[DE] Dem ÖPNV fehlen 5 Mrd. Euro

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    Lobbyverband schlägt Alarm: "Uns fehlen fünf Milliarden Euro für den Nahverkehr"
    13.02.19 | 17:57 Uhr
    Tausende Menschen zieht es in große Städte wie Berlin, und am Rand der Metropolen lassen sich immer mehr Pendler nieder. Doch der Nahverkehr steht vor dem Kollaps. Der Bundesverband der Verkehrsbetriebe will daher mehr Geld - und lehnt billigere Tickets ab.
    Allein über den Bahnhof Berlin-Spandau fahren jeden Tag 11.000 Menschen mit Regionalbahnen von Brandenburg nach Berlin - so geht es aus Zahlen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. In nur zehn Jahren stiegen die Zahlen um fast 130 Prozent. Da das Verkehrsangebot nicht im gleichen Maße mitgewachsen ist, werden Fahrten im Regional- aber auch im Stadtverkehr immer mehr zum Stresstest: Kein Sitzplatz in der Tram, Gedränge an der U-Bahn, Busse im Stau.
    Die großen Städte würden dringend einen "Kapazitätsausbau" benötigen, sagt der Präsident des Branchenverbands VDV, Ingo Wortmann. Am Mittwoch forderte er dafür Milliarden von Euro - von Steuerzahlern, Fahrgästen, aber auch von Unternehmen.
    Auch Unternehmen sollen sich an Kosten beteiligen
    Liege ein Betrieb an einer Haltestelle, sei er attraktiver für Mitarbeiter. Davon profitiere die Firma, sagt Wortmann und bringt eine "Dienstgeberabgabe" ins Gespräch. Damit sollten auch die Unternehmen am Ausbau des Nahverkehrs beteiligt werden. Wien habe damit gute Erfahrungen gemacht. Für die Fahrgäste sollen die Preise nur "maßvoll" steigen, kündigte der Verband an.
    Der VDV vertritt vor allem kommunale Unternehmen wie etwa Stadtwerke, die Busse und Bahnen betreiben. Zu den 550 Mitgliedern zählt auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), in dem BVG und Bahn eng zusammenarbeiten.
    Geringere Ticketpreise kommen für Verband nicht in Frage
    Laut VDV sind die Ticketpreise 2018 bundesweit durchschnittlich um 1,4 Prozent gestiegen. Ein Einzelticket kostete im Schnitt 2,65 Euro. In Berlin sind es derzeit 2,80 Euro Sollen nun die Preise wieder sinken, damit mehr Leute ihr Auto stehen lassen? Davon hält die Branche nichts. "Dann würden wir so viele Fahrgäste bekommen, dass wir sie nicht mehr befördern können", warnte Wortmann. "Die Einnahmen sind für uns sehr wichtig, um das Angebot auszubauen."
    Festgelegt werden die Preise aber von Verkehrsverbünden. Dort geben Landräte und Bürgermeister den Ton an, und die gehen mit den Preisen sehr unterschiedlich um. In Berlin und Brandenburg sowie in den Großräumen Stuttgart und München sind die Tarife zuletzt nicht mehr gestiegen. Anderswo mussten die Fahrgäste vom Neujahrstag an wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen.
    Notfalls müsse Steuergeld herhalten - sagt der VDV
    Je Fahrt zahlt der Fahrgast nach Berechnungen des Verbandes im bundesweiten Durchschnitt 1,11 Euro, weitere 82 Cent kommen von der öffentlichen Hand. Lasse sich der Ausbau nicht durch Fahrpreise finanzieren, müsse Steuergeld herhalten, sagte Wortmann. Fünf Milliarden Euro fehlten. Für größere Neubauvorhaben wie U-Bahn-Tunnel fordert der Verband einen Sonderfonds für zehn bis 15 Jahre.
    Nahverkehr wächst seit 21 Jahren
    Im vergangenen Jahr sind die Bundesbürger 10,4 Milliarden mal mit Bussen und Bahnen im Nahverkehr gefahren. Das war ein Zuwachs von 0,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahr und der 21. Rekord in Folge. Gut jeden zweiten Fahrgast zählen die Betriebe inzwischen in den 20 größten Städten. Weil auch der Autoverkehr wächst, kommen Busse und Straßenbahnen laut Wortmann immer langsamer durch. "Die Pünktlichkeit leidet ganz erheblich. Wir müssen aus dem täglichen Stau heraus." Trams bräuchten längere Ampelphasen, Busse mehr eigene Spuren.
    Erst 0,28 Prozent der Busse sind voll elektrisch
    Kaum voran kommen die Unternehmen dabei, mehr Elektrobusse einzusetzen. Für den Ausbau sei der Dieselbus das Mittel der Wahl, denn der sei verfügbar und bezahlbar, sagte Wortmann. Erst rund 100 von 35.000 Bussen seien voll elektrisch unterwegs - dabei ruht auf diesem Antrieb die Hoffnung auf Busfahren ohne Klimagase. Begründung des Verbandes: E-Busse seien zu teuer, das Angebot zu klein und die Lieferzeit zu lang. Die Hersteller müssten nun einen großen Schritt schaffen, sonst mache die Konkurrenz aus China das Geschäft.

    www.rbb24.de
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