[DE] S-Bahn Mitteldeutschland: Überfüllte Züge und Probleme bei der Fahrradmitnahme

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    5 Jahre S-Bahn Mitteldeutschland: Probleme zum Geburtstag
    Die S-Bahn im Raum Halle-Leipzig hat sich in fünf Jahren zum Rückgrat im mitteldeutschen Zugverkehr gemausert. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Kapazität der Züge stößt längst an ihre Grenzen. Das zieht weitere Probleme nach sich.


    Das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz umfasst mittlerweile auch Fahrten bis Magdeburg.Bildrechte: Deutsche Bahn AG / Kai Michael Neuhold

    Fünf Jahre nach dem Start der Mitteldeutschen S-Bahn im Raum Halle/Dessau-Leipzig gibt es für das Netz große Herausforderungen. Der Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Südost, Wolfgang Weinhold, sagte beim Jubiläums-Empfang am Mittwoch, größtes Ärgernis für die Kunden seien überfüllte Bahnen und Probleme bei der Fahrradmitnahme.
    Mehr Züge und neue Verbindungen gewünscht
    Auch aus Sicht des Landes Sachsen-Anhalt gibt es noch Luft nach oben im S-Bahn-System. Der Geschäftsführer der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), Rüdiger Malter, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, zuerst müsse der Betrieb stabilisiert werden. Man müsse dafür sorgen, dass die Fahrzeuge, die bei den Herstellern bestellt wurden, auch auf der Schiene unterwegs sein könnten. Die NASA plant, bestellt und bezahlt im Auftrag des Landes den ÖPNV im Land.
    Auch sei das System S-Bahn Mitteldeutschland noch nicht vollständig umgesetzt, so Malter. So fehle die Direktverbindung von Leipzig nach Halle-Nietleben. Auch gebe es Interesse anderer Städte, in das System eingebunden zu werden, unter anderem von Merseburg und Naumburg. Grundsätzlich sei die Bereitschaft vorhanden, hier etwas zu tun. Zunächst müsse aber der laufende Betrieb verbessert werden.

    Mit Fahrrad in die S-Bahn? – Aber nur, wenn die Plätze ausreichen.Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Wolfgang Klee

    Fahrgäste hatten häufig überfüllte Bahnen und Probleme bei der Fahrradmitnahme beklagt. Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte zuletzt Anfang Dezember mehr Züge im Netz der Mitteldeutschen S-Bahn. Die aktuellen Kapazitäten seien völlig unzureichend. Allein auf der viel genutzten Pendlerstrecke Halle-Leipzig brauche man doppelt so viele Wagen. – Im August wies die Bahn darauf hin, dass es keinen Anspruch darauf gebe, sein Fahrrad in der S-Bahn mitnehmen zu können. Seien die Kapazitäten erschöpft, müssten weitere Räder draußen bleiben. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub kritisierte mangelnden Ehrgeiz, schließlich verspreche die Bahn kostenlose Fahrradmitnahme in ihren Zügen.
    Deutsche Bahn: S-Bahn hat sich sehr erfolgreich entwickelt
    Beim Jubiläums-Empfang in Leipzig haben die Vertreter von Bahn und Politik auf die Erfolge der S-Bahn Mitteldeutschland seit ihrer Inbetriebnahme hingewiesen. Weinhold betonte, heute würden rund 90.000 Fahrgäste die S-Bahn Mitteldeutschland benutzen, das seien 40 Prozent mehr als im ersten Jahr. 19 von 20 Haltestellen würden pünktlich bedient. Weinhold wies noch einmal darauf hin, dass bis zum Frühjahr 2019 alle S-Bahnen mit kostenlosem WLAN ausgestattet sein würden. Mitte Oktober verfügten bereits 29 der 80 Züge über diese Technik. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung verwies darauf, dass das S-Bahn-Netz nicht nur für die Messestadt, sondern für die gesamte Region von Bedeutung sei. "Überall, wo die S-Bahn ist, gibt es Wachstum", so der SPD-Politiker.
    Millionenprojekt City-Tunnel gab Startschuss für S-Bahn-Netz
    Die S-Bahn Mitteldeutschland hatte am 15. Dezember 2013 zunächst mit sieben Linien ihren Betrieb aufgenommen, zeitgleich mit Fertigstellung des Leipziger Citytunnels. Dessen Kosten beliefen sich schlussendlich auf 960 Millionen Euro, was dem Projekt noch zu Bauzeiten heftige Proteste beschert hatte. Der Zuschlag für den milliardenschweren Verkehrsvertrag im S-Bahn-Netz ging 2010 an die Deutsche-Bahn-Tochter S-Bahn Mitteldeutschland GmbH.

    Unter manchen Graffitis lässt sich kaum noch eine S-Bahn erkennen.Bildrechte: MDR/Friedericke Schicht

    Eines der großen Probleme des Betreibers seit Beginn: großflächige Graffitis. Allein in den ersten 100 Tagen waren nach Unternehmensangaben 4.000 Quadratmeter Züge mit Schmierereien versehen. Anfang 2018 verwies die Bahn auf 2.700 Fälle von Graffiti oder Vandalismus pro Jahr in der Region Mitteldeutschland. "Zeitweise ist die halbe Flotte beschmiert", zitierte seinerzeit die Deutsche Presseagentur Frank Betzger, als Verantwortlichen für den Betrieb der S-Bahn bei der Deutschen Bahn. Anspruch der Bahn sei es, beschmierte Züge nicht länger als 48 Stunden herumfahren zu lassen.

    Die S-Bahn Mitteldeutschland in Zahlen
    • 10 S-Bahn-Linien, 7 davon durch den City-Tunnel Leipzig
    • 663 Fahrten pro Tag
    • 80 Züge vom Typ Talent 2, ergänzend werden Doppelstockzüge eingesetzt
    • 25 Millionen Fahrgäste in 2017
    • 802 Kilometer langes Liniennetz
    • 145 S-Bahn-Stationen
    Quelle: DB Regio AG, S-Bahn Mitteldeutschland


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    Von überfüllten S-Bahnen und Zukunftsmusik: Der Leipziger Citytunnel feiert fünften Geburtstag
    Seit fünf Jahren hat Leipzig nun seinen Citytunnel. Ein Projekt, das damals wie heute für Diskussionen sorgt. Zum Jubiläum haben Stadt und Betreiber Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt.Bildrechte: imago/STAR-MEDIA
    Genau fünf Jahre ist es her, dass die ersten S-Bahnen durch den Leipziger Untergrund fuhren. Damals wurde der Citytunnel nach zehnjähriger Bauzeit eingeweiht und tausende Menschen nutzen ihre Chance, auf einer der ersten Fahrten dabei zu sein. Einen Tag später nahm die S-Bahn Mitteldeutschland schließlich ihren regulären Betrieb auf. Nun feiert der Citytunnel sein fünftes Jubiläum. Doch haben sich die Erwartungen an das Megaprojekt erfüllt?
    Immer mehr Fahrgäste nutzen die S-Bahn

    Mit großem Trubel wurde der Citytunnel vor fünf Jahren eingeweihtBildrechte: MDR/André Berthold

    Beim Festakt am Leipziger Hauptbahnhof wurde der Citytunnel zunächst erst einmal als voller Erfolg gefeiert. Vertreter von Bahn und Politik zeigten sich zufrieden, mit den ersten Betriebsjahren. "Die Eröffnung des Citytunnels war der Schlüsselmoment für den Beginn einer neuen Zeitrechnung des öffentlichen Personennahverkehrs in der Region rings um Leipzig", sagt Kai Emanuel, Landrat des Landkreises Nordsachsen.
    Tatsächlich ist es der S-Bahn Mitteldeutschland gelungen, die Fahrgastzahlen kontinuierlich zu steigern. Heute betreten durchschnittlich 90.000 Fahrgäste die grün-silbernen Züge täglich, um nach Halle, Wurzen oder Zwickau zu kommen. Rund 22.000 Passagiere fahren dabei Tag für Tag durch den Citytunnel. Darüber freut sich besonders Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung: "Die S-Bahn entlastet ganz entschieden unsere Verkehrsinfrastruktur und reduziert den Schadstoffausstoß. Die Tunnel zu bauen, war die richtige Entscheidung."
    Kunden sind trotz überfüllter Züge meist zufrieden
    Trotz der Feierlaune: es gibt auch Probleme. Größtes Ärgernis für viele Kunden sind die zu Stoßzeiten völlig überfüllten Bahnen. Besonders voll wird es im Berufsverkehr auf der Strecke von Leipzig nach Halle. Wer ein Fahrrad hat, muss seit einigen Monaten damit rechnen, nicht mehr mitgenommen zu werden. Im August dieses Jahres teilte die Deutsche Bahn mit, die kostenlose Fahrradmitnahme in vollen Zügen zu begrenzen. Wer Pech hat, bleibt am Bahnhof mit seinem Rad stehen.
    Man sei sich dieses Problemes durchaus bewusst, erklärte Wolfgang Weinhold, Vorsitzender DB Regio Süd auf dem Festakt in Leipzig: "Deshalb haben wir mittlerweile nicht mehr drei, sondern vier Züge zwischen Halle und Leipzig pro Stunde im Einsatz und eine zusätzliche S5." Im morgendlichen Zugverkehr würde ein zusätzlicher Zug mit größeren Fahrradkapazitäten eingesetzt.
    Kostenloses WLAN und Anbindung der ländlichen Städte
    "Gleichzeitig ist das mitteldeutsche S-Bahn-Netz bundesweit auf dem zweiten Rang bei der Kundenzufriedenheit. Gleich hinter Dresden", sagt Weinhold weiter. So würden 19 von 20 Haltestellen pünktlich bedient und bis zum Frühjahr 2019 sollen alle S-Bahnen mit kostenlosem WLAN ausgestattet werden.
    Bei einer Umfrage von MDR SACHSEN – Das Sachsenradio gaben die meisten Leipziger an, dass sie insgesamt mit dem Angebot der S-Bahn Mitteldeutschland zufrieden seien. Obwohl einige von ihnen am Anfang durchaus skeptisch gewesen seien.
    Verbessert werden soll künftig auch die Erreichbarkeit von den umliegenden Regionen. Ziel sei ein Halbstundentakt zu den wichtigen Zentren im ländlichen Raum. "Delitzsch und Eilenburg haben wir bereits in diesem Takt eingebunden, Torgau ist das nächste große Ziel", sagt Landrat Emanuel. Dafür sind allerdings noch Gleisbauarbeiten im Leipziger Netz notwendig, sodass wohl frühestens im Jahr 2020 halbstündlich eine S-Bahn in Torgau halten wird.

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