[ORF Wien] Parkpickerl animiert betroffene Bewohner zu mehr Kurzfahrten

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • [ORF Wien] Parkpickerl animiert betroffene Bewohner zu mehr Kurzfahrten

    So hat das Parkpickerl auch seine Schattenseiten:

    Studie: Parkpickerl führt zu mehr Kurzfahrten

    Die Einführung des Parkpickerls in Währing und Favoriten hat Wirkung gezeigt. Es gibt mehr freie Parkplätze und weniger Pendlerverkehr. Doch eine neue Studie der Stadt zeigt auch: Mehr Menschen aus den Bezirken nutzen für kürzere Fahrten wieder das Auto.

    Online seit heute, 10.47 Uhr Der Grund ist simpel: Weil Pendlerinnen und Pendler wegfallen, finden Anrainerinnen und Anrainer leichter einen Parkplatz. Seit Einführung der Kurzparkzonen – in Favoriten im September 2017, in Währing ein Jahr zuvor – ist die Auslastung der Stellplätze deutlich zurückgegangen.
    Ein Drittel der Parkplätze in Währing nicht belegt
    Laut einer Studie, die im Auftrag der MA 18 (Stadtentwicklung) von ZIS+P Verkehrsplanung durchgeführt wurde, waren vor Einführung vormittags in Favoriten 81 Prozent und in Währing sogar 90 Prozent aller Stellplätze belegt. Der Anteil sei mittlerweile auf 62 Prozent (Favoriten) und 70 Prozent (Währing) zurückgegangen, zitierten „Die Presse“ und der „Kurier“ die Erhebung am Freitag.
    Laut Studie sind die allermeisten abgestellten Autos in Währing Pkws von Anrainern, die ein Parkpickerl haben. Nur fünf Prozent der Pkws haben entweder einen Parkschein oder ihre Besitzer bezahlen via Handyparken. Von allen in Währing geparkten Autos hatten nur sechs Prozent kein Wiener Kennzeichen – und zwar auch abends (20.00 bis 22.00 Uhr), wenn man gratis parken kann. In Favoriten ist die Lage sehr ähnlich.
    Kurze Wege werden nun öfters mit Auto erledigt
    Die Einführung der Kurzparkzonen führte aber in beiden Bezirken auch zu Entwicklungen, die weniger im Sinn der rot-grünen Verkehrspolitik sind: Da es wieder leichter ist, einen Parkplatz zu finden, nutzen wieder mehr Währinger und Favoritner ihr Auto für kürzere Fahrten innerhalb des Bezirks. „Die jetzt frei verfügbaren Stellplätze“, heißt es in der Studie, haben „wieder neue Pkw-Fahrten generiert“.
    Für die kurzen Strecken werden an und für sich von der Stadt die öffentlichen Verkehrsmittel, das Rad und der Fußweg propagiert. Währing fordert deshalb kleinere Bereiche, in denen das Parkpickerl gilt. Ob und welche Änderungen in diesem Zusammenhang kommen werden, ist noch offen.
    Generell arbeitet die rot-grüne Stadtregierung derzeit an einer Neuregelung der Parkraumbewirtschaftung. Die aktuelle Studie zeigt noch einen Effekt des Parkpickerls. Mehr Bezirksbewohnerinnen und Bewohner parken wieder auf der Straße, weil das günstiger ist als ein privater Garagenplatz.
    red, wien.ORF.at/Agenturen
    dr. bahnsinn - der Forendoktor
  • dr. bahnsinn schrieb:

    Weil Pendlerinnen und Pendler wegfallen, finden Anrainerinnen und Anrainer leichter einen Parkplatz.
    Gott sei Dank finden sie nicht Parkplätzinnen und Parkplätze, die Pendlerinnen und Pendler und Anrainerinnen und Anrainer.

    Sauvertrottelte Schreiberei!!

    Ich weiß, daß ich nicht Dr. Bahnsinn zitiere, sondern ORF Wien, aber die Zitiererei hier ist schwierig umzugestalten.
    Wer Flixbus fährt, ist selber schuld.
  • Die bezirksweisen Parkpickerl sind aus der analogen Zeit. Heutzutage wäre z.B. 500 m um den Wohnort eine Option. Bei den Parkpickerl mit RFID-chip keine Herausforderung für die Lesegeräte. Der Wohnort muss ja nicht "lesbar" sein, sondern eine rot / grün Ampel vom Server wäre ausreichend.

    Aber das wird sicherlich nicht kommen, der Bürgermeister träumt ja sogar von Parkerlaubnisse bei den Schulen. <X
  • Irgendwie der gleiche Themenkreis, auf derstandard.at gefunden, ich kam beim Lesen aus dem Staunen nicht mehr heraus...


    WIEN
    Begegnungszonen sind gut fürs Geschäft

    Wiener Wirtschaftskammer
    war vehement gegen "Mahü neu", fordert nun aber zahlreiche ähnliche Projekte in allen Bezirken
    Gudrun Springer
    18. Oktober 2019, 16:01

    Wien – Die Umwandlung der Mariahilfer Straße in eine Begegnungszone war ein Schreckgespenst für die Wiener Wirtschaftskammer (WKW), man war vehement dagegen. Inzwischen ist die "Mahü neu" mehr als vier Jahre alt – und die Kammer hat radikal den Kurs gewechselt: Alexander Biach, in der WKW als Standortanwalt für Infrastrukturprojekte zuständig, trat am Freitag als großer Fürsprecher solcher verkehrsberuhigten Zonen auf.

    Wie kommt‘s? Biach zufolge sind die regional- und volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Umwandlung in Areale zum Verweilen dermaßen positiv, dass er für zahlreiche weitere solche Zonen in der Stadt plädiert. In dem Bericht "City-Projekte" legt Biach dar, wie sich die Umgestaltung von Straßen und Plätzen im ersten Bezirk auf Kaufkraft und Jobs auswirken. Anhand bereits umgesetzter Projekte wurde hochgerechnet, welche Effekte noch in der Zukunft liegende Umgestaltungen bringen werden.

    Konkret geht es um die Oberflächensanierung am Stephansplatz (2016/17). Weiters um die 2016 zur Begegnungszone umgebaute Herrengasse, sowie um die derzeit noch knapp vier Wochen laufende Umgestaltung der Rotenturmstraße – ebenfalls in eine Zone, in der Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichberechtigt sind. Plus zwei noch in der Zukunft liegende Projekte: die Modernisierung des Michaelerplatzes und die Umgestaltung des Schwedenplatzes.


    Jährliche Wertschöpfung

    Laut WKW, die sich eines Rechners der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaft (GAW) zur Bewertung der volkswirtschaftlichen Effekte bediente, bringen diese Zonen nach ihrer Fertigstellung insgesamt 9,1 Millionen Euro Wertschöpfung im Jahr und 122 Jobs. Allein in der Herrengasse gebe es eine jährliche Wertschöpfung von 1,1 Millionen Euro. Alle fünf Projekte zusammen sollen für die Dauer der Bauphase zudem 277 Arbeitspläze geschaffen haben oder schaffen und dem Staat 14,8 Millionen Euro an Steuern und Abgaben bringen.



    "Biach plädiert nun für die Schaffung einer "jährlichen Grätzelmillion" für jeden Bezirk, zweckgebunden für gestalterische Projekte in der Erdgeschoßzone und im öffentlichen Raum. "Es soll ein Wettstreit der Stadtzentren entstehen", sagt der Standortanwalt. Geeignete Finanzierungsmodelle seien Public-Private-Partnerships (PPP).

    Parken verliere an Bedeutung

    Auch in Einkaufsstraßen wie der Josefstädter Straße oder der Alser Straße seien ähnliche Umbauten denkbar, allerdings müsse die Straßenbahn als wichtiger Frequenzbringer unbedingt erhalten bleiben. "Die Parkplatzfrage" verliere in Städten hingegen "zunehmend an Bedeutung", zeigte sich Biach überzeugt.
    Dieter Steup, als WK-Bezirksobmann Ansprechpartner für die von den Umbauten im Ersten betroffenen Unternehmer, stimmte zu, dass eine gute Kommunikation und die Einbindung aller Beteiligten wesentlich für das Gelingen der Umgestaltungsmaßnahmen sei. Steup erzählt, ein Burger-Anbieter, der in der Mariahilfer Straße und in der Rotenturmstraße eine Filiale habe, sei erfreut über die aktuelle Umgestaltung im 1. Bezirk. Denn: Er mache in der Mahü seit der Sanierung um 30 Prozent mehr Gewinn.


    "Straße viel schöner"

    Eine kleine STANDARD-Befragung von Geschäftsleuten in der seit Juni im Umbau befindlichen Rotenturmstraße zeigt, dass man sich zwar über den Baustellenlärm ("laut", "nervig") ärgert und dass es mindestens einen Monat deutlich weniger Kundenfrequenz gegeben habe. Der Umbau sei aber eine "Aufwertung", die Straße nun "viel schöner". (Gudrun Springer, 18.10.2019)




    Natürlich handelt es sich um altbekannte Fakten, die jedem Urbanisten und Verkehrswissenschaftler (und somit auch mir) bekannt sind, nur, dass die bis jetzt in diesen Dingen faktenfrei argumentiernde Wirtschaftskammer die Tramway als Frequenzbringer erkennt : Es geschehen Zeichen, Wunder und Erleuchtungen, vielleicht sitzt der heilige Aloisius nicht mehr im Hofbräuhaus sondern hat sich von München nach Wien verirrt und im göttlichen Auftrag nicht die Bairische Staatsregierung sondern die Wiener Wirtschaftskammer heimgesucht...

    für diejenigen, die mit der Anspielung nix anfangen können : ... und die Wirtschaftskammer bis heute auch ...

    Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von grubenhunt ()

  • Faszinierend. Anscheinend ist man eben auch lernfähig, zumal sich zeigt, dass auch grüne Wirtschaftspolitik durchaus fruchten kann.

    Ich kann mir noch einige Orte vorstellen, die man zu Begegnungszonen umbauen könnte. Die Vorstellung, eine Straße von den parkenden und fahrenden Autos befreit zu bekommen, ist schon ziemlich entzückend.