Der Zug könnte bald abfahren - über den Kampf um Haltestellen.

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  • Der Zug könnte bald abfahren - über den Kampf um Haltestellen.

    NÖN vom 27. November 2018
    von Renate Hinterndorfer

    Kommentar
    Der Zug könnte bald abfahren - Renate Hinterndorfer über den Kampf um zwei Haltestellen.

    Drei Haltestellen hat die Gemeinde Maria Anzbach. Gemunkelt wird immer wieder, dass zwei davon – nämlich Unter-Oberndorf und Hofstatt – zugesperrt werden. Jetzt haben sich die Gerüchte verdichtet. Vizebürgermeister Helmut Peter ortet bei Land und ÖBB den „starken Wunsch“, die zwei Haltestellen zu schließen. Von ÖBB-Seite heißt es, dass es „derzeit“ keine Beschlüsse dafür gibt.

    Die Bürger gehen auf die Barrikaden, sammeln Unterschriften und ersuchen Gemeinde, Land und ÖBB darum, die beiden Stationen langfristig zu erhalten. Die Gemeinde hat bei der Entscheidung kein Mitspracherecht. Sie steht aber hinter den besorgten Bürgern und sagt Unterstützung in den Bemühungen um den Erhalt der Bahn-Haltestellen zu. Es soll Gespräche mit Vertretern von Land und ÖBB geben. Ob auf lange Sicht eine Schließung der zwei kleinen Stationen zu verhindern ist, ist fraglich. Denn viele Investitionen wären notwendig, aber wenige Leute steigen in den beiden Stationen ein.

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  • Da steht mehr dazu...:

    Bürger kämpfen um Haltestellen
    Schließung der Bahnstationen Unter-Oberndorf und Hofstatt wird befürchtet. Laut ÖBB gibt‘s derzeit keinen Beschluss.


    Etwa 85 Personen versammelten sich am Samstag in der ÖBB-Haltestelle in Unter-Oberndorf, um für die Erhaltung der Stationen ein Zeichen zu setzen. | Eduard Riedl

    Eine Unterschriftenliste ist derzeit in Maria Anzbach im Umlauf. Die Bürger befürchten eine Schließung der ÖBB-Stationen Unter-Oberndorf und Hofstatt und eine Verkürzung der Streckenführung der S50 nur mehr bis Rekawinkel. Rund 85 Personen versammelten sich am Samstag am Bahnsteig Unter-Oberndorf. Sprecherin Gabriele Blanda informierte über den Stand der Dinge.
    Die Bürgerinitiative „Aktionskomitee unsere Westbahn, unsere Busse, Initiative Maria Anzbach“ bittet die Marktgemeinde Maria Anzbach, das Land Niederösterreich und die ÖBB, alles zu unternehmen, um den Erhalt der Bahnstationen Unter Oberndorf und Hofstatt zu sichern.

    „Wir raufen seit 20 Jahren mit dem Problem.“ Vizebürgermeister Helmut Peter
    Argument: „Die Haltestellen sind für die Bevölkerung überaus wichtig, ohne diese können Kinder und Jugendliche, Senioren, Personen mit körperlichen Einschränkungen sowie Personen ohne eigenem Fahrzeug Unter-Oberndorf und Hofstatt nicht mehr selbstständig verlassen.“ Für viele Familien mit Kindern sei die gute Anbindung durch die Bahn einer der Hauptgründe gewesen, sich hier niederzulassen. Die Bürgerinitiative fordert außerdem die Fortführung der S50 bis mindestens Neulengbach und einen 30-Minutentakt.

    Bürgermeisterin Karin Winter hat einen Brief an die Haushalte geschickt, in dem sie Verständnis für die Verärgerung in der Bevölkerung zeigt. Sie verweist aber darauf, dass die Entscheidung über Schließungen ausschließlich von ÖBB und Land getroffen werden.

    „Wir kämpfen seit 20 Jahren um den Erhalt unserer Haltestellen“, hält Winter fest. Nun seien aber wesentliche Änderungen eingetreten: Haltestellen an der „alten Westbahnstrecke“ würden für die modernen Zuggarnituren und die dafür geltenden Normen umgebaut.

    „Die Erneuerung eines Bahnsteigs auf einer Seite verursacht Kosten von bis zu einer Million Euro“, so Winter. Weiters seien die ÖBB aufgefordert worden, aus wirtschaftlichen Gründen Haltestellen mit einer Frequenz von unter 80 Ein- und Ausstiegen pro Tag zu schließen. In Unter-Oberndorf steigen 35 Personen pro Tag ein und aus, in Hofstatt 15.
    Karin Winter hält es daher für möglich, dass eine Schließung der beiden Haltestellen auf Dauer nicht auszuschließen ist.

    „Wir werden tun, was wir können, um das zu verhindern“
    „Wir raufen seit 20 Jahren mit dem Problem, wir haben viele Gespräche mit allen Beteiligten geführt“, sagt Vizbürgermeister Helmut Peter. Man habe den Eindruck, dass seitens Bund und Land der Wunsch stark sei, die zwei Haltestellen zu schließen. „Wir werden tun, was wir können, um das zu verhindern“, gibt sich Peter kämpferisch. Dass die Frequenz niedrig ist führt Helmut Peter auf die schlechte Anbindung an schnellere Züge zurück. „Es gibt ein paar hundert Leute, die zu Recht sagen, wenn das Angebot attraktiver wäre, würden mehr Leute einsteigen.“

    Pressesprecher Christopfer Seif erklärt auf Anfrage der NÖN, dass derzeit kein Beschluss zur Auflassung der Verkehrsstationen Unter-Oberndorf und Hofstatt vorliegt. Die „innere Weststrecke“ sei eine wichtige Bahnstrecke, insbesondere für den Nah- und Regionalverkehr im Großraum Wien-St. Pölten. „Was die Erhaltung der Bahnhaltestelle Unter-Oberndorf anbelangt, so wird diese Frage vor allem in Zusammenhang mit dem künftigen Fahrplanangebot zu sehen sein.“ Abstimmungen zur Weiterentwicklung des Fahrplanangebotes laufen derzeit.
  • aus der heutigen NÖN

    Maria Anzbach
    Lautstarker Protest im Gemeinderat
    Petition für Erhalt der Haltestellen Unter-Oberndorf und Hofstatt wurde abgelehnt. Aggressive Diskussionen waren die Folge.


    Die beiden Haltestellen Unter-Oberndorf und Hofstatt sollen erhalten bleiben. Auch eine Bürgerinitiative setzt sich dafür ein. | Riedl

    Das hat es in einer Gemeinderatssitzung in Maria Anzbach wohl noch nie gegeben: Lautstarke, zum Teil aggressive, Diskussionen zwischen und unter den Mandataren und Zuhörern waren zu hören. 18 Aktivisten der Bürgerinitiative zum Erhalt der Bahnhöfe, angeführt von der ehemaligen Grün-Gemeinderätin Klaudia Paiha protestierten. Stein des Anstoßes war ein Dringlichkeitsantrag der Grünen, der mit den Stimmen der VP und FP nicht auf die Tagesordnung genommen wurde. In diesem wurde gefordert, dass eine Resolution zum Erhalt der Haltestellen Unter-Oberndorf und Hofstatt verabschiedet werden soll, was jedoch abgelehnt wurde.

    „Die Gemeinde und die zuständigen Stellen sind aufgefordert, einen attraktiven öffentlichen Zugverkehr auf der alten Westbahnstrecke zwischen Tullnerbach und Neulengbach zu gewährleisten“, wird darin verlangt. Dazu zählen die Verdichtung des S-Bahn-Fahrplans zwischen Tullnerbach-Pressbaum und Neulengbach auf einen Halb-Stunden-Takt, der Erhalt aller Haltestellen in diesem Bereich und die Attraktivierung der Verbindung nach St. Pölten.

    „Parteipolitisches Kapital schlagen“
    VP-Vizebürgermeister Helmut Peter erklärt die Ablehnung folgendermaßen: „Wir können uns den Forderungen des Antrages inhaltlich anschließen und führen im Sinne aller Bahnbenutzer aus unserer Gemeinde laufend und intensiv Verhandlungen darüber. Allerdings haben wir die Beteiligten immer wieder um eine gemeinsame Vorgehensweise gebeten und würden wenig davon halten, in dieser Frage durch abgesprochene Alleingänge parteipolitisches Kapital schlagen zu wollen.“ Peter ist der Ansicht, dass das niemandem helfe. Im Gegenteil: „es schwächt die, in dieser Frage ohnehin nicht sonderlich starke, Verhandlungsposition der Gemeinde nur noch weiter“.

    Die Argumentation löste großen Unmut bei den Zuhörern aus. Auch Harald Mayer, Mitglied der überparteilichen Bürgerinitiative „Unsere Westbahn - Unsere Busse“ zeigt sich erschüttert: „Die Bürger haben für derartiges Fraktionsdenken kein Verständnis. Sie wünschen sich, dass die Anliegen im Gemeinderat über Parteigrenzen hinweg im Sinne eines gemeinsamen übergeordneten Interesses behandelt werden. Die Angelegenheit ist zu wichtig, um damit politisches Kleingeld zu machen.“

    Dahinter stehen auch die Grün-Gemeinderäte. „Das ist eine völlig neue Situation, und das hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Es wird Zeit, dass wir als Gemeinde aufschreien. Wir müssen an den richtigen Stellen lauter schreien“, sagt etwa Grün-Gemeinderat Lothar Rehse. Und seine Parteikollegin Susanne Wimmer fügt hinzu: „Das gemeinsame Agieren steht in keinem Widerspruch zu einer gemeinsam unterzeichneten Petition.“

    VP-Bürgermeisterin Karin Winter informierte schließlich, dass geplant sei, im Jänner mit Vertretern der zuständigen Stellen des Landes, dem VOR und den ÖBB, im Gemeindezentrum mit den Bewohnern von Unter-Oberndorf und Hofstatt eine Informationsveranstaltung abzuhalten. Und Vizebürgermeister Helmut Peter ergänzt: „Unsere Einladung an alle Interessierten und Betroffenen, am Zustandekommen einer guten Lösung gemeinsam mitzuarbeiten, gilt selbstverständlich weiterhin. Denn gerade bei der Lösung des Problems unserer Haltestellen sind Einheit und Geschlossenheit besonders wichtig.“
  • Draisinenfan schrieb:

    VP-Vizebürgermeister Helmut Peter erklärt die Ablehnung folgendermaßen: „Wir können uns den Forderungen des Antrages inhaltlich anschließen und führen im Sinne aller Bahnbenutzer aus unserer Gemeinde laufend und intensiv Verhandlungen darüber. Allerdings haben wir die Beteiligten immer wieder um eine gemeinsame Vorgehensweise gebeten und würden wenig davon halten, in dieser Frage durch abgesprochene Alleingänge parteipolitisches Kapital schlagen zu wollen.“ Peter ist der Ansicht, dass das niemandem helfe. Im Gegenteil: „es schwächt die, in dieser Frage ohnehin nicht sonderlich starke, Verhandlungsposition der Gemeinde nur noch weiter“.
    Was gibt es für eine "gemeinsamere" Vorgehensweise als es über den Gemeinderat zu spielen? Für mich kling das nach "brav die Füße still halten", man hinterfragt die Entscheidungen des schwarzen Landes nicht. Und wenn es dann zu spät ist, wollte man ja eh....
    Manche (Vize-)Bürgermeister kann ich einfach nicht verstehen.
  • Aus der heutigen NÖN:

    Initiative für Bahn: Haltestelle soll erhalten bleiben
    Unterstützer machten gemeinsame Zugfahrt.

    Von Eduard Riedl. Erstellt am 01. Oktober 2019 (04:00)
    Bürgerinitiative
    Mit einer Zugfahrt von Unter-Oberndorf nach Hofstatt machte die Bürgerinitiative „Unsere Westbahnstrecke – Unsere Busse/Initiative Maria Anzbach“ auf sich aufmerksam.

    Anlässlich der europäischen Mobilitätswoche und des internationalen „Autofreien Tages“ lud die Bürgerinitiative „Unsere Westbahnstrecke – Unsere Busse/Initiative Maria Anzbach“ zur Westbahn-Bummelfahrt von Unter-Oberndorf nach Hofstatt. Damit will sie auf die Situation der beiden einstellungsgefährdeten Stationen aufmerksam machen. Zahlreiche Interessierte fanden sich bei strahlendem Wetter am Bahnhof ein und unternahmen gemeinsam die Zugfahrt nach Hofstatt. „Erfreulicherweise nahmen daran auch mehrere Gemeindemandatare teil“, hieß es von der Initiative.

    In jüngster Vergangenheit ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen: Nach dem einstimmigen Beschluss einer Resolution, die sich für eine attraktivere Anbindung und den Erhalt der Stationen einsetzt in Maria Anzbach, soll auch eine in Eichgraben beschlossen werden. Die Bürgerinitiative versucht, auch die Stadt Neulengbach zum Beschluss zu bewegen. Gleichzeitig soll demnächst ein gemeinsamer Termin mit Bürgermeisterin Karin Winter und der Bürgerinitiative beim Land Niederösterreich stattfinden.

    „Wir hoffen, mit dieser Aktion das Bewusstsein für eine klimafreundliche und zugleich leistungsfähige Möglichkeit der Mobilität zu stärken und damit mehr Fahrgäste zu bewegen, die Stationen Hofstatt und Unter-Oberndorf zu nützen“, sagt Harald Mayer, ein Mitinitiator der Bürgerinitiative und freut sich, dass allmählich ein Umdenken auch bei der Politik einkehrt.