[DE] Nahverkehr in Geldnöten

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    Öffentlicher Nahverkehr:Kaputtgesparter Klimaretter?
    Stand: 13.09.2019 09:52 Uhr

    Für eine Verkehrswende müsste der ÖPNV verbessert werden. Doch in vielen Städten sind Bahnen, Schienen und Infrastruktur marode. Verkehrsforscher drängen auf einen radikalen Wandel.
    Von Philipp Wundersee, WDR
    Volker Wiebels von der Stadt Mülheim an der Ruhr formuliert es diplomatisch: "Gemessen am Fahrgastaufkommen ist der ÖPNV in Mülheim an der Ruhr entwicklungsfähig." Es sollen ganze Linien verschwinden, der Takt soll ausgedünnt werden und die Stadt will Haltestellen der U-Bahn abschaffen.
    Der Grund für die Sparpläne der Stadt: Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bedeutet für Mülheim in Nordrhein-Westfalen hohe Ausgaben. "Der ÖPNV kostet unserer Stadt circa 60 Millionen Euro im Jahr. Als Kommune freuen wir uns über jede Unterstützung bei der Erfüllung unserer Aufgaben", sagt Wiebels. Blicke man in die nahe Zukunft, werde der Zustand der Infrastruktur und die Erfüllung der Brandschutzauflagen in den nächsten Jahren weiter hohe Kosten verursachen.


    Aber wie soll eine Verkehrswende gelingen, wenn systematisch am ÖPNV gespart wird? "Aus unserer Sicht wurde in den vergangenen Jahren zu wenig in die Infrastruktur, aber auch die Modernisierung der Fahrzeugflotte investiert", kritisiert Daniel Rieger vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der Verkehrsexperte appelliert an die Bundesregierung: "Die Verkehrswende ist nicht nur eine Aufgabe der Städte und Kommunen, sie ist in wesentlichen Teilen eine Bundesaufgabe."

    Verkehrsinfrastruktur unterfinanziert
    Elf Millionen Fahrgäste sind im ÖPNV in Deutschland im Jahr unterwegs, Tendenz steigend. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagt: "Die kommunale Verkehrsinfrastruktur ist dramatisch unterfinanziert, es gibt hier einen Investitionsstau von über 38 Milliarden Euro." Er fordert zusätzliche Mittel von 20 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren, um den ÖPNV in den Städten zukunftsgerecht aufzustellen.
    Aber es brauche nicht nur mehr Geld, sondern auch ein Umdenken, sagt NABU-Experte Rieger. "Das Auto ist ein Fremdkörper in der Stadt und muss konsequent zurückgedrängt werden", erklärt er und fordert weniger Parkplätze und deutlich höhere Parkgebühren in den Städten. Gleichzeitig sollten sichere Fuß- und Radwege, ein günstiger und zuverlässiger ÖPNV sowie die Anbindung insbesondere der Randlagen dabei helfen, dass Menschen in Zukunft häufiger den ÖPNV nutzen.
    Thorsten Koska vom Wuppertal Institut ergänzt, dass bei den Verkehrsplanern in den vergangenen Jahren zu viele Stellen abgebaut wurden. "In den Kommunen, aber auch auf Landesebene, fehlt es nun an Verkehrsplanern, die die vielen notwendigen Projekte einer Verkehrswende schnell auf den Weg bringen können", sagt er.

    Den Platz für das Auto reduzieren
    Damit die Menschen häufiger das eigene Auto stehen lassen, müssen die Städte radikal umdenken. "Man muss den Platz für das Auto reduzieren", ist Koska überzeugt. Eine Radspur oder Busspur ersetze dann eine Auto-Fahrbahn, eine Abstellanlage für zehn Fahrräder einen Parkplatz für Autos. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den begrenzten öffentlichen Raum in den Städten neu aufteilen", sagt Städtetag-Hauptgeschäftsführer Dedy.
    Noch werde dem Auto in der Stadt viel Platz zugestanden. Ein Umbau kostet die Städte Geld, aber es wäre laut NABU eine sinnvolle Investition. "Am Ende käme uns der Klimawandel mit seinen Folgewirkungen ohnehin um ein Vielfaches teurer zu stehen. Von daher kann nur von einer guten Investition gesprochen werden", so Rieger vom NABU.
    Die Bürger in Mülheim scheinen die Sparpläne nicht gutzuheißen. Bei Bürgerversammlungen haben sie immer wieder deutlich gemacht, dass sie Sorge haben, abgehängt zu werden. Das wäre am Ende nicht nur schlecht für die Bürger der Stadt - sondern auch für das Klima.

    www.tagesschau.de
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