Zugreise durch Südkorea: Schnell, günstig, pünktlich – auf die Bahn ist hier Verlass

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  • Zugreise durch Südkorea: Schnell, günstig, pünktlich – auf die Bahn ist hier Verlass

    Falls wer von Euch am Wochenende noch nichts vor hat... ;)
    gelesen auf welt.de

    Zugreise durch Südkorea
    Schnell, günstig, pünktlich – auf die Bahn ist hier Verlass

    Südkorea lässt sich ideal per Zug erkunden. Mit dem Korail-Pass können Urlauber ein über 4000 Kilometer langes Streckennetz nutzen, auf dem Highspeedzüge ebenso unterwegs sind wie Touristenbahnen.

    Stand: 07:30 Uhr | Lesedauer: 7 Minuten
    Von Sven Schneider



    Erst ein Kommentar von Sitznachbarin Jana offenbart, dass im KTX von Seoul nach Busan etwas fehlt. Bei einem Blick aus dem Fenster überkommt sie schlicht und ergreifend der Hunger. „Die Bäume auf den Hügeln dort sehen aus wie Brokkoli“, findet sie. Dicht, sattgrün und irgendwie lecker.

    Doch das kulinarische Bedürfnis kann sie nicht stillen, denn ein Bordbistro wie in einem deutschen Schnellzug gibt es nicht. Ein Snackautomat mit Müsliriegeln, Nüssen und Wasser pro Abteil muss reichen.
    Ein Wermutstropfen, schließlich bewirbt das Staatsunternehmen Korail seine Highspeedzüge als „First Class“ – doch ein wenig mehr Luxus dürfte es dann neben komfortablen Sitzen, freiem WLAN, sauberen Abteilen und einer reibungslosen Buchung doch noch geben.

    An Bord des KTX-Schnellzugs gibt es freies WLAN, statt eines Bistros aber nur Snack- und Getränkeautomaten
    Quelle: Bloomberg SeongJoon Cho

    Aber der Geschwindigkeitsrausch auf der Gyeongbu-Linie (Seoul–Daejeon–Dongdaegu–Busan) entschädigt. Die 417 Zugkilometer entfernte Hafenmetropole am Ostmeer wird in nur zweieinviertel Stunden erreicht. In der Regel ohne Verspätung, die Zugfrequenzen sind intelligent getaktet.

    Der Hochgeschwindigkeitszug brachte ein umfassendes Netz

    Diese KTX-Strecke ist die erste, die vor fast genau 20 Jahren, am 16. Dezember 1999, eröffnet wurde. Ein neues Zeitalter der Mobilität brach für Südkorea an. Aus eher ökonomischen Gründen, wie unser Begleiter Byeong-cheol Gang sagt, der sich der Einfachheit halber nur Charlie nennt. „Effizienz und Schnelligkeit waren wichtig für die Wirtschaft“, so der Pensionär, der aufgrund seines Ingenieurstudiums in Württemberg hervorragendes Deutsch spricht.

    Der KTX, ein Derivat des französischen TGV, war die Lösung. Mit diesem Hochgeschwindigkeitszug wurde ein Highspeedzugnetz geschaffen, das das ganze Land abdeckt und nicht nur koreanische Arbeiter und Manager rasant und exakt nach Fahrplan zum ihrem Ziel bringt.

    Quelle: Infografik WELT

    Auch Nichtkoreaner wie wir profitieren, denn die Züge sind eine ideale und obendrein umweltschonende Fortbewegungsart, das Land zu erkunden. Zumal die koreanische Staatsbahn Korail ein spezielles Reiseangebot offeriert: Mit dem Korail-Pass können ausschließlich Ausländer das gesamte 4087 Kilometer messende Streckennetz von Korail nutzen – und zwar nicht nur die KTX-Schnellzüge.

    Auch die langsameren Bahnen wie der ITX, Saemaeul, Mugunghwa, Nuriro sowie einige Touristenzüge stehen den Passinhabern frei. Dabei ist es egal, ob man die Züge an aufeinanderfolgenden Tagen nutzt oder je nach Ticketvariante zeitlich entzerrt, um sich so viel Aufenthalt wie möglich am jeweiligen Ziel zu gönnen.

    Züge mit Panoramaglasscheiben locken Touristen

    Wer beispielsweise die Inlandsregionen Gangwon-do oder Gyeongsangbuk-do entdecken will, nimmt den O-Train und zockelt mit maximal 150 Kilometer pro Stunde durch die Gegend. Reizvoll ist auch der Küstenzug Seatrain, der auf einer nur 58 Kilometer langen Trasse von Gangneung nach Samcheok direkt an der Ostküste entlangschnauft.


    Wartende am Bahnsteig der Gyeongui-Linie in die Demilitarisierte Zone
    Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

    Szenisch wird es auch mit dem V-Train, wobei das V für Valley steht. Die Züge rollen mit nur 30 Kilometer pro Stunde durch die Baekdudaegan-Schlucht, und Panoramaglasscheiben geben den Blick auf tiefe Täler und bewaldete Höhenzüge frei.

    Auch die Demilitarisierte Zone (DMZ) nördlich von Seoul ist beliebtes Ausflugsziel, ebenfalls mit dem Korail-Pass erreichbar: Seit 2014 verbindet der DMZ-Peace-Train der Gyeongui-Linie von Mittwoch bis Sonntag die beiden Städte Seoul und Dorasan, Abfahrt in Seoul ist jeweils um 10.15 Uhr.

    Ein südkoreanischer Soldat im farbenfroh gestalteten DMZ-Peace-Train
    Quelle: picture alliance / newscom

    Der Friedenszug ist ein wenig kitschig gestaltet mit seinen Blumenbildchen und aufgemalten händchenhaltenden Kindern, aber er führt bis 650 Meter an die DMZ heran. Ab hier bleibt nur ein Shuttlebus, um wirklich nah an die Grenze zu gelangen und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ins Reich zu schauen.

    Ausflug zu den Königsgräbern in Gyeongju

    Auch Charlie hat die DMZ schon oft besucht, erzählt er, als der Zug langsamer wird. Andere Orte wie Gyeongju, das nächste Ziel unserer Zugtour, werden dagegen bislang eher noch von wenigen Westlern angesteuert. Dabei verströmt die fast 2000 Jahre alte frühere Hauptstadt des Landes den Hauch eines traditionellen Korea, das Besucher in den Hochhausschluchten Seouls und Busans kaum noch vorfinden.
    Der Bahnhof wirkt nicht ganz so futuristisch wie der von Seoul. Hier verkünden keine hochmodernen 8K-Bildschirme die Abfahrtszeiten, sondern ältere, weniger superhochauflösende. Auch westliche und koreanische Bars und Fast-Food-Ketten fehlen. Ein Kiosk, ein Merchandise-Stand mit lächelnden Bären, das war’s.

    Auch die Attraktionen sind nicht fußläufig oder mit U-Bahnen erreichbar wie in den Metropolen, ein alter Niederflurbus oder Taxis müssen reichen, um zu den Relikten des Silla-Königreiches zu gelangen. Einige davon haben selbst die Koreaner erst vor wenigen Jahrzehnten wiederentdeckt.

    Unter den Erdwällen von Gyeongju liegen Könige des einstigen Silla-Reiches begraben
    Quelle: Sven Schneider

    So wurden die bis zu 30 Meter hohen Hügelkuppen, die sich überall in der Ebene von Gyeongju in den Himmel recken, lange für ganz normale Erdwälle gehalten. Doch es waren Gräber der Könige von einst, in denen Archäologen sagenhafte Schätze und Sarkophage fanden.

    Heute kann dieses Weltkulturerbe besichtigt werden – ganz ohne modernen Popanz wie Audioguides oder flimmernde Videoschautafeln. Hier reiht man sich noch in lange Schlangen von Koreanern ein, flaniert ein wenig zwischen den Grabhügeln hin und her und kann sich in Ruhe die nächsten Ziele überlegen.


    Ein Pavillon des Bulguksa-Tempelkomplexes, der Nationalschätze beherbergt
    Quelle: Sven Schneider

    Vielleicht der seit 1995 ebenfalls in der Unesco-Liste eingetragene buddhistische Bulguksa-Tempelkomplex, der gleich mehrere koreanische Nationalschätze beherbergt. Oder die in den Granitstein gehauene benachbarte Seokguram-Grotte direkt neben dem Tempel, in dem nicht nur Buddha, sondern auch zahlreiche Naturgeister hausen.

    Der Bahnhof in Busan mutet wie ein Airport an

    Wer sich nicht alles auf einmal zumuten will, der legt einfach einen Zwischenstopp in einem der zahlreichen traditionellen Hanok-Gasthäuser ein, um nach einer Nacht auf dem Boden – Betten gibt es nicht, nur Matratzen – die weiteren Reisepläne zu überdenken.

    Wir haben uns bereits entschieden: für Busan, eine weitere Metropole Ostasiens, für eine Mischung aus qualmenden Woks und Wolkenkratzern, die gar nicht so weit entfernt ist. Der KTX benötigt für die knapp 80 Kilometer Luftlinie zwischen Gyeongju und Busan gerade mal eine halbe Stunde – schneller geht’s nicht.

    Am Bahnhof von Busan ist wieder Hightech angesagt. Das 16 Jahre alte KTX-Terminal wirkt ähnlich wie sein Pendant in Seoul mit seinen Glasfassaden und eingebettet in ein geometrisches Stahlgerüst eher wie ein internationaler Airport als wie ein Zugbahnhof.

    Hier flimmern wieder die 8K-Bildschirme, warten Coffeeshops und Mini-Malls auf Kunden, die in aller Eile ihren Geschäften nachgehen. Nach der Gyeongju-Erfahrung kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus, und Charlie muss uns an die Hand nehmen, damit wir wegen unserer erhobenen Köpfe nicht mit hastigen Koreanern kollidieren.

    Nord- und Südkorea prüfen eine Bahnverbindung

    Als zweitgrößter Wirtschaftsstandort des Landes kennt Busan Hektik nur zu gut – ein Eindruck, den auch der Jagalchi-Fischmarkt im hafennahen Viertel Jung-gu verströmt. Zigtausende Besucher wuseln durch die Gänge mit den mehr als 2000 Händlern, um Fische und Meeresfrüchte einzukaufen, von denen die wenigsten Westler überhaupt wussten, dass sie existieren.



    Der Abschluss einer facettenreichen Zugtour durch Südkorea naht, und wie schön wäre es, nicht zurückzufliegen, sondern mit der Bahn nach Deutschland zurückzureisen. Theoretisch wäre das möglich, denn es gibt ja eine Schienenverbindung.

    Die ist allerdings an der innerkoreanischen Grenze blockiert. Immerhin prüfen Süd- und Nordkoreaner seit einiger Zeit zusammen, ob sich das Zugnetz der beiden koreanischen Staaten technisch und logistisch nicht doch irgendwann verbinden lässt.



    Wenn es so weit ist, könnte man tatsächlich mit der Bahn von Busan über Seoul und Pjöngjang nach China fahren und von dort über die Mongolei, Russland, Weißrussland und Polen schließlich bis Berlin. Ein paar Wochen müsste man für diese Route allerdings einplanen.


    Über die heute geschlossene Freedom Bridge kamen einst freigelassene Soldaten aus Nordkorea in den Süden
    Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com/dpa

    Tipps und Informationen

    Anreise: Asiana Airlines fliegt täglich nonstop von Frankfurt nach Seoul, alternativ etwa mit Finnair via Helsinki.
    Unterkunft: Seoul: „Lotte Hotel“: Literarisch angehaucht dank dem aus Goethes „Werther“ entlehnten Namen, Übernachtung im Doppelzimmer ab rund 180 Euro (lottehotel.com);
    Gyeongju: Hanok-Gästehaus „Hwangnamguan“: Geschlafen wird auf Matratzen, die Einrichtung ist spartanisch, aber traditionell, die Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück kostet ab gut 50 Euro pro Person (hanokvillage.co.kr);

    Busan: „Haeundae Grand Hotel“: Nahe dem Ufer, sehr gut und komfortabel ausgestattet, die wichtigsten Attraktionen sind fußläufig erreichbar, Übernachtung im Doppelzimmer ab rund 175 Euro pro Person (haeundaegrandhotel.com).

    Zug fahren: Der Korail-Pass wird für wahlweise zwei bis fünf Tage angeboten. Wie oft man in diesen Zeiträumen welchen Zug nimmt, ist freigestellt. Es gibt zwei Buchungsklassen: Consecutive Pass (für drei bis fünf aufeinanderfolgende Tage) und Flexible Pass (für zwei bis vier ausgewählte Tage.) Erwachsene zahlen zum Beispiel für einen Fünf-Tages-Consecutive-Pass umgerechnet 162 Euro, Kinder 81 Euro; wer zwei Tage auswählt, zahlt 93 Euro bzw. 47 Euro (letskorail.com).

    Pauschalreisen: Tischler-Reisen bietet eine siebentägige Privattour (ohne Guide) von Seoul über Gyeongju nach Busan, ab 952 Euro pro Person im Doppelzimmer ohne Flüge. Zugtickets der einzelnen Verbindungen sind enthalten (tischler-reisen.de). Bei Ameropa kostet eine zehntägige geführte Linienzugreise mit Verpflegung,Transfers, Ausflügen und Besichtigungen ab 3990 Euro pro Person, Flüge ab 850 Euro zubuchbar (ameropa.de).

    Auskunft: german.visitkorea.or.kr/ger/index.kto
    Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Koreanischen Fremdenverkehrsamt, von Asiana Airlines und Tischler-Reisen. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.de/unabhaengigkeit.
  • Draisinenfan schrieb:

    Zumal die koreanische Staatsbahn Korail ein spezielles Reiseangebot offeriert: Mit dem Korail-Pass können ausschließlich Ausländer das gesamte 4087 Kilometer messende Streckennetz von Korail nutzen – und zwar nicht nur die KTX-Schnellzüge.

    Auch die langsameren Bahnen wie der ITX, Saemaeul, Mugunghwa, Nuriro sowie einige Touristenzüge stehen den Passinhabern frei. Dabei ist es egal, ob man die Züge an aufeinanderfolgenden Tagen nutzt oder je nach Ticketvariante zeitlich entzerrt, um sich so viel Aufenthalt wie möglich am jeweiligen Ziel zu gönnen.
    Wieso kommt mir die Idee nur so bekannt vor? Gibts die leicht woanders schon fast 30 Jahre länger? Hmmm.....