[ORF] Wie zukunftsfit ist unsere Bahn?

  • Schön, dass man aufzeigt, dass Flugreisen nicht unbedingt immer so viel günstiger sind als ein Schlafwagenticket, aber dass man dann wieder die selben Typen wie immer holt, um über die ÖBB-Projekte zu berichten, das ist schon langweilig.

    Vor allem wie wenig Recherche betrieben wird. Mit der Koralmbahn werden eben gleichzeitig die Nebenbahnen ausgebaut, eine immense Steigerung der Attraktivität wird man auf der Linie Klagenfurt - Wolfsberg sehen. Der Regionalverkehr wird beschleunigt und auf E-Traktion umgestellt. Aber who cares? Man könnte ja stattdessen das Geld woanders stecken, was aber mangels Attraktivität - wegen mangelnder attraktiver Hauptstrecken - kaum Sinn ergibt. Aber auch auf der S-Bahn der GKB wird das ein entscheidender Schub sein. Schon jetzt kann sie ja eine Teilstrecke der Koralmbahn nutzen.

    Es ist immer schade, wenn Leute wie Knoflacher aber auch die Redaktion solche Aspekte gar nicht beachtet (oder haben sie sich nicht genug damit befasst?).

    Herr Kummer scheint auch die Tragweite von solchen internationalen Projekten nicht begreifen zu wollen. Wenn durch den Brenner-Basistunnel LKW-Fahrten auf die Schiene gebracht werden, dann ist das doch ein offensichtlicher Benefit für Österreich und insbesondere für das unter dem Transitverkehr leidende Tirol. Ich habe keine Titel, aber es ist traurig, wenn das jemandem wie Knoflacher oder Kummer nicht einfällt, wenn man sich zu Wort meldet.

    Und vor allem, als ob auch nur 1 Cent in Regionale Nebenbahnen gesteckt wird, würde man die großen Tunnelprojekte nicht bauen.

    Als ob auf der Laaer Ostbahn auch nur 1 Meter Ausbau stattfinden würde, als ob davon das Schweinbarther Kreuz noch in Betrieb wäre, um das auch gleich mitzunehmen.

    Also ich finde den Beitrag unbefriedigend.
  • Ich habe mir den Beitrag noch nicht angesehen, aber hatten wir nich vor kurzem genau die Konstellation? Mit den selben Argumenten? Wobei wir da durchaus unterschiedliche Sichtweisen haben. Z.B. dass ich schon davon überzeugt bin, dass das Geld - wenn auch vielleicht etwas weniger - dann sehr wohl in die bestehenden Nebenbahnen geflossen wäre. Und mit attraktiven Stationen und höheren Geschwindigkeiten (3 km gerade aus mit 60 bzw 55 km/h wäre mit wenig Geld zu beheben gewesen) könnte das Schweinbarther Kreuz durchaus noch betrieben werden.
  • Aber das Geld kann man auch so investieren. Und es gibt doch schon Attraktivierungsprogramme. Die Nordbahn, die auf 200 ausgebaut wird, ebenso die Strecke nach Bratislava, die Elektrifizierung nach Hermagor wäre auch erwähnenswert.

    In Nieder- und Oberösterreich hat man ja auch einiges an Elektrifizierung vor, also dass nichts in die Nebenbahnen gesteckt wird, wäre eine traurige Lüge.
    Auch beim Ausbau der Steirischen Ostbahn tut sich was. Also wirklich, die Aussage, der Tunnelbau würde zulasten von Nebenbahnen oder generell anderen sinnvollen Projekte gehen, ist so haltbar wie eine Packung Milch aus dem vorletzten Jahr. Warum diese Lüge immer wieder wiederholt wird, verstehe ich einfach nicht.

    Würde Niederösterreich wollen, hätten wir jetzt einen Ausbau im Schweinbarther Kreuz, wo eben auch Geschwindigkeiten von mehr als 60 km/h drin wären. Bloß wollten die nicht. Die wollten Busse und haben die Gelegenheit genutzt, die Schuld auf die ÖBB zu schieben.

    Das hat nichts mit den Tunnelprojekten zu tun, das hat mit mangelndem Willen zu tun.
  • Eine vernuenftige, zeitgemaesse Suedbahn sollte schon drin sein. Auch weil, wie JC schon feststellte, dadurch die Lavantalbahn, aber auch die Wieser Bahn einen grossen Sprung nach vor machen.

    Die Balance Erhaltung-Neubau ist in Oesterreich eh sehr ausgeglichen, ich wuesste kaum ein Land, wo das besser liefe. Man muss ja nur den Zustand des Bestands und die Streckeneinstellungen in anderen Laendern vergleichen.

    Das Schweinbarther Kreuz ist keine Geldfrage, das ist eine Frage des politischen Willens.
  • So ein schwacher Beitrag! Der stellt die Meinung von den zwei "Experten" der TU dar, und nicht viel mehr. Und überhaupt - nichts gegen die schöne Anlage - aber was hat die Modelleisenbahnanlage mit der Thematik von Bahnzukunft, Nachtzügen, Kapazitätssteigerungen und Neubaustrecken zu tun. Dass der Nachtzug die 14 Stunden (im Vergleich zu den 2 vom Flugzeug) nicht von 6 bis 20 Uhr unterwegs ist, sondern dass man den Großteil davon schläft, und effektiv z.B. von 21 - 23 und von 7 - 11 Uhr = 6 Stunden unterwegs ist, vergessen die "Experten" in ihrem Vergleich außerdem zu betonen. Dass die Nachtzüge nur 1% ausmachen, ist das eine; aber dass sie 20% des Umsatzes im FV ausmachen, ist das andere! Und ob die Bahn für die Fahrgaststeigerungen gerüstet ist? Natürlich ist sie das. Daran arbeiten hunderte, wenn nicht tausende Menschen in verschiedensten Branchen Tag für Tag (sei es das BMVIT, die Verkehrsverbünde, der PV, die Infra, die Siemens oder Bombardier). Aber die zwei Experten wissen es ja besser ...

    Kurz: Ein guter Beitrag schaut anders aus. Außer den Interviews so gut wie keine Recherche dahinter. Und diese negativ formulierten Fragen so im Raum stehen zu lassen, anstatt ausgeführte und geplante Verbesserungen positiv hervorzuheben ... das lässt den durchschnittlichen Zuschauer erst recht wieder im Auto sitzen.
  • Ich hab mich bei dem Beitrag auch an sehr vielen Aussagen gestoßen.
    Besonders zu den Nachtzügen wurde viel gesagt, das schlicht falsch ist. In gefühlt jedem Medienbeitrag über den Nightjet steht, dass die Nachtzüge Gewinne abwerfen, nur halt keine großen. Dass sie eine Art "Wohltäigkeitsaktion" sind, kann ja schon aus dem Grund nicht stimmen, dass die ÖBB im FV auf eigene Rechnung fahren muss, und die Nachtzüge sicher nicht bestellt werden (außer teilweise für Teilverbindungen vielleicht).
    Die Reisezeit zu vergleichen ist ebenso ziemlich sinnlos - wirkliche Nachtzugfans sagen sogar, man braucht überall eine Stunde hin: Eine halbe zum Einschlafen und eine halbe zum Frühstücken ;)
    Der Vergleich zwischen dem Schlafwagen-Preis (= High-end) und dem für ein Flugticket in der Economy mit Handgepäck ohne Essen (= Low-end) hinkt ebenfalls (abgesehen davon, dass man eine Nachtzugfahrt eigentlich zumindest anteilsweise auch als Nächtigung rechnen muss).
  • Zumindest in Österreich zahlt der Bund zumindest teilweise dazu, weil ja ohne die Nachtzüge trotzdem Züge fahren müssten, z.B. ab Wien um 21:30 und 22:55 nach Linz/Salzburg.

    Genau. Wer z.B. am Vormittag nach Brüssel fliegt, kann sich am Vormittag genauso wenig einen Termin ausmachen, wie der, der mit dem Nachtzug fährt. Dass mit dem Zug vormittags kein Termin geht, wird erwähnt. Mit dem Flugzeug - kein Wort darüber. Und ab Dezember soll der Zug ja eh früher ankommen. Dass die Ankunft derzeit zu spät ist, weiß die ÖBB eh selbst auch.

    Auch zum Preisvergleich: Recht hast! Das fällt uns auf, aber keinem durchschnittlichen Zuschauer...
  • Der Nachtzug Wien - Bregenz ist Teil des österreichsichen Fernverkehrs, der von der Republik bestellt wird. Ähnliches gilt für den Autotransport Graz - Feldkirch.

    Ohne diesen Zug könnte ein Vorarlberger nicht innerhalb eines Tages (auch nicht mit dem Flugzeug) nach Wien und zurück, weshalb ihn die öffentliche Hand als unabdingbar sieht und entsprechend mitbestellt. Womit eh schon genug über den zeitlichen Vorteil des Nachtzugs gesagt ist.

    Was Hrn. Knoflacher anbelangt, seine Theorien (und vor allem sein Verständnis für Eduard Lill und sein Reisegesetz) haben mich sehr viel über die Entwicklung des Verkehrs verstehen lassen, die Konsequenzen, die er daraus zieht, sind grundsätzlich auch nicht falsch, in der Radikalität Knoflachers (jede neue Infratsruktur ist schlecht) hingegen nichteinmal utopisch.