[München] Fahrzeug- und Mitarbeitermangel: Fahrplanausdünnungen bei der S-Bahn

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  • [München] Fahrzeug- und Mitarbeitermangel: Fahrplanausdünnungen bei der S-Bahn

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    12.09.2019, 10:15 Uhr
    Weniger S-Bahnen im Münchner Umland – Landrat pocht auf Zusagen
    Die Bahn hat angekündigt, dass im Münchner Umland bis Dezember bei S3 und S8 sämtliche Taktverstärker-Züge ausfallen. Aus Sicht von Landrat Göbel ist das "ein Schlag ins Gesicht". Er pocht auf die vom Freistaat zugesagten 15 Millionen Euro jährlich.

    Nach der Ankündigung der Deutschen Bahn, dass über Monate S-Bahnen im Münchner Umland ausfallen, wendet sich der Landkreis München an den Konzern und die Staatsregierung. "Ich appelliere mit Nachdruck an S-Bahn und Freistaat, die Situation schnell in den Griff zu bekommen und nicht nur den Status quo wiederherzustellen, sondern sich auch an die Umsetzung der getätigten Zusagen zu machen", fordert Landrat Christoph Göbel (CSU) in einer Pressemitteilung.
    Landrat prophezeit Verkehrskollaps "auf Schiene und Straße"
    "Statt der versprochenen Taktverdichtung werden jetzt sogar Züge gestrichen. Das wird den Verkehrskollaps noch weiter verstärken – und zwar auf Schiene und Straße", ist sich der Landrat sicher. Die Nachricht sei ein "Schlag ins Gesicht".
    Verschlechterungen auf S3, S8, S2 und S20
    Die Bahn hatte mitgeteilt, dass zunächst bis Dezember bei der S3 und der S8 sämtliche Taktverstärker entfallen, die in den Hauptverkehrszeiten einen 10-Minuten-Takt gewährleisten. Auch auf den Linien S2 und S20 sollen einzelne Züge entfallen. Als Gründe nannte die Bahn fehlende Fahrzeuge und Mitarbeiter, Bauarbeiten auf dem Werksgelände und veränderte Wartungsintervalle.
    Umrüstung der ET-420-Züge dauert länger als geplant
    Dazu kommt: Die Umrüstung der dickbauchigen ET-420-Züge aus der letzten S-Bahn-Generation, die in den 90-er Jahren gebaut wurden, dauert zu lange. Mehr als 30 dieser alten Züge hat die Bahn von anderen S-Bahnsystemen im Rhein-Main-Gebiet sozusagen zusammengesucht. Weil diese aber jahrelang auf Abstellgleisen oder in Depots herumgestanden sind, dauert es länger, sie wieder flott zu machen und ihnen die Leit- und Sicherheitstechnik zu verpassen, die sie brauchen, um auf der Münchner Stammstrecke zu fahren.
    Göbel erinnert an Zusage von Ex-Verkehrsministerin Aigner
    Landrat Göbel verwies darauf, dass der Freistaat vor knapp einem Jahr in Person der damaligen Verkehrsministerin und heutigen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich zugesichert hatte, um auf den Außenästen der S-Bahn einen durchgehenden 20-Minuten-Takt zu realisieren. Stattdessen verschlechtere sich der Fahrplan. In heute schon übervolle Züge würden nun noch mehr Menschen drängen. "Wer kann, wird über kurz oder lang aufs Auto umsteigen – und in einem noch längeren Stau als gewöhnlich stehen", so Göbel.
    Mit Blick aufs Oktoberfest, bei dem viele Besucher mit der S-Bahn aus dem Umland kommen, hat die Bahn versprochen, dass die Züge für den Sonderverkehr noch reichen.

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    dr. bahnsinn - der Forendoktor
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    13.09.2019, 17:42 Uhr

    Krisentreffen zu S-Bahn-Ausfällen: Züge aus anderen Städten?
    Unter dem Eindruck der geplanten Zug-Streichungen bei der Münchner S-Bahn hat ein schon länger angesetztes Krisengespräch mit der Bahn stattgefunden. Möglicherweise sollen Züge aus anderen Städten geliehen werden, um die Kürzungen zu verhindern.
    Die Bayerische Eisenbahngesellschaft habe deutlich gemacht, dass das Thema bei der Bahn "ganz oben" angekommen sei, sagte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der als Sprecher der Verbundlandkreise des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) bereits im Juni, also vor den aktuellen Zug-Streichungen, zu dem Treffen eingeladen hatte.
    "Symbol einer insgesamt desolaten Situation"
    Bei der Suche nach Lösungen solle geprüft werden, ob S-Bahnen aus anderen Städten ausgeliehen werden. Die aktuellen Probleme seien "ein Symbol einer insgesamt etwas desolaten Situation, die wir bei der S-Bahn haben". Zwar habe sich in den vergangenen Jahren vieles verbessert, "aber die Versäumnisse aus der Vergangenheit - S-Bahn nicht erweitert, Netz nicht erweitert, Stellwerke nicht saniert - rächen sich jetzt".
    Bahn richtet Krisenstab ein
    Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sagte: "Auf unser Drängen hat die Bahn einen Krisenstab eingerichtet. Wir erwarten, dass in der kommenden Woche das Ersatzkonzept steht und konkrete Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden."
    Münchner OB Reiter nimmt Söder in die Pflicht
    Neben dem Krisentreffen fand auch eine Verbundratssitzung des MVV statt, bei der Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) seinem Unmut über die S-Bahn-Kürzungen Luft machte. Es handele sich um eine "nicht zu akzeptierende Zumutung für die sowieso schon leidgeplagten S-Bahn-Pendlerinnen und -Pendler", so Reiter. Der für die S-Bahn zuständige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) müsse dafür sorgen, dass sich der Zustand schnellstmöglich verbessert.
    Taktverstärker sollen entfallen
    Unter anderem wegen fehlender Fahrzeuge sollen bis Dezember bei den Linien S3 und S8 die sogenannten Taktverstärker entfallen, die in der Hauptverkehrszeit den Fahrplan auf einen 10-Minuten-Takt verdichten statt der üblichen 20 Minuten oder mehr. Zusätzlich sollen bei der S2 und der S20 einzelne Züge entfallen.
    Ministerpräsident droht mit Vertragsstrafen
    Söder sagte dem "Münchner Merkur", die Bahn müsse "rasch ein Ersatzkonzept vorlegen". Er erwarte eine zeitnahe Lösung.
    Grüne machen die Staatsregierung verantwortlich
    Der mobilitätspolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Markus Büchler, machte die Staatsregierung für Misstände bei der Münchner S-Bahn verantwortlich: "Das Schreckensszenario auf den S-Bahn-Linien 3 und 8 (...) verdanken wir einer katastrophalen Verkehrspolitik aus dem Hause Söder". Die Staatsregierung habe jahrzehntelang den Ausbau der S-Bahn vernachlässigt "und das System auf Verschleiß gefahren".

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