[WL] U6: Großflächige Markierung der Ausstiegsbereiche auf den Bahnsteigen

  • [WL] U6: Großflächige Markierung der Ausstiegsbereiche auf den Bahnsteigen

    14. 8. 2018

    U-Bahn: Ein- und Aussteigen nach asiatischem Vorbild

    Sima und Steinbauer beim Probewarten auf die U-Bahn. © Bild: Christian Jobst/ PID/Christian JOBST


    Die nächste Neuerung wartet auf Fahrgäste der U6. Gelb-blaue Bodenmarkierungen regeln jetzt das Ein- und Aussteigen.

    Nach dem Essensverbot und der Deo-Offensive warten die Wiener Linien seit heute, Dienstag, an der U6 mit der nächsten Neuerung auf: In den Stationen mit besonders hoher Fahrgastfrequenz - zu Beginn einmal am Westbahnhof, den Bahnhöfen Meidling und Spittelau sowie in der Station Längenfeldgasse - weisen ab nun gelb-blaue Bodenmarkierungen auf den Bahnsteigen den Weg in die und aus den U-Bahn-Waggons. Zudem ist daran der optimale Wartebereich vor dem Zusteigen zu erkennen. So soll die Ein- und Ausstiegszeit in den Spitzenzeiten möglichst kurz gehalten werden.
    Die gelb-blauen Bodenmarkierungen, die man leicht für IKEA-Wegweiser halten könnte, sind aber nicht Erfindung der Wiener Linien. Dafür gebe es bereits viele Beispiele in asiatischen und südamerikanischen Ländern, betonen Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Konzern-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Allerdings werden sie vorerst nicht an allen U-Bahn-Linien angebracht, sondern nur an der U6 (und auch da nur in den Stationen, "in denen es am meisten wurlt", wie Sima sagt) sowie in der Folge an der voll automatischen U5. Das habe zwei Gründe.
    U6 hat schlechtestes Image
    Zum einen handle es bei der U6 um die am stärksten belastete Linie mit dem historisch bedingt schlechtesten Image, Stichwort: Drogendealer. Auf Grund der hohen Fahrgastdichte wurde der Takt in den Stoßzeiten bereits aud 2,5-Minuten-Intervalle reduziert. In Spitzenzeiten steigen bei einem Halt an einem Umsteigeknoten, wie etwa am Westbahnhof, binnen weniger Sekunden 150 bis 200 Personen ein oder aus, erklärt Steinbauer. Durch die neuen Bodenmarkierung erhoffe man sich eine Einsparung von etwa fünf Sekunden pro Fahrgast-Wechsel. Das fördere in Summe über den Tag gesehen den Verkehrsfluss und damit die Pünktlichkeit der Züge.
    Zum anderen habe man nur bei der U6 einen einheitlichen Wagenpark. Bei den Silberpfeilen und den V-Wägen auf den anderen Linien befänden sich die Türen dagegen nicht überall an denselben Stellen, die Abstände dazwischen seien verschieden groß. Erst mit der Ausmusterung der Silberpfeile Mitte der 2020er-Jahre könne das Wegweiser-System auf das gesamte Netz ausgebreitet werden, so Steinbauer.
    Bevormundung?
    Ob die Fahrgäste die Kreuze und Pfeile auf den Bahnsteigen überhaupt beachten oder einfach ihrer Routine beim Ein- und Aussteigen folgen, bleibt abzuwarten. Am ersten Tag reagierten die meisten beim Anblick der flächigen Markierungen eher mit Verwunderung, denn mit Interesse.
    Dass die Kunden der Wiener Linien die neuerliche Reglementierung als überflüssig oder gar als Infragestellung ihres gesunden Menschenverstandes empfinden könnten, glauben Sima und Steinbauer nicht. Es dauere einfach eine Zeit, bis sich die Fahrgäste an die Symbolsprache gewöhnen würden, meint Letzterer. Die Praxis - Drängereien oder sogar Rangeleien beim Ein- und Aussteigen - hätten aber die Notwendigkeit offenbart.
    Sima empfindet die Markierungen als "sanften Hinweis". Sei daran doch auch schon vor dem Einfahren des Zuges ersichtlich, wo sich die Ausstiege befinden. Ein hektisches Herumlaufen auf den Bahnsteigen gehöre damit der Vergangenheit an. Dass ausgerechnet die Fahrgäste der U6 mit einer Reihe von Ver- und Geboten konfrontiert werden, habe ausschließlich mit dem Image und der Belastung der Linie und nicht mit den Kunden an sich zu tun, betont sie. Sima rechnet damit, dass auch die Fahrgäste anderer Linien den Wunsch nach den Bodenmarkierungen äußern werden.
    Nachdem bereits die neuen Essensverbot-Aufkleber in der U6 angebracht wurden, präsentieren die Wiener Linien am Donnerstag die Ergebnisse ihrer Fahrgastbefragung. Es darf vermutet werden, dass das Verbot stark riechender Speisen auch auf andere Linien ausgedehnt wird.

    KURIER
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • J-C schrieb:

    Das könnte man schon als Fehlkonstruktion bezeichnen.
    Könnte man, würde man die Vorgeschichte der Wiener S-Bahn nicht kennen. Die ehemalige Wiener Stadtbahn, die man mit den S-Bahnen in Hamburg und Berlin vergleichen könnte, ist heute Bestandteil der U-Bahn. Die Planung und Realisierung der Wiener S-Bahn passsierte hingegen in der Wiederaufbauzeit nach dem 2. Weltkrieg. Es musste schnell gehen und durfte angesichts beschränkter Finanzmittel nicht zu viel kosten. Das Ergebnis ist die heutige S-Bahn-Stammstrecke. Es empfiehlt sich, auf Wikipedia das Kapitel 3. 2. "Das Wiener S-Bahn-Projekt" zu studieren.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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