[Hamburg] Ärger über Verspätungen bei der S-Bahn

  • [Hamburg] Ärger über Verspätungen bei der S-Bahn

    Stand: 06.06.2019, 19:21 Uhr
    S-Bahn-Ärger: Westhagemann fordert Bahn-Zusagen

    Nach mehreren S-Bahnausfällen und vielen Verspätungen in der letzten Zeit hat Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Donnerstag verbindliche Zusagen von den Vorständen der verantwortlichen Bahn-Tochterunternehmen zur Verbesserung gefordert. Vor allem die Stellwerke müssten dringend saniert werden.


    Runder Tisch mit der Bahn
    Die Deutsche Bahn solle ihre S-Bahn-Anlagen in der Metropolregion Hamburg vorrangig für einen reibungsloseren Fahrgasttransport sanieren. Hierzu soll es noch in diesem Monat einen Runden Tisch mit Vertretern des Berliner Bahn-Vorstandes, der Hamburger S-Bahn und der Behörde geben, kündigte Westhagemann an.
    "Einige bleiben schon ganz zu Hause"
    Die aktuellen Zustände seien laut Westhagemann für Fahrgäste sehr bedauernswert. Viele würden bereits zeitlich einplanen, dass die S-Bahn nicht ganz pünktlich komme. "Einige bleiben schon ganz zu Hause und machen Homeoffice." Nach Stellwerksproblemen bei der S-Bahn im Süden, einem Eindringling in den S-Bahntunnel Reeperbahn sowie einer U-Bahn-Teilsperrung war es im Öffentlichen Nahverkehr am Dienstag zu langen Wartezeiten, erheblichen Verspätungen und infolgedessen zu teils hämischen Kommentaren in sozialen Medien gekommen.

    Helfen mehr Gitter und Zäune?
    "Wir haben 2019 bisher einen schlechten Lauf", räumte Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke ein. Statt einer vereinbarten Pünktlichkeit von 94 Prozent liege die S-Bahn derzeit bei rund 92 Prozent. Er erklärte die Verspätungen damit, dass Menschen häufig auf den Gleisen laufen und so den Betrieb aufhalten würden. Mehr Gitter und Zäune an Gleisen und Bahnsteigen vor allem in Richtung Harburg und Bergedorf sollen das ändern. Tunnelzugänge sollen mit Türen dicht gemacht werden.
    Empfindliche Türen
    Ein weiteres Problem seien Fahrgäste, die Türen blockieren. Bei den neuen S-Bahnen-Zügen kann so das System abstürzen, was zu Verspätungen führt. Die S-Bahn will deswegen mit Aufklebern mehr über die empfindlichen Türen informieren, damit Fahrgäste darauf besser Rücksicht nehmen können. Darüber hinaus sollen Fahrgäste ab nächstem Jahr an allen 68 Hamburger S-Bahn-Stationen auf neuen Anzeigetafeln auf den Bahnsteigen besser informiert werden. Arnecke will außerdem dafür sorgen, dass die Leitstelle Durchsagen direkt in die S-Bahnen senden kann - wie es bislang nur in den U-Bahnen möglich ist.
    Stellwerke teilweise fast 100 Jahre alt
    Länger wird es dagegen dauern, die Stellwerke zu erneuern. "Die Relais-Technik aus den 70er-Jahren ist sehr anfällig, zum Teil gibt es keine Ersatzteile mehr", berichtete der S-Bahn-Chef. Nach einer digitalisierten Stellwerksanlage für Bergedorf, ein deutschlandweites Vorzeigeprojekt, soll auch die Harburger Anlage umgerüstet werden. Von den 17 S-Bahn-Stellwerken sind vier aus den 1920/30er Jahren.
    Von Oppositionsparteien in der Bürgerschaft wurde Westhagemann aufgefordert, es nicht bei Lippenbekenntnissen zu belassen. Die Stadt, die die S-Bahn jährlich mit 96 Millionen Euro unterstützt, kann Geld zurückverlangen, wenn der vorgegebene Zielwert am Jahresende nicht erreicht wird.

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  • Untenstehender Kommentar würde genauso gut zur Wiener S-Bahn-Stammstrecke passen:

    Stand: 08.06.2019 08:40 Uhr

    Kommentar: "Ein Traum von einer S-Bahn"
    von Reinhard Postelt

    Für den Hamburger Nahverkehr war es eine rabenschwarze Woche. Wieder mal. Bei der S-Bahn gab es jeden Tag technische Störungen und haufenweise Verspätungen. Verkehrssenator Michael Westhagemann platzt nun der Kragen. Er droht mit einer Millionenstrafe. Reinhard Postelt über den Zustand der Hamburger S-Bahn.
    Mit Hamburgs S-Bahn zu fahren, ist das reinste Vergnügen. Zuverlässig rollt man in modernen Wagons vorbei am Straßenstau. Moment! Sie haben andere Erfahrungen gesammelt? OK. Aber man darf doch mal träumen! Davon, was uns die S-Bahn Hamburg seit Jahren verspricht. Doch auch meine Wirklichkeit als S-Bahn-Vielfahrer sieht von Monat zu Monat grauer aus: Allein diese Woche hörte ich ein dutzend Mal die Bahnsteig-Durchsage: "Liebe Fahrgäste. Aufgrund einer Stellwerks-Störung verkehren die S-Bahnen auf diesem Streckenabschnitt derzeit unregelmäßig. Wir bitten für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung."
    Regelmäßig verliert man schon morgens auf dem Weg zur Arbeit 20 Minuten. Auf Bahnsteigen wie in Wilhelmsburg versuchen sich Menschentrauben in schon volle Züge zu pressen, wenn wieder einmal S-Bahnen ausfallen.
    Signaltechnik fürs Museum
    Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke begründet das gerne mit: "Menschen im Gleisbett" oder "Rettungswagen-Einsätzen". Die Statistik sagt etwas anderes: Es sind überwiegend hausgemachte Probleme. Mal ist es eine Stellwerksstörung, dann eine Weichenstörung oder eine Türstörung. Die Deutsche Bahn müsste ihre Signaltechnik ins Museum stellen. Einige Stellwerke sind 100 Jahre alt. In einem, so flüstern Bahninsider, hat die Bahn angeblich einen Mitarbeiter auf einen Stuhl vors Schaltpult gesetzt, der schnell aufspringt, wenn wieder mal eine Sicherung herausspringt: S-Bahn 4.0!
    Schaden für den Senat
    Zudem sind die Züge der neuen Baureihe 490 Fehlkonstruktionen. Blockiert ein Fahrgast die Tür, muss der Zugführer den Bordcomputer einmal runter- und wieder rauffahren. Das dauert. Viele Fahrgäste atmen jetzt auf, dass Verkehrssenator Michael Westhagemann öffentlichkeitswirksam auf die Pauke haut und der S-Bahn mit einer Millionenstrafe droht. Er spürt, dass er und sein Senat politischen Schaden an der S-Bahn nehmen. Immerhin ist in acht Monaten Bürgerschaftswahl. Doch machen wir uns nichts vor. Schon Westhagemanns Vorgänger hat die S-Bahn ins Gebet genommen. Die Probleme lassen sich nicht über Nacht lösen. Zuständig ist die Bahn-Tochter "DB Netz AG" in Berlin. Und die Achillesferse bleibt der Hamburger Hauptbahnhof. Jede S-Bahn muss da durch. Verspätet sich irgendwo ein Zug, stauen sich gleich ein Dutzend andere.
    Fahrgeld-Rückerstattung als Rache
    Als Fahrgäste können wir nur eines tun: Endlich bei Verspätungen über 20 Minuten im Internet die HVV-Fahrpreis-Rückerstattung anklicken - und uns 50 Prozent des Fahrgelds zurückholen. Ich habe es diese Woche erstmals getan und setze es solange fort, bis mein Traum vom stets zuverlässigen S-Bahnfahren Wirklichkeit wird.

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