[DE] Die DB hat ein Pünktlichkeitsproblem

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  • [DE] Die DB hat ein Pünktlichkeitsproblem

    Verspätungen und Zugausfälle:Wie die Bahn Pünktlichkeit definiert
    Stand: 15.01.2019 11:12 Uhr

    Die Bahn steht massiv in der Kritik - wegen Verspätungen und Zugausfällen. Der Konzern betont, 2018 seien 93,5 Prozent der Züge pünktlich gewesen. Ein zweiter Blick auf den Wert lohnt sich aber.
    Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder
    Die Bahn hat in der vergangenen Woche mitgeteilt, im Jahresdurchschnitt 2018 seien 93,5 Prozent aller Züge der Bahn pünktlich gewesen.
    Sind die Klagen über die Bahn also übertrieben? Nein, denn die Zahl ergibt sich aus den Werten aus dem Nah- und Fernverkehr insgesamt, die aber stark voneinander abweichen.
    5:59 Minuten zu spät bedeutet noch pünktlich
    Generell gilt: Die Bahn registriert einen Zug als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten verspätet an einer Haltestelle oder am Endbahnhof einfährt. Verspätungen von sechs Minuten oder mehr sind vor allem bei S-Bahnen sehr selten, dementsprechend fallen die Pünktlichkeitswerte im Nahverkehr hoch aus - und ihr Anteil an der Gesamtstatistik ist besonders groß.
    So teilt die Bahn in den Erläuterungen zu den Pünktlichkeitswerten mit, die Statistik bilde "die mehr als 700.000 Fahrten von DB-Personenzügen eines Monats ab". Dabei werden alle Verkehrshalte der mehr als 20.000 monatlichen Fahrten im Fernverkehr sowie der mehr als 680.000 monatlichen Fahrten im Nahverkehr - inklusive aller S-Bahnen - berücksichtigt.
    Für Pendler können aber auch Züge, die von der Bahn als pünktlich ausgewiesen werden, zum Problem werden, wenn beispielsweise ein Anschlusszug wegen einer Verspätung von fünf Minuten nicht mehr erreicht wird.
    Ausgefallene Züge werden nicht berücksichtigt
    Im Fernverkehr liegen die Pünktlichkeitswerte in der Bahn-Statistik deutlich niedriger - obgleich auch hier ein Zug als pünktlich erfasst wird, wenn er 5:59 Minuten zu spät einfährt. Insgesamt waren nach Bahn-Definition im Jahresdurchschnitt 2018 etwa drei von vier Fernzügen pünktlich.
    Dazu kommt allerdings, dass die ausgefallenen Züge in der Statistik nicht berücksichtigt werden. Diese Information findet man auf Seite Sechs des Bahn-Dokuments "Fragen und Antworten zur Pünktlichkeit". Dort heißt es, "Komplettausfälle oder Teilausfälle" würden nicht eingerechnet. Dies sei bei anderen europäischen Bahnen auch so.
    Die Bahn argumentiert, es sei schwierig, ein "sinnvolles mathematisches Modell" für ausgefallene Züge zu definieren: "Welche Pünktlichkeit ordnet man einem Zug zu, wenn er an einer bestimmten Stelle seiner Fahrt ausfällt?" Außerdem liege die "Erfüllungsquote aller täglich verkehrenden 24.000 DB-Personenzüge über 99 % im Jahresschnitt" - dies gelte sowohl für Fern- als auch Nahverkehr, schreibt die Bahn.
    140.000 Ausfälle
    Die Bahn weist die Zahl der ausgefallenen Züge allerdings selbst nicht extra aus. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen aus dem März 2018 geht aber hervor, dass in den Jahren 2013 bis 2017 der Anteil der ausgefallenen Züge bei jeweils etwa einem Prozent lag. Diese würden nach Angaben der Bahn "von der Grundgesamtheit aller planmäßig verkehrender Züge im Personenverkehr abgezogen. Im Jahr 2017 waren demnach 42.956 Züge (0,3 Prozent) komplett ausgefallen, 96.801 Züge (0,7 Prozent) beendeten ihre geplante Fahrt vorzeitig.
    Diese etwa 140.000 Ausfälle werden in der Pünktlichkeitsstatistik nicht berücksichtigt. Das heißt, der Wert liegt etwas niedriger als angegeben. Dazu kommen die Züge mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten, die auch dazu führen können, dass Fahrgäste Anschlusszüge verpassen.
    Kunden- statt Zugpünktlichkeit
    Der Verband "Pro Bahn" fordert daher, Zug- und Haltausfälle in der Statistik zu berücksichtigen und die Reisekette der Fahrgäste mit den Anschlüssen zu betrachten - und nicht einzelne Züge.
    So legt die Schweizer Bundesbahn eine Statistik zur Kundenpünktlichkeit vor: Die Unpünktlichkeit liegt hier auch nicht bei weniger als sechs, sondern drei Minuten. Obwohl die Kriterien also strenger sind, kann die SBB gute Werte vorweisen: In den ersten sechs Monaten 2018 erreichten 90,7 Prozent aller Reisenden ihr Ziel pünktlich.

    www.tagesschau.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Generell gilt: Die Bahn registriert einen Zug als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten verspätet an einer Haltestelle oder am Endbahnhof einfährt. Verspätungen von sechs Minuten oder mehr sind vor allem bei S-Bahnen sehr selten, dementsprechend fallen die Pünktlichkeitswerte im Nahverkehr hoch aus - und ihr Anteil an der Gesamtstatistik ist besonders groß.
    D.h. wenn der Zug an irgendeiner Haltestelle mehr als 6 Minuten Verspätung hat, gilt es als verspätet?

    In Österreich ist mein Wissensstand 4 Minuten am Endbahnhof.
  • Da passt dieser Beitrag dazu:
    Gerichtsurteil: Deutsche Bahn muss für Winterfahrplan Glücksspiel-Lizenz beantragen


    Berlin (dpo) - Der Winter ist da – neben Sommer, Herbst und Frühling die für die Deutsche Bahn wohl unbequemste Jahreszeit. Aufgrund von ständigen Verspätungen und Ausfällen hat nun der Bundesgerichtshof den Winterfahrplan als Glücksspiel eingestuft – weshalb der Konzern jetzt in allen Bundesländern Lizenzen nach dem Lotterie-Staatsvertrag beantragen muss. Bis dahin darf die Bahn auch keine Fahrpläne mehr öffentlich aushängen.

    "Der sogenannte Winterfahrplan der Deutschen Bahn erfüllt alle Voraussetzungen für Glücksspiel", heißt es in der Urteilsbegründung. "Der Spielausgang, nämlich das Eintreffen eines Zuges, ist ausschließlich vom Zufall abhängig. Es gibt einen äußeren Anreiz in Form eines Gewinnes - also der Beförderung - und es gibt einen materiellen Einsatz, den Ticketpreis."

    Die Bekanntgabe der Gewinner findet in der Regel über eine große digitale Tafel statt:



    Zudem seien die Spielbedingungen so ausgelegt, dass ein Spieler auf lange Sicht stets verliert. "Damit ist der Winterfahrplan als Wettspiel anzusehen, für den die Vorschriften des Glücksspiel-Staatsvertrages
    gelten."

    Die Deutsche Bahn wollte sich bislang nicht zu der brisanten Entscheidung äußern, da sich der zuständige Pressesprecher seit drei Tagen in einem liegengebliebenen Zug in einem Tunnel in Thüringen
    aufhalte und nicht erreichbar sei. Nach Einschätzung von Juristen wird der Gerichtsbeschluss allerdings massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Deutschland haben:
    "Bahnhofsgebäude und Verkaufsstellen sind ab sofort als erlaubnispflichtige Spielhallen anzusehen", sagt etwa der auf Lotterierecht spezialisierte Dr. Jörn Howe aus Berlin. "Das Gesetz schreibt solchen Spielhallen eine zurückhaltende äußere Gestaltung sowie eine Sperrzeit von mindestens drei Stunden am Tag vor."

    Die Spielautomaten der Deutschen Bahn müssen künftig regelmäßig von Sachverständigen geprüft werden:



    Berichten zufolge hat die Bahn bereits damit begonnen, die Panoramafenster des Berliner Hauptbahnhofs mit Sichtschutzfolie abzukleben. Zudem erhalten Kunden bei der Buchung von Online-Tickets neuerdings ein Pop-Up mit dem Hinweis "Spielteilnahme erst ab 18 Jahren. Glücksspiel kann süchtig machen. Info unter: spielen-mit-verantwortung.de".

    Quelle: https://www.der-postillon.com/2017/12/bgh-bahn-gluecksspiel.html
  • Jetzt geht es wieder ernst weiter:

    Krisengespräch zur Bahn: Nur ein Treffen reicht nicht
    Stand: 15.01.2019 16:25 Uhr

    Rapport um sieben Uhr in der Früh: Schon der Zeitpunkt, zu dem Verkehrsminister Scheuer Bahnchef Lutz einbestellt hatte, war unmissverständlich. Hinterher war klar: Die beiden müssen weiter reden.
    Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio
    Hoffentlich ist Richard Lutz Frühaufsteher. Die Zeit habe heute einfach nicht gereicht, sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer, deshalb will er den Bahnchef dringend wieder sehen, schon diesen Donnerstag, zur selben Zeit. Da seien alle wach, sagt der Minister zuversichtlich, denn: "Der frühe Vogel fängt den Wurm." Und er äußert die Hoffnung, die Bahn biete dann "ganz konkrete Maßnahmen, die wir heute schon alle diskutiert haben".
    Bei dieser Diskussion ging es heute vor allem um Pünktlichkeit. Spürbare Verbesserungen erwarte er von der Bahn, sagt Scheuer, noch in diesem Halbjahr. Er lässt allerdings offen, was genau er mit spürbar meint.

    Der Minister und der Bahnchef hatten - wie hier im vergangenen Oktober - einiges zu besprechen. Und schon am Donnerstag werden sie sich wiedersehen.

    Paradoxe Probleme
    Die Bahn kämpft zum einen damit, dass lange zu wenig ins Netz investiert wurde. Das führt zu Störungen. Und - das klingt ein bisschen paradox - gleichzeitig kämpft sie damit, dass jetzt viel investiert wird, Baustellen führen zu noch mehr Störungen.
    Jetzt sollen Bau und Betrieb besser koordiniert werden, jeweils entlang längerer Streckenabschnitte. Dort würden dann Mitarbeiter in einem "Riesen-Kontrollraum" an "großen Kontrollbildschirmen" die Strecke koordinieren, weiß der Minister, damit möglichst wenig Verspätungen entstehen - früher hätten sie "alle einzeln verteilt" auf den Strecken gesessen.
    Auf der völlig überlasteten Verbindung Dortmund-Köln hat die Bahn das ausprobiert, die Pünktlichkeit wurde besser. Deshalb soll es jetzt auf anderen überlasteten Abschnitten ähnlich laufen - rund um Hamburg zum Beispiel, zwischen Fulda und Mannheim oder Würzburg und Nürnberg.
    Und mehr Geld ist auch unabdingbar
    Klar ist aber: Über diese Sofortmaßnahmen hinaus braucht die Bahn schlicht und einfach mehr Geld, schon allein deshalb, weil sie mit den Gewerkschaften kräftige Gehaltserhöhungen vereinbart hat - schließlich will sie attraktiv sein für dringend benötigtes neues Personal.
    Da kommen wir noch drauf, sagt Scheuer, über die Finanzlinie werde noch zu reden sein. Er werde darüber mit den Haushaltspolitikern und dem Finanzministerium sprechen. Zunächst aber gehe es "um die konkrete Verbesserung hin zu einer Bürgerbahn mit ganz konkreten Maßnahmen".

    www.tagesschau.de

    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Krise bei der Bahn:"Über Jahre zu wenig investiert"
    Stand: 17.01.2019 18:18 Uhr
    Für die Krise bei der Bahn ist vor allem die Politik verantwortlich, meint der Schweizer Bahn-Experte von Andrian im tagesschau.de-Interview. Jahrelang habe es an Geld gefehlt - und an politischem Willen.
    tagesschau.de: Massive Verspätungen, immer wieder technische Mängel, Züge fallen aus: Was läuft da schief bei der Deutschen Bahn?
    Walter von Andrian: Grob zusammengefasst kann man sagen: Die Deutsche Bahn bringt größere Transportleistungen als in der Vergangenheit und sie befördert mehr Leute. Aus Spargründen hat sie aber weniger Fahrzeuge zur Verfügung und weniger Personal. Man hat die Anlagen zum Teil nicht ausgebaut oder sogar reduziert. Das ganze System ist sehr knapp kalkuliert. Und wenn irgendwo Störungen auftreten, hat die Bahn keine Reserven mehr, um diese Störungen auszugleichen.


    Zur Person

    Walter von Andrian ist Chefredakteur der Schweizer Eisenbahn-Revue. Die Fachzeitschrift beschäftigt sich nicht nur mit der Schweizer Bahn, sondern auch denen der Nachbarländer.
    "Das große Ganze gerät aus dem Blick"
    tagesschau.de: Man hat die Bahn also kaputt gespart?
    Von Andrian: In Deutschland wurde über viele Jahre hinweg und wird auch heute noch viel zu wenig in die Bahn investiert. Die Schweiz und Österreich sind Spitzenreiter bei den Investitionen und Deutschland war jahrelang Schlusslicht. Und so ist die Deutsche Bahn in einen technischen Rückstand geraten.
    tagesschau.de: Ist die Bahnreform, mit der die Bahn vor rund 25 Jahren privatisiert wurde, gescheitert?
    Von Andrian: Vielleicht nicht gescheitert, aber es sind viele Probleme entstanden. Mit der Bahnreform hat man die Bahn aufgeteilt in Betriebsunternehmen einerseits, die Personen oder Güter befördern und das Netz andererseits. Und das Netz hat man nochmal aufgeteilt in Bahnhöfe und Stationen einerseits und die Strecken. Die Bahn hat inzwischen mehr als 200 Tochtergesellschaften und jede dieser Teil-Firmen optimiert ihre Tätigkeit für sich selbst. Jeder versucht, für sich möglichst erfolgreich zu sein. Diese Aufsplitterung hat Vorteile, aber sie hat auch den enormen Nachteil, dass das große Ganze, das gemeinsame Ziel aus dem Blick gerät.
    Auch der Kontakt zwischen dem Management und der Basis ist durch die Größe des Konzerns und diese Zersplitterung erschwert. Da kommen oben die Probleme manchmal gar nicht oder zu spät an.
    Japan: Personen- und Güterverkehr getrennt
    tagesschau.de: In Japan, China und Taiwan kommen 99 Prozent aller Züge pünktlich an. Das bedeutet dort: Sie haben weniger als eine Minute Verspätung. Was machen diese Länder besser?
    Von Andrian: Solche Vergleiche sind immer etwas schwierig. In Japan zum Beispiel fahren auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken keine Güterzüge. Die sind nur für den Personenverkehr. Außerdem sind die Sicherheitsbestimmungen in Japan ganz andere: Ein japanischer Zug dürfte in Europa niemals fahren, weil er nicht stabil genug ist. Bei einem Unfall würde er so demoliert werden wie ein Omnibus, das heißt, die technischen Anforderungen sind bei den Fahrzeugen geringer. Andererseits ist die Sicherheit der Anlagen in Japan sehr gut. Es hat dort bei Hochgeschwindigkeitszügen noch nie einen schweren Unfall gegeben. Das ist leichter, wenn man einen ganz homogenen Personenverkehr hat und nicht auch noch Güterverkehr oder Nebenstrecken berücksichtigen muss.
    Schweiz: "Höheren Verschleiß nicht mit einberechnet"
    tagesschau.de: Die Schweizer Bahn, einst Vorzeigeschüler, hat jüngst auch vermehrt Probleme mit der Pünktlichkeit gehabt: Was war der Grund?
    Von Andrian: In der Schweiz hat man mit dem Projekt Bahn 2000 den öffentlichen Verkehr auf der Schiene sehr stark ausgebaut. Das ist eigentlich alles gelungen. Man hat Neubaustrecken erstellt, Stationen ausgebaut, neues Material beschafft. Aber man hat völlig übersehen, dass mit der stärkeren Benutzung der Strecken auch der Verschleiß zunimmt. Für dieses Mehr an Unterhalt, das dadurch nötig wird für Fahrzeuge und Strecken, fehlte plötzlich das Geld.
    Inzwischen hat man dieses Geld beschafft, jetzt ist aber eine Vielzahl von Reparaturen nötig und man muss ungeheuer viel bauen. Dafür müssen sogar teilweise Streckenabschnitte wochenlang eingestellt werden, und das ist gar nicht beliebt bei den Fahrgästen.
    "Politik hat Bahn vernachlässigt"
    tagesschau.de: Dennoch funktioniert es in der Schweiz nach wie vor wesentlich besser als in Deutschland. Was könnte die Deutsche Bahn von der Schweiz lernen?
    Von Andrian: In der Schweiz redet der Bund sehr stark beim Angebot der Bahn hinein. Da wird beispielsweise genau festgelegt, wie viele Schnellzüge pro Tag auf welchen Strecken fahren und wo sie halten. In Deutschland redet der Bund beim Fernverkehr fast gar nicht hinein. Und das, obwohl die Bahn ja ebenfalls zu 100 Prozent dem Bund gehört.
    tagesschau.de: Hat also die Politik es versäumt, rechtzeitig einzugreifen?
    Von Andrian: Die Bahn wurde von den politisch Verantwortlichen über viele Jahre hinweg vernachlässigt. Insbesondere bei den vorherigen Verkehrsministern Alexander Dobrindt und Peter Ramsauer hatte man den Eindruck, sie interessieren sich nicht besonders für die Bahn. Der Fokus lag eher auf Autoindustrie und Autobahnbau. In der Schweiz gibt es keine Autoindustrie, da ist die Bahn das ureigene Verkehrsmittel und wird deshalb von der Politik auch wichtiger genommen.
    "Wirtschaftlichkeit darf nicht im Vordergrund stehen"
    tagesschau.de: Wo müsste man ansetzen, um das Problem in den Griff zu bekommen?
    Von Andrian: Früher war die Deutsche Bundesbahn ein direkt geführter Staatsbetrieb. Ich will nicht sagen, dass damals alles besser war und man muss auch nicht dahin zurückkehren. Aber ein zentrales Problem ist, dass heute die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht. Wenn es eine Vorgabe der Politik gibt, dass im Fernverkehr dem Bund eine bestimmte Summe Geld abgeliefert werden muss, dann können gewisse Dinge nicht so funktionieren, wie es der Kunde sich wünscht. Denn dann muss man beim Personal sparen, bei den Fahrzeugen, bei der Technik. Und das läuft bei der Deutschen Bahn jetzt seit 20 Jahren so.
    Das Interview führte Sandra Stalinski, tagesschau.de.

    www.tagesschau.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Bericht des Bundesrechnungshofs:"Der Bund hat kein Konzept für die Bahn"
    Stand: 17.01.2019 15:12 Uhr

    Es ist nicht mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene gekommen, die Infrastruktur wurde kaputt gespart: Der Bundesrechnungshof gibt der Bundesregierung die Schuld an vielen Problemen bei der Bahn.
    Von Sebastian Tittelbach, WDR
    Es sei ein Zufall, beteuert Bundesrechnungshofpräsident Kay Scheller, dass seine Behörde gerade jetzt ihren Bericht veröffentlicht. Zu einer Zeit, in der die Deutsche Bahn ohnehin viel Kritik einstecken muss.
    Anlass des Berichts des Bundesrechnungshofs ist die Bahnreform, die vor 25 Jahren in Kraft getreten und aus Sicht der Prüfer gescheitert ist. "Wenn wir heute Bilanz ziehen, stellen wir fest, es ist nicht mehr Verkehr von der Straße auf die Schienen gekommen. Und die Belastungen des Bundeshaushaltes sind nicht weniger geworden, sondern im Gegenteil viel mehr."
    Bund hat wesentlich zur Misere beigetragen
    Die Bahn ist mittlerweile der größte Zuwendungsempfänger des Bundes, der Schuldenstand liegt bei 20 Milliarden Euro, obwohl der Bund sogar auf versprochene Dividenden verzichtet hat. Der Anteil der Bahn am deutschen Personenverkehr ist nur leicht gestiegen, der Anteil am Güterverkehr ist auf knapp 18 Prozent geschrumpft.
    Die Kritik des Bundesrechnungshofes richtet sich nicht allein an die Bahn, sondern vor allem an die Bundesregierung.
    Allerdings richtet sich die Kritik der Rechnungsprüfer nicht allein an die Bahn und ihr Führungspersonal, sondern vor allem an die Bundesregierung, namentlich das Verkehrsministerium. Durch eigene Versäumnisse habe der Bund wesentlich zu der Misere beigetragen. Und das obwohl Ausbau und Erhalt des Schienennetzes sogar im Grundgesetz verankert sind, so Scheller:
    Der Bund als Alleineigentümer habe noch immer kein Konzept, was für eine Bahn und wie viel Bahn er haben möchte, kritisiert der Bundesrechnungshof. Die Bundesregierung habe es dem Bahnvorstand fast vollständig überlassen, über Struktur und unternehmerische Ausrichtung zu entscheiden. Die Folge: Die Bahn hat sich stark auf ihr Auslandsgeschäft konzentriert.
    Keine weiteren bahnfremde Geschäfte
    Mittlerweile ist sie in rund 140 Ländern aktiv, erwirtschaftet dort 43 Prozent ihres Umsatzes. Dem Bahnkunden zuhause in Deutschland bringe das nichts, so Rechnungshofpräsident Scheller: "Wenn dort Gewinne generiert werden, verbleiben die im Ausland, werden dort re-investiert, nutzen aber nichts dem heimischen Geschäft. Das internationale Geschäft bindet auch Managementkapazitäten. Die Bundesregierung muss sich fragen, ob sie sich das so leisten kann. Die Kapazität der Bahn zur Lösung der Probleme wird hier im Inland dringend gebraucht."
    Der Bundesrechnungshof empfiehlt der Bahn, nicht weiter in bahnfremde Geschäfte zu investieren.
    Klare Empfehlung des Bundesrechnungshofs: Die Bahn soll sich vom britischen Verkehrsunternehmen Arriva PLC und vom Logistiker Schenker trennen und nicht weiter in bahnfremde Geschäfte investieren. Durch die Verkäufe könnte die Bahn Milliardenbeträge einnehmen.
    Klare Ziele und Regeln für die Bahn AG
    Außerdem sei der Bund als Alleineigentümer gefordert. Er solle der Bahn AG klare Ziele und Regeln setzen und diese überwachen und das zügig, sagt Scheller: "Es ist auf jeden Fall höchste Eisenbahn. Es kommt darauf an, dass eine Strategie gefunden wird, die mittel- und langfristig wirken kann. Denn auf die Schnelle geht hier wenig."
    Dabei steht die DB AG schon in den nächsten Jahren vor neuen finanziellen Problemen. Sie will die Zugflotte modernisieren und Engpässe bei Personal und im Schienennetz abbauen. Doch laut Bundesrechnungshof werden dafür die Gewinne aus dem operativen Geschäft kaum reichen.

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Klare Empfehlung des Bundesrechnungshofs: Die Bahn soll sich vom britischen Verkehrsunternehmen Arriva PLC und vom Logistiker Schenker trennen und nicht weiter in bahnfremde Geschäfte investieren. Durch die Verkäufe könnte die Bahn Milliardenbeträge einnehmen.
    Wenn sich die Bahn vom Logistiker verabschieden würde, wären sie nur ein Transporteur in einer langen Kette und somit leicht austauschbar. Langfristig halte ich das für keine gute Position am Markt.
  • Bin ich Deiner Meinung, und bei Arriva stellt sich die fareg nach dem derzeit erreichbaren Verkaufserlös. Es ist einfach ein schlechter Zeitpunkt um zu verkaufen.

    Jedenfalls gut, dass der Rechnungshof vor Allem die Versäumnisse der letzten Regierungen (die ja der Repräsentant des Eigentümers ist) kritisiert und nicht die Bahn selbst, die ja für das Schlamassel nicht wirklich was kann.
  • Bahn-KrisentreffenJetzt geht es ums Geld
    Stand: 30.01.2019 09:52 Uhr

    Wie geht es weiter mit der Bahn? Zum dritten Mal gibt es ein Treffen bei Verkehrsminister Scheuer. Unklar ist, wie die Finanzierung für Investitionen aussehen soll. Nach Berichten hat Bahnchef Lutz neue Vorschläge im Gepäck.
    Zweimal haben sich die Bahn-Konzernspitze und Verkehrsminister Andreas Scheuer bereits seit Jahresbeginn getroffen, am Nachmittag kommen sie zum dritten Mal zusammen: Bei den Gesprächen soll es vor allem darum gehen, wie die Bahn effizienter werden kann. Daher sollen die komplexen Strukturen auf den Prüfstand. Vor allem aber geht es um die künftige Finanzierung.
    Die Deutsche Bahn ist hoch verschuldet und braucht zusätzliche Milliarden, etwa für die Modernisierung der Flotte und des Netzes. In Koalitionskreisen hieß es, es sei unklar, wie hoch der zusätzliche Finanzbedarf der Bahn sei. Dazu müsse die Konzernspitze heute Auskunft geben.
    Wie hoch ist der Finanzbedarf?
    Der Bund könnte der Bahn über mehr Eigenkapital mittelfristig mehr Mittel zur Verfügung stellen. Daneben gibt es Überlegungen, die profitable Bahn-Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz zu bekommen. Dies ist aber in der schwarz-roten Koalition umstritten - ebenso wie der Weg, dass die Bahn sich noch höher verschuldet.
    Bahnchef Lutz plant nach Medienberichten einen deutlichen Umbau im Vorstand.
    Neue Vorschläge von Lutz?
    Angeblich will Bahnchef Richard Lutz heute neue Vorschläge zum Konzern-Umbau präsentieren: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ) will er vorschlagen, dass der Vorstand um zwei neue Posten auf acht Topmanager erweitert werden soll. Gleichzeitig sollen nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen im Rest des Unternehmens Führungspositionen wegfallen. Die Rede ist von mindestens einer Hierarchie-Ebene. Ziel ist es: Mehr Macht für den Vorstand, um Vorgaben für die einzelnen Sparten besser durchsetzen zu können, schreibt die "SZ".
    Zudem sollen erstmals Krisenteams an bestimmten Bahnhöfen Schlimmeres verhindern. Die Bahn will, so die Zeitung, die so genannten Plan-Start-Teams dort aufstocken, wo besonders viele Züge fahren. Zwischen Würzburg und Nürnberg und rund um Hamburg sollen sie dafür sorgen, dass die Züge wenigstens am Startbahnhof pünktlich abfahren.
    "Weniger Wasserkopf in den Zentralen"
    Vor dem dritten Treffen gibt es auch mehrere Forderungen aus der Politik an die Bahn: Verkehrspolitiker der Koalition sprechen sich für deutliche Verbesserungen bei dem Staatskonzern aus: SPD-Fraktionsvize Sören Bartol appellierte an grundlegende Änderungen der Strukturen: "Wir brauchen bei der Bahn weniger Wasserkopf in den Zentralen und mehr Verantwortung bei den Beschäftigten vor Ort", sagte Bartol der Nachrichtenagentur dpa. Die Unions-Verkehrspolitikerin Daniela Ludwig verlangte ein höhere Pünktlichkeit und besseren Service.

    Die Bahn braucht weitere Milliarden für Investitionen.
    Verkehrspolitiker Bartol sagte, eine moderne Bahn brauche eine moderne Organisation. "Das erfordert schlankere Strukturen, in den zügig auf Veränderungen reagiert werden kann. Hierzu erwarte ich vom Bahnvorstand konkrete Vorschläge." Es müsse eine bessere Verzahnung zwischen dem Gesamtvorstand und den Vorständen der einzelnen Sparten geben: "Wer jedoch über eine Zerschlagung der Deutschen Bahn nachdenkt, wird auf den erbitterten Widerstand der SPD stoßen." Eine Herauslösung des Schienennetzes und eine Privatisierung der Verkehrsunternehmen werde es mit der SPD nicht geben.
    Bessere Pünktlichkeit, mehr Service
    Die CSU-Verkehrspolitikerin Ludwig sagte der dpa, das Fahrgastaufkommen der Bahn steige kontinuierlich, das Güteraufkommen ebenfalls. "Die Erwartung an die Bahn ist daher ganz klar: Der Service und die Pünktlichkeit müssen besser werden. Aus meiner Sicht gibt es kein Erkenntnisproblem, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem." Abläufe müssten besser koordiniert und die Zuständigkeiten klarer gefasst werden.

    Forderungen an die Bahn: Besserer Service, mehr Pünktlichkeit
    Gelder aus der Lkw-Maut?
    Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter plädierte dafür, Einnahmen aus der Maut zu nutzen. "Mit der Lkw-Maut und dem Abbau der Dieselsubventionen können Mittel direkt aus dem Verkehrssektor in die Bahn gelenkt werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".
    Die Bahn hatte nach einem Treffen mit Scheuer Mitte Januar ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Schritt für Schritt aus der Krise zu kommen. Die Züge sollen pünktlicher, der Service für die Kunden verbessert werden. Dazu beitragen sollen mehr Investitionen, mehr Personal und weniger Staus auf der Schiene.
    Der Bundesrechnungshof hatte den Bund zuletzt aufgefordert, als Eigentümer der Bahn mehr Verantwortung zu übernehmen. Mit einem Vorstoß für höhere Bahn-Fahrpreise hatte Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann viel Kritik geerntet. Eine Sprecherin Scheuers sagte, die Festlegung von Preisen sei eine "unternehmerische Entscheidung" und Sache der Bahn.

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Bahn-Krisentreffen: Scheuer sieht "viele gute Ideen"
    Stand: 30.01.2019 21:21 Uhr

    Es war das dritte Krisentreffen zur Zukunft der Deutschen Bahn. Danach hielten sich alle Beteiligten bedeckt. Verkehrsminister Scheuer forderte eine bessere Bahn - wie die finanziert werden soll, ist aber unklar.
    Auch nach einem weiteren Spitzentreffen im Bundesverkehrsministerium ist nicht bekannt, wie notwendige Investitionen bei der Deutschen Bahn finanziert werden sollen. Das dritte Gespräch innerhalb weniger Wochen habe aber "viele gute Ideen" gebracht, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Beraten wurde ausschließlich über Finanzfragen.
    "Jetzt wird erst mal an der Bahnspitze weitergearbeitet", sagte der CSU-Politiker der dpa. Ihm gehe es um eine bessere Bahn. "Wir bleiben dran." Wie hoch der zusätzliche Finanzbedarf des staatseigenen Konzerns ist und wie dieser Bedarf gedeckt werden soll, ließ Scheuer offen.
    Komplexe Themen
    Auch von der Bahn hieß es nur, das Treffen sei "konstruktiv" und "offen" gewesen. Alle seien sich einig gewesen, "das System Bahn besser zu machen". Bei Fragen der Finanzierung liege es "in der Natur der Sache, dass komplexe Themen nicht abschließend beraten werden konnten". Mit dem Thema dürfte sich der Aufsichtsrat der Bahn in seiner nächsten Sitzung im März befassen.
    Nach Schätzungen aus dem Umfeld der Bahn und der Gewerkschaft EVG benötigt der Konzern für Investitionen pro Jahr zwei bis drei Milliarden Euro zusätzlich. Insgesamt ist von sechs bis acht Milliarden Euro die Rede. Mehrere Optionen wären theoretisch möglich: Der Bund könnte der Bahn über mehr Eigenkapital mehr Mittel zur Verfügung stellen.
    Denkbar ist auch, dass ein Teil des Geldes über den Verkauf einer attraktiven Tochtergesellschaft hereinkommt. Unternehmenskreisen zufolge schließt die Deutsche Bahn auch den Verkauf der Logistik-Tochter Schenker nicht aus. Bei dem Treffen mit Scheuer sei auch der Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva im Gespräch gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
    Bahn muss Entscheidungen treffen
    "Jetzt sind die Koalition und der Bahn-Aufsichtsrat am Zug, sie müssten die notwendigen Entscheidungen treffen", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol nach dem zweistündigen Gespräch. Auch er wollte nicht sagen, ob es konkrete Vereinbarungen oder Verabredungen gab: "Das wäre unverantwortlich." Er bestätigte aber, dass es bei dem Treffen nicht um eine schlankere Konzernstruktur gegangen sei.
    Kritik kam von der Opposition. Der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, nannte das Treffen einen "Totalausfall". Wenn es die Regierung mit ihren bahnpolitischen Zielen ernst meine, "dann muss jetzt Geld auf den Tisch". Der FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung sagte, noch immer wisse man nicht, was der Bund denn nun mit der Bahn zu tun gedenke. "Der Verdacht liegt nah, dass Scheuer nicht weiß, was er will."
    Die Deutsche Bahn steht wegen mangelnder Pünktlichkeit und von vielen als schlecht empfundener Servicequalität in der Kritik. Die zusätzlichen Milliarden braucht der hoch verschuldete Konzern vor allem für die Modernisierung der Züge sowie für den Ausbau und die Sanierung des Schienennetzes. Im Kern geht es darum, den Verkehr stabiler zu machen.
    Gelder aus der Lkw-Maut?
    Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter plädierte dafür, Einnahmen aus der Maut zu nutzen. "Mit der Lkw-Maut und dem Abbau der Dieselsubventionen können Mittel direkt aus dem Verkehrssektor in die Bahn gelenkt werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Politik: FDP will DB unter „Sonder-Finanzverwaltung“ stellen
    04. Februar 2019
    Die Deutsche Bahn soll ihre zusätzlichen Mittel des Staats nicht mehr selbst verwalten dürfen.
    Christian Jung, Verkehrsexperte der FDP, hat vorgeschlagen, den Konzern unter eine „Sonder-Finanzverwaltung“ zu stellen. „Ausgaben sollten dann nur noch nach Gegenzeichnung durch einen Sonderbeauftragten der Bundesregierung, einen Oppositionspolitiker aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags und einen leitenden Beamten des Bundesrechnungshofs möglich sein“, so Jung. (cm)

    www.eurailpress.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor