[OTS] "Die verschwenderische Direktvergabe in der Ostregion oder: Wofür es wirklich höchste Eisenbahn ist"

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  • [OTS] "Die verschwenderische Direktvergabe in der Ostregion oder: Wofür es wirklich höchste Eisenbahn ist"


    Wien (OTS) - Die Arbeiterkammer Wien hat gestern in einer Aussendung darauf hingewiesen, dass es „höchste Eisenbahn“ ist, den Bahnverkehr in der Ostregion für die nächsten Jahre zu sichern. Dem stimmt die WESTbahn vollinhaltlich zu, aber es sollte richtig gemacht werden.
    Völlig verschwenderisch ist nämlich der Ansatz der AK, wie das zu passieren hat: Die AK will eine weitere teure und unwirtschaftliche Direktvergabe im Bahnverkehr für eine Leistungsbestellung – und lässt auch gleich wissen, dass zu bisher 400 Mio. EUR pro Jahr nur an Zuschuss zum Verkehr noch ein kräftiger Zuschlag notwendig ist. Die Steuerzahler dürfen sich schon jetzt bedanken – es wird so richtig teuer, wenn das BMVIT als Erfüllungsgehilfe der AK auftritt.

    Denn: Nicht Direktvergaben sind im Interesse der Bevölkerung, vielmehr ist die Verkehrspolitik gefordert, endlich wettbewerbliche Ausschreibungen umzusetzen (die von Deutschland bis Schweden und von Rumänien bis Großbritannien in der EU schon zum Standard wurden).
    Genau deshalb ist daher die von der AK befürchtete Notvergabe für zwei Jahre (ab dem Ende des bestehenden Vertrages, der bis Dezember 2019 gilt) genau der einzig sinnvolle Ansatz, um in der Folge den Nahverkehr in der Ostregion endlich richtig auszuschreiben und damit über die Vertragslaufzeit hunderte Millionen Euro zu sparen.

    Durch beispielsweise die deutsche Brille gesehen bedeuten Ausschreibungen nämlich einen offensiven Angebotswettbewerb führender Unternehmen und dadurch Bestpreise (also den besten Preis für die beste Qualität) und Einsparungen (konservativ gerechnet zumindest) von 20% oder mehr als Erfolge für die ausschreibenden Behörden im Vergleich zu früheren Allein-Direktvergaben an die DB.
    Wir helfen bei der Rechnung: 20% von jährlich 400 Millionen Euro genannten bisherigen Kosten jährlich sind 80 Millionen pro Jahr, die mindestens einzusparen sind. Hochgerechnet auf zehn Jahre (die übliche Vergabedauer bei Direktvergaben) ergibt das 800 Millionen Euro – eine Summe die das BMVIT und der Finanzminister hoffentlich lukrieren will.
    Was ließe sich damit nicht alles tun? Ach ja: Man könnte mit der Summe beispielsweise mehr Verkehre vergeben, so dass auch Regionen, die in der Vergangenheit nur wenig beachtet wurden, wieder mehr öffentlichen Verkehr bekommen, oder man könnte neue Fahrzeuge finanzieren, ohne mehr Geld der Steuerzahler einsetzen zu müssen.

    Die WESTbahn fordert, unbedingt beim Sparen helfen zu dürfen und ist hoch interessiert an wettbewerblichen Ausschreibungen. Eine Beteiligung an einer Ausschreibung in der Ostregion, auch in möglicher Kooperation mit einem europäischen Partner, sagt das Unternehmen jederzeit zu.
    Wenn der VOR (wie die AK leider kritisch statt anerkennend anmerkt) um das Geld diskutiert, dann ganz sicher nicht ohne Grund. Vielmehr lässt sich vermuten, dass die positive wirtschaftliche Erfahrung von Busausschreibungen motiviert hat, sparsam zu agieren. Hoffentlich ist dem BMVIT der Steuerzahler nicht egal, hoffentlich ist das BMVIT dem Steuerzahler gegenüber loyal. Jetzt besteht für das BMVIT die Chance für eine Not- und Vollbremsung, um nicht AK-Erfüllungsgehilfe bei einer weiteren teuren Direktvergabe im Nahverkehr zu sein.
    Wettbewerb ist gut und richtig – und er kommt ab Ende 2023 zwingend in der EU auch für die Bahn. Dr. Erich Forster, CEO der WESTbahn, sagt: „Was im Flugverkehr bekanntermaßen der ultimative Segen für niedrigen Kundentarife ist, also der Wettbewerb, wird im Bahnverkehr der Steuerzahler-Segen für die günstigere Bestellung von Verkehrsleistungen sein. Wir hoffen also, das BMVIT verpasst nicht auf Geheiß der AK die letzte Chance für die Steuerzahler, Geld zu sparen, indem endlich wenigstens in der Ostregion auf Wettbewerb für die Leistungsvergaben gesetzt wird. Es ist tatsächlich allerhöchste Eisenbahn.“


    ots.at/presseaussendung/OTS_20…ch-hoechste-eisenbahn-ist

    Mein Kommentar: Erwartbar von der Westbahn. Scheinbar hat man erkannt, dass Verklagen nix bringt, also belässt man es bei solchen Aussendungen.

    Noch einmal, die Einsparungen in Deutschland wurden mit Verknappung der Reserven und mit einer allgemein eher unpraktischen Fragmentierung erkauft. Viel spart man auch nicht, Ausschreibungen kosten bekanntlich auch Geld.

    Außerdem werd ich den Eindruck nicht los, dass die Rhetorik ein wenig esoterisch ist. Oder gar als wolle
    man einen rhetorischen Glaubenskrieg führen.

    Im Gegensatz zu Deutschland ist Österreich halt kein Dritte-Welt-Land, wo man jeden Cent einzeln umdrehen muss. Man hat das Geld, man muss es halt nur einsetzen wollen.

    Ich finde eine Bahn besser, die teurer ist, dafür aber funktioniert, anstelle einer Bahn, die zwar billig ist aber nicht funktioniert.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von J-C ()

  • Unternehmenskommunikation WESTbahn Management GmbH schrieb:

    es wird so richtig teuer, wenn das BMVIT als Erfüllungsgehilfe der AK auftritt.
    Eine Reaktion auf Niveau eines kleinen Kindes. Einfach nur peinlich was da als Presseaussendung veröffentlicht wird.

    Unternehmenskommunikation WESTbahn Management GmbH schrieb:

    Durch beispielsweise die deutsche Brille gesehen bedeuten Ausschreibungen nämlich einen offensiven Angebotswettbewerb führender Unternehmen und dadurch Bestpreise (also den besten Preis für die beste Qualität) und Einsparungen (konservativ gerechnet zumindest) von 20% oder mehr als Erfolge für die ausschreibenden Behörden im Vergleich zu früheren Allein-Direktvergaben an die DB.
    Deutsche Brille gefällig bezüglich Qualität? Gibt ja hier im Forum genug:

    [DE] Zugausfälle bei Abellio in Sachsen-Anhalt wegen Tfzf.-Mangel
    [DE] Nahverkehrszüge in Bayern zunehmend verspätet
    [DE] Marschbahn: Probleme ohne Ende
    [DE] S-Bahn Mitteldeutschland: Überfüllte Züge und Probleme bei der Fahrradmitnahme
    ...
  • Der Veröffentlichungszeitpunkt knapp vor den Weihnachtsfeiertagen war klug gewählt, denn an sich müsste es seitens der angegriffenen Stellen (BMVIT und ÖBB) sofort eine scharfe und mit handfesten Argumenten unterlegte Gegendarstellung geben. Aber die Pressestellen von BMVIT und ÖBB sind schon im Feiertagsmodus und bis man sich nach den Feiertagen oder im Neuen Jahr zu einer Antwort aufrafft, ist die Presseaussendung schon wieder Schnee von gestern, aber mit dem Vorteil, dass sie unwidersprochen und im Gedächtnis haften blieb.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Der Witz eigentlich ist, dass gerade mit dem VDV der Ostregion entscheidende Verbesserungen auf den Weg kommen. Besonders ins Ausland kann man mit größeren Angebotsausweitungen rechnen und auch sonst sieht es für mich so gar nicht danach aus, als würde das Geld ein Problem sein beim Auftragsvolumen.

    Das bestätigt meine These, dass man genug Geld hat für einen qualitativen Schienenverkehr, der definitiv eine bessere Performance aufweist als der in Deutschland.
  • Das könnte daran liegen, dass das Angebot dort ohnehin schon hoch ist. Bis zu 4 Regionalzüge pro Stunde auf der Relation ist durchaus bereits attraktiv. Da sind die Wartezeiten durchschnittlich ohnehin recht kurz.

    Ein Halbstunden-REX nur mit Halt in Baden zusätzlich zu den 4 "langsamen" REX halte ich für attraktiv.
  • Ist halt die Frage, ob es da Nachfrage gibt, um etwa die S3 halbstündlich bis Wiener Neustadt zu führen. Ob ein Wettbewerb da mehr bringt, wage ich einfach mal zu bezweifeln.

    Ich meine, in der HVZ hat man bis zu 6 Züge pro Stunde und Richtung, das ist doch schon was. Was will man mehr?

    Und doch gibt es durchaus größere Änderungen in Zukunft. So wird künftig mit Ausbau der Südstrecke die Regionalzuglinie Payerbach - Semmering - Mürzzuschlag stündlich und täglich auf ganzer Strecke verkehren.

    Die innere Aspangbahn wird auch einen massiven Ausbau im Angebot erfahren.