[Addendum] Österreichs Bahntunnel - hinter den Kulissen der Milliarden-Projekte

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  • [Addendum] Österreichs Bahntunnel - hinter den Kulissen der Milliarden-Projekte



    Addendum hat sich mit den großen Bahntunnelprojekten in Österreich befasst und dabei viele kritische Stimmen (meist die üblichen Verdächtigen wie Knoflacher oder Fally, aber auch paar Leute, von denen ich vorher noch nichts hörte).

    Auch Oskar Herics ist zu Wort gekommen, kurioserweise stellte man ihn exakt gleich vor wie in einem

    Artikel des Magazins "trend"

    Zufall?

    Dabei kommen die Projekte naturgemäß nicht gut weg.

    Fally scheint noch immer nicht verstanden zu haben, dass er verloren hat. Knoflacher fabuliert von flacheren Routen (die auch nicht konkret benannt wurden, aber da ich schon vorher Artikel über ihn las, bin ich mir sicher, dass er die ach so geniale Route über Ungarn - wo auch immer - meint).

    Anderswo will man jetzt - wo die Projekte schon im Bah sind - erneut Kosten-Nutzen-Analysen sehen...

    ...Irgendein Anwalt behauptet einfach so, man könnte den wachsenden Güterverkehr auf der alten Semmering-Bergstrecke bewältigen, und es hätte keinen großen volkswirtschaftlichen Nutzen.

    Ich habe das Gefühl, dass der Anwalt den Semmering bisweilen entweder nur überflogen hat oder mit dem Auto auf der Autobahn fuhr.

    Schaut's euch an, ich hätte fast gelacht, wenn's nicht so traurig wäre.
  • Die Kritik am BBT steht so schon länger im Raum und ist nichts Neues. Die Schweizer sind zwar schon weiter als wir und der Bahn-Transit zieht vielleicht in diese Richtung. Es führen aber beide Strecken nach Mailand und dort sind meines Wissens die Kapazitäten schon recht eng. Da ist eine Umgehung - und eine kürzere Strecke - vermutlich durchaus attraktiv. Dass es zur gewünschten Verlagerung nicht kommen wird, solange der LKW so billig bleibt, ist uns allen vermutlich auch kein Geheimnis. Dass es keine Zulaufstrecken gibt, kann man - den politischen Willen vorausgesetzt - im Norden damit umgehen, dass man die LKW einfach auf die Schiene zwingt (RoLa).

    Der Anwalt ist:

    https://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4801268/Semmering_Fehlentscheidung-des-BVwG schrieb:

    So brachte zum Beispiel Rechtsanwalt Andreas Manak, der die Umweltorganisation Alliance For Nature (AFN) betreffend Semmering-Basistunnel vertritt, ...
    Und gerade beim SBT widerspreche ich. Die bestehende Semmeringbahn ist sowhol für Infrastruktur, als auch für die Fahrzeuge eine massive Belastung, da ist ein Tunnel gerechtfertigt.


    J-C schrieb:

    Knoflacher fabuliert von flacheren Routen (die auch nicht konkret benannt wurden, aber da ich schon vorher Artikel über ihn las, bin ich mir sicher, dass er die ach so geniale Route über Ungarn - wo auch immer - meint).
    Er zeigt mit der Hand meiner Meinung nach die Ungarn-Route. Dafür hätte es aber auch den Koralm, oder vergleichbare Projekte südlicher, und eine recht langen Neubaustrecke in Ungarn bedurft. Unterm Strich vermutlich nicht viel um, außer dass eine Flachlandstrecke billiger zu erhalten ist. Eigentlich sollte Österreich glücklich sein, dass sich die EU am Koralm beteiligt und der SBT ist für mich (Verschleiß & Fahrzeit) sowieso unumgänglich.
  • grubenhunt schrieb:

    Und ich muss mich einmal mehr wiederholen, was die Topografie von Westungarn anbelangt: da fährst quer zu den Tälern und brauchst unzählige Tunnel und Brücken.
    Wo? Wenn man sich an der Raab orientiert, geht es sehr flach dahin. Wenn man weiter südlich nach Ungarn kommt, dann muss vielleicht über die Hügel südlich der Raab, aber das sollte mit einem Tunnel deutlich über 10 km zu machen sein.

    Gab es dazu eigentlich mal eine grobe Trasse?
  • KFNB X schrieb:

    Gab es dazu eigentlich mal eine grobe Trasse?
    Ich war in den 1990ern am Rande beruflich mit Themen der burgenländischen Landesplanung konfrontiert und da war die Burgenlandtrasse sehr wohl Diskussionsstoff, wiewohl es jedoch keine wirklichen Trassenvorschläge gab. Aber es war klar, dass die Trasse so verlaufen müsste, wie sie der grubenhunt oben beschrieb, nämlich Querung zahlreicher in Nordwest-Südost verlaufender Höhenrücken und Muldentäler. Ich war damals strikt dagegen und konnte mich daher sehr wohl mit der Knoflacher-Idee, über Ungarn auszuweichen, anfreunden.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • Ich war damals als Fahrgast-Graz-Aktivist in die Diskussionen um die Kukuruzbahn involviert.

    Die kürzeste Variante einer Solchen : die von Dr. Bahnsinn erw£ahnte Burgenlandbahn + Diretissima Friedberg - Weiz - Graz, Eine wahre Tunnel- und Brückenorgie.

    Die nächtse Vairiante : über Ungarn in relativer Nähe zur Staatsgrenze : dann muus man aber immer noch von Sopron nach Szombathely und nach Szentgotthard durch zwei Hügelketten durch. Und die Strecke ist schon Einiges länger.

    Will man das Raabtal nutzen, muss man sowieso über Györ, ein Riesenumweg.

    Und ohne Koralmbahn geht da sowieso nix (und die mag der Knoflacher ja auch nicht).
  • Der Semmering-Basistunnel erfüllt meiner Meinung nach seine Zwecke am besten. Orte wie Mürzzuschlag oder Bruck profitieren davon sehr stark, außerdem hat es den schönen Vorteil, dass auch die Altstrecke zwischen Bruck und Klagenfurt davon profitiert und leichter nutzbar wird. Heißt, eine Paralleltrasse, die dafür sorgt, dass die Neubautrasse am Ende genug Luft hat, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, bleibt dann auch gleich drin. Die beiden Projekte an der Südstecke sind, wie ich finde, ein schönes Beispiel für ganzheitliche Projekte, wo eben auch die Region direkt davon profitiert. Das ist genau das, wieso man Österreichs Verkehrspolitik in der Hinsicht als vorbildlich bezeichnen könnte. Die vermeintliche Unwirtschaftlichkeit, die man vom Planungsbüro Vieregg-Rössler haben dürfte, welches wiederum dafür bekannt ist, Gutachten im Auftrag von Bürgerinitiativen gegen Bahnprojekte zu erstellen, kann auch daher rühren, dass wer ein Argument gegen das Projekt braucht, entsprechend es berechnen wird. Gutachten sind am Ende auch nur ein Stück Papier und kein definitives Faktum.
  • Ein unterirdischer Bahnhof Mürzzuschlag... glaubst du wirklich, das wäre Realität geworden?

    Und eine Nicht-Einbindung von Mürzzuschlag hätte ich kritisch gefunden. Schließlich rückt dank des SBT auch die Gegend um Mürzzuschlag nun näher an Wien bzw. Wiener Neustadt. Ich schätze, dass dies durchaus einen guten Impuls für die Region geben wird. Denn solche Projekte sollen schließlich auch die Erschließung der Regionen fördern.
  • Für Mürzzuschlag ist es sicherlich ein deutlicher Aufschwung. Aber rechtfertigen ca 7000 EW, dass man aus 20 km Luftlinie über 27km Tunnelstrecke macht? (Ich kenne keine andere Neubaustrecke die im Tunnel einen derartigen Umweg macht) Die Zeiten als Mürzzuschlag ein wichtiger Bahnhof war, sind spätestens mit dem SBT Geschichte. Ob es eine unterirdische Station gegeben hätte, ist natürlich fraglich.

    Mit guten Anschlüssen hätte Krieglach auch gereicht.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von KFNB X ()

  • Es geht ja nicht alleine um Mürzzuschlag, sondern auch um deren Umgebung. Da gibt es nicht wenige Orte, die heutzutage an den Fernverkehrsknoten Mürzzuschlag angebunden sind, welche davon profitieren. Außerdem, in Luftlinie könnte man den Tunnel ohnehin nicht bauen. Auch im Untergrund kann man nicht beliebig trassieren, was an geologischen Zwangspunkten liegt. Ich bezweifel, dass durch die Anbindung an Mürzzuschlag man allzu viel länger bauen muss. Sicher haben da politische Interventionen mitgespielt, aber in Österreich scheint's irgendwie so zu sein, dass solche politische Interventionen aus dem Projekt an sich sogar was noch großartigeres machen, weil man die Potenziale eben noch besser nutzt.

    So kann man wunderbar den Taktknoten Mürzzuschlag stärken - womöglich führt das auch zu einem attraktiveren Busverkehr?
  • hab jetzt die öffentlich Unterlagen zum SBT überflogen:

    Für die meisten umliegenden Gemeinden ist es vermutlich egal, ob man von Mürzzuschlag oder 10 km weiter "bedient" wird. Was wohl schon ein Problem ist, dass sich ein Taktknoten weiter südlich nicht ausgehen soll. Was für mich etwas im Widerspruch dazu steht, dass die Fahrzeit bei anderen Varianten kürzer ist. Vermutlich wäre man zu schnell und müsste z.B. von Langenwang nach Bruck schleichen. Aber Fahrzeitreserven haben noch nie geschadet.

    Ein unterirdischer Bahnhof Mürzzuschlag unter dem bestehenden wurde nur in einer Variante angedacht und war zu aufwändig. Alternative Standorte wurden wohl nicht geprüft.

    Jene Preiner Gscheid Varianten die weiter südlich aus dem Berg kommen, sind zwar auch 27 bis 30 km lang, aber münden bis zu 7 km später in die Bestandsstrecke. Bieten aber gleichzeitig den Vorteil, dass man statt 8,4 %o bei der längsten Variante (30km bis Langenwang) auf 6,3 %o reduzieren kann. Zusätzlich spart man sich die vielen aufwändigen Bogenweichen, den Geschwindigkeitsbruch (100 km/h in Mürzzuschlag) und hat kürzere Fahrzeiten. Auf Seite 144 der UVP wird die gewählte Variante als aus eisenbahnbetrieblicher Sicht ungünstigere Variante genannt. Geologisch (auch in Bezug auf Wasser) soll es dafür schwieriger gewesen sein. Mit dem jetzigen Wasserverlust kann man das natürlich im Nachhinein hinterfragen.

    Varianten bis Krieglach wurden nicht geprüft, da: "Der Verknüpfungsbahnhof Krieglach liegt außerhalb des durch den Projektauftrag definierten Planungsauftrages"
  • KFNB X schrieb:

    Ob es eine unterirdische Station gegeben hätte, ist natürlich fraglich.
    Soweit ich mich erinnern kann, war in Mürzzuschlag eine Station in 40 m Tiefe geplant, dagegen leifen die Mürzzuschlager Sturm, nicht zuletzt auch aus ihrer Eisenbahntradition heraus. Nicht vorstellbar für viele, dass von den einst ausgedehnten Bahnanlagen nichts mehr zu sehen sein sollte.
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • grubenhunt schrieb:

    Wobei der Tunnel nicht viel kuerzer geworden waere. Nach Langenwang sinds von Gloggnitz z.B. 5km mehr als nach MZ.
    Mürzzuschlag - Langenwang sind 7 km, der Tunnel wäre aber nur rund 3 km länger geworden (30,xx km).

    Durch den Geschwindigkeitsbruch im Mürzzuschlag sind es aber Fahrzeitunterschiede im Minutenbereich (Pfaffensattel 17:33, kürzeste Variante 14:49!).
  • 2 Minuten 44 länger... naja, damit können wir ja wohl leben. Vor allem, da eine Aufgabe des Fernverkehrsknotens Mürzzuschlag schon schwer rüberzubringen wäre. Die Stadt hat derzeit eine stündliche Direktverbindung an Wien und Graz. Mit einem Schlag das zu verlegen - und wenn auch nur 2 Stationen mit der S-Bahn - würde sich kaum vertreten lassen, schätze ich.

    Und die 2 Minuten 44 Sekunden Unterschied sollten auch kein Problem sein, deswegen wird keiner den Zug nicht nehmen.