Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr - kommt nun das Österreichticket?

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  • Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr - kommt nun das Österreichticket?

    Rechnungshof zerpflückt ÖBB-Ticketshop

    gefunden in der Presse vom 7.12.2018

    Der Rechnungshof übt scharfe Kritik am Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr. Das Projekt "Ticketshop neu" kostete insgesamt 131 Millionen Euro.


    Die Presse (Clemens Fabry)

    Der Rechnungshof (RH) hat den ÖBB-Ticketshop zerpflückt. Ursache für die meisten Probleme ist der Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr. Das ließ den "Ticketshop neu" zu einem Mammutprojekt mit Gesamtkosten von 131 Millionen Euro ausarten, geht aus dem am Freitag veröffentlichen RH-Bericht hervor. Auch die Betrugsanfälligkeit der App kam den ÖBB teuer zu stehen.Der RH kritisiert, dass die Reiseangebote sowie die Preisgestaltung für die Fahrgäste mitunter schwer nachvollziehbar sind. Beim Ticketkauf würden tarifrelevante Informationen - etwa ob die Öffis in Städten wie Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck oder Wien (Kernzone) inkludiert sind - nicht klar ausgewiesen. Ein Beispiel: Ein ermäßigtes Zugticket vom niederösterreichischen Horn zum Wiener Hauptbahnhof kostet - abhängig Route und Tarifberechnung - entweder 10,60 Euro, 12,80 Euro oder 13,20 Euro.

    Durch die hohe Tarifkomplexität und die vielen Ermäßigungsvarianten und Zusatzfunktionen sei der Ticketshop überfrachtet. Der Rechnungshof empfiehlt dem für die ÖBB zuständigen Verkehrsministerium von Norbert Hofer (FPÖ) auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen im öffentlichen Verkehr Österreichs hinzuwirken. Das würde auch die Problem des Ticketshops lösen.Die ÖBB schlossen sich am Freitag dieser Empfehlung an: "Dies wäre dringend notwendig und würde auch die Transparenz für die Kunden deutlich erhöhen", sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder zur APA. Wie es auch gehen kann, zeigt derzeit Luxemburg. Als erstes Land der Welt will die dortige Regierung alle Züge, Trams und Busse kostenlos machen, unter anderem, um die staugeplagte Hauptstadt zu entlasten.

    ÖBB kämpfen mit Sicherheitslücken
    In Österreich kämpfen die ÖBB indes mit Sicherheitslücken beim Bezahlen der Fahrscheine. Wie es im RH-Bericht heißt, habe der starke Anstieg bargeldloser Zahlungstransaktionen und der zunehmende Missbrauch von Kreditkartendaten zwischen 2012 und 2017 zu Zahlungsausfällen in der Höhe von rund 4,4 Mio. Euro geführt. Die ÖBB haben reagiert und 2016 ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. "Aktuell sind die Zahlungsausfälle von 2016 bis 2018 um 90 Prozent reduziert worden", erklärte Rieder.Die ÖBB arbeiteten von 2005 bis 2017, also zwölf Jahre, an einem neuen Vertriebssystem. Das Ergebnis ist der Ticketshop, der seit 2016 über die ÖBB-App und auf tickets.oebb.at abrufbar ist und seit kurzem auch auf den Fahrscheinautomaten in den Bahnhöfen läuft. Die RH-Prüfer berichteten auch über Anlaufschwierigkeiten und wie die ÖBB während der Entwicklung von der rasanten Verbreitung von Smartphones quasi überrollt wurden. "Die ÖBB-Personenverkehr AG hatte ursprünglich den Zeit- und Ressourcenbedarf für die Entwicklung eines neuen Vertriebssystems auf Basis einer gemeinsamen IT-Plattform für alle Vertriebskanäle unterschätzt." 2014 beschlossen die ÖBB nach Kritik der Konzernrevision, das Projekt neu aufzusetzen.(APA)
  • Der ÖBB Ticketshop ist meiner Meinung nach wirklich nicht optimal, weder von den Funktionen, noch vom Handling her.
    Sehr gelungen finde ich z.B. jenen der CD. Aber wenn das nun echt der Anlass ist, dass ein Österreich-Ticket kommt, dann hat der Ticketshop auch sein Gutes ;-)

    Artikel in der Presse von heute:

    Verkehrsressort plant Österreich-Ticket für alle Öffis
    Der Rechnungshof übte heftige Kritik am ÖBB-Tarifdschungel. Das Verkehrsministerium versichert, gemeinsam mit Unternehmen an Lösungen zu arbeiten, unter anderem einen österreichweit gültigen Ticket für alle Öffis.


    Rechnungshof kritisiert Tarifdschungel. – (c) ÖBB

    Der Rechnungshof (RH) hat den Tarifdschungel im öffentlichen Verkehr in Österreich kritisiert. Nun verweist das Verkehrsministerium auf Pläne zu einem Österreich-Ticket für alle Öffis. Es gebe dazu eine Arbeitsgruppe mit Verkehrsunternehmen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Ministerium.Ziel sei ein Ticket, das österreichweit für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt. Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht, ebenso sei der Preis "Zukunftsmusik". In der Verkehrsplanung wäre ein "Masterplan" von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) durch die Vernetzung von Bund, Ländern und Gemeinden ein Österreich-Ticket zu ermöglichen, ähnlich dem 365-Euro-Jahresticket für Wien. "Ich hoffe, dass es gelingt, es sieht nicht schlecht aus", so Hofer im Sommer in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum".Im Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ heißt es, Ziel der Koalition sei ein neues österreichweites Tarif- und Vertriebssystem für den öffentlichen Verkehr mittels "Einrichtung einer neutralen und verkehrsträgerübergreifenden Stelle für den Vertrieb aller Mobilitätstickets".

    Derzeit "Österreichcard" um 1834 Euro
    Von den ÖBB gibt es für Vielfahrer die "Österreichcard" um 1.834 Euro jährlich. Für die ÖBB-Tochter Postbus gilt diese aber nicht, weil die meisten Linien der ÖBB-Postbus GmbH im Rahmen von Verkehrsverbünden geführt werden. Die Verbünde legen innerhalb ihres Geltungsbereichs ihre eigenen Tarife fest, die die Gültigkeit der ÖBB-Österreichcard untersagen.Der Rechnungshof kritisierte diese "Tarifkonkurrenz". Die unterschiedlichen Preisberechnungen von ÖBB und den Verkehrsverbünden sind auch der Grund, warum die RH-Prüfer in dem am Freitag vorgelegten Bericht zum ÖBB-Ticketshop eine bessere Abstimmung der sieben Verkehrsverbünde mit den ÖBB eingefordert haben.

    "Jetzt": Hofer unter Zugzwang
    Die Oppositionspartei "Jetzt" (vormals Liste Pilz) sieht Hofer und die Verkehrsbetriebe unter Zugzwang. "Komplexe Tarif- und Rabattsysteme und hohe Preise mindern das Potential der Bundesbahnen", sagte Klubobmann Wolfgang Zinggl. Er forderte auch "die für die Verbraucher unsinnigen und unflexiblen Zugbindungen bei ermäßigten Fahrkarten" zu überdenken.
  • Bitte was? Beim Online-Ticketing ist die ČD schrecklich umständlich, man muss erstmal die Verbindung auswählen, erstmal die Klasse auswählen und sagen, ob man auch eine Rückfahrkarte will... um dann überhaupt den Preis zu kriegen.

    Dann muss man sich jedes Mal eine Zahlungsmethode anwählen und bei jedem Kauf entweder seine Kreditkartennummer angeben oder im Voraus Geld auf's ČD-Kredit-Konto gezahlt haben...und dann hat man das Ticket dann erst drauf.

    Ticket anzeigen? Da muss man erstmal auch wieder in der App suchen, um dann sein Ticket zu finden.

    Das kann stressig sein.

    Bei den ÖBB hingegen geht's einfach. Die meistgewählten Verbindungen kriege ich mit einem Klick, Datum eventuell adjustiert, Verbindung angewählt, in Warenkorb, runterscrollen, auf Bezahlen, fertig. Geht in Sekunden.

    Die Fahrkarte kriege ich gleich auf der "Home"-Seite und muss sie einfach nur auf dem Gerät gespeichert haben.

    Was daran schwierig sein soll, muss man mir erst erklären. Wenn ich im Standard-Forum mich durchlese, kann ich nur den Kopf schütteln...

    Hab mal den Rechnungshofbericht überflogen. Einige Punkte konnte ich da nicht nachvollziehen, so kann man in jedem Buchungsschritt die Validität der Daten an sich recht gut überprüfen, wenn man es denn wollte. Der fahrplanbasierte Verkauf ist halt irgendwie schon nötig, seitdem unterschiedliche Routen mitunter unterschiedliche Preise zustandebringen.

    Die unterschiedlichen Tarife halte ich an sich für zweckmäßig - man hat auch dort angemerkt, dass die ÖBB eben sehr wohl sich darum bemühten, es möglichst leicht zu machen, deswegen wird ja auch stets der beste Preis angezeigt. Der ÖBB-Haustarif setzt eben auf einen Kilometertarif, daher der Unterschied. Beim VOR hat man das anders gelöst, dafür ist es dort auch generell etwas teurer als beim VC-Tarif.

    Wenn man einen Tarifdschungel wollte, dann müsste man bei der DB anschauen, der Haustarif dort kennt 3 verschiedene Preisstufen.

    Gewünscht ist, dass man beim Ticketverkauf mehr Informationen zur Berrierefreiheit an den Bahnhöfen und Zügen setzt.

    Geünscht wäre auch, dass die Ticketautomaten spätestens mit Ende ihrer Lebenszeit durch welche ersetzt werden, mit denen man das gesamte Fahrkartenspektrum des Onlineshops erhalten kann - also auch Sparschiene und so weiter. Ich hab mich diesbezüglich auch gewundert, das bietet die DB schließlich schon seit vielen Jahren. Offenbar sind viele Automaten einfach nicht fit für einen Kauf von Tickets, für die eine Onlineverbindung benötigt wird, weswegen das offline läuft.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von J-C ()

  • Dir gefallen ja auch die Cityjets und die neuen Bahnsteiganzeigen bei der Wiener Schnellbahn :P

    Aber im Ernst:
    Als ich mir die CD-App installiert habe, hat mich begeistert, dass die sich (ohne Zutun) in Deutsch installiert hat!

    Das Auswählen von Zug und Klasse finde ich legitim, als Zuckerl ertönt dann ein Zugpfiff aus dem Handy, kurz bevor Du umsteigen musst, incl. Angabe von Bahnsteig und allfälliger Verspätung.
    Die Auswahl erfolgt logisch, und die "Weiter"-Taste ist immer unter dem Text. Nicht wie bei der ÖBB, wo die mal unten und mal oben ist...

    Die In-Karta ist gleich mit integriert und kann jederzeit "aufgeladen" werden.

    Und die CD-App / Webseite (reine Fahrplanauskunft!) ist so schlau, dass sie die letztgewählten Bahnhöfe sich merkt, das kann die ÖBB nicht!

    Ruf mal Fahrplan.oebb.at am Handy auf - das schafft jeder Gratis-Homepage-Baukasten besser!

    Wennst Dich zum "Meilensammelprogramm" der CD angemeldet hast, werden die Punkte automatisch gutgeschrieben, und wennst genug beisammen hast, bietet die App AUTOMATISCH an, ob Du sie zum Kauf verwenden willst. (Nicht so wie die ÖBB, die mir seinerzeit eine blaue Vorteilscard geschickt hat, ohne dazuzuschreiben, wozu die gut ist... Mich hats eher geschreckt... (Und als ich dann viel später erfahren habe, dass ich da irgendwelche Goodies in Anspruch nehmen hätte können, hats mich geärgert...)
    (OK, da kann die App nix dafür, das ist einfach Kundenservice)

    Und dann mein heutiges Erlebnis:
    Habe erstmals versucht, mittels ÖBB-App am Handy zu meiner ÖC (2.Klasse) einen Gratis-Sitzplatz im Railjet nach Linz zu reservieren (Abfahrt 7:37 in Meidling)
    Kann man am Handy echt keinen speziellen Sitzplatz auswählen...?
    Jedenfalls bekam ich einen Platz in Wagen 25, der ein 1.Klasse-Wagen ist... (Auf der Bestätigung steht aber brav "Österreichcard 2. Klasse")...

    (Wobei diese Funktion in der App zumindest einfach zu bedienen ist, im Gegensatz zur Homepage, da zeigts einmal die Gratis-Sitzplatzreservierung sofort an, dann wieder nicht, dann muss ich jedesmal die ÖC-Nummer eingeben, das taugt mir überhaupt nicht!

    Ich bleib dabei: die besseren Programmierer sind bei der CD!
  • Wie gesagt, bei den ÖBB krieg ich mein Ticket schneller auf's Handy. Die App merkt sich statt des Starts und des Ziels gleich beides und hat es gleich auf der Home-Seite.

    Ich kaufe meine Tickets auch nicht am PC - da geb ich dir meinetwegen den Punkt - aber auf der App wird's vor allem für mich als jemanden, der's öfters nutzt - mit den ÖBB attraktiver.

    Was ich aber der ČD lassen muss, sind die Echtzeitmitteilungen - sowas kriegt man von der Art bei den ÖBB nur mit Scotty angeboten und das auch eher nicht so toll...
  • Draisinenfan schrieb:

    Als ich mir die CD-App installiert habe, hat mich begeistert, dass die sich (ohne Zutun) in Deutsch installiert hat!
    Hast du die ÖBB-App auf einem nicht deutschsprachigen Handy installiert? Ich gehe davon aus, dass sie dann auch englisch ist.

    Draisinenfan schrieb:

    Das Auswählen von Zug und Klasse finde ich legitim, als Zuckerl ertönt dann ein Zugpfiff aus dem Handy, kurz bevor Du umsteigen musst, incl. Angabe von Bahnsteig und allfälliger Verspätung.
    Kann die ÖBB App so weit ich weiß auch, nur sie nervt bei der Standard-Einstellung nicht.

    Draisinenfan schrieb:

    Und die CD-App / Webseite (reine Fahrplanauskunft!) ist so schlau, dass sie die letztgewählten Bahnhöfe sich merkt, das kann die ÖBB nicht!
    Ich bekomme die letztgewählten Bahnhöfe bei der ÖBB-App nach dem ersten Buchstaben, ansonsten kommen die großen Städte, finde ich OK. Dafür bekomme ich sogar die letzten gesuchten Relationen automatisch angeboten.

    Draisinenfan schrieb:

    Habe erstmals versucht, mittels ÖBB-App am Handy zu meiner ÖC (2.Klasse) einen Gratis-Sitzplatz im Railjet nach Linz zu reservieren (Abfahrt 7:37 in Meidling)
    Kann man am Handy echt keinen speziellen Sitzplatz auswählen...?
    Das ist aber echt keine Herausforderung, es gibt ja extra den Punkt "Nur Sitzplatz". In der App kann man keinen Sitzplatz gezielt auswählen (würde jetzt aber keine App kennen wo das geht), man kann nur "Wünsche" äußern, bei einem jetzt getesteten RJ Großraumwagen, Ruhezone, möglichst Fenster, möglichst Gang, unbedingt am Fenster, mit Tisch.

    Draisinenfan schrieb:

    Jedenfalls bekam ich einen Platz in Wagen 25, der ein 1.Klasse-Wagen ist... (Auf der Bestätigung steht aber brav "Österreichcard 2. Klasse")...
    Das ist wiederum vom Railjet abhängig. Bei den Garnituren 52 – 60 ist es ein 2.Klasse-Wagen.
  • Das von der neuen Regierung angedachte Österreichticket hat auch Luise Ungerboeck auf den Plan gerufen:

    Das 1-2-3-Österreichticket – Wunderwaffe oder Schnellschuss?

    Ob das Ticket den erhofften Umstieg vom Auto auf Öffis bringt, hängt von der Ausgestaltung ab – und der geplanten Reform der Öffi-Finanzierung

    Luise Ungerboeck

    7. Jänner 2020, 06:00


    Wien – Die als Wunderwaffe gefeierte 1-2-3-Öffi-Jahreskarte im türkis-grünen Koalitionspapier könnte sich bald als Schnellschuss herausstellen. Denn die Umsetzung eines Jahrestickets für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich um 365 Euro pro Bundesland und 730 Euro für zwei Bundesländer (die neue Österreichcard käme nach diesem Schlüssel auf 1.095 Euro, also drei Euro pro Tag) könnte für den Bund finanziell zu einem Fass ohne Boden werden.
    Denn das 1-2-3-Österreichticket wäre damit deutlich billiger als die vergleichbare Fahrkarte in der Schweiz, wo das SBB-Generalabo umgerechnet 3.466 Euro kostet und damit deutlich teurer ist als die ÖBB-Österreichcard um 1964 Euro (entspricht 5,40 Euro pro Tag). Mit gutem Grund, denn im SBB-Generalabo sind sämtliche Öffis – vom Zug über den Bus bis zum Schiff – inkludiert, in Österreich sind es hingegen nur ÖBB-Züge zweiter Klasse.
    Budgetäre Herausforderung
    Da die Verkehrsträger von der ÖBB abwärts im staatlich finanzierten Nah- und Regionalverkehr verständlicherweise auf Erhaltung ihrer Einnahmen pochen, könnte sich die in Aussicht gestellte Billig-Österreichcard als budgetäre Herkulesaufgabe erweisen. Der Bund müsste die jeweiligen Einnahmenausfälle ersetzen. Das wären allein bei der ÖBB knapp 900 Euro Stütze pro Jahreskarte – die anderen Verkehrsträger wie diverse städtische Verkehrsbetriebe, Landesbahnen und Mikro-Öffis wie Anfrufsammeltaxis noch nicht eingerechnet.
    Von den zwei Milliarden Euro an Nah- und Regionalverkehrsförderung, die im Regierungsprogramm angekündigt wurden, bliebe dann für den angestrebten Stundentakt in Ballungsräumen und Kleinstädten an sieben Tagen die Woche wohl nicht viel übrig.
    Knackpunkt Finanzierung
    Womit die in den Kapiteln Verkehr sowie Wirtschaft und Finanzen des Koalitionspaktes angekündigte Neuaufstellung der Finanzierung des Öffentlichen Personennah- und Regionalverkehrs (ÖPNRV) in Österreich zusätzliche Brisanz bekommt. Es sollen, wie berichtet, nicht weniger als die Finanzierungsregelungen von Finanzausgleich, Familienlastenausgleichsfonds und ÖPNRV-Gesetz geändert und zu einer zweckgebundenen Zuweisung an die Bundesländer weiterentwickelt werden. Diese Harmonisierung wäre wohl das Kernstück für eine Neuaufstellung des Öffi-Verkehrs. Widerstand von Ländern und Gemeinden ist garantiert.

    Eine Jahresnetzkarte für alle Öffis in Österreich müsste an allen Fahrkartenautomaten aller Verkehrsträger erhältlich sein. Foto: ÖBB / Marek Knopp


    Hinzu kommt, dass Jahres-, Monats- und Wochennetzkarten vom und in den sogenannten Wiener Speckgürtel (etwa nach Perchtoldsdorf, Purkersdorf, Vösendorf) nach der Logik des neuen 1-2-3-Tickets teurer würden. Von Perchtoldsdorf nach Wien würde es 730 Euro kosten, das Verkehrsverbund-Ticket inklusive Kernzone Wien beläuft sich aber nur auf 620 Euro. Um die neue Öffi-Karte genau an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich zu einem Renner zu machen, braucht es daher nicht nur bessere Bus- und Schnellbahnangebote, sondern tarifliche Sonderregelungen für die niederösterreichischen Anwohnerbezirke an der Wiener Stadtgrenze. Das räumt man bei den Grünen informell auch bereits ein.
    Niederösterreich*) und Wien haben Ein-Euro-Tickets
    Es gibt freilich weitere Gründe, warum sich der 365-Euro-Schnellschuss als voreilig erweisen könnte. Denn in Niederösterreich gibt es, wie in Wien, längst 365-Euro-Netzkarten: Die erste Preisstufe in der Tarifgemeinschaft des Verkehrsverbunds Ostregion, der mit Abstand bevölkerungsreichsten Region Österreichs, kostet 365 Euro und umfasst jeweils ein Gemeindegebiet. Ob der Pendler mehr braucht, ist fraglich. Denn laut Pendlerstatistik pendelten 2017 von rund 800.000 Erwerbstätigen in Niederösterreich nur 230.000, also ein Viertel, in ein anderes Bundesland aus, der Großteil nach Wien. Der überwiegende Rest fährt in Nachbargemeinden zur Arbeit oder in einen anderen Bezirk.
    Im Burgenland ist es umgekehrt, da arbeitet die Hälfte der 136.950 Erwerbstätigen nicht im eigenen Bundesland. Um nach Wien zu kommen, müsste hier wiederum der Niederösterreich-Teil der 1-2-3-Netzkarte mitgezahlt werden, was die Zeitkarten wohl nicht billiger macht.
    Profiteure einer Jahresnetzkarte für alle Öffis in Österreich zum Preis von drei Euro pro Tag wären zweifellos die ÖBB-Jahreskartenbesitzer, sie bekämen um deutlich weniger Geld ein deutlich größeres Angebot.
    Parkpickerl als Turbo
    Ausgeblendet wird insbesondere in Bundesländern, in denen der Ruf nach Landes- und Österreich-Netzkarten nach Vorbild des Wiener 365-Euro-Tickets besonders laut wurde, häufig das wichtigste Erfolgskriterium: die Parkraumbewirtschaftung. Die Einführung der Parkpickerl in den Wiener Außenbezirken war für das 365-Euro-Ticket nämlich der Turbo schlechthin. Denn tausende Einpendler aus Niederösterreich konnten ihre Autos plötzlich nicht mehr kostenlos nahe ihrem Arbeitsplatz oder einer U- oder S-Bahn-Station abstellen, um weiter mit dem Zug ins Büro zu fahren. Sie mussten entweder gleich in der Nähe ihres Wohnorts in die Bahn steigen oder eine Park-and-ride-Anlage aufsuchen, um von dort in die Stadt zu fahren. Das brachte den Wiener Schnellverbindungen den entscheidenden Schub. Staus auf der Südautobahn zu Stoßzeiten trugen ebenfalls dazu bei.
    Inzwischen fahren allein auf der Stammstrecke der Wiener Schnellbahn zwischen Meidling und Floridsdorf mehr als ein Viertel aller Fahrgäste der ÖBB – und tragen damit maßgeblich zum massiven Fahrgastzuwachs bei, auf den die ÖBB gern verweist. (ung, 7.1.2020)

    Der Standard

    *) Dass es in NÖ bereits ein 365 € Ticket geben soll, ist mir neu.

    Untenstehendes Posting eines jungen Austriafans will ich Euch nicht vorenthalten, auch wenn ich glaube, dass es sich um ein Fake handelt, denn mehr Fehler als in den beiden Sätzen scheinen praktisch unmöglich

    HorrFranzl Junior schrieb:

    wir von Feilchenstamtisch werden uns dass für unsere Auswertsfarten ausrechnen.

    Feilchenfens sind bei der ÖBB imer gern gesehen Geste und es könnte sich rentiren.

    Horrfranzl jun

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    *) Dass es in NÖ bereits ein 365 € Ticket geben soll, ist mir neu.
    Wie im Text dann sogar richtig erwähnt wird, ist dies die kleinste Stufe. Meist grob eine Gemeinde.

    dr. bahnsinn schrieb:

    Die erste Preisstufe in der Tarifgemeinschaft des Verkehrsverbunds Ostregion, der mit Abstand bevölkerungsreichsten Region Österreichs, kostet 365 Euro und umfasst jeweils ein Gemeindegebiet. Ob der Pendler mehr braucht, ist fraglich. Denn laut Pendlerstatistik pendelten 2017 von rund 800.000 Erwerbstätigen in Niederösterreich nur 230.000, also ein Viertel, in ein anderes Bundesland aus, der Großteil nach Wien. Der überwiegende Rest fährt in Nachbargemeinden zur Arbeit oder in einen anderen Bezirk.
    Wer aber in die Nachbargemeinde muss, zahlt in NÖ meist schon mehr als 365€. Ich verstehe das Argument nicht.


    dr. bahnsinn schrieb:

    Im Burgenland ist es umgekehrt, da arbeitet die Hälfte der 136.950 Erwerbstätigen nicht im eigenen Bundesland. Um nach Wien zu kommen, müsste hier wiederum der Niederösterreich-Teil der 1-2-3-Netzkarte mitgezahlt werden, was die Zeitkarten wohl nicht billiger macht.
    Profiteure einer Jahresnetzkarte für alle Öffis in Österreich zum Preis von drei Euro pro Tag wären zweifellos die ÖBB-Jahreskartenbesitzer, sie bekämen um deutlich weniger Geld ein deutlich größeres Angebot.
    Wieder der übliche ung-Blödsinn?
    Damit ich vom Burgenland weniger als 1.095 € zahle, muss man schon an der NÖ / Burgenlandgrenze wohnen und in Wien nur den Regionalverkehr nutzen. Ansonsten komme ich bei meinen Abfragen darüber.


    PS: 1-2-3 halte ich auch für sehr günstig. Vielleicht machbar, wenn man den Fernverkehr ausnimmt.
    Ich würde für sinnvoller erachten: 1-2-5 (365 € / 730 € / 1.825 €), wobei eine "Einheit" grob 4.000 bis 6.000 km² sind (Ausnahme: Wien)

    Somit:
    NÖ --> 4 (Viertel)
    Stmk --> 3 oder 4 (??)
    Tirol --> 3 (Oberland / Unterland / Osttirol)
    OÖ --> 3 (Mühl- / Traun- / Inn-&Hausruckviertel)
    Kärnten --> 2 (??)
    Burgland / Vorarlberg / Wien --> 1
  • Das Österreich-Ticket wird nicht kommen. Alleine schon, weil jedes kleines Busunternehmen, das im öffentlichen Auftrag fährt, abgegolten werden müsste und das geht nicht, ohne die Unternehmen in den Ruin zu treiben. Und dass es selbst "bei Großen" nicht geht, sieht man ja beim EVU Westbahn.
    + Bahnfahrer, KFNB X, Werner, 2020.01, 5047.090, EN 466 Wiener Walzer, Klosterwappen, Erwin Tisch, Son of Neckbone,
    - grubenhunt, J-C, Draisinenfan, 5047erFan, CA1 (alle bisher verwendeten Nicknames), Franz, Modell-Bahn.2016, robertgordon47
  • Die Abgeltung aus dem zB Tiroler Verbund wird wohl höher sein, als ein gesamtösterreichischer Verbund, wo nicht 6 oder 7, sondern 120 Unternehmen "nagen", aber wie gesagt, den wird es nie geben. Es gibt sowas auch sonst nirgends in der EU oder anderswo.
    + Bahnfahrer, KFNB X, Werner, 2020.01, 5047.090, EN 466 Wiener Walzer, Klosterwappen, Erwin Tisch, Son of Neckbone,
    - grubenhunt, J-C, Draisinenfan, 5047erFan, CA1 (alle bisher verwendeten Nicknames), Franz, Modell-Bahn.2016, robertgordon47

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  • 1-2-3-Ticket kann Pendeln teurer machen

    Die türkis-grüne Bundesregierung will eine einheitliche Jahreskarte für den öffentlichen Verkehr einführen. Für Pendler von und nach Wien ist das aber ein zweischneidiges Schwert. Denn das 1-2-3-Österreichticket könnte Pendeln sogar verteuern.

    Online seit heute, 19.47 Uhr

    Das neue Ticket soll Reisen mit Zug oder Bus wohin auch immer in Österreich einfacher und billiger machen. Es soll nach den Plänen der Regierung für ein Bundesland 365 Euro pro Jahr kosten, für zwei Bundesländer 730 Euro und für ganz Österreich 1.095 Euro. Umzusetzen ist das von den sieben Verkehrsverbünden. Für Wien zuständig ist der Verkehrsverbund Ostregion, zu dem auch Niederösterreich und das Burgenland gehören.
    Hier geht man davon aus, dass mit dem neuen günstigen Ticket die Öffi-Kunden mehr werden, die Einnahmen für die Verkehrsbetriebe aber weniger. „Kostendeckend sind die Ticketpreise heute schon nicht. Von daher ist es nur die Frage, wie verschiebt sich der Beitrag. Der wird halt künftig von der öffentlichen Hand größer sein“, sagte VOR-Geschäftsführer Thomas Bohrn.
    Verteuerung um 110 Euro möglich
    Für die 55.000 Öffi-Pendler von und nach Wien bringt das geplante 1-2-3-Ticket Vor- oder Nachteile, je nachdem wo sie wohnen. Die meistgenutzte Zug-Pendler-Strecke Wien-St.Pölten wird günstiger. Jetzt zahlt man für die Jahreskarte inklusive Öffi-Nutzung 1.663 Euro, mit dem neuen Ticket sollen es 730 Euro werden. Je länger die Strecke, desto mehr profitiert man von den 365 Euro pro Bundesland. Aber es gibt laut Bohrn auch eine Schattenseite. „Dann bedeutet das, dass jemand, der eine kurze Strecke fährt, aber trotzdem eine Bundesländergrenze überschreitet, auch negativ betroffen sein kann.“
    Finanziell benachteiligt sind demnach in Zukunft besonders jene, die mit dem Zug zwischen Wien und den angrenzenden Gemeinden pendeln. Sie zahlen aktuell für die Jahreskarte 620 Euro. Mit dem neuen Ticket für zwei Bundesländer sollen es 730 Euro werden. Ob es für sie in Zukunft Sonderermäßigungen geben wird, ist ebenso eine politische Entscheidung wie die Frage wo und wie der öffentliche Verkehr ausgebaut wird – auch um ein Plus an Fahrgästen zu bewältigen.
    red, wien.ORF.at
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Es wird davon ausgegangen, dass natürlich nur Pendler die Öffis nutzen,
    Also bitte! Wer außer ein paar verhaltensgestörte Ferros oder ausrangierte Pensionisten, die nichts mehr sehen fahren denn außer den sozial-schmarotzenden Pendlern mit dem Zug? Auf dieses Verkehrsmittel kann man sich doch nirgends mehr verlassen!
    + Bahnfahrer, KFNB X, Werner, 2020.01, 5047.090, EN 466 Wiener Walzer, Klosterwappen, Erwin Tisch, Son of Neckbone,
    - grubenhunt, J-C, Draisinenfan, 5047erFan, CA1 (alle bisher verwendeten Nicknames), Franz, Modell-Bahn.2016, robertgordon47