[Der Standard] Eisenbahner stellen die Weichen in Richtung Streik

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  • [Der Standard] Eisenbahner stellen die Weichen in Richtung Streik

    Bahn-KV: Verhandlungen nach "harten" Gesprächen unterbrochen
    22. November 2018, 05:42
    Die Gewerkschaft ist mit dem "lächerlichen" Arbeitgeberangebot von drei Prozent nicht zufrieden
    Wien – Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Eisenbahner sind in der Nacht auf Donnerstag unterbrochen worden. Es seien "harte, aber intensive Gespräche" gewesen, erklärte Arbeitgeber-Chefverhandler Thomas Scheiber.
    Er zeigte sich enttäuscht, da die Arbeitgeber ein "substanzielles" Angebot unterbreitet hätten. Die "überwiegende Mehrheit" der österreichischen Eisenbahnunternehmen sei der Empfehlung der Wirtschaftskammer gefolgt und habe die Gehälter "freiwillig um drei Prozent erhöht".
    Die Gewerkschaft Vida bezeichnete dieses Angebot bereits im Vorfeld der achten Verhandlungsrunde als "lächerlich", nannte aber offiziell keine Lohnforderung. Dem Vernehmen nach will sie fünf Prozent. Vida hatte am Mittwoch mit Streik gedroht für den Fall, dass auch die neue Verhandlungsrunde keine Bewegung bringt. Es geht um einen Abschluss für rund 40.000 Beschäftigte in mehr als 60 Unternehmen. Das mit Abstand größte ist die ÖBB. (APA, 22.11.2018)


    Der Standard
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Eisenbahner stellen die Weichen in Richtung Streik
    Sie sind bereits gestellt:

    Bahn: Gewerkschaft ruft zu Warnstreiks auf

    Die Gewerkschaft vida hat Warnstreiks bei der Bahn für 26. November beschlossen. Das letzte Angebot der Arbeitgeber in den Lohnverhandlungen nennt die Gewerkschaft „lächerlich“. „Absolut unverständlich“ ist das für die Arbeitgeber.

    „Die Gremien der Gewerkschaft vida haben nach intensiven Beratungen einstimmig über alle Fraktionen hinweg österreichweite Warnstreiks im gesamten Eisenbahnsektor beschlossen“, so vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit und der Vorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn, Günter Blumthaler am Donnerstag.
    „Die Arbeitgeber haben uns keine Wahl gelassen. Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner haben Österreich zum Bahnland Nummer eins in der EU gemacht und lassen sich nicht mit Almosen bei den Gehaltserhöhungen abspeisen. Das letzte Angebot der Arbeitgeber hat inflationsbereinigt im Schnitt lediglich 15 Euro brutto im Monat ausgemacht“, kritisierte Hebenstreit.
    Lohnverhandlungen abgebrochen
    In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden nach monatelangen Verhandlungen in der achten Runde die Kollektivvertragsverhandlungen zwischen der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida und dem Fachverband Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) für die rund 40.000 Bediensteten in eisenbahnspezifischen Berufen abgebrochen.
    „Jetzt wird es schnell sehr laut werden“, machte Hebenstreit seine Androhung wahr. Der Fachverband Schienenbahnen habe sein „von Anfang an lächerliches Angebot lediglich weiter aufrechterhalten“, kritisierte er. „Die Leistungen der Eisenbahnerinnen, ihre hohe Produktivität und Flexibilität, werden so mit Füßen getreten. Für weitere Scheinverhandlungen und Zeitverschwendung stehen wir nicht zur Verfügung.“
    Blumthaler fordert ein „ordentliches Gesamtpaket mit höheren Einstiegsgehältern und weiteren Attraktivierungen im KV-Rahmenrecht“, auch „um ausreichend neues und qualifiziertes Personal für die Bahnen gewinnen können“.
    Gewerkschaft: „Lächerliches Angebot“
    Hebenstreit erneuerte die Forderung nach einem „fairen Angebot, das sich aus der Inflationsabgeltung sowie aus einem gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum sowie aus der stark gestiegenen Produktivität der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sowie Verbesserungen im Rahmenrecht zusammensetzen muss“. Eine Prozentzahl nennen die Arbeitnehmer nicht offiziell. Dem Vernehmen nach sollen es fünf Prozent sein.
    „Unseren Forderungen werden wir jetzt mit gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen Nachdruck verleihen. Sollte sich die Wirtschaftskammer endlich zu einem fairen Angebot durchringen können, sind wir gerne bereit, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“
    Die Arbeitgeber boten drei Prozent, was die Gewerkschaft als „lächerlich“ abtut. Dass die Arbeitgeber ihren Mitgliedsbetrieben empfehlen, die Löhne und Gehälter um diesen Wert „freiwillig“ zu erhöhen, empfindet die vida als Provokation.
    Arbeitgeber: „Nicht nachvollziehbar“
    „Dies trägt zu keiner Verbesserung der Situation bei, ganz im Gegenteil“, reagierte Arbeitgeber-Chefverhandler Thomas Scheiber am Donnerstag auf die Streikankündigung. Das Vorgehen der Gewerkschaft sei „absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar“.
    „Wir gewinnen verstärkt den Eindruck, dass die Gewerkschaft gar kein Interesse an konstruktiven Verhandlungen auf Augenhöhe hat. Von Runde zu Runde werden die Stellungnahmen emotionaler, es wird immer mehr in Worten aufgerüstet und weiter eskaliert“, so Scheiber.
    Er bekräftigte, in der am Mittwoch abgebrochenen achten Runde ein „substanzielles und faires Angebot unterbreitet“ zu haben. Das Angebot der Arbeitgeber lag „deutlich über drei Prozent, wirksam ab 1.1. 2019. Dazu kommen weitere Änderungen im Rahmenrecht“, so Scheiber. Diese rahmenrechtlichen Änderungen gelte es aber noch detailliert zu prüfen. Daher hätten die Arbeitgeber zu einer neunten Verhandlungsrunde am 5. Dezember eingeladen.
    Rückkehr zu Verhandlungen gefordert
    „Bei jeder geplanten Eskalation muss man auch einen Schritt weiter denken, vor allem wenn diese auf Kosten unserer Kunden und Fahrgäste geht. Wir fordern unseren Sozialpartner eindringlich dazu auf, den Verhandlungstisch nicht zu verlassen“, so Scheiber.
    Die Arbeitgebervertreter fühlen sich indes in ihrer Initiative einer vorzeitigen freiwilligen Gehaltserhöhung in Höhe von drei Prozent bestätigt. „Es war wichtig, dass die überwiegende Mehrheit der Eisenbahnunternehmen der Empfehlung des Fachverbandes gefolgt und in Vorleistung gegangen sind, indem sie rückwirkend mit Oktober 2018 die Gehälter um drei Prozent angehoben haben“, so Scheiber, „damit haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Weihnachten auf alle Fälle eine Gehaltserhöhung auf dem Konto.“
    In welchem Umfang Bahnfahrer am Montag oder gar darüber hinaus betroffen sein werden, ließ die Gewerkschaft vida am Donnerstag offen. Die Gewerkschaft wollte erst am Freitag - rund um die Mittagszeit - über Details informieren. Im Bahn-KV geht es um die Löhne und Gehälter für rund 40.000 Beschäftigte in gut 60 Firmen. Das mit Abstand größte Unternehmen sind die Österreichischen Bundesbahnen.

    ORF Wien
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Gestreikt wird übrigens am Montag zwischen 12:00 und 14:00 Uhr (siehe hier), aber nicht von allen Eisenbahnern, wie man dem untenstehenden OÖN-Artikel entnehmen kann. Ich frage mich nur, wie das gehen soll, falls die ÖBBler in den BFZ geschlossen streiken sollten.

    Bahnstreik: Westbahn will nicht teilnehmen
    nachrichten.at - 23. November 2018 - 09:54 Uhr
    WIEN. Verspätungen am Montag können dennoch nicht ausgeschlossen werden

    Details zu den geplanten Streiks werden erst bekannt gegeben. Die Westbahn will nicht teilnehmen. Bild: vowe


    Die Westbahn plant, nicht an den von der Gewerkschaft vida angekündigten Streiks (die OÖN haben berichtet) am kommenden Montag teilzunehmen: Das teilte das Unternehmen am Freitag in einer Aussendung mit. Verspätungen seien trotzdem möglich, so die Westbahn weiter: Grund seien Streikhandlungen bei anderen Unternehmen sowie bei Mitarbeitern der Infrastruktur.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Gewerkschaft wirft ÖBB Einschüchterungsversuche vor
    Die Gewerkschaft vida wirft der ÖBB-Führung vor, Druck auf Mitarbeiter auszuüben, die am für Montag anberaumten Warnstreik teilnehmen wollen. Konkret sollen sämtliche Führungskräfte angewiesen worden seien, teilnehmende Mitarbeiter namentlich zu erfassen und zu melden. vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit sieht darin den Versuch, die Öffentlichkeit aufzuhetzen und die Belegschaft einzuschüchtern.
    „Für den Fall, dass Sie doch teilnehmen, ist die Abmeldung bei Ihrer Führungskraft zur Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs unbedingt erforderlich“, heißt es in einem angeblichen E-Mail der Konzernpersonalabteilung, das der APA vorliegt. Begründet wird dies, damit, dass so „notwendige personelle Ersatzstellungen durchgeführt“ werden können. Anmerkung: „Es besteht kein Entgeltanspruch für streikende Arbeitnehmer.“
    „Ich bin davon überzeugt, dass die Österreicherinnen und Österreicher nicht auf so plumpe Manipulationsversuche der ÖBB hereinfallen werden“, kommentierte Hebenstreit das Schreiben via Aussendung. Das Unternehmen solle seine Machtposition gegenüber seinen Beschäftigten nicht ausnützen und Abstand von solchen „beispiellosen Einschüchterungsversuchen“ nehmen.

    ORF
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Im Standard kann man darüber diskutieren, ob der Eisenbahnerstreik gerechtfertigt ist oder nicht.

    Luise Ungerboeck ist ihrerseits der Meinung, dass der Streik nicht gerechtfertigt ist. Nachzulesen hier:

    Eisenbahner-Warnstreiks: Doppelt bezahlt

    Luise Ungerboeck, 23. November 2018, 18:06197

    Die Eisenbahner können stolz sein, Österreich zum Bahnland Nummer eins gemacht zu haben. Gezahlt haben dafür die SteuerzahlerSelbstverständlich muss die Bevölkerung einen Streik spüren. Sonst nimmt ja keiner Notiz von ihm, und der Arbeitskampf verfehlt seine Wirkung. So gesehen machen es die Eisenbahner richtig. Sie fangen mit ihren Warnstreiks am Montag an, dem ersten Werktag der Woche, an dem besonders viele Menschen zum und vom Arbeitsplatz in der Bahn unterwegs sind.

    Auf einem anderen Blatt steht, ob die gewerkschaftliche Kampfmaßnahme im Nachgang des Metallerabschlusses gerechtfertigt ist. Sie ist es nicht: Das steht fest. Denn anders als bei den Metallern liegt für die Bahnbediensteten ein Angebot für ein Lohnplus vor, das bei weitem nicht so schlecht ist, wie der ÖBB-Betriebsratschef behauptet. Denn die Bahngesellschaften haben die Mitarbeiterbezüge vor bald zwei Monaten freiwillig um drei Prozent erhöht. Da wäre allein durch Verhandlungen mehr drin gewesen.

    Auch wenn die Produktivität bei einem Dienstleistungsbetrieb nicht ansatzweise so gut messbar ist wie bei einem Eisenerzeuger: Nach der bewährten Benya-Formel wird selbst in der Industrie nicht der Produktivitätsfortschritt der Branche angelegt, sondern der gesamtwirtschaftliche – und da nur der halbe. Die zweite Hälfte gehört den Unternehmern in Form ihrer Gewinne.Nach diesem Schlüssel wären auch die Bediensteten der meist staatlich finanzierten Landes- und Lokalbahnen samt ÖBB gut bedient. Vollgepumpt mit Milliarden für Pendlerzüge, Erhaltung und Betrieb des Bahnnetzes erwirtschaften sie keine echten Gewinne.
    "Privat" sind nur die Westbahn und zwei Dutzend Güterbahnen. Ja, die Eisenbahner können stolz sein, Österreich zum Bahnland Nummer eins gemacht zu haben. Gezahlt haben dafür die Steuerzahler und Bahnkunden, allen voran die Pendler. Sie bekommen jetzt ein zweites Mal die Rechnung dafür präsentiert. (Luise Ungerboeck, 23.11.2018)

    Der Standard
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Wesentlich mehr stört mich da diese Notiz im Standard vom 23. Nov.:

    Frage:
    Wird es für die Bahnkunden einen Schienenersatzverkehr geben?

    Antwort:
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Postbus werden nicht streiken, um gerade Kinder, Schüler und Jugendliche am Montag sicher nach Hause zu bringen, heißt es bei der ÖBB....



    Ich finde es ja nett, wenn die Streikenden an die Kinder im Postbus denken, aber was ist mit denen, die mit dem Zug fahren? Gibts die nicht, oder ists bei denen egal, ob sie sicher nach Hause kommen...?