[NÖN] Bezirk Melk: Ärger über laute Güterzüge auf der Westbahn-Bestandsstrecke

  • [NÖN] Bezirk Melk: Ärger über laute Güterzüge auf der Westbahn-Bestandsstrecke

    Exklusiv: Gemeinsam gegen den Bahn-Lärm im Bezirk Melk

    Fünf Gemeinden sagen vereint Güterzugverkehr den Kampf an. Altbaustrecke soll weniger befahren werden.


    Von Markus Glück. Erstellt am 09. April 2019 (06:33) Es ist ein immer wiederkehrendes Thema: Seit Jahren plagen lärmende Güterzüge die Bevölkerung entlang der Westbahnstrecke. Vor allem die Melker Grünen brachten die Thematik in den letzten Jahren immer wieder aufs Tapet. Grünen-Stadtrat Emmerich Weiderbauer stört dabei besonders, dass immer wieder Güterzüge von der Hochleistungsstrecke auf die alte Bestandsstrecke durch die Stadt ausweichen. Zudem gibt es den Wunsch nach lärmärmeren Güterzügen.
    Bereits vergangenen Herbst gab es auf Initiative von Loosdorfs SP-Bürgermeister Thomas Vasku, Melks VP-Bürgermeister Patrick Strobl und den Grünen einen runden Tisch mit allen Bürgermeistern entlang der Westbahnstrecke. Ziel dieses „Round Tables“: ein gemeinsames Vorgehen, um Verbesserungen für die Bürger zu erreichen.
    Vergangene Woche fand abermals eine Besprechung mit den Bürgermeistern aus Loosdorf, Melk, Pöchlarn, Krummnußbaum und Ybbs statt. Gegenüber der NÖN sickerten bereits die Details durch. So planen die die Bürgermeister kommenden Mittwoch eine Resolution zu übergeben, die drei Kernpunkte enthält: die Reduzierung der Frequenz auf der alten Strecke, schalltechnische Verbesserung (etwa Lärmschutzwände) und den Umstieg auf leisere Güterzüge. Die Resolution soll in den jeweiligen Gemeinderäten beschlossen werden.
    Wildkamera-Aufnahme: Sechs Züge pro Stunde
    In Melk steht sie bereits auf der Tagesordnung der kommenden Gemeinderatssitzung. Strobl bestätigt daher auch, dass es eine Resolution geben wird, hält sich über die Inhalte, wie auch alle anderen beteiligten Bürgermeister, bedeckt: „Wir haben vereinbart, dass wir die Details gemeinsam präsentieren.“
    Erfreut über den Vorstoß der gemeinsamen Resolution zeigt sich Weiderbauer: „Ich habe immer gesagt, alleine macht es keinen Sinn, es sollen sich alle Betroffenen der Sache annehmen.“ Der Grünen-Stadtrat führte zuletzt selbst mittels Wildkamera eine Zählung durch: In zwei Tagen löste die Kamera 160 bzw. 135 Bewegungen aus. „Das sind mindestens sechs Züge pro Stunde“, wundert sich Weiderbauer und er appelliert an die ÖBB, sich endlich etwas einfallen zu lassen: „Diese Lärmbelästigung ist nicht zumutbar. Warum nutzt man nicht die neue Strecke?“
    Hauptinitiator Vasku betont abermals die Wichtigkeit des Themas: „Ich hab diese Problematik bereits vor langer Zeit mit Ex-Stadtchef Thomas Widrich und Weiderbauer besprochen.“ Der Loosdorfer Ortschef hofft, dass endlich Bewegung in die Sache kommt: „Die Alleingänge haben bisher nichts gebracht. Jetzt wollen wir gemeinsam Stärke zeigen.“ Zielführend für ihn wäre eine „beschränkte Nutzung der Altbaustrecke“ und die Investition in weitere Lärmschutzmaßnahmen.
    Froh, dass es ein gemeinsames Vorgehen gibt, ist auch der Ybbser SP-Bürgermeister Alois Schroll: „Es ist total wichtig, dass wir das Thema gemeinsam anpacken. Miteinander schaffen wir mehr.“
    Bei den ÖBB betont Pressesprecher Christopher Seif die Bemühungen, so viele Güterzüge wie möglich auf der Neubaustrecke zu führen. Im Jahr 2018 fuhren dort pro Werktag 155 Personen- und 43 Güterzüge. Auf der Altbahnstrecke waren es im Schnitt 37 Eil- und Regionalzüge sowie 108 Güterzüge. Die von den Gemeinden in der Resolution angesprochenen Punkte weist Seif aber entschieden zurück: „Mehr schnelle Personenzüge auf der Neubaustrecke bedeuten weniger Raum für langsamere Güterzüge. Daher müssen diese über die alte Strecke geführt werden.“ Die ÖBB verspricht aber ab Juni Verbesserungen in Melk. Ab diesem Zeitpunkt werden zehn Güterzüge auf die Neubaustrecke umgelegt, womit sich die Anzahl der Güterzüge auf 25 reduziert. „Durch diese Maßnahme sind ein Drittel weniger Güterzüge in den Nachtstunden durch Melk unterwegs“, sieht Seif eine deutliche Entlastung für die Anrainer.
    In der Bezirkshauptstadt regen derzeit aber auch die Anfang April gestarteten Sanierungsarbeiten zwischen Melk und Pöchlarn auf. Bereits mehrmals versuchte Weiderbauer Infos zu den Arbeiten, auch über die Servicenummer, zu erhalten. Erst nach mehreren Tagen gab es die Antwort, dass Schleifarbeiten zwischen Winden und Pöchlarn durchgeführt werden. Stimmt allerdings nicht, wie Weiderbauer anmerkt: „Noch am gleichen Tag, wo ich die Information erhalten habe, fuhr eine Schleifmaschine von Pöchlarn kommend nach Melk und schliff beide

    Gleise.“

    NÖN
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    In der Bezirkshauptstadt regen derzeit aber auch die Anfang April gestarteten Sanierungsarbeiten zwischen Melk und Pöchlarn auf.
    Warum? Darf das die ÖBB jetzt auch nicht mehr?

    dr. bahnsinn schrieb:

    Der Grünen-Stadtrat führte zuletzt selbst mittels Wildkamera eine Zählung durch: In zwei Tagen löste die Kamera 160 bzw. 135 Bewegungen aus.
    Ja darf er denn das? Die ÖBB Infra wird im kaum dazu die Erlaubnis erteilt haben (bzw überhaupt erteilen können).
  • Resolution: Streit um Güterzuglärm in Pöchlarn

    Während Melk Resolution gegen Güterzuglärm einstimmig beschloss, waren FPÖ, SPÖ und INPÖ in Pöchlarn dagegen. Mandatare, die bei ÖBB arbeiten, erklären ihre Sicht.


    Von Denise Schweiger. Erstellt am 08. Mai 2019 (06:31) Um den Lärm durch Güterzüge auf der Westbahnbestandsstrecke zu stoppen, erarbeiteten die Gemeinden Melk, Loosdorf, Schollach, Pöchlarn, Golling, Krummnußbaum, Ybbs und Blindenmarkt eine Resolution. In Melk fiel der Beschluss dafür einstimmig aus (die NÖN berichtete). In Pöchlarn ging die Resolution auch durch – allerdings nur mehrheitlich, mit den Stimmen von ÖVP und der Grünen-Mandatarin. FPÖ, SPÖ und INPÖ (Initiative Pöchlarn) waren gegen die Resolution.
    „Da bei uns alle Gleise nebeneinander verlaufen, gibt es die Lärmproblematik nicht. Aber wir sollten unsere Nachbargemeinden unterstützen“, findet VP-Bürgermeister Franz Heisler. Auch Beschwerden aufgrund von Lärm gibt es laut dem Bürgermeister nicht.
    Solidarität mit der Region – oder Solidarität mit dem Arbeitgeber? Sowohl bei der FPÖ als auch der SPÖ gibt es Mandatare, die bei den ÖBB arbeiten. Einer davon ist FP-Stadtrat Gerald Albrecht. Als Lokführer kennt er auch die andere Seite der Diskussion um die lärmenden Züge. „Wir werden laufend geschult, um Lärm und Energie zu sparen. Vonseiten der ÖBB gibt es großes Bemühen“, argumentiert Albrecht.
    Außerdem ist dem Freiheitlichen eine volle Eisenbahn lieber als eine volle Autobahn: „Wenn alles auf Schiene soll, ist es logisch, dass mehr Züge fahren. Dass das für die Anrainer nicht immer lustig ist, verstehe ich aber schon.“ In dieselbe Kerbe schlägt Eisenbahner-Kollege und SP-Stadtrat Johann Gruber. „Soll der Gütertransport denn wieder mit Lkw befördert werden? Für Pöchlarn selbst stellt die Bahn keine Lärmbelästigung dar, deshalb stimmten wir dagegen.“ Auch INPÖ-Mandatar Günter Rank war früher bei den ÖBB beschäftigt. „Ich glaube, gegen die alte Trasse kann man nichts unternehmen, da ja die neue Strecke jetzt schon überlastet ist.“

    NÖN
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Kaum hat man in Marbach die Donauuferbahn am linken Donauufer erfolgreich entsorgt, macht man nun auch gegen die Westbahn-Bestandsstrecke am rechten Donauufer mobil. Nachzulesen hier:

    Campingplatz in Marbach: Güterzug-Lärm vertreibt Touristen

    Stark zurückgehende Nächtigungen und immer wieder Beschwerden über den Güterzüge-Lärm: Wunsch nach Resolutionsbeteiligung auch auf der anderen Seite der Donau.


    Von Zaklina Jukic. Erstellt am 07. Juni 2019 (04:00)
    Während die Camping-Branche immer mehr boomt, leidet Gerhard Engelunter enormem Touristen-Verlust. Foto: Jukic

    Campen direkt an der Donau: Ruhe und Entspannung pur – glaubt man zumindest. Die Realität in Marbach sind aber teilweise stündlich vorbeifahrende Güterzüge und der damit verbundene Lärmpegel.
    Bereits fünf Gemeinden haben sich der Resolution im Kampf gegen den Güterzugverkehr verbündet (Loosdorf, Melk, Pöchlarn, Krummnußbaum, Ybbs). Campingplatz- und Wirtshausbetreiber Gerhard Engel aus Marbach meldet sich daraufhin zu Wort: „Wir auf der anderen Seite sind auch vom Lärm betroffen. Wenn nicht sogar mehr.“ Den Grund dafür sieht er darin, dass durch die Donau keine Barriere gegeben ist. „Ich fahre oft mit dem Rad die Strecke zwischen Melk und Ybbs entlang. Das ist dort einfach ein anderer Lärm, viel dumpfer“, erklärt Engel.
    Regionalzüge sind bei Weitem nicht so laut. „So lange man den Güterzug sieht, hört man ihn auch“, erläutert Engel die Problematik. Besonders in der Anzahl der Nächtigungen spürt der Campingplatz-Betreiber die Folgen. Während es im Jahr 2012 rund 7.000 Nächtigungen gab, zählt er vergangenes Jahr lediglich knappe 3.500. Oftmals ist es so, dass Camper nach nur einer Nacht weiterfahren wollen, weil sie der Lärm vertreibt.
    „Mir ist bewusst, dass es nicht ausschließlich daran liegt, dennoch sind die Beschwerden über den Lärm enorm“, bedauert Engel und wünscht sich dringend Verbesserung. SP-Bürgermeister Anton Gruber kannte die Problematik bis dato nicht. „Wir werden das Thema natürlich im Gemeinderat diskutieren. Warum sollten wir uns der Resolution nicht anschließen, wenn das gewünscht ist“, erklärt Gruber.

    NÖN



    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Wer die Gegend rund um den Faaker See kennt, weiß ob der Güterzüge gen Slowenien Bescheid. Dürfte den Leuten dort aber weit weniger Dorn im Auge sein.
    Muss also auch bissl mit der Region zu tun haben.

    Aber man kann den Leuten dort ja eine schöne Lärmschutzwand als Blickfang und optischen Aufputz installieren =) Der Campingplatzbetreiber wird sicher mitzahlen :D :D :D
  • naja, am Ossiacher See und am Wörtersee herrscht was Güterzüge anbelangt, Florianimentalität.

    Soll heissen, die Wörtherseegemeinden sind der Meinung, dass die Güterzüge von St. Veit über Feldkirchen nach Villach fahren sollen, die Ossiacherseegemeinden sind der Meinung, dass sie über Klagenfurt fahren sollen...
  • grubenhunt schrieb:

    naja, am Ossiacher See und am Wörtersee herrscht was Güterzüge anbelangt, Florianimentalität.
    Soll heissen, die Wörtherseegemeinden sind der Meinung, dass die Güterzüge von St. Veit über Feldkirchen nach Villach fahren sollen, die Ossiacherseegemeinden sind der Meinung, dass sie über Klagenfurt fahren sollen...

    Da hilft nur mehr eins: Tunnel zwischen St. Veit und Villach! Siehe Google Earth-Ausschnitt: :D
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Warum kämpfen immer gleich alle gegen Güterzüge und nicht einfach nur gegen Güterzuglärm (also für Lärmschutzwände)? Da hab ich mal von einem Konzept gehört, bei dem die Wände nur ca. einen halben Meter hoch sind, aber näher an den Zug rangehen, also das Geräusch direkt am Entstehungsort abschirmen. Scheint aber noch keine Verbreitung zu haben...
  • Krummnußbaum zieht sich aus Güterzugs-Resolution zurück

    Krummnußbaum entschied sich, Resolution gegen Güterzüge doch nicht zu unterstützen.

    Von Denise Schweiger. Erstellt am 12. Juni 2019 (05:13)

    Die Gemeinden entlang der Westbahn haben die lärmenden Güterzüge, die über die „alte“ Trasse donnern, endgültig satt. Da Gespräche mit den ÖBB bislang nicht den gewünschten Effekt mit sich brachten, entschlossen sich die Bürgermeister von Loosdorf, Melk, Pöchlarn, Krummnußbaum und Ybbs dazu, eine Resolution ins Leben zu rufen.
    Zumindest war das bis dato der Stand der Dinge. Der Krummnußbaumer Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, die Resolution doch nicht zu unterstützen. „Wir sind nicht dagegen“, möchte VP-Bürgermeister Bernhard Kerndler betonen, „aber wir fürchten um unsere Haltestelle.“ Der Lärm sei zwar sehr wohl ein Thema in der Gemeinde, doch der langwierige Kampf um den Erhalt ihres Bahnhofs auf der „alten“ Westbahnstrecke stecke noch zu sehr in den Knochen.
    Kurzum: Die Krummnußbaumer rechnen mit Konsequenzen seitens der ÖBB, wenn sie die Resolution unterzeichnen. Ein Gemeinderatsbeschluss gegen die lärmgeplagten Bürger sei das aber laut Kerndler nicht: „Die Haltestelle ist wichtig für uns. Wir sind gebrannte Kinder.“
    Verständnis hält sich in Grenzen
    Dass man mit Krummnußbaum nun einen Ausreißer im Kampf gegen die veralteten Güterzug-Garnituren hat, kann von den weiteren Bürgermeistern nur Melks VP-Oberhaupt Patrick Strobl nachvollziehen. „Wenn es Bedenken bezüglich ihrer Haltestelle gibt, ist das ein legitimer Grund.“
    Mit Kritik sparen hingegen die beiden Mit-Initiatoren nicht. Loosdorfs SP-Bürgermeister Thomas Vasku: „Eigentlich hätten sie sich bei allen Treffen dafür ausgesprochen. Wenn sie aber nun gegen die Resolution sind, sind sie eben dagegen. Wir kämpfen weiter, ich stehe zu meinem Wort.“ Auch Melks Grünen-Stadtrat Emmerich Weiderbauer wusste nichts vom Ausstieg Krummnußbaums. „Das überrascht mich. Der Sinn hinter der Resolution war, gemeinsam aufzutreten. Ob ihre Bedenken gerechtfertigt sind, kann ich nicht sagen.“
    ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif allerdings schon. Und er dementiert mögliche Konsequenzen: „Die Befürchtungen sind unbegründet, da das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Ob eine Haltestelle bestehen bleibt oder nicht, hängt einzig von ihrer Sinnhaftigkeit, sprich der Frequenz, ab.“
    Bis auf Golling hatten nun alle Westbahn-Gemeinden die Resolution auf der Tagesordnung. Unterstützung dafür gibt es also bislang von Schollach, Loosdorf, Melk, Pöchlarn und Ybbs. „Ende Juni unterschreiben wir die Resolution und suchen das Gespräch mit dem zuständigen Landesrat Schleritzko und der Landeshauptfrau“, erläutert Vasku den weiteren Verlauf.
    Zitiert: „Das kommt jetzt überraschend.“
    „Es überrascht mich, dass Krummnußbaum nun die Resolution nicht unterstützt. Ursprünglich war ausgemacht, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und auch so auftreten.“
    Alois Schroll, SP-Bürgermeister aus Ybbs
    „Ich sehe das locker. Wenn es Bedenken in Krummnußbaum bezüglich ihrer Haltestelle gibt, ist das nachvollziehbar und auch zu akzeptieren.“
    Patrick Strobl, Melks VP-Ortschef
    „Wir in Pöchlarn sind nicht unmittelbar betroffen, aber unterstützen aus Solidarität unsere Nachbargemeinden. Jede Gemeinde ist autonom, auch wenn das jetzt überraschend kommt.“
    Franz Heisler, VP-Bürgermeister von Pöchlarn

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