriam Steiner
    Bis dahin wird sich auch das vorangegangene Zugsunglück auf der Mariazellerbahn jähren: Am 26. Juni 2018 entgleiste die mit etwa 80 Passagieren besetzte Himmelstreppe bei Völlerndorf in der Gemeinde Gerersdorf (Bezirk St. Pölten), die hintere Garnitur krachte auf die vordere. Drei Fahrgäste wurden schwer, 31 leicht verletzt. Wie ein Gutachten bestätigte, war der Zug zu schnell in eine Kurve gefahren. Der Gerichtsprozess gegen den Triebwagenführer wurde im März auf unbestimmte Zeit vertagt.Die beiden Ersatz-Garnituren, die von der Waldviertelbahn und der Citybahn Waidhofen zur Verfügung gestellt wurden, werden nun zurückgegeben. Zwar befindet sich die zweite beschädigte Himmelstreppe nach wie vor in Reparatur in der Schweiz, doch mit der nun gelieferten könne man laut NÖVOG der Nachfrage vorerst nachkommen. Pro Jahr sind etwa 540.000 Passagiere auf der Mariazellerbahn unterwegs.
    Touristen und Pendler nutzen Mariazellerbahn
    Dabei sei die Bahn „sowohl als Leitbetrieb für den Tourismus als auch als Nahverkehrsträger für die Pendlerinnen und Pendler sowie die Schülerinnen und Schüler bedeutend“, sagte der zuständige Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) am Donnerstag gegenüber noe.ORF.at. Die Kosten für die gesamte Reparatur liegen im zweistelligen Millionenbereich. Die zweite Garnitur wurde beim Zugsunglück noch schwerer beschädigt, ihre Reparatur ist für kommenden Herbst angesetzt. Im März 2020 wird sie voraussichtlich nach Niederösterreich zurückkommen.
    Miriam Steiner, noe.orf.at mit weiteren Fotos.


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