Welche Strecke? (gelöst)

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  • Welche Strecke? (gelöst)

    Im Zuge einer Wanderung im Freundeskreis kamen wir gestern am Rande unseres Ausgangsortes an einer, an einer ehemaligen Bahntrasse stehenden Schautafel vorbei, die in der Durchsicht einen Dampfzug mit einer eher ungewöhlichen Dampflok, wie er vor Jahrzehnten an dieser Stelle vorbeifuhr, zeigt. Da es sich um einen Tagesausflug handelte, darf von den mitratenden Usern angenommen werden, dass sich die Szenerie in Österreich abspielte.

    Meine Fragen dazu:

    1. Um welchen Ort handelt es sich?
    2. Wie wurde die Bahn bezeichnet und was wurde mit ihr hauptsächlich transportiert?
    3. Was war an dieser Bahn neben der Lok noch ungewöhnlich?
    4. Um welches Fabrikat handelte es sich bei der Lok?

    Ich wünsche den Ratenden bei ihren Recherchen viel Glück!



    Nach Lösung des Rätsels gibt es noch ein paar Fotos über die in der Natur teilweise noch erkennbare Trasse sowie Wissenswertes über die Geschichte der Bahn.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • KFNB X schrieb:

    Die Waldbahn*) transportierte wohl schon Schnittholz. Das war eher selten. Lunz?
    Ja, sie transportierte hauptsächlich Schnittholz, das war auf Grund der Darstellung auch nicht schwer zu erraten. Sie transportierte aber in geringen Mengen auch Stangenholz, das vom Verbraucher z. B. für Telegrafenmasten verwendet wurde.
    Lunz ist falsch, liegt aber im selben Bundesland wie der gesuchte Ort.
    *) "Waldbahn" wurde sie definitiv nicht genannt, weil sie hauptsächlich Fertigware transportierte. Deshalb auch die Frage nach ihrer Bezeichnung. Nach der Auflösung des Rätsels wird klar sein, warum ich auf dieser Unterscheidung bestehe.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • KFNB X hat das Rätsel für sich und mich schon gelöst, aber die Lösung im Interesse aller anderen mitratenden User für sich behalten. Für diese gibt es einen Hinweis in Form eines Fotos, das am Endbahnhof der Strecke den Ladekran für die Umladung auf die Normalspurwaggons zeigt. Auf Grund der Größe des Ladekrans darf geschlossen werden, dass die Transportmenge relativ groß war:


    Das Foto befindet sich im Heimatmuseum des Ortes, in dem die Bahn ihren Ausgang nimmt.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Der Bahnhof, auf dem einst der oben zu sehende Verladekran stand, sieht heute so aus
    Ich stelle mit Verwunderung fest, dass es anscheinend schwierig ist, einen Waldviertler Bahnhof, bei dem erst vor wenigen Jahren die Gleise entfernt wurden, zu eruieren. So viele sind es ja auch wieder nicht. Und ganz klein war der Bahnhof auch nicht. Schließlich kann man im Hintergrund einen Lokschuppen erkennen, was bedeutet, dass hier Loks übernachtet haben.

    Noch ein Hinweis: Die gesuchte Bahn stand mit einer anderen, in gleicher Spurweite errichteten Bahn in unmittelbarem Zusammenhang und waren mit einem ca. 1 km langen Verbindungsgleis miteinander verbunden. Zusammenhängend bildeten sie eines der längsten Gleisnetze Österreichs in einem zusammenhängenden Waldgebiet.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    dürfte daher nur mehr ein Formalakt sein
    Allerdings.

    1. Um welchen Ort handelt es sich?

    Martinsberg

    2. Wie wurde die Bahn bezeichnet und was wurde mit ihr hauptsächlich transportiert?

    Industriebahn Gtuenbrunn

    3. Was war an dieser Bahn neben der Lok noch ungewöhnlich?

    Die Brücken stehen noch, 85 Jahre nach der Einstellung :D

    4. Um welches Fabrikat handelte es sich bei der Lok?

    Kolomna
  • Da ist ja schon einiges richtig, aber noch nicht ganz. Der Ausgangsort unserer Wanderung war nicht Martinsberg, weshalb die Schautafel auch nicht dort steht. Viel Auswahl gibt es aber nicht mehr. :D
    Das Besondere an der Strecke ist aber nicht der Erhalt von Brücken auch 85 Jahre nach der Einstellung, aber mit der Vergänglichkeit hat meine Frage schon zu tun. Man braucht nur in die Geschichte der Bahn zu schnuppern.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Rätsel gelöst

    grubenhunt schrieb:

    das Besondere : Die Kurzlebigkeit der Bahn (11 Jahre?)
    Ausgangsort der Wanderung : Gutenbrunn

    Beides ist richtig. Ich gratuliere dir und dem KFNB X, der schon vorgeraumer Zeit die Lösung angedeutet hat, zur Auflösung des Rätsels. Auch Klosterwappen hat seinen Teil dazu beigetragen, indem er das Waldviertel ins Spiel brachte.
    Demnächst mehr zur Industriebahn Gutenbrunn - Martinsberg.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Nun ein paar Informationen zur Industriebahn Gutenbrunn - Martinsberg und der mit ihr in Zusammenhang stehenden Waldbahn im Weinsberger Wald.

    Der Weinsberger Wald im südwestlichen Waldviertel und südöstlichen Mühlviertel ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Österreichs. Durch den enormen Bevölkerungszuwachs in Wien und der damit verbundenen Bautätigkeit wurde dort Brenn- und Bauholz knapp, weshalb man dem Holzreichtum des Weinsberger Waldes zu Leibe rückte und das geschlägerte Holz als Schwemmholz über die zur Donau hin entwässernden Bäche und Flüsse (Sarmingbach, Gr. und Kl. Ysper, Weitenbach) schwemmte, wo es an deren Mündungen zu Flößen zusammengebaut und nach Wien abtransportiert wurde. 1794 kaufte Kaiser Franz I von dem in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Großgrundbesitzer Joseph Edler von Fürnberg die Herrschaft Weinsberger Wald und ließ sie ab 1800 wieder aufforsten. Nach dem 1. Weltkrieg waren große Teile des Weinsberger Waldes hiebreif und es fielen so große Holzmengen an, dass Alternativen zur traditionellen Holzschwemme entwickelt werden mussten.

    1919 schloß daher die Habsburg-Lothringen'schen Forstverwaltung in Persenbeug mit dem Wiener Holzindustriellen Oskar von Körner, Besitzer der Körner-Werke AG, einen Abstockungsvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Die Körner-Werke übernahmen 1920 die in Gutenbrunn bereits bestehende Säge und bauten diese so groß aus, dass sie während ihrer kurzen Blütezeit bis zu 500 Leute beschäftigten.

    Bis 1922 wurde im Weinsberger Wald zum Abtransport des Blochholzes ein Waldbahnnetz mit einer Länge von knapp 31 km in Spurweite 760 mm aufgebaut. Zum Abtransport der Schnittware wurde zur gleichen Zeit zwischen den Körner-Werken in Gutenbrunn und dem Normalspurbahnhof in Martinsberg die sogenannte Industriebahn mit einer Länge von knapp über 5 km Länge errichtet. Mit zusammen knapp 36 km Länge war dies eines der längsten Waldbahnnetze Österreichs.

    Die Inbetriebnahme beider Bahnen erfolgte 1922. 1928 beging Oskar Körner Selbstmord und die Körner-Werke wurden von der NÖ. Holzindustrie AG übernommen. Auf Grund von Unstimmigkeiten mit der Gutsverwaltung wurde der Abstockungsvertrag auf 15 Jahre verkürzt und schließlich stellte die Gutsverwaltung die Holzlieferungen zur Gänze ein, worauf der Sägewerksbetrieb im Jahr 1933 eingestellt wurde, was gleichbedeutend mit der Einstellung beider Bahnen nach nur elf Jahren Betriebszeit bedeutete. 1935 wurde der Oberbau abgetragen. Die Trassen sind aber teilweise in der Natur noch erkennbar und im Weinsberger Wald wird die Trasse streckenweise als Mountainbike-Strecke bzw. als Langlaufloipe benutzt (siehe Foto):


    Zum Abschluss möchte ich Euch noch ein paar Spuren von der Industriebahn zeigen, denen ich zwischen Gutenbrunn und Martinsberg nachgegangen bin. Mein Freundeskreis war da nicht mehr dabei. Beginnen wir bei der im Eröffnungsbeitrag geposteten Schautafel, die am südöstlichen Ortsrand von Gutenbrunn am Ende einer, imposanten, gerade verlaufenden Allee steht. Die Schautafel zeigt einen von den Körner-Werken kommenden, mit Schnittholz beladenen und mit einer der beiden Kolomna-Loks gezogenen Zug auf dem Weg nach Martinsberg. Die Körner-Werke, von denen heute, außer ein paar Wohn- und Bürogebäuden nichts mehr zu sehen ist, befanden sich am südlichen Ortsrand von Gutenbrunn. Die Waldbahn und die Industriebahn waren durch eine ca. 1 km lange Verbindungsbahn miteinander verbunden. So konnte Holz, das im Sägewerk nicht bearbeitet wurde, direkt aus dem Wald zum Verladebahnhof in Martinsberg gebracht werden:

    Unterhalb der Schautafel ist auch der Lokbestand der Industriebahn angeführt:

    Die Bahntrasse in Richtung Körner-Werke. Links die oben zu sehende Schautafel:


    Die oben erwähnte Allee entlang der Bahntrasse in Blickrichtung Bahnhof Martinsberg:



    Die Allee verläuft bis zum nordöstlichen Ortsrand, anschließend verläuft die Bahntrasse entlang eines östlich angrenzenden Waldstückes, um schließlich im Wald zu verschwinden. Die Trasse lässt sich aber auf Google Earth gut verfolgen. Knapp 100 m südlich der Landesstraße 82 überquert die Trasse mittels einer Brücke den Weitenbach. Zunächst aber der Blick auf die im Wald Richtung Gutenbrunn auf einem Damm verlaufende Trasse kurz nach Überquerung des Weitenbaches. Das Brückengeländer ist gerade noch zu sehen:


    Die Brücke über den Weitenbach mit Blickrichtung Bhf. Martinsberg:


    Zwischen der Brücke und der L 82 verläuft die Trasse ebenfalls auf einem Damm:


    Nördlich der L 82 ist der Trassenverlauf auf rund 270 m nur mehr anhand der auf dem Foto zu sehenden Buschreihe zu erkennen:


    In der ca. 750 m westlich des Ortszentrums an der L 7200 (Eichenstraße) gelegenen Wohnsiedlung wendet sich die Bahntrasse nach Osten und verläuft zwischen zwei Wohnhäusern durch:


    Nach Überquerung der L 7200 (Eichenstraße) umrundete die Bahn den damals ausdehnungsmäßig noch wesentlich kleineren Ort Martinsberg. Heute ist die Bahtrasse unter einer Einfamilienhaussiedlung (im Hintergrund) verschwunden:


    Nördlich des Ortes verlief die Bahntrasse dort, wo sich heute die Sportplatzstraße befindet. Auf Höhe des heutigen Lagerhausgebäudes mündete die Industriebahn in das Bahnhofsgelände der Bahnstrecke Schwarzenau - Martinsberg-Gutenbrunn ein. Die Industriebahntrasse verlief, von Gutenbrunn kommend, vor der auf dem Foto unten am rechten Bildrand zu sehenden Halle. Die Umladeanlagen befanden sich da, wo heute die asphaltierte Fläche zu sehen ist. Der Gleisschotter im Vordergrund stellt den letzten Rest der hier verlaufenden Normalspurgleise dar:

    Fotos: dr. bahnsinn, aufgenommen am 29. 8. 2018

    Ich hoffe, der kurze Ausflug zu einer vergessenen, aber in der Natur teilweise noch immer erkennbaren Industriebahn im Waldviertel hat Euch gefallen.

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Unter www.zwalk.at kann man den Verlauf der Industriebahn in Wort und Bild ebenfalls verfolgen.

    Achtung: Die Karte am Schluss des Artikels stellt nur die vom Autor begangene Route dar. Während sie zwischen Martinsberg bis zur Ortsmitte von Gutenbrunn dem Streckenverlauf folgt, fehlt das letzte Stück der Bahntrasse bis zu den Körner-Werken im Süden des Ortes.

    Im Heimatmuseum im "Truckerhaus" (schräg gegenüber der Kirche) wird ausführlich über die Waldbahn im Weinsberger Wald berichtet. Die Industriebahn Gutenbrunn - Martinsberg wird allerdings nur am Rande erw
    ähnt.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor