[DE] Die DB hat ein Aufzugssproblem

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    Defekte Aufzüge bei der Bahn: Endstation Bahnsteig
    Stand: 05.12.2019 09:03 Uhr

    Wer mit schwerem Gepäck reist oder auf den Rollstuhl angewiesen ist, braucht Aufzüge in Bahnhöfen. Doch oft sind diese außer Betrieb. Eine Datenanalyse des BR zeigt, dass es sich um keine Einzelfälle handelt.
    Von Elisa Harlan, Niels Ringler, Maximilian Zierer, Maximilian Richt und Claudia Wörner, BR
    In Bahnhöfen in ganz Deutschland fallen täglich Aufzüge aus, viele sind für Wochen oder sogar Monate außer Betrieb. Das geht aus einer Datenauswertung des Bayerischen Rundfunks hervor. Betroffen sind nicht nur kleine S-Bahn-Stationen oder Bahnhöfe auf dem Land, sondern auch Verkehrsknotenpunkte wie der Frankfurter Hauptbahnhof.

    Die Auswertung zeigt außerdem: Knapp die Hälfte der rund 2000 Fahrstühle fiel im untersuchten Zeitraum von 365 Tagen insgesamt mindestens eine Woche lang aus. Viele sogar deutlich länger: Etwa 300 Aufzüge, knapp 15 Prozent, waren in dem Zeitraum zusammengerechnet vier Wochen oder länger außer Betrieb.
    Für die Datenauswertung haben die Journalisten von BR Data ein Jahr lang - zwischen August 2018 und November 2019 - alle fünf Minuten in der Zeit von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr den Status aller Aufzüge der Deutschen Bahn aufgezeichnet. Diese Daten werden von der Bahn selbst bereitgestellt: Das Unternehmen hat seine Fahrstühle mit Sensoren ausgestattet, die messen, ob ein Aufzug funktioniert oder nicht. Diese Informationen sind öffentlich zugänglich, zum Beispiel über eine Bahn-App für barrierefreies Reisen.

    Was es bedeutet, wenn ein Aufzug immer wieder kaputt ist, weiß Josef Dittrich. Der Rentner aus Gröbenzell bei München trägt eine Prothese am rechten Fuß, Treppensteigen ist ein Kraftakt. An mehreren Bahnhöfen in seiner Umgebung waren die Fahrstühle immer wieder defekt, in München-Lochhausen sogar für 40 Tage im untersuchten Zeitraum.
    In seinem Heimatort ist der Rentner beim Sozialverband VdK aktiv. Sein Ortsverband hat sich zusammen mit anderen Verbänden in einem Brief bei der Deutschen Bahn beschwert. Passiert sei bisher nichts, sagt Dittrich. Immerhin: Gerade funktioniert der Aufzug.
    Die Bahn kennt das Problem
    Laut Deutscher Bahn gehören Vandalismus und technische Störungen zu den häufigsten Ausfallursachen von Aufzügen. Der BR hat dem Unternehmen die Ergebnisse der Datenauswertung vorgelegt.
    Auf die Frage, wie man die Probleme bei den Aufzügen in den Griff bekommen möchte, antwortet die Bahn eher allgemein: "Wir wissen auch, dass jeder Aufzug, der nicht funktioniert, ein Ärgernis für unsere Reisenden ist. Deshalb sorgen wir dafür, diese Ausfälle zu reduzieren und Reparaturen möglichst rasch mit möglichst wenig Einschränkungen für unsere Kunden vorzunehmen."
    Demo gegen defekten Aufzug in Bayern
    Die Erfahrung, dass die Reparatur der Fahrstühle schnell vorangeht, hat man in der Gemeinde Hebertshausen in Oberbayern nicht gemacht. Dort stand der einzige Aufzug zum Gleis zuletzt mehrere Wochen still. Rollstuhlfahrer, Reisende mit schwerem Gepäck oder Eltern mit Kinderwagen waren so auf die Hilfe anderer Fahrgäste angewiesen oder mussten auf andere Bahnhöfe ausweichen.
    Anwohnerin Anja Kittlitz hat deshalb kürzlich eine spontane Demonstration organisiert, um die Deutsche Bahn zum Handeln zu bewegen. Mehr als 70 Bürgerinnen und Bürger sind gekommen. Kurz darauf funktioniert der Aufzug wieder, doch Anja Kittlitz ist skeptisch, ob das Problem dauerhaft gelöst ist: "Ich kann mir tatsächlich fast nicht vorstellen, dass es das jetzt gewesen ist."
    Eine "große Missachtung der Verpflichtung zur Inklusion"
    Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention besagt, dass es allen Menschen möglich sein muss, Transportmittel zu nutzen. Dass man auch zehn Jahre nach deren Unterzeichnung mit der Deutschen Bahn über funktionierende Aufzüge diskutieren müsse, zeuge von einer "großen Missachtung der Verpflichtung zur Inklusion", so Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, im BR-Interview. Bentele fordert strengere gesetzliche Regelungen, sodass Reisende eine Entschädigung für defekte Aufzüge einfordern können.

    Damit Fahrgäste wenigstens nicht unvorhergesehen vor einem kaputten Fahrstuhl stehen, empfiehlt die Behindertenbeauftrage der Deutschen Bahn, Ellen Engel-Kuhn, vor dem Reiseantritt die App der Deutschen Bahn für barrierefreies Reisen zu nutzen: "Dort kann der Kunde dann schauen: Ist der Aufzug funktionsfähig oder nicht und dann entsprechend seine Route planen", sagt sie im BR-Interview. Doch für viele Reisende bedeutet das: Sie wissen zwar, dass der Aufzug nicht funktioniert, doch vom Fleck kommen sie nur schwer.

    www.br.de
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