Grazer Öffis - Es ist fix: Keine Ticketautomaten in Bus und Bim mehr

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  • Grazer Öffis - Es ist fix: Keine Ticketautomaten in Bus und Bim mehr

    Grazer Öffis - Es ist fix: Keine Ticketautomaten in Bus und Bim mehr
    Weichenstellung: Grazer Busse und Straßenbahnen sollen künftig ohne Ticketautomat unterwegs sein. Was man stattdessen plant - die Details.
    Von Michael Saria | Kleine Zeitung vom 05. Dezember 2018



    Lanfristig(sic!) verschwinden die Ticketautomaten auch aus den Bims
    © Juergen Fuchs

    Heuer im Mai stand an dieser Stelle noch ein Fragezeichen, berichtete doch die Kleine Zeitung von Überlegungen bei den Graz-Linien, in Zukunft auf Ticketautomaten in Garnituren zu verzichten.
    Ein halbes Jahr danach ist daraus ein Ausrufezeichen geworden: „Ja, die Entscheidung ist gefallen“, verrät Barbara Muhr, Vorständin bei der Holding Graz, und gibt somit Gas wie grünes Licht für eine nachhaltige Weichenstellung: Sowohl Grazer Straßenbahngarnituren als auch Busse werden in Zukunft ohne Ticketautomaten auskommen. „Unser Ziel ist es, dass ab Mitte 2020 in den Bussen keine Fahrscheine mehr verkauft werden“, ergänz Muhr. Langfristig soll dies auch in den Bims der Fall sein.

    Wobei es derzeit es in dieser Hinsicht einen wesentlichen Unterschied gibt: Während in den Straßenbahnen längst ein Automat das gewünschte Ticket ausspuckt, werden diese in den Bussen bis heute von Lenkern ausgehändigt. Ein Umstand, der nicht mehr zeitgemäß sei, wie man seitens der Graz-Linien wiederholt betonte – und auch nicht gerade zur Sicherheit der Lenker beitrage.


    Im Jahr 2010 wurden die ersten Automaten in Bims installiert © Jürgen Fuchs

    Also entschied man sich für den Umbruch, der nun paukenschlagsmäßiger ausfällt als gedacht: Denn rasch war klar, dass man dieses „anachronistische System“ in den Bussen nicht durch Automaten ersetzen werde. Diese würden in den Garnituren laufend für Staus sorgen, zudem sei der Trend, Fahrscheine digital zu erwerben, generell im Vormarsch – so auch in Graz: Seit dem Sommer macht ja „Graz mobil“ den Fahrscheinkauf via Smartphone-App möglich.

    Im Windschatten dieser Entscheidung tauchte rasch die Frage auf: „Gilt das nicht auch für Straßenbahnen?“. Die Antwort ist in folgendem Zeitplan enthalten: „Wir werden im ersten Quartal 2019 neue Ticketautomaten für den Freibereich testen“, so Muhr. Diese müssten ja unter anderem allen Wetterbedingungen trotzen. Hilfreich sei dahingehend das soeben von ÖVP und FPÖ präsentierte Budget – enthalte es doch auch eine Freigabe für das separate Investitionsbudget der Holding Graz. „Das ermöglicht es uns unter anderem, rund 100 Outdoor-Ticketautomaten zu installieren.“


    Holding-Graz-Vorständin Barbara Muhr verrät der Kleinen Zeitung den Umbruch
    © GEPA pictures

    Diese sollen langfristig an neuralgischen Standorten und an stark frequentierten Haltestellen auf Fahrgäste warten – und sämtliche Geräte in den Garnituren ersetzen. Eines sei aber auch klar, so Muhr: „Parallel werden die Fahrscheinkontrollen zunehmen müssen.“
  • "Diese sollen langfristig an neuralgischen Standorten und an stark frequentierten Haltestellen auf Fahrgäste warten – und sämtliche Geräte in den Garnituren ersetzen."...


    Und wenn einer an einer NIcht-Neuralgischen Station einsteigt...?
    Dann braucht er die App.

    Aber die scheint auch ihre Tücken zu haben, wie man hier lesen kann...:
    kleinezeitung.at/steiermark/gr…r-Oeffis-im-Test#cxrecs_s
    (Die Kleine Zeitung hatte da auch einen kleinen Bug, ganz kurz war der Artikel nämlich jetzt schon komplett lesbar :P )

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    Ticket-App für Grazer Öffis: Zum Auszucken!
    von Gunnar Knaus // erstellt am: 05.12.2018


    Bis 2020 will die Holding Graz den Ticketkauf aus den Bussen und Straßenbahnen verbannen. Tickets soll es dann via 100 Outdoor-Automaten und mittels App zum Kaufen geben. Wir haben die derzeitige App einmal ausprobiert und sind — vorsichtig ausgerückt — frustriert.

    Neuigkeiten zu den Grazer Öffis! Wie die Kleine Zeitung berichtet soll in absehbarer Zeit kein Ticketkauf mehr in Bussen und Straßenbahnen möglich sein. „Unser Ziel ist es, dass ab Mitte 2020 in den Bussen keine Fahrscheine mehr verkauft werden“, so Barbara Muhr, Vorständin der Holding Graz. In den Straßenbahnen soll dies ebenso langfristig der Fall sein.

    Ticktes sollen in Zukunft dann entweder via Outdoor-Automaten, oder mittels App gekauft werden können. Die Automaten sollen bereits im ersten Quartal 2019 getestet werden, schließlich sollen diese allen Wetterbedingungen Stand halten. Ebenso sei der Holding Graz der Trend zum digitalen Erwerb von Fahrscheinen bewusst. Deshalb gibt es auch schon seit Sommer die App „Graz Mobil„, die einen Ticketkauf via App ermöglichen sollte. Sollte.

    Ein Selbstversuch mit der GVB-App
    Nach Verkündung der ambitionierten Pläne haben wir uns die App gleich einmal angesehen. Zuerst via Android und dann — alles andere als freiwillig — mittels iOS. Doch fangen wir von vorne an. Zunächst findet sich die App via Android Store nicht sofort, denn bei schneller Suche ist der Name „Graz Mobil“ jetzt relativ wenig aussagekräftig. Die App findet sich erst am Ende des Bildschirms.


    Da unten versteckt sie sich, die Ticket-App der Holding Graz.Der Blick auf die Bewertungen lässt wenig Gutes erahnen…





    Aber wir riskieren es trotzdem, schließlich ist die App ja von der GVB. Was kann da schon schiefgehen?

    Die App ist installiert — wagen wir uns gleich einmal in einen Versuch:






    Der Startbildschirm erscheint nett


    und wir können uns schnell mittels Email und Passwort registrieren.

    Nach der Registrierung erhalten wir eine Mail zur Bestätigung. Soweit so gut. Zum Kauf werden Stunden- und Tageskarten inklusive Ermäßigungen, als auch Wochen- Monats- und 3-Tages-Tickets angeboten. Was gleich auffällt: Erworbene Tickets müssen sofort verwendet werden. Das ist jetzt war nicht das große Problem der App, aber hin und wieder wäre es sicher praktisch, Tickets bereits vorab zu besorgen, ohne diese gleich einlösen zu müssen. Ebenso gibt es keine Möglichkeit, einen Ticketblock zu erwerben. Aber sei’s drum, hier kann die Holding ja noch nachbessern. Zum Testen wählen wir einfach mal eine Stundenkarte mit Ermäßigung aus.

    Und der Spaß geht los…
    Anstatt das Ticket gleich kaufen zu können fordert uns die App jedoch auf, weitere Daten von uns preiszugeben. Nach der Mailadresse will die App nun unseren Vor- und Nachnamen, sowie unser Geburtsdatum wissen. Zweiteres wird deshalb abgefragt, da ein Ticketkauf von Personen unter 15 Jahren nicht möglich ist. Wir fragen uns, was dann beispielsweise ein 13-Jähriger in Zukunft machen soll. Schwarz fahren?

    Aus, Schluss, Sendepause.
    Doch bevor dieser Gedanke Überhand nimmt kommt die große Frustration. Denn nachdem wir auf „Speichern“ klicken passiert einfach nichts mehr. Die App erfasst die Daten einfach nicht und wir kommen gar nicht in den Genuss, der GVB unser Geld für das Ticket auszuhändigen. Die App-Bewertungen zeigen sich in Nachhinein als Prophezeiung.



    Wurscht, dann halt mit dem iPhone

    Aber hey, so schnell geben wir nicht auf, schließlich haben wir ja auch noch ein iPhone zur Verfügung. Und wer hat denn bitte nicht ständig zwei verschiedene Smartphones dabei? Eben. Weniger jammern, lieber mehr Zeit mit der Ticket-App verbringen.


    Nichts gefunden…

    Im App-Store beginnt der Spaß wieder von vorne, denn wer einfach nach „Gvb App Graz“ oder ähnlichem sucht, der findet nix. Wir raten an, wirklich den App-Namen „Graz Mobil“ einzugeben, um auch fündig zu werden. Die Bewertungen für die iOS-Version der App fallen mit 3,4 Sternen auf jeden Fall deutlich besser als im Android-Store aus. Neue Hoffnung steigt auf…

    Und tatsächlich gelingt es uns via iOS-App, den Anmeldeprozess mit Namen und Geburtsdatum fertig zu stellen. Yay — endlich dürfen wir die heiß begehrten Tickets kaufen!

    Oh but wait…
    Doch was folgt ist die nächste Ernüchterung, denn der Kauf der Tickets funktioniert ausschließlich mittels Kreditkarte. Kein Pay Pal, keine Funktion mittels Bankeinzug, kein Bezahlsystem via Handyrechnung — nix da. Keiner von uns hat gerade seine Kreditkarte bei der Hand und wir brechen frustriert ab.


    Seriously?

    Fazit: Geh bitte.
    Unser App-Fazit: Es sei der GVB hoch anzurechnen, dass durch die geplante Umstellung Schwung in den Kauf von Öffi-Tickets mittels App kommen soll. Und na ja, schließlich schreiben wir das Jahr 2018. Aber mit der jetzigen App steigert man maximal das Frustrationspotential etwaiger Kund_innen, die dann vermutlich gar nicht zu Kund_innen werden, weil es ohnehin nicht funktioniert! Wir bitten die Verantwortlichen, sich bei der Konkurrenz einmal umzusehen und sich ein paar Sachen abzuschauen. Unternehmen wie Flixbus oder die Wiener Linien ( ja, man kann auch mal nach Wien schauen, ohne drauf zu schimpfen) haben es hinbekommen, gut funktionierende und übersichtliche Apps zu gestalten, bei denen man sogar Tickets kaufen kann. Simultan zur Testung der geplanten Outdoor-Automaten bitten wir also darum, auch der App nochmal ein bis zwei Testphasen zu gönnen. Es kann nur besser werden.

    So und jetzt genug geraunzt, wir kaufen das Ticket wieder normal in der Bim mit unserem Fünf-Euro-Schein. Oh, wait …
  • Angesichts all dessen versteht man auch diesen Vorstoß:
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    Bim und Bus gratis?

    Jetzt sollen alle Grazer gratis mit Öffis fahren

    Als erstes Land der Welt wird Luxemburg alle Züge, Trams und Busse kostenlos machen. Für Graz fordert das auch Verkehrsstadträtin Kahr.
    Kleine Zeitung vom 7. Dezember 2018

    Das Chaos auf den Straßen und die schlechte Luft lassen Luxemburg einen radikalen Schritt setzen: Die Regierung will ab 2020 Tickets für alle öffentlichen Verkehrsmittel abschaffen. Züge, Trams und Busse sind dann kostenlos.

    Auch in Tallinn, der Hauptstadt Estlands, fährt man seit 2013 gratis. Und in Graz? Gibt es aktuell mit der Altstadtbim eine Mittelvariante: In der Altstadt braucht man in den Straßenbahnen kein Ticket. „Die Öffis sollten aber generell gratis sein, überhaupt im ganzen Land“, sagt Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ).

    „Das muss aber mit einer Angebotsverbesserung einhergehen.“ Finanzieren würde Kahr das mit einer Nahverkehrsabgabe. Finanzstadtrat Günter Riegler (ÖVP) blockt aber ab. Gratis führe dazu, „dass es nicht geschätzt wird“. Und die Erfahrung aus anderen Städten zeige, dass dann Investitionen in Ausbau und Fuhrpark leiden.

    Ihre Meinung?
    Sollen man die Öffis in Graz gratis benutzen können?
    (Umfrage im Link)

    Pro & Kontra
    Pro Gratis-Öffis: Das Ende der Verbrecherjagd!

    An „guten“ Tagenwerde ich bis zu vier Mal dazu aufgefordert, meine Jahreskarte zu zücken. Und wenn ich sie eines Tages tatsächlich nicht bei mir habe? Was für ein Rechtfertigungs-Tamtam. Was soll das? Wenn jeder im Land verpflichtet würde, einen Öffi-Beitrag zu zahlen, hätte die Suche nach Verhaltensfehlern ein Ende. Und wer sich jetzt darüber beschwert, weil er doch Öffis niemals nutzt, der soll sich dann eben über die plötzlich leeren Straßen freuen. Das Recht auf Freifahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln sollte allgemeines Gut sein. Wie die Straßenbeleuchtung. Da kann auch niemand sagen: „Ich zahle nichts, ich nehme meine Taschenlampe.“ Die Suche nach illegalen Öffi-Nutzern ist einer modernen Gesellschaft unwürdig – und wegen der Personalkosten auch kostspieliger. Denn die Freifahrt in Öffis könnte gänzlich durch sozial gestaffelte Pflichtbeiträge und Touristenabgaben finanziert werden. Robert Preis


    Kontra Gratis-Öffis: Ein Zuckerl für die Falschen
    Es klingt natürlich verlockend: kostenlos mit Bus und Straßenbahn durch die Stadt. Kein Ticketkaufen, kein lästiges Kontrolliertwerden. Bei genauem Hinschauen sieht man aber: Die kostenlosen Öffis haben einen hohen Preis. Einerseits im wahrsten Sinn des Wortes: Die Graz-Linien nehmen rund 40 Millionen Euro Jahr für Jahr an Ticketerlösen ein – also eine Plabutsch- Gondel pro Jahr. Andererseits zeigen Studien, dass Gratis-Öffis ein Zuckerl für die Falschen ist. Denn es sind in der Regel nicht die Autofahrer, die in großer Zahl umsteigen, sondern Leute, die sonst mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Der Grazer Mix aus Altstadtbim und verhältnismäßig günstigem Jahresticket scheint da der sinnvollere Weg – wenn man das ergänzt durch eine mutige Verkehrs- und Stadtplanungspolitik, wo Fußgänger und Radfahrer Vorrang haben.



    Gerald Winter-Pölsler