Die letzte Bahnstrecke Tirols wird elektrifiziert

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Die letzte Bahnstrecke Tirols wird elektrifiziert

    Die letzte Bahnstrecke Tirols wird elektrifiziert
    Die ÖBB setzen Reutte – Vils unter Strom. Auf bayerischer Seite der Strecke gibt es aber keine Überlegungen, dem Beispiel zu folgen.

    © Arnold Markus. Auch der Bahnhof Vils wird mit Oberleitungsmasten ausgerüstet werden.

    Reutte, Vils – Bis Ende 2019 elektrifiziert die ÖBB-Infrastruktur AG die verbleibenden 14.390 Meter der Außerfernbahn zwischen dem Bahnhof Reutte in Tirol und der Staatsgrenze bei Schönbichl. Nach Abschluss der Arbeiten wird das gesamte Schienennetz der ÖBB in Tirol zu 100 Prozent mit Strom betrieben. Kleiner Schönheitsfehler: Die deutsche Bundesregierung hat keinerlei Pläne, wie DB-Sprecher Franz Lindemair auf TT-Anfrage erklärt, die Anschlussstrecke von der Grenze Vils bis Kempten im Allgäu ebenfalls zu elektrifizieren. Damit muss die Verbindung Reutte-Kempten auf Jahre hinaus weiter mit Dieselloks, so genannten Triebzügen, die den Antrieb unter dem Waggon integriert haben, bedient werden. Im gesamten Allgäu zwischen Bodensee, Augsburg und Füssen steht derzeit kein einziger Meter Bahnstrecke unter Strom. Einzig die Verbindung Lindau-München soll laut Lindemair bald angegangen werden.

    Reutte wird beim Personenverkehr also auch weiterhin der Umsteigebahnhof zwischen Garmisch-Partenkirchen und Kempten, zwischen Strom und Diesel, bleiben. Allerdings kann nach der Modernisierung der Güterverkehr bis Vils und damit zur Zementindustrie Schretter & Cie, elektrisch abgewickelt werden, was laut Lindemair höhere Lasten ermöglichen wird. Sein Tiroler Pressependant, Christoph Gasser-Mair, erklärt dazu, dass die ÖBB mit der Elektrifizierung nun in jedem Fall in Vorleistung treten werden, egal was die Pläne der deutschen Seite seien.

    Bis aber der erste Zug bis Vils elektrisch über die Schienen rollt, müssen noch viele Maßnahmen umgesetzt werden. Bei den Arbeiten kommen auch hydraulische Rammgeräte zum Einsatz. Die ÖBB ersuchen Anrainer und Bahnkunden um Verständnis, dass es hier zu einem Anstieg des Lärmpegels kommen kann. Zudem wird im Bahnhof Vils ein Schaltanlagegerüst zur Energieumspannung errichtet. Sämtliche Arbeiten finden so weit wie möglich bei laufendem Betrieb statt. Um die Arbeiten so effizient wie möglich gestalten zu können, sind jedoch zwei längere Streckensperren mit Schienenersatzverkehr unumgänglich: Der erste Shutdown erfolgt von Sonntag, 16. März, bis 26. April, der zweite tritt von 14. September bis 3. November in Kraft.

    Während der Dauer der Sperren wird ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen den Bahnhöfen Reutte und Pfronten-Steinach (D) eingerichtet. Die ÖBB bitten um Verständnis und ersuchen die Kundinnen und Kunden, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt auf bahn.de, oebb.at, beim ÖBB-Kundenservice unter Tel. 05-1717, in der ÖBB Fahrplanauskunft Scotty, der ÖBB App, unter fahrplan.vvt.at oder der VVT SmartRide-App zu informieren.

    Die DB Regio wickelt den Verkehr auf der Außerfernbahn seit 15 Jahren ab, die ÖBB sind für die Infrastruktur verantwortlich. Das Land Tirol subventioniert diesen arbeitsteiligen Deal. (hm)
  • Draisinenfan schrieb:

    Damit muss die Verbindung Reutte-Kempten auf Jahre hinaus weiter mit Dieselloks ... bedient werden.
    Warum eigentlich?

    Zumindest könnten die Regionalzüge (vielleicht nicht alle) über Reutte hinaus bis nach Vils verlängert werden. Und die Regionalzüge Kempten - Reutte könnten (zumindest teilweise) in Vils für den PV enden, und in Vils Bahnhof könnten sie wenden und zugleich den Zügen aus Garmisch ausweichen.
  • ÖBB-Außerfernbahn: Elektrisch bis Pfronten-Steinach - Bayern fördert die Planung
    02. Mai 2019
    Bayern unterstützt die Elektrifizierung des nur 1,4 km langen Streckenabschnitts der Außerfernbahn zwischen der Grenze zu Österreich und dem DB-Grenzbahnhof Pfronten-Steinach.
    Verkehrsminister Hans Reichhart: „Wir fördern die Planung durch die ÖBB mit 55.000 EUR“. Die Infrastruktursparte der ÖBB, die im Auftrag der DB die Elektrifizierung umsetzt, erstellt die Planungen bis hin zum Baurecht. Ergebnisse sollen 2020 vorliegen, der Betrieb „in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts“ starten, teilte das Landesverkehrsministerium am 01.05.2019 mit. Künftig soll es umsteigefreie Verbindung von München über Garmisch-Partenkirchen nach Pfronten-Steinach geben. Noch 2019 will die ÖBB ihren knapp 15 km langen Abschnitt zwischen Reutte (Tirol) und der Grenze komplett mit Oberleitungen versehen. (as)

    www.eurailpress.de
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Hier ein Bericht aus der TT über die Arbeiten:

    ÖBB montieren 60.000 Meter Leitungen im Außerfern


    Die Elektrifizierung der Außerfernbahn zwischen dem Bahnhof Reutte und der Staatsgrenze bei Vils geht in die Zielgerade. Die 14.400 Meter Bahnstrecke, die unter Strom gesetzt werden, haben hohe Symbolkraft, handelt es sich doch um das letzte nicht elektrifizierte Teilstück des ÖBB-Netzes in ganz Tirol. Aktuell ist der Abschnitt noch bis 4. November für den Zugverkehr gesperrt, ersatzweise verkehren Busse.

    Rund 40 Mitarbeiter von ÖBB und beteiligten Firmen nutzen die Zeit intensiv, um die so genannte Oberleitungskette mit einer Länge von 15.900 Metern zu montieren. Insgesamt werden 60.000 m an Seilen und Drähten an 300 Masten aufgezogen, sind es doch mehrere Leitungen, die auf den Oberleitungsmasten hängen. Dafür sind Motorturmwagen und die FUMA — die Fahrleitungsumbaumaschine — im Einsatz.

    Die größte Herausforderung liegt dabei darin, die Arbeiten im engen Korsett der genau eingetakteten Streckensperre fristgerecht abzuwickeln — derzeit liegt alles im Plan. (TT, fasi)
  • Die Elektrifizierung ist abgeschlossen, laut Tiroler Tageszeitung bzw. deren Informant, den der eine oder andere auch hier kennen dürfte, sind die Fahrzeugeinsätze aber noch verbesserungsfähig....:

    Weiter auch Dieselloks im Einsatz: Strecke unter Strom sagt im Außerfern noch nichts
    Trotz gerade gefeierter Vollelektrifizierung der Außerfernbahn bis Vils ziehen weiter Dieselloks die Waggons der Zementindustrie durch den Bezirk Reutte. Die ÖBB verweisen auf das neue Jahr.
    Von Helmut Mittermayr
    Reutte, Innsbruck – Am Reuttener Bahnhof wurde am 11. Dezember ein große Feier abgehalten. An einer Balus­trade zu den Gleisen hin wurde extra ein alter Stromschalter angebracht, damit ÖBB und Politik diesen unter großem Applaus symbolisch umlegen und damit die letzten Kilometer bis zur Staatsgrenze Vils unter „grünen“ Strom setzen konnten.

    Unter die Gäste, die mit dem Lückenschluss Reutte/Vils zugleich die 100-prozentige Elektrifizierung aller ÖBB-Strecken Tirols feierten, hatte sich auch ein Mann aus Biberwier gemischt. Markus Inderst, Zugfreak und Fachjournalist mehrerer Eisenbahnmagazine, stellte sich, kaum waren die Häppchen verdaut, an die Gleise der Außerfernbahn. Und stellte fest: Die Güterzüge, die die schwere Last der Zementindustrie aus Vils ins Landesinnere zogen, stießen weiterhin ihren Dreck in die Luft aus. Denn Dieselloks waren vorgespannt, und nicht wie angekündigt nur noch Elektroloks. Wo war jetzt der „Meilenstein“ in der CO²-Vermeidung, fragte sich Inderst, der seither fast täglich der Strecke einen Besuch abstattet und dauernd Dieselloks fotografiert.

    „Dass der Personenverkehr bis zur Fertigstellung der letzten 1,5 km zur Grenze weiterhin mit Dieseltriebwägen betrieben wird, war allen klar. Die Elektrifizierung für elf Mio. Euro wurde aber extra für den Güterverkehr errichtet und in den aktuellen Umlaufplänen findet sich auch die komplette elektrische Traktion des Güterzuges im Außerfern“, sagt Inderst. In Wahrheit führen aber weiter ÖBB-Diesellokomotiven. Zudem könne ein Bahnhofsverschub in Reutte ohne Diesellok gar nicht effizient funktionieren, weil mehrere Ladegleise nicht mit Fahrdraht überspannt seien.

    ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair kann die Aufregung Indersts nicht verstehen. Mit Jahreswechsel werde umgestellt. Also zumindest dann, wenn die ersten Güterzüge aus Vils im neuen Jahr unterwegs seien. Und großartige Güterverschübe im Bahnhof Reutte gebe es derzeit nicht.